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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · p. Seite 56

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 56 (sequence 10)
Language
German
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56 denken als in der großen Hambnrgerstraße. Ein ähnliches Verhältniß obwaltet auch zwischen ihm und seinen Schülern, besonders in der Lehrerbildungsanstalt. Auch da herrscht die Peinlichste Zucht und Ordnung, das kleinste Vergehen der jungen Leute wird scharf gerügt, jede Minute wird ansgenutzt. Den Zöglingen wird fast gar keine freie Zeit gegönnt, sie werden ganz in Anspruch genommen; keine Disziplin wird lau behandelt, alle gleich ernst, gleich wichtig. Und dennoch gibt es unter den Seminaristen keine Verdrießlichkeit und kein Murren. Sie alle sind von der glühendsten Verehrung für den Meister erfüllt, von dem sie wissen, daß er gegen sich selbst noch strenger ist als gegen sie. Alle haben sie die Ueberzengung, das; er es gut mit ihnen meint, daß er nur ihr Wohl im Auge hat. — Auch ihnen theilen sich Funken von seiner Begeisterung mit, und neben der lückenlosen sachlichen Ausbildung tragen sie ans der Anstalt in ihr Amt ein hohes Pflichtbewußtst!» und ein großes Maß von Selbstzucht, etwas, was für den Lehrer das Höchste und Wichtigste ist. Ja, er meint es gut mit seine» Zöglingen, das wissen die voll seinen Schülern am bestell, die bereits jahrelang in Amt und Würden sind. Diese wissen auch zu sagen, daß seine überaus zärtliche Fürsorge für seine Seminaristen nicht mit dem Verlassen der Anstalt anfhört. In der Anstalt war er nns ei» wohlwollender, aber strenger Vater, der vor seinen Kindern die Liebe nicht zur Schau trägt, aber desto besser und erfolgreicher sie erzieht; nach dem Verlassen der Anstalt wurde er uns ei» treuer, liebevoller, stets hilfsbereiter Freund und Förderer. Das Wohl und Wehe eines jeden seiner Schüler findet einen treuen Widerhall in seinem liebreichen Vaterherzen. Und wie für seine Schüler, so ist er überall zu finden, wo es gilt Großes zu schaffen. Edles und Gutes zu fördern. Seine Menschenliebe ist groß wie seine Pflichttreue, seine Sachkenntniß so bedeutend wie seine erstaunliche Arbeitskraft, und all dieses ist geweiht dem Dienste der Mcnschheit und des Judenthums. Dieser seltene Mann hat am 20. d. M. in vollster Rüstigkeit und in aller Stille seinen 60. Geburtstag gefeiert. Möge der Himmel auch fürderhin seine schützende Hand über ihn halten, llnd ihn noch lange seines heiligen Amtes walten lassen! Barkochba in der Dichtung. Von Dr. M. Lev in. IV. wischen den epischen und dramatischen Arbeiten nimmt die in ezechischer Sprache erschienene Dichtung von Jaroslav Vrch lickt) (deutsche Uebersetznng Dresd. u. Leipz. 1899) eine Mittelstellung ein. Der Form nach zerfällt sie in zwölf Gesänge, die von einem Prologe eingeleitet und mit einem Epiloge geschlossen werden; den dramatischen Charakter erhalten sie durch den Dialog. Um es von vornherein zu sagen, der Werth dieser Dichtung besteht in den poetischen Stimmungen, Situationen und Schilderungen. Phantastische Gestalten treten in die Handlung ein, und vereinzelte Ideell fundamentaler Art werden zu einer Gesammtwlrkung kombinirt. Der Prolog führt uns in die Mitte des vor der Mauer des zerstörten Tempels klagenden Volkes, das den Messias sehnlichst herbeiwünscht. Akiba, der mit Meir erscheint, erblickt hier den zw ölsjährigen Barkochba mit seiner Mutter Mirjam Ueber dem vor Müdigkeit eingeschlafenen Knaben leuchtet ein Steril auf, den Akiba prophetisch auf den Knaben deutet. Doch eine Wolke verdeckt bald den Steril, Finsterniß senkt sich auf die Erde, und Asmaweth, der Todesengel, fliegt dahin, an ein trauriges Ende gemahnend. 1. Gesang. Der von Antinons begleitete Hadrian begegnet auf dem Berge Garizim zufällig dem Akiba und Meir. Aus einem Gespräche über Garizim und Sion erfährt Hadrian, daß die Mehrheit des Volkes nach Unabhängigkeit strebe, und er beschließt bei sich, voll seinem bisherigeil milden Berhalten abznstehen und. eine Gewaltherrschaft zu üben. 2. Gesang. Infolge der Hadrianschen Maßregel findet im Thale Betrimmon eine Volksversammlung statt. Die Stimmen für und gegen eine Schilderhebung bekämpfen sich heftig, bis ein Bathkol für Akiba entscheidet. Er begiebt sich in die Wüste, um den in Aussicht gestellten Messias anfzusuchen. o. Gesang. Akiba findet Barkochba im Thale Josaphat zwischen Gräbern. Barkochba, der in einem längeren Selbstgespräch voller Zweifel und Qual den Glauben all sich endlich erlangt, folgt ihm bereitwillig, um den Aufstand zu bewerkstelligen. 4. Gesang. Akiba und Theradion unterhandeln vergebens mit Rusus, der den Befehl ertheilt hatte, den Pflug über die Zionshöhe zu ziehen. Unterdeß schlügt Barkochba den vor den Pflug gespannten Stier nieder und verjagt die römischen Soldaten. Als er darauf zum Zelte des Rusus vordringt, ruft ihn Akiba als Messias aus. 5. Gesang. Barkochba nimmt nur den in sein Heer auf, der sich gleich ihm zum Beweis des Todesmuthes selber einen Finger abgehauen. Als ein junger Krieger, Bardroma, von seiner Mutter Judit daran verhindert wird, hallt sich Barkochba für ihn einen zweiten Finger ab, welche That auch die Unentschiedenen für Barkochba gewinnt. 6. Gesang. Während Rusus in Tur-Simon jüdische Gefangene foltern läßt, um sie zum Verrath der Plane Barkochbas zu zwingen, schreitet dieser siegreich vor. Sein Heer ist auf das Doppelte angewachsen: 200 000 Männer waren durch die Prozedur der Selbstverstümmelung zu ihm getreten, und jetzt weitere 200000, die ihre Stärke dadurch erprobten, daß sie mit der Faust eine Ceder fällten. Barkochba vertreibt den Rusus und befreit die Gefangenen. 7. Gesang. Barkochba macht Betar zum Mittelpunkt des Landes und trifft Vorkehrungen zur Vertheidigung. Sein Versuch. auch die Christen für den Freiheitskampf zu gewinnen, schlügt fehl, da der Bischof von Jerusalem, mit dem er eine Unterredung hatte, dem Vaterlande das Reich der Kirche entgegenstellt. Die ersten Anzeichen, daß er auch die Rabbineu verlieren würde, treten aus den Auseinandersetzungen mit Akiba hervor. Wenn er als Held es fühlt: Sieh, groß sein und die Welt umfassen heißt allein sein, so sehnt sich doch sein Herz nach einer Gefährtin, die er in der Gestalt Judits findet, der Mutter Bardromas, den er zum Befehlshaber über die Festung Tur- Simon eingesetzt hat. 8. Gesang. Der Zweifel an Barkochbas Messianität wird von den Rabbiner: trotz all seiner Erfolge immer stärker betont.

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