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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 59 (sequence 13)
Language
German
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59 emporzusteigen scheint und die Luft durchdringt mit ungeheurer Gewalt: „der König! der König!" Alls stolzem, reich geschmücktem und mit glänzendem Metall gezäumtem Schimmel ritt Boleslav. die Herzvgskrone noch auf dem Haupte, den wallenden Herzvgsmantel um die Schultern. Siegesfrvh, glückstrahlend, das schöne Haupt stolz empvrgehvben, blickte er auf das Volk hin, das ihm da begeistert zujubelt, und immer und immer von Neuem ihn als König begrüßte. Jetzt gab es kein Halten, kein Verwehren mehr. Durchbrochen wurden die Reihen der herzoglichen Diener, und alles Volk drängte zu Boleslav hin, ihm die Hände küssend, die Kleider, den Saum seines Mantels mit den Lippen berührend und in inbrünstiger Verehrung seine Füße küssend, glücklich, selig, ihn 'aus der Nähe gesehen und begrüßt zu haben, ihn mit den Fingerspitzen berührt zu haben, ihn, den über alles geliebten, vergötterten König. — Die Ceremonie war beendet; voll und tönend erklangen die Glocken und vermischten sich mit den brausenden Orgeltonen und geleiteten mit ihren Klängen den Zug, der jetzt aus dem Hauptportale der Kathedrale trat und seinen Weg durch die Straßen der Stadt nach dem Königspalaste nahm. Ernst und feierlich erschollen die Töne, und die Menschen, die Zeugen waren der herrlichen Handlung, waren' tief ergriffen, und eine Ahnung dämmerte in ihrer Brust, daß es etwas Hohes und Herrliches gäbe, und daß dieses Herrliche ihnen nahe war in diesem Momente, wo sich ihr tapferer junger Fürst die Krone seines ruhmreichen Ahnen auf sein Haupt gedrückt, wo sie ihn als ihren König begrüßt hatten. Jetzt waren die Ebeldamen aus der Kirche getreten. Gleich darauf schritt an der Seite des greisen Erzbischofs, der die Krönung vollzogen hatte, der König Boleslav. Das harrende Volk war in die Knie gesunken; Boleslav verharrte eine Weile zögernd an der Kirchenpforte, sein Blick schweifte über die zur Erde Gesunkenen hin, und ein freudiges Leuchten zuckte in seinen Augen auf. Das waren seine Polen, die sich da vor ihm neigten und ihn grüßten als den Stolz, als den Rnhm ihres Vaterlandes! Der Zug bewegte sich langsam unter den brausenden Jubelrufen des Volkes über den Platz hin. (Forts, folgt.) Kronele. (Lilre Erzählung von Alexander Weilt. X. olauge Kronele sich bemühte, ihre Freier zu entfernen, sah man auf ihren Gesichtszügen leine Spur von dem inneren Seelenschmerz; sobald aber dieser Kampf unnöthig ward, wurde sie tagtäglich blässer. Ihre Wangen furchten sich, um ihre Augen zog sich eine bläuliche Linie, eilt Zeichen der Erschlaffung, und bald mußte sie oft in der leichtesten Arbeit minutenlang innehalten und sich ausruhen. Frau Sommer hatte dies Unwohlsein früher als Frau Reich bemerkt, und mit der wahren Ursache nur zu wohl bekannt, schrieb sie folgenden Brief au Elias, dessen Adresse sie in Straßburg erkundigt hatte. „Mein Herr! „Sie kennen die Schreiberin dieses Briefes als eine ehrliche, schlichte Frau und als die einzige Freundin Kroneles, Ihres Zöglings. Sie glauben mir also, wenn ich Ihnen sage, daß ich Ihnen ohne Wissen meiner unglücklichen Freundin schreibe. Ich hübe lange gezögert, ehe ich