Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1901)
- Date
- 1901-02-01
- Page
- Seite 52 (sequence 6)
- Language
- German
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52 v. Rothschild vor: der City ins Parlament geschickt, konnte jedoch seinen Sit; nicht einnehmen. Als er zwei Jahre später wiedergewählt wurde, nahm zwar das Unterhaus den Alttrag auf Abänderung des Eides au, allein das Oberhaus verwarf 1857 die Bill. Am folgenden Tage erschien Alderman Salomon. welcher in Greenwich zum zweiten Male zum Mitglied des Unterhauses gewählt wurde, im Parlament und leistete einen Eid auf das alte Testamellt. Statt aber sich wie Lord Rothschild gleich darauf zu entfernen, blieb er da und stimmte über seinen zur Berathuug stehendeil Fall mit. Er wurde dafür in eine Strafe von 500 Lstrl. genommen. Die Sache erregte so viel Aufsehen, das; das Oberhaus nicht mehr umhin konnte, der vom Unterhause zum dritten Male angenommenen Bill auf Abänderung der Eidesformel sein Placet zu geben. Noch war den Inden der Antritt zum Oberhause selbst gesperrt, und es vergingen weitere nenn Jahre, bevor ihnen die exclusive Körperschaft der englischen Lords zugänglich gemacht werden konnte. l80<; wurde die Eidesformel auch für das Oberhaus modifizirt, worauf l8dK> Sir Nathauiel Rothschild zum Peer von England erhoben wurde. Ihm folgten bald zwei weitere Juden, und zwar wurden der Baron Stern zum Lord Wairdsworth und Baron Worms zum Lord Pirbright ernannt. Letzterer war l888 Ullterstaatssekretär für die Kolonien. Im Ganzen wurden durch die Königin Victoria siebzehn Juden zu Rittern, sechs zu Baronets und drei zu Peers erhoben. * In der französischen Kammer gab es dieser Tage eine kleine Szene, die so charakteristisch ist für die Feigheit der Antisemiten, das; sie nicht übergangen werden darf. In einer Rede über das Ordeusgesetz rief der Antisemit Lasies: „Sie sprechen immer von der Milliarde der geistlichen Orden, diese Milliarde wurde von frommen Persollen gestiftet, warum sprechen Sie niemals voll den achtzig Milliarden, die die Juden und Protestanten den Franzosen gestohlen haben?" Darauf unterbrach der Abgeordnete Bischofssheim den Redner mit dem Zwischenrufe: „Ich bin Jude! Wann habe ich jemals etwas gestohlen?" Lasies erwiderte feig: „Sie greifen die Katholiken im Allgemeinen an, da darf ich wohl auch verallgemeinern!" Wenn sich nur überall Männer fänden, die den antisemitischen Bramarbassen immer so entschieden entgegentreten würden! Herr Earp befindet sich auf Reisen und läßt sich sehr gern über die rumänischen Verhältnisse interviewen. Ueber die Jndenfrage äußerte er sich zu einem Wiener Berichterstatter folgendermaßen: „Sie wird jedenfalls die Kammern beschäftigen, doch keineswegs als Jndenfrage, sondern im Nahmen derKnltnsfrage im Allgemeinen. Mein Kollege Arion. der Minister für Kultus, ist in diesem Augenblicke mit der Ausarbeitung einesKultnsgesetzes für alle in Rumänien ansässigen Kulte beschäftigt, die außerhalb der Staatsreligion stehen Es handelt sich also, wenn ich mich wie ein Rechtgläubiger oder gar ein Theologe ansdrücken würde, um die „Häretiker". Dies sind in Rumänien Katholiken, Protestanten lind Inden. Die Juden, mindestens eine Viertelrnitlion all Zahl, sind unter den Häretikern das Weitalls überwiegende Element. Das Knltnsgesetz wird in erster Linie ihrem Kultus unbedingte Freiheit in Rumänien garantiren, dann ihnen das Recht auf Gründung von Schulen einrünmen. die jedoch der Staat unter seinen Schul; nehmen will, und endlich ihre Wohlthätigkeitsanstalten ins Auge fassen. Jeder „Häretiker" in Nnmänissn wird fortan voll staatswegen verpflichtet sein, sich eil,er Kultnsgemeinschast anzuschließen und an diese eine Kultussteuer zu bezahlen. Der Staat wird jeder der Kultnsgemeinschaften helfen, die Taxen einzntreiben. So wird auch die Judenschaft Rumäniens auf eine sicherere Grundlage gestellt werden. Ich weiß, daß die Inden in Rumänien nicht in rosigster Lage sind. Allein die Stimmungen im Volke, die Verhältnisse im Laude machen es unmöglich, daß ihnen heute die volle Gleichberechtigung eingerüumt werde." Ob mit diesem Knltnsgesetz, von dem wir schon wiederholt