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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · p. Seite 57

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 57 (sequence 11)
Language
German
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57 Sie wersen ihm vor, dasz er nur seiner Kraft vertraue, das; er sich nie auf die Thora und die Nadbinen berufe, dasz er nicht des Volkes Sitten und Gebräuche achte und es nur mit dem zusammengelanfenen Pöbel halte; sie spotten der Münzen, die er bereits prägen ließ. Doch Volk und Krieger ziehen heran, um nach einer Allsprache Akibas dem von Judit begleiteten Barkochba als König und Messias zu huldigen. Akiba fuhrt den Zelter, den Barkochba besteigen soll, nm sich dem Volke zu zeigen. 9. Gesang. Barkochba läßt Laufgräben alllegen, die zu einem verborgenen Allsgange führen, und die auch nut Wasser versorgt werden sollen. Dabei werden widersetzliche Reden gegen Barkochba gehalten, die er auf die Anregung der Nabbinen znrückführt. Er bedauert, sich nicht mit Gewalt gegen sie gewendet zu haben, und er wird einen Augenblick an sich irre, ob er der verkündete Messias sei. Judit richtet seinen Muth wieder ans, da naht Bardroma und sterbend vermeldet er Tnr- Silnons Fall. Dieser Schreckensnachricht folgt eine andere: die Brunnen voll Betar seien vergiftet worden. Zwei Nabbillen werden beschuldigt, das Gift in die Brunnen geschüttet zu haben. Barkochba vollzieht ein Gottesgericht, indem er die Beiden zwingt, einen Becher des Brunnenwassers zu trinken, worauf sie sterben. Akiba verweist ihn wegen des übereilten Urtheils und ergreift nun die Partei der Nabbinen, mit denen er, wie er klagt, scholl früher hätte rechnen müssen. Das jüdische Staatswesen sei einmal ein Gottesstaat, und der König müsse Priester sein. Akiba gesteht, dasz schon längst ein tiefer Abgrund zwischen ihm und dem Könige gähne, und da er ihn nicht für die Nabbinen gewinnen kann, verläßt er ihn. Ein Herold verliest dem Volke ein Dekret, worauf alle Nabbinen ansgewiesen werden; da erhebt sich ein Alter und verkündet Unheil und böse Tage. Die seltsame Gestalt fällt auf, und von allen Seiten gedrängt, nennt er endlich seinen Namen Ahasver. Im Aagesichte Barkochbas ziehen die ausgewiesenen Nabbinen mit Akiba zum Thvre hinaus, nur Eleazar wird ans Drängen des Volkes znrückgehalten. 10. Gesang. Barkochba wünscht von Eleazar Med in die Geheimnisse der Kabbala eingeweiht zu werden, um mit den Todten in Verbindung treten und sie über die Zukunft befragen zu können. Eleazar weist ihn ab, weil nur welligen Auserwühlten die Geheimlehre zugänglich sei. Da tritt Judit ein und will ihm den Verkehr mit den Todten vermitteln; zuerst müsse er seinem Gotte entsagen und sich dem Geist der Finsternis; zuwenden, dann aber unschuldiges Blut ihm opfern. Judit schlachtet ein von ihr entführtes Kind, ruft Samuel an; da wird ein grauer Schatten sichtbar, der Tod und Verderben verkündet. Als Barkochba gegen ihn das Schwert zückt, giebt er sich als den gegen den Tod gefeiten Ahasver zu erkennen. 11. Gesang. Die Verbannten Nabbinen werden aufgefangen und vor Julius Severus geführt, der in seinem Lager in Tur- Simon weilte. Von dessen Feldherrn Armins Nufus ins Verhör genommen, weigern sie sich, irgend etwas auszusagen; ans dem Schweigen auf gewisse Fragen schliefst er jedoch auf ihr Zerwürfniß mit Barkochba, der übrigens von Akiba als Messias verleugnet wird. Was Rufus von den Nabbinen nicht erfahren kann, erführt er durch Baruch, den Vater des ermordete»; Kindes; dieser berichtet ihm, wie er bei dem Suchen des Kindes Barkochba und ein Weib zu einer Tiefe habe hinabsteigen schell, und er ist bereit, die Römer an den Ort zu führen. 