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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 55 (sequence 9)
Language
German
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Denn was ist erhabene Naturschönheit gegen wahre Menschengröße? Firnen und Gletscher sind gewaltig, schaurig, aber kein Leben kann darauf gedeihen, die Vespersonne auf dem Rigi ist herrlich, prachtvoll, wunderbar, aber sie muß schließlich doch untergehen. Doch Menschen von Geistesgröße und Seelenadel sind ewig leuchtende und erwärmende Sonnen, die nie untergehen. Kann es darum für ein Menschenherz ein erhebenderes Gefühl geben als das frohe Bewußtsein, sich jahrelang unter dem milden Strahlenglanze einer solchen Sonne gewärmt und von ihr Kraft und Leben empfangen zu haben? - Gewiß, wir Schüler waren immer von einerglühendenVerehrung für unseren Meister durchdrungen; wir ahnten, so oft wir in seiner Nähe waren, daß wir eine bedeutende, starke Persönlichkeit vor uns haben, die Bestätigung aber, daß wir richtig geahnt und den Leiter unserer Ausbildung nach Gebühr gewürdigt, ans dem Munde der anerkannten Autorität Steinthals zu vernehmenzu wissen, daß dieses ethische und wissenschaftliche Genie unsere Verehrung theile, das war es, was mich so sehr beglückte. Und ich pries das Geschick, das mir vergönnt hat, zu Füßen Holzmans zu sitzen und seines Geistes Hauch zu verspüren, zu Füßen des Mannes, der „wissenschaftlich allsgezeichnet und charakterlich vorzüglich ist." Ich weiß nicht, ob es der bescheidenen Sinnesart des verehrten Lehrers entspricht, wenn ich diese sehr bedeutsame Aeußerung Steinlhals der breiten Oeffentlichkeit übergebe. Ist er ja, soweit wir ihn kennen, jeder Lobeserhebung abhold. Er gehört zu jenen seltenen hochsittlichen Naturen, die nicht nach Popularität Haschen, nicht nach geräuschvoller Anerkennung streben, die nur einzig und allein das Güte Um des Guten willen thun, aus reinstem Pstichtbewußtsein, aus reiner Liebe, nicht aus reiner Vernunft. Er entfaltet eine segensreiche Wirksamkeit von weitumfassender Bedeutung, aber in aller Stille. Wie selten Jemandem ist es ihm beschiedeN, viele, viele Menschen auf der Bahn des Guten zu fördern, doch wie Wenige kennen Holzman! Er ist durch seine umfang- und erfolgreiche pädagogische Thätigkeit einer der größten Wohlthäter der deutschell Jndenheit, allein er vertheilt seine Gaben in > Verborgenheit. Seine Thätigkeit geht so geräuschlos von statten wie sein sonstiges anspruchsloses Leben. — Darf ich null diese geweihte Stille stören? Nein, dies ist nicht meine Absicht. Nicht loben will ich damit den Meister, nicht die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn lenken. Meine Mitschüler nur will ich mit diesen Worten Steinthals bekannt machen, damit auch sie, von gleichen Empfindungen beseelt, mit berechtigten: Stolz und Hochgefühl auf den Meister Hinweisen können. Jlldeß so löblich es auch an sich sein mag, eine hohe Meinung von seinem Lehrer zu haben, ein besonderes Verdienst wäre es nicht. Solches könnte wohl für den Meister eine gewisse Genugthuung seill, dessen Ziel jedoch wäre damit nicht erreicht. Nicht Stolz der Schüler auf den Lehrer, sondern Stolz des Lehrers auf seine Schüler beweist den Erfolg. Es ist darum die erste Pflicht dankbarer Schüler, den Meister beständig mit dem Bewußtsein seiner erfolgreichen Thätigkeit zu erfüllen. So möge denn die hohe Anerkennung, die der Meister gefunden, uns dessen Anerkennung erringen Helsen. Und wir lverden sie uns erringen, wenn wir seine Jdealgestalt beständig vor Augen