mich selbst dazu entschloß; es handelt sich aber um das Wohl einer schönen Seele und einer treuen Freundin. Gebe Gott, daß mein Entschluß zum Guten ausfalle! Mein Herr! Seitdem Sie unser Dorf verlassen haben, weiß Jedermann, daß Kronele Sie liebt; Niemand aber weiß, ob Sie dieselbe lieben oder je geliebt haben. Nicht einmal ich, ihre einzige und beste Freundin. Sollten Sie ein schlimmes Spiel mit ihr getrieben haben? Wars möglich, daß Sie sich den Anschein gaben, ein junges, unschuldiges Mädchen zu lieben, ohne für sie etwas Heiliges zu empfinden? In diesem Falle ist es Ihre Pflicht, mir es zu gestehen. Ich weiß, die Welt verzeiht solche Fehler leicht. Oder haben Sie wirtlich meine Freundin geliebt und seitdem vergessen - denn „Aus den Allgen, aus dem Sinn", sagt das Sprichwort nun, so ist es ebenfalls Ihre Pflicht, mir die Wahrheit zu sagen. Denn ich darf, ich muß Ihnen wohl gestehen, daß Sie das Herz, das Glück und vielleicht das Leben dieses Engels geraubt haben. Ohne voll Ihnen zu sprechen, schlägt Kronele, die mit Recht diesen Namen trägt, alle Partien aus, die ihr angetragen werden. Man verleumdet Sie in Gegenwart meiner lieben Freundin, man spottet über Ihr Aeußeres — Kronele bleibt still und glaubt Sie nicht einmal gegen Ihre Feinde vertheidigen zu dürfen, die sie nicht als Ihnen ebenbürtig betrachtet. Sie antwortet sogar ihrer Mutter nicht, die alles, aber vergebens, anwendet, ja sie sogar mißhandelt, um sie zu reizen und in Zorn zu bringen. Aber Kronele verbirgt lieber ihre Thrünen und schweigt. Für Sie dulden, ist ihre höchste Wonne. Ich Hütte Ihnen alles dies wohl nicht geschrieben, wenn nicht diese Kämpfe, dieser beständige Krieg eines schwachen Geschöpfs gegen seine ganze Familie, ja gegen das ganze Dorf — denn es geht kein Dorfjunge vor ihr vorüber, ohne sie zu fragen, wann der Prinz Elias die Schäferin Kronele in einer goldenen Kutsche holen wird , wenn nicht, wie ich sage, dieser beständige Krieg die Gesundheit und das Leben meiner Herzensfrenudin ernstlich bedrohte. Kronele gleicht sich nicht mehr seit Ihrer Abreise, und ich fürchte, daß sie innerlich entschlossen ist, eher zu sterben, als Ihnen freiwillig zu entsagen. Ich frage Sie ernst und aufrichtig: Lieben Sie Kronele? Oder haben Sie sie geliebt und doch vergessen? Wern: Sie meine Freundin lieben, so ist's Ihre Pflicht, Sie zur Heirath zu verlangen. Leon will sich verheirathen, Heva ist bereits 17 Jahre alt. Die Mutter aber sucht Zeit zu gewinnen, denn sie hofft, Kronele werde Sie vergessen. Sie irrt sich; Kronele vergißt Sie nie, selbst wenn Sie ihrer vergessen hätten. Ich weiß, daß Sie mir antworten können, Frau Reich würde Ihnen die Hand ihrer Tochter versagen. Möglich, möglich auch nicht! Mein Mann sagt: ein Ehrenmann müsse vor allem seine Pflicht thun, das andere stehe bei Gott. Ich erwarte von Ihnen eine ebenso rasche als bestimmte Antwort. Mir nicht antworten, hieße sich selbst gestehen: ich bin ein Heuchler und ein Mörder, wogegell Ihre Antwort dem armen Mädchen eilten glücklichen Moment verschaffen würde. Verzeihen Sie meine derbe Aufrichtigkeit. Esther Somme r." Kaum war ein Monat verstrichen, seit Frau Sommer ihren französischen Brief auf die Post gegeben hatte, als sie folgende Antwort aus Afrika erhielt:

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