12. Gesang. Betar wird von den Römern belagert, alle Anstürme schlägt Barkochba zurück. Ans einen Augenblick eilt er irr seine Burg, um Judit zu sehen. Er bittet sie, die Schlange, die neben ihr ruht, zu entfernen und Samael zu entsagen; er bereut, ihretwegen Israels Freiheit, wenn auch nur ans eine Stunde, außer Acht gelassen zu haben. Trotzdem läßt er sie dem Samael einen Becher leeren, und er begnügt sich damit, seinem Lichtgott, der die That ist, zuzntrinken. Noch einmal bittet sie Barkochba, sich von Samael abznwenden; sie kommt dem Wunsche nach, indem sie ihm gesteht, dasz sie nur ans Liebe zu ihn» sich von dem Blendwerk umgarnen ließ. Darauf schwört er ihr, nur mit ihr vereint sterben zu »vollen. Er eilt zurück auf den Wall, durch hungernde Weiber und Kinder mnsz er sich den Weg bahnen. Da erblickt er neben Eleazar den Ahasver, der ihm etwas ins Ohr zu flüstern scheint. Im Argwohn befiehlt Barkochba, dem Eleazar beide Arme abzuhauen. Nachdem dies geschehen, wird er vor Barkochba geschleppt, der ihm, da er nichts zu gestehen hat, durch eilten Fußtritt den Todesstoß versetzt. Unterdesz sind die Römer, von Baruch geführt, durch den geheimen Eingang in Betar eingedrnngen, und nach einem blutigen Kampfe werden sie Herr der Festung. Barkochba eilt in die Burg, wohin ihm Baruch nachfolgt. Ein Heer von Schlangen zischt ihm aus allen Ecken entgegen, auf dem Bette ruht eil» todtes Weib, und Barkochba, von einer Schlange umwickelt, liegt todt in ihrem Schoße. In dem Epiloge schildert N. Meir das Gesicht der Zeiten, das er voll Akiba, als er den Märtyrertod erlitten, vernommen. Das ganze Martyrium des jüdischen Stammes zieht an Akibas geistigem Auge vorüber, und mit der letzten Anstrengung spricht er jenes Kaddisch, das nach ihm voll den Leidtragenden für ihre Verstorbenen gebetet wird, um selbst in ihrem grössten Schmerze Gott und sein Reich zu verherrlichen. So ist der Todeskampf Judäas auch in dieser Dichtung weder der Geschichte noch dein Volksgeiste entsprechend dargestellt. Einer; so unrühmlichen Abschluß hat der jüdische Krieg nicht gesunde»;. Der letzte Held, den ei»; Akiba anfrnft, den; sollten die Nabbinen lviderticy sein, der gäbe sie wegen einer angebliche»; Brnnnenvergiftung der Gefangenschaft »urd dei»; Elend preis, der vergliche sich mit Jesus und Johannes, der verfiele, »venu er das Auge und Gehirn in der schweren Zeit sein will, der Todtenbesehwörnng, der Magie und der Mitschuld an einem Kindesmord! Vrchlicky's Barkochba ist keine jüdische Gestalt. Nur diejenige Dichtung wird Barkochba gerecht werden, in der Akiba bis zuletzt bei ihn; verbleibt. Ist das zwar bei Heigel, Landau, Nossig Beukendorf der Fall, so treten doch d»e volkstümlichen Züge zurück. Vrchlicky's Barkochba stellt in Poetischer Beziehung alle bisherigen Bearbeitungen des in Frage kommenden Stoffes in den Schatten, allein die letzten Gesänge rauben ihn; den monumentalen Charakter. Ein historisches Drama in; Stile Julius Cäsars ist uns die Dichtung noch schuldig geblieben.

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