haben und ihr nacheifern, wenn wir das, was wir von ihm gesehen und gehört, als unseres Lebens Richtschnur gelten lassen. Was wir von ihm gesehen, darin liegt für uns die Größe seiner Persönlichkeit. Wissenschaftlichkeit findet inan bei Vielen, Pädagogik verstehen Viele, über Lehrgeschick verfügen Diele. Aber alle diese Qualitäten verbunden mit außergewöhnlicher sittlicher Energie, das giebt eine Individualität, die zu den seltensten Erscheinungen gehört. Eine solche seltene Erscheinung ist Holzman, bei ihm ist die Größe auch gut. Von ihm auch durfte StemLhal sagen: er sei wissenschaftlich ausgezeichnet und zugleich charakterlich vorzüglich. Soll ich diesem Ausspruche Steinthals noch etwas hiuzufügen? Das hieße seine Worte abschwächen. - Sie sollen hier nur durch einige Züge aus der umfangreichen Thätigkeit Holzmans illusttirt lverden. „Holzman ist wissenschaftlich ausgezeichnet," so sagt Steinthal, und das muß wohl stimmen. Dem Schüler steht darüber keine Meinung zu. Es fehlte ihm auch jede Gelegenheit, sich über die einzelnen Wissensgebiete, auf denen der Lehrer sich besonders auszeichnet, zu informiren. Das aber muß hier hervorgehoben werden, daß alles, was Holzman s. Z. Uns gegeben, stets einen großen Eindruck ans uns gemacht hat. Bei all der Rundung und Vollendung des Gegebenen hatten wir stets das Gefühl, daß davon noch viel, viel mehr im tiefen Schachte seines Geistes vorhanden ist, und nur in der Beschränkung sich der Meister zeigt. Er schöpfte aus dem Vollen. Er tauchte in die Tiefe seines geistigen Schatzes und brachte uns Perlen herauf, indeß sein leuchtendes Auge uns verrieth, daß dort noch gar viele Edelsteine verborgen ruhen, deren Licht uns zu scharf wäre, und die darum für uns nicht gehoben werden dürfen. In diesemMaßhalten zeigte sich seine vollendete pädagogische Klarheit. Dahingegen offenbarte sich uns seine andere Seite, seine Eharaktergröße, in vollen: Glanze. „Er ist charakterlich vorzüglich." Ja vorzüglich! Wie man seinerzeit von: seligen Jeltiueck behauptete (ich glaube, es war Pinsker): er sei ein lebendiger Midraschso kann man von ihn: mit vollem Fug sagen: Hölzlnan ist eine verkörperte Ethik. Ein vollendeter Lebeusküttstler, erfüllt von regen: Interesse für alles Hohe und Edle, gehört seine außergewöhnliche Arbeitskraft ganz und uugetheitt seinem heiligen Berufe. Er leitet drei Anstalten: die von etwa > <;d>0 Kindern besuchte jüdische Knabenschule, die jüdische Lehrerbildungs-Anstalt und die dazu gehörige Präparandie, und jede derselben ist in ihrer Weise mustergiltig. Vom frühester: Morgen bis in die späteste Nacht hinein sieht man ihn rastlos arbeiten, dabei merkt man ihn: niemals Müdigkeit an, niemals Abspannung; er ist immer gleich energisch, gleich begeistert, gleich von heiligem Eifer durchalüht. Sein Auge durchdringt alles, sein Blick umspannt alles, sein Wesen umfaßt alles. Er ist in jeden: Augenblick über der: Stand eines jeden Zöglings der ihn: unterstellter: Anstalten orientirt. — Es herrscht in all diesen Anstalten eine seltene Zucht, eine seltene Ordnung, eine seltene Präzision. Das aber ist nicht die Folge eines stengen militärischen Kommandos, sondern: der vorbildlicher: Bernfstreue des Leiters. Das Feuer, welches chm entströmt, entflammt die zahlreichen Mitglieder des Lehrerkollegiums für die gemeinsame Aufgabe, so daß derer: Miller: sich uicht dem seiuen nnterordnet, souderu irr deu seiner: aufgeht. Man kam: sich kann: ein besseres Verhültuiß zwischen Rektor und Lehrern

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