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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 48

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 48 (sequence 15)
Language
German
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48 „Vernunft" des Architekten." Ich halte hier den Ausdruck „Vernunft" für etwas irreführend. Es ist die „Spezialvernunft", wenn ich so sagen darf, in Bezug auf den Bau der Stadt, nicht aber die „Vernunft" ohne Einschränkung. Diese „Spezialvernnnst" kann man aber füglich „Entwurf" oder „Plan" nennen, und diese Bezeichnungen scheinen sich mir ganz mit dem zu decken, was der verdienstvolle junge Gelehrte mit so viel Geist und Fleiß in dem Philonischen entdeckt und sestgestellt hat. Dr. I. Goldschmidt. Offenbach a. M. — Der Vorstand der israelitischen Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover hat Bilder aus der Israelitischen Erziehungsanstalt Ahlen: herausgegeben. die allen Freunden des Unternehmens sicher Vergnügen bereiten werden. Hoffentlich finden sichtlich in weiteren Kreisen Gönner und Liebhaber für die Bilder, was im Interesse der Sache sehr erwünscht wäre. Der Vorstand stellt solche zum Preise von 90 Pfennig das Stück postfrei zur Verfügung und gewährt außerdem bei zehn Stück ein Freiexemplar. Bestellungen sind an die Adresse der Anstalt zu richten. — Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg hat das sechste Heft der „M ittheilungen" an ihre Mitglieder versendet, womit der dritte Jahrgang dieser Veröffentlichungen begonnen. Nachdem in Heft 1 die Anregung zu Sammlungen nach dem von der Gesellschaft versandten Plane gegeben war, hatte das zweite Heft eine zusammenhängende Arbeit über die „Märchen und Sagen Verdeutschen Juden" geboten. Es zeigten sich in diesen Schöpfungen der jüdischen Volksseele genau dieselben Motive wie sie das deutsche Volksthnm kennt. Die Nibelungen-, die Gudrun-, die Turmhäuser-, und vor Allem die Faustsage und manches Märchen der Grimm'schen Sammlung berühren sich mit diesem Gedankenkreise. Heft 3 hatte außer vielen anderen Beiträgen besonders die Kinderspiele behandelt, während Heft 4 zwei Arbeiten kunstbezw. kulturgeschichtlichen Inhalts bietet, die eine aus der Feder des Wiener Architekten M. Fleischer, die andere ein posthumes Geisteskind des der Wissenschaft so früh entrissenen Professors D. Kaufmann. „Aus Hausapotheke und Hexenküche" betitelt sich ein sehr interessanter Beitrag zur jüdischen odereigentlich zur deutschen Kulturgeschichte, welches den wissenschaftlichen Theil des fünften Heftes der Mittheilungen ausfüllt. Denn ein getreues Bild des deutschen Volksglaubens, in der Zeit zwischen dem sechszehnten und achtzehnten Jahrhundert spiegeln die fünf Handschristen der Hamburger Stadtbibliothek wieder, welche hier zum ersten Male übersetzt und wissenschaftlich bearbeitet sind. Wenn auch frei von der Blutschuld der Hexenprozesse, so zeigen sich doch die deutschen Juden dieses Zeitraums in ihrem Aberglauben ebenso kerndeutsch wie in ihren Märchen und Sagen, Sitten und Bräuchen, ihrem Denken und Neben. Der Beitrag des Judenthums Zu dem Volksglauben dieser Inden beschränkt sich auf das. was die „Kabbala", die allein unter allen Bethätigungen des jüdischen Geistes ihrer vermeintlichen Verwandtschaft mit der christlichen Dogmatik wegen, von der geistlichen Zensur unberührt blieb, dazu beigetragen hatte. Besonders üppig wuchert die Volksmedizin mit ihren krausen Auswüchsen. Eine systematische Heilmittellehre, welche sich nicht auf Heilung leiblicher Schäden beschränkt, wird uns hier in einem bunten Gemisch vor: deutsch, hebräisch, aramäisch, griechisch, latein. italienisch und polnisch geböte::. Daneben lernt man noch Horoskopstetten. Traumdeuten, Verbrechen entdecken (nach dem altdeutschen Bahrrecht.s Wie man Einen aus der Ferne herbeizaubert, wie man ihn von Frechheit knrirt. wie man ungefährdet glühendes Eisen berührt. Diebe beschwört, Tische und Häuser rückt, wie mau sich gegen die Macht des Zaubers, gegen die Gewalt der Elemente, der Thiere und Dämonen zu schütze:: hat rc. Alle diese Geheimnisse werden uns verratheu. Es ist jenes Chaos, aus den: sich die größte Schöpfung des deutschen Genius zu fester Gestaltung gerungen hat. Es sind die Elemente des Goethe'schen „Faust". Der Weiuzauber in Anerbach's Keller, der Besenritt und Mantelflug, die schöne Lilith. Adam's erste Fra:: und Helena als die Königin von Saba, der Salamander, die Beschwörung des Feuers, der Schlüssel, der zu den Müttern führt, Ariel, hier in seiner Nolle als Leiter des Engelchores von Samuel vertreten, ja säst alle Züge Faust's und Mephisto's, deren Urbilder die jüdische Sage in Salomo und den: Häuptling der Dämonen, Aschmedai. kennt, sie sind auf Gestalten des jüdischen Volksglaubens übertragen oder von diesen entlehnt worden. An dieser Arbeit, welche bis in Einzelheiten die jüdische Ueberlieferung mit derbes deutschen Volkes indentifizirt, schließen sich ein Verzeichniß der sogen. Namen, ferner als Anhang 1 eine Skizze des jüdischen Amulettenwesens, als Anhang 2 Auszüge aus den: für die Geschichte des Volksglaubens noch immer nicht erschöpfend ausgebeuteten Münchener Kodex 235 und als Anhang 3 eine Probe aus einem jüdisch-deutschen Kalender des 17. Jahrhunderts. Ueber Heft 6 berichten wir nächstens. --- Eine originelle Idee hat Rabbiner Dr. Heppner mit seinem I üdifch-Litterarischen Abreißkalender, der bereits zum zweiten Male im Verlage von Israel Tuch in Ko schm in erschienen ist^ausgeführt. Jedes Heft enthält das jüdische und das bürgerliche Datum und außerdem Notizen über die wichtigsten Thatsachen der jüdischen Geschichte nnd die hervorragenden Männer der jüdischen Litteratnr, die mit dem betreffenden Tage in irgend welcher Verbindung stehen. Dieses Schema ist sehr geschickt und taktvoll l durchgeführt. Auch die äußere Ausstattung ist eine vortreffliche, so daß die Anschaffung dieses Abreißkalenders an Stelle der gewöhnlichen, die doch zumeist Fabrikwaren sind und ohne jeden höherenZweckzusammengestellt werden, bestens empfohlen werden kann. Es liegt darin zweifellos eine erziehliche Wirkung, wenn man an jedem Morgen an die Geschichte und an die großen Männer Israels erinnert wird. Allein schon ans diesem Grunde verdient das Unternehmen die wärmste Unterstützung. Spvechscrai. Sehr geehrter Herr Doktor! ^err Sanitätsrath Dr. Kornfeld schreibt in seiner Kritik über mein _Buch: Die Medizin u. s. w. in Ihrer Zeitschrift No. 1 Seite 11, das von mir eiterte Motto: „Das eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch", sei nicht von Goetbe, sondern von Pope. Ohne bestreiten zu wollen, daß Pope ein Gleiches gesagt hat, bemerke ich nur, daß Goethe diesen Ausspruch in seinen Wahlverwandtschaften II. 7 gethan hat. Gott in gen, 14. Januar. Hochachtungsvoll Professor W. Ebstein. Sehr geehrter Herr Redakteur! E^n meinem in Nr. 51 enthaltenen Artikel über „die jüngste Großgemeinde Deutschlands" findet sich ein sinnstörender Druckfehler, den ich berichtigen zu wollen bitten muß. Auf S. 606 Spalte 1 Zeile 30 von oben muß es „Mitzeherinnen" anstatt „Mitgeheimen" heißen. Hochachtungsvoll Bamberg, 27. Dezember. Dr. A. Eckstein. Geehrter Herr Redakteur! Akn Ihrem geschätzten Blatte vom 14. d. M., S. 596, heißt es mit Bezug ans Abraham Kohn, daß er aus Hohenems, dem Geburtsorte Sulzers. stammte. Das ist nicht richtig. Kohn stammte aus einem kleinen böhmischen Orte und war in Hohenems nur Rabbiner. Nach Herrn Trachtenberg starb Schwabacher am 28. November 1888, wohl alten Stils, daher 10. Dezember, nach Kayserliug, Gedenkblätter, am 12. Dezember. Wer ist in: Recht? Die Datenkonfusionen sind leider sehr häufig, wie ich bei solchen Arbeiten fand und in der von mir herausgegebenen Deborah erwähne. Zu Nr. 51 bemerke ich, daß die dort S. 572 dem „alten König Zidkiah" — der im Alter von 32 Jahren seinen Thron verlor — zngeschriebenen Worte Josaphat gesprochen hat. (2. Ehr. 19, 6.) Cincinnati. 26. Dezember. G. Deutsch. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für d:e Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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