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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 47

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 47 (sequence 14)
Language
German
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47 Partie sür Kronele anzntragen. Diese bat ihn, des Abends wiederznkonimen, um in Gegenwart der ganzen Familie seinen Antrag zu wiederholen. Als er kam, sagte die Mutter zu Kronele: „Mein Kind, da ist der Schadcheu, der Dich zu verheiratheu wünscht. Er weiß, was in unserm Hanse vorgefallen ist. Da Du aber auch weißt, daß ich Dich nie einem Bettelkind zur Frau geben werde, so wirst Du ihn anhören und ihm offenherzig Deine Meinung sagen." Kronele antwortete nicht. „Keine Antwort, gute Antwort," sagte der Alte, der sich in seinem Stuhl zurechtsetzte und anfing: „Der junge Mann, den ich Euch Vorschläge, ist ein ehrliches Kind frommer Jehudim aus dem Dorfe Oderse. Er ist 25 Jahre alt, reich und handelt mit Pferden. Glaubt mir. liebes Kind, wenn ich hierher gekommen bin, um Eure schöne Hand für einen meiner guten Bekannten zu fordern, so habe ich meine guten Gründe dazu gehabt. Ich habe mich im voraus über alles erkundigt und wußte, daß ich es mit einem schönen, feinen und srommeu Judenkind zu thnn hatte. Hört mir wohl zu! Ihr müßt nicht glauben, wir brauchen Eure Nedime — ich habe da in meiner Rocktasche fünf, sechs junge, prächtige Mädchen, dreimal reicher wie Ihr — und ich bin eigentlich kein Schadchen, ich bin der Abgesandte, der Meschuloch von meinem lieben, guten Karl, so heißt mein Freund — Gott soll mir ihn leben lassen! Wahr ist's, er glaubt, Ihr seid eine Schönheit — und daher habe ich Euch sehen wollen, ehe ich ein Wort von allem Eurer Mutter gesagt habe, damit mein Karl in seiner Erwartung nicht betrogen iverde. DieProbe aber habt Ihr bestanden. Mademoiselle, ich bin kein Schmeichler, aber ich gestehe, daß Ihr mir ganz besonders gefallt. Ihr habt eine englische, feine Schönheit. Ja, ich finde Euch schöner als Hesse, und sie gilt doch im ganzen Kanton für das schönste Judenmädchen." Kronele aber lachte spöttisch und sagte: „Alles, was Ihr da gesprochen habt, wird Euch von dem jungen Manne bezahlt. Euch soll ich nicht heirathen, sondern ihn. Mag er denn kommen und mir seinen Antrag machen, ich will ihm kurz mit Ja oder Nein antworten." „Also," versetzte der Alte, „wünscht Ihr, daß er selbst komme?" „Ich verbiete Niemanden unser Haus," erwiderte Kronele, „und meine Mutter ist stolz darauf, jedem Fremden, reich oder arm, ein Nachtessen und ein Bett anzubieten." „Brav, Kronele," sagte der Vater. „Du bist klüger als Deine Mutter, die immer sagt, daß Du Dich gar nicht verheirathen willst." Bei diesen Worten fuhr Kronele zusammen. Sollte ineine Mutter mich erratheu t dachte sie, indem sie sie zärtlich anblickte. Sollte sie in meinem Herzen gelesen haben? Frau Reich hatte den Blick ihrer Tochter verstanden, und kaum war der Schadchen fort, so sagte sie zu ihrem Manne: „Wir dreschen leeres Stroh. Unsere Tochter heirathet keinen Handelsmann, den Elias will sie! Sie bringt mich noch zehn Jahre früher ins Grab." Am andern Morgen erwartete Fran Reich umsonst den Alten, der ihr versprochen hatte, den Kaffee mit ihr zu trinken. Sie schickte ihren Sohn, um ihn zu holen, er hatte aber das Dorf schon bei Tagesanbruch verlassen. Kronele und Frau Sommer waren ihm des Nachts bis an die Herberge gefolgt, und Kronele hatte ihm zwei Fünffrancsstücke für das Versprechen gegeben, das; er nie wieder ins Dorf kommen »volle, um sie zu verheirathen. (Forts. folgt.) Lied des Paria. Von Alfred Fried mann. iebe, die ich heiß entbehre, dtie bist Du mir wieder nah! Meine Harfe klingt ins Leere: Denn ich bin ein Paria. j Andre krönen meine Thaten! Andern Korn und mir das Stroh!! Andere ernten meine Saaten, Wurden meiner Früchte froh! Unbetrachtet bleibt im Dunkel Lichtglanz meines Diamants; Meiner Sterne Frohgesunkel i Wirft ans Andere keinen Glanz. Denn mein Volk ist ausgestoßen Was es birgt an Glanz und Glück, Was ihm blüht an Lieb und Rosen, Stößt die fremde Hand zurück. Meine Harfe klingt ins Leere! Ob ihr wohl Recht geschah? Ach, mein Herz ist voller Schwere, Denn ich bin ein Paria. Litterarische Mittheilungen. ---- Dr. Jakob Horowitz: Untersuchungen über Philos und Platos Lehre voll der Weltschöpfung. Marburg, R. G. Elwert'sche Verlagsbuchhandlung 1900. Ist Philo Platoniker oder Stoiker? Das ist eines der interessantesten Probleme der Philo-Forschung. Philo hat sehr vieles mit Plato gemein; aber auch viele grundlegende Verschiedenheiten scheinen vorhanden zu sein, die auf stoische Prinzipien schließen lassen. Eine dieser Verschiedenheiten, und zwar die wichtigste, ist die Bezeichnung der „Welt-Idee" bei Plato als während Philo dafür ,0-/5^ setzt. — Horowitz tritt für die Annahme ein, daß Plato die Grundlage der Philonischen Lehre ist, und er führt die vorhandenen Verschiedenheiten darauf zurück, daß dem jüdischen Neligionsphilosophen von vorn herein eben vieles anders sein mußte als dem griechischen Philosophen. Zu diesem Zweck unter, sucht Horowitz mit ebensoviel anerkennenswerthem Fleiß wie bewunderungswürdigem Scharfsinn die Prinzipien der Platonischen , Jdeenlehre, namentlich das Verhältniß zwischen dem Nus, Demiurg und der Idee des Guten, weist mit einer großartigen Belesenheit in Plato deren Identität bis zur größter Wahrscheinlichkeit nach und? zeigt dann, daß das Platonische nicht, wie Zeller es anfz faßt, die „Idee des Lebendigen", sondern nur der einheitliche Ausdruck! ist für den Dualismus von Nils und Amanke (Materie) und für die! siegreiche Kraft des Erstern" d. h. der „Welt-Idee", j Ist aber für Plato die „Idee des Guten" der schöpferische „Demiurg", so lag für den jüdischen Philosophen hier schon! zwingende Veranlassung zur „Umbildung" vor, nämlich die „Idee > des Guten" nicht als Schöpfer, sondern alsErzengniß deS gött- ' licheu Denkens zu betrachten, und indem die Philonische Philo- : sophie in der Form eines Kommentars der Bibel zur Darstellung kommt, und Philo in dem mosaischen: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" etc. die „Ideal-Welt" als die Schöpfung des ersten Tages! betrachtet, so entsteht diese Umbildung des Platonischen in das Philonische! Es ist eine äußerst tiefgehende Studie, die eine sehr intime Kennt-! niß der großen Dichterphilosophen ebenso wie Philos vorausseht, I in der nicht nur der Historiker der Philosophie, sondern auch der > jüdische Religionsphilosoph viel Anregendes und Belehrendes findet- Rur eine kurze kritische. Bemerkung sei mir gestattet. S. 82 u. ff. sagt Horowitz: „Um es klar und nuverhüttt zu sagen: die intetligible Welt ist nichts anderes als die „Vernunft" des schon weltschaffenden Gottes, denn auch die geistige Stadt ist nichts anderes als die z

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