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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 44 (sequence 11)
Language
German
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44 Volk; er kann nicht beten, denn er ist ein Mann der That. Wegen seiner Gottlosigkeit wird er schließlich verflucht. Seine Schwäche ist die Leidenschaft für Frauen, die dann sein Derhängniß mitbestinnnt. Seinen Untergang bewirkt einer der Samaritaner, die Barkochba aus Betar allsgewiesen. Er geht zu den Römern über und leitet den Verrath, indem er sich zweier Personen bedient: einer griechischen Hetäre, die Barkochba in ihre Netze locken soll, um seine Geheimnisse zu erfahren, und eines jener sich Noms zuneigenden Gesetzeslehrer, der in Betar den als Propheten verehrten Eleasar zu beseitigen Hütte. Der Anschlag gelingt, die Römer dringen auf dem bezeichneten unterirdischen Gange in Betar ein. Barkochba tödtet sich im letzten Augenblicke durch den Biß einer Schlange. Bis zuletzt harrt Akiba bei ihm aus, trotzdem ihm manche Züge Barkochbas mißfallen mußten. „Mein Sohn," sagt er am Ende der Handlung, „wir haben beide geirrt. Nicht zur Macht ist Israel berufen, nicht das Schwert wird es retten. Dem Geist allein soll Israel dienen, der Geist allein wird es erlösen." Die letzte dramatische Arbeit: Barkochba von I. Benkendors (Czernowitz 1900) ist gar zu kurz gerathen. Die Dinge folgen sich, aber sie entwickeln sich nicht. Barkochba befreit Hanna, die Tochter eines reichen Landwirths, als sie von römischen Soldaten, die in das Hans eingefallen waren, gefangen fortgeführt werden soll. Sie wird sogleich Barkochbas Gattill. Als er daraus über die Römer einen Sieg erfochten, ruft ihn Akiba als Sternensohn aus und fordert seine Schüler auf, mit ihm zu Felde zu ziehen. Barkochba soll sich die ihm angebvtene Königskrone aufsetzen, ihn warnt davor Jochanan den Torta wie auch sein Weib; sie bitten ihn, die Krone so lange auszuschlagen, bis nicht der Tempel erbaut sei und die Römer das Land verlassen hätte». Doch Barkochba verschließt der Bitte das Ohr, und mit ihm muß Hanna den Thron besteigen. Barkochbas Heer wird geschlagen, Hanna sucht Zuflucht an den Gräbern der Eltern, wo sie todt zusammenbricht, Akiba erleidet den Martertod. Barkochba bleibt nur noch die Festung Betar. Da diese wegen Wassermangels sich nicht länger behaupten kann, so tödteu die Inden ihre Kinder und Weiber und dann sich selbst. Auch Barkochba will sich eben in sein Schwert stürzen, da wird er von zwei Ottern umringelt und gebissen. Mit der Hoffnung auf den wahren Erlöser, der da kommen soll, stirbt er freudig. Der Vollständigkeit wegen sei auch das von, Abraham Gold faden in jüdisch-deutscher Mundart verfaßte Melodrama: Barkochba oder die letzten Tage Zions (Warschau 1887)^verzeichnet. Dinah, die Tochter Eliazars, der von einem Aufstande nichts wissen will, neigt sich Barkochba zu, der vom Volke zum Anführer gegen Rom erwählt wird. Um Dinahs Hand bewirbt sich Papus, ein reicher Juwelenhändler. Doch da sie ihn verschmäht, geht er zu den Römern über und giebt dem Rusus den Rath, Eliazar und seine Tochter gefangen zu nehmen lind die Schuld der Empörung auf ihn zu wälzen; Barkochba würde herbeieilen, nm sie zu befreien, und man könnte dann leicht sich seiner bemächtigen. Rