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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-01 · Heft 5 (1.2.1901) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 5 (1.2.1901)
Date
1901-02-01
Page
Seite 54 (sequence 8)
Language
German
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54 fortgesetzt schlechter wäre, daun sollte darin eine gute Unterlage gesunden werden, den Beginn des Sonntagsgottesdienstes erst auf 10 Uhr festzusetzen. Nedner wollte sogar für diesen späten Anfang stinnnen, wenn ein Rabbiner mit diesem Ersuchen an die Versammlung heranträte. Wenn auch diese sonderbaren Deduktionen des Antragstellers unter allgemeiner Heiterkeit der Versammlung ausgenommen wurden, so halten wir den Stand der Rabbiner für einen viel zu würdigeil und die Frage des Sonntagsgottesdienstes für eine viel zu ernste und von sehr ernsten Männern ausgehende Anregung, um derartige Scherze hiermit zu treiben. — Die Ergänzung der Nepräsentanten-Stellvertreter, welche in diesem Jahre zum ersten Male akut wird, hat zu Meinungsverschiedenheiten geführt, die in der Versammlung durch Landgerichtsrath Löwe und Rechtsanwalt Dr. Simon bereits gestreift wurden, zu deren genauerer Erörterung sich erst Gelegenheit finden wird, wenn die Vorlage ans der gemischten Kommission, in welche sie verwiesen wurde, zurüekkommt. In die Kommission wurden die Herren Landgerichtsrath Löwe. Dr. Simon, Iustizrath A p o l a n t und Louis Sachs gewählt. — Mit besonderer Freude kann die znr Kenntnißnahme überreichte Vorlage betreffs des jüdischen Religionsunterrichts in der königlichen Elisabethsch ule begrüßt werden. Unsere Leser entsinnen sich vielleicht noch der Vorgeschichte dieser Vorlage. Ter Gemeindevorstand hatte, wie wir kurz rekapituliren wollen, ans Aufforderung des Repräsentantenkollegiums das Ersuchen an das königliche Provinzialschnlkollegium gerichtet, in der Elisabethschule, welch bisher noch eines Unterrichts ermangelte, und in welcher 11 jüdische Schülerinnen am christlichenIMeligionsnnterrichte theilnahmen, die Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts zu veranlassen. Das Gesuch wurde von der Behörde mit dem Hinweis aus Naumschwierigkeiten abschlägig beschieden. Die Repräsentanten forderten alsdann den Vorstand auf, den Antrag zu erneuern, worauf der Vorstand im Oktober v. I. ein motivirtes Gesuch an das Schulkolleginin richtete. Unter dem 8. Januar ist nunmehr folgendes Schreibell seitens dieser Behörde ergangen: „Ans das Gesuch vom 17. Oktober v. I. erwidern wir ergebenst, daß wir nach erneuter Erwägung der Sachlage bereit sind, der Einrichtung besonderen jüdischen Religionsunterrichts all der hiesigen königlichen Elisabethschule näher zu treten. Auf die Schwierigkeiten, welche in dieser Beziehung die Raumverhältnisse der genannten Anstalt darbieten, haben wir bereits in unserer Verfügung vom l. September v. I. hingewiefen. Wir glauben jedoch, daß diesen Schwierigkeiten einigermaßen begegnet werden kann, wenn wir für den jüdischen Religionsunterricht, soweit die Unterstufe in Frage kommt, die Stunden von 12—1, sofern es sich um die Mittel- und Oberstufe handelt, die Stunden voll 1—2 in Aussicht nehmen. Auch würden wir bei dieser Einrichtung dafür Sorge tragen, daß an den betreffenden Tagen der Schulunterricht für die jüdischen Schülerinnen der Unterstufe erst um 10 Uhr. für diejenigen der Mittel- und Oberstufe erst um 0 Uhr seinen Anfang nähme. Bevor wir jedoch in dieser Richtung Weiteres veranlassen, sehen wir einer bestimmten Aeußerung darüber entgegen, ob die jüdische Gemeinde die aus der geplanten Einrichtung sich ergebenden Kosten zu übernehmen bereit ist." Wie nicht anders zu erwarten, hat sich der Gemeindevorstand sofort am 14. Januar zur Uebernahme der Kosten bereit erklärt. Der Referent Professor Blaschke hob mit Recht hervor, daß aus dieser Antwort das Wohlwollen des Kultusministeriums Herausgeleseil werden kann; auch die geeignetste Zeit in unmittelbarem Anschluß an die anderen Stunden ist für den jüdischen Religionsunterricht festgesetzt worden. Es muß nunmehr darauf hingewirkt werden, daß nicht nur diejenigen jüdischen Schülerinnen, welche bisher ohne Unterricht sind, sondern auch diejenigen, welche am christlichen Religionsunterricht theilnehmeu, an dem jüdischen sich betheiligen. Aus diesem Grunde ist von den Herren Minden, Blaschke. Löwe und Leonhard Sachs die Resolution vorgeschlagen worden, daß die Repräseutantenversammlung mit Genugthuung von dem Eingänge des Schreibens des Provinzialschulkollegiums Keuntniß nimmt, und den Gemeindevorstand ersucht, die ihm geeignet erscheinenden Maßnahmen zu treffen, damit der Religionsunterricht möglichst von allen jüdischen Kindern in dieser Anstalt besucht wird. Dem Vorstand wird die Uebersicht hierüber insofern erleichtert, als er alljährlich eine spezialisirte Aufstellung über diejenigen Kinder erhält, welche am jüdischen Religionsunterrichte theilnehmen, welche gar keinen haben, und welche am christlichen Religionsunterrichte sich betheiligen. Während Landgerichtsrath Löwe dem Gemeindevorstand die Pflicht anferlegen will, den Eltern der Kinder, welche am jüdischen Religionsunterricht theilzunehmen haben, in einem Schreiben geeigneten Unterricht nachzuweisen, schlägt Herr Sieskind vor, dieses Amt, die jüdischen Eltern auf ihre Pflichten hinzuweisen, den Rabbinern zu übertragen und hiermit deren seelsorgerische Thätigkeit zu erweitern. Professor Lew in hält die Löwe'sche Anregung für sehr dankenswerth, ist aber mit anderen Rednern der Ansicht, diese Anregung in großer Ruhe zu berathen. Nur fürchtet er eine kolossale Büreanarbeit, welche Landgerichtsrath Löwe nicht anerkennt, da es sich nur um das Ansschreiben von 5—600 Adressen pro Semester handeln kann, und die Arbeit schon dann nicht als verloren betrachtet, wenn nur zehn Vätern das Gewissen geschärft wird. Professor Blaschke hält die Uebertragung der gedachten Pflicht an die Rabbiner für einen Umweg, da diese erst vom Gemeindevorstand die betreffenden Mittheilungen erhalten müssen und in einem engbegrenzten Zeitraum, um den Semesteranfang nicht zu versäumen, sich kaum zu den Eltern begeben können; zudem würden sie hierbei manche recht unangenehme Erfahrungen machen müssen. In dem einen oder anderen Falle erscheint jedoch auch ihm die Intervention eines Rabbiners ganz geeignet. Herrn Dr. Simon erscheint die Sieskiud'sche Anregung durchaus beachtenswerth. In kleinen Gemeinden habe man mit der Intervention der Rabbiner gute Erfolge erzielt, besonders bei denjenigen Eltern, welche damit umgehen, ihre Kinder taufen zu lassen. Nachdem sich noch mehrere Redner zustimmend zu der Löwe'schen Anregung, welche Alle als sehr bedeutungsvoll erachten, erklärt, wird die Formulirnng eines speziellen Antrages ans die nächste Sitzung verschoben und die oben erwähnte Resolution einstimmig angenommen. — Eine kleinere Debatte veranlaßte noch die Wiederwahl von Vorstehern des Krankenhauses, zu welcher die Herren Naumann Alexallder, Wetzender g und Stadtverordneter Witkowski standen. Herr Deutsch hat trotz wiederholter Bitten sein Amt niedergelegt. Die Zettelwahl ergiebt unter 18 abgegebenen gütigen Stimmen: sür Herrn Alerander 18, Metzenberg 17 und Witkowski 17 Stinnnen. Die Neuwahl sür Herrn Deutsch wurde vertagt. Debattelos wurde noch ein einmaliger Beitrag voll 500 Mark der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Knnstdenkmäler bewilligt. In das Kuratorium der Ephrannstiftung wird Herr Sieskind abgeordnet. In die Fürsorgekommission werden die Herren Philipps ohn, Lächln an, Gustav Sachs. Dr. M. Schaefer und Willy Schlesinger wieder- und Sanitätsrath Dr. Schwarzauer neugewählt; in die Waisenkonunission werden Dr. Jutrosinski und Richard S a ch s wiedergewählt. In die Armen kommission wurde an Stelle des Herrn Ernst Caro Oberamtmann Ludwig Cohn deputirt; fernere 10 Herren, welche durch das Loos ausgeschieden waren, wurden sämmtlich wjedergewählt. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine geheime folgte. Nr. Michart Hohman. Von Jacob Bähr in Waldenburg i. Schl. >s war im Hochsommer 1887 nach einem ans dem Rigi herrlich verlebten Nachmittag, als mir das Glück z> Theil ward, in meinem Absteigeguartier auf Rigi Kaltbad Professor Steinthal s. A. zu treffen und in seiner Nähr den Abend zuzubringen. Auch mein Reisegefährte, ein hervor ragender rheinischer Rabbiner, war über das glückliche Zu sanunentreffen hocherfreut. Es entspann sich zwischen uns ein rege Unterhaltung, dies und jenes wurde besprochen, Haupt sächlich die jüdischen Verhältnisse der Hauptstadt, und als von uns hervorgehoben wurde, dasi Berlin zur Zeit für die Erziehung der Heranwachsenden Geschlechts sehr viel thue, bc sonders seitdem Dr. Hvlzman an der Spitze der Knabenschule in der Lehrerbildungs-Anstalt stehe, da leuchteten SteinthaU Augen in besonderem Glanze auf, sein zartbesaitetes Her; schlug höher, und voll tiefster Empfindung meinte er zustinnnend »Ja, Holzman, — er ist wissenschaftlich — ausgezeichnet mW

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