gehört haben, den rumänischen Inden gedient sein wird, ist freilich eine andere Frage. Aus der Berliner Gemeinde. Berlin, 27. Januar. ie heutige Sitzung der Repräsentanten gestaltete sich wieder einmal zu einer sehr interessanten. An Stelle des Maurermeisters Frankel, der für eine Reise nach Italien auf-längere Zeit beurlaubt, ist Herr Bellas Levh einbernfen; Dr. Lachniailn ist als Vorsitzender ans der Waisenkommission, dem Neichettheittl'schen Waisenhause und dem II. Waisenhanse ausgeschieden und an seine Stelle Dr. Stern getreten; Justizrctth Meyer hat den Vorsitz iin Schilt- und Talmud - Thoravorstand niedergelegt, das Amt ist Dr. Lach mann übertragen worden Vom Nabbinat ist ferner ein Schreiben eingegangen, in welchem gegel einige Aeußernngen, welche in der vorigen Sitzung bei Berathnno der späteren Anberaumung des Sabbathgottesdienst gefallen sind Einspruch erhoben und der Wunsch ausgesprochen wird, derartig. Vorlagen in der geheimen Sitzung zu verhandeln. Der Vorsitzende Louis Sachs hält die bezeichnete Vorlage für eine eminent öfsent liche Allgelegenheit und glaubt aus der Thcttsache, das; bei der Be rathlmg einige das Nabbinat verletzende Worte gefallen sind, keinei Grund herleiten zu sollen, diese Fragen in die geheime Sitzung z, verlegen. Professor Lew in mißbilligt ebenfalls, was nicht ver wunderlich, diese Zuschrift, und beantragt, deren Kritik i; der geheimen Sitzung zu veranlassen; die Versammlung beschließ demgemäß. Die verlangte Dringlichkeit betreffs der Nebel nähme der Vll. Religionsschule ans die Gemeinde wurde nicht gewährt, und diese Frage bis zur nächsteil am 10. Februar stattfindenden Sitzung vertagt. Ein erhebliches Interesse darf di Frage der Gehalts- und Pensionsverhältnisse für sich in Ansprm nehmen. Nach dem Referat des Kommerzieuraths Friedländer hc t der Talmnd-Thoravorstand auf Allregung des Rektors Dr. Hol: mall dem Gemeindevorstand vorgeschlagen, das Grundgehalt d r seminaristisch gebildeten Lehrer vom 1. April 1901 ab auf 1900 Ma k incl. Wohnungseutschädigung zu normireu, das in 13 maliger Steigerung von zwei zu zwei Jahren das Höchstgehalt von 4500 Mark nach 26 Jahn: erreichen soll. Bei definitiver Anstellung soll in Bezug ans d > Festsetzung des Dieusteinkommens diejenige Dienstzeit in Anrechnung gebracht werden, welche in staatlichen Anstalten, städtischen mW jüdischen Gemeindoschultn sowie den in 8 11 des Gesetzes vo n 3. März 1897 rüinea 5 bezeichneten Anstalten nach Vollendui g des vierten Dienstjahres zurückgelegt ist. In Bezug auf dr Festsetzung des Ruhegehalts soll die gesammte im Schuldienst zürn k gelegte Dienstzeit ausschließlich der erstell vier Jahre in Anrechnung gebracht werden. Der Gemeindevorstand hat diesen Vorschlag nun genehmigt, und das Höchstgehalt aus 4300 Mark, das bereits noch 25 Dienstjahren erreicht werden soll, fixirt. Ans Grund dieser Fcch setzung muß zwischen der elften und zwölften Gehaltszulage ein Ze t raum von drei Jahren verstreichen. Der Ausschuß hat nach eingehender Prüfung die Spanne zwischen diesen beiden Zulagen in dem alsda rrr bereits vorgerückten Alter der Lehrer als zu groß betrachtet, und auch im Prinzip ein Veto gegen diesen Vorschlag eingelegt, da ein Vergle zwischen den Lehrern an der jüdischen Gemeindeschnle und den Lehroii an den städtischen Volksschulen, welche zum Vorbild der Gehalts fixirung gedient haben, nicht gezogen werden darf. Die Lehrer v> den jüdischen Schulen haben in zwei srernden Sprachen, Hebrärsch und Französisch, zu unterrichten; all sie werden weit größere An spräche gestellt, außerdem sind sie nicht wie die städtischen von dcl Kommunalstener befreit. Der Unterschied zwischen beiden Vorschlägen ist ein so minimaler, daß der Ausschuß seine Vorlage dringend All, still Fli. etal abg aild Hab S o ä" ' der, diesi brili lasse Vor mitc cigei ui ns vor hält« welä Der i'ersl Äorl betrc Gern ^625 dora Heha teige ttnte IZorb >er 8 wesei mr Allste )er ji Schn ines ückm üdisc on l n ni, lolks 3. Di ir di :ierde 0 St oeing nich i üdisck 'order Wallst alter mnei cs I neu m T cs Dc Km sc litglil wele 3 K'meb cm Z in an > cistirtl ' a'hlun - er De weiter s'and werde, wir in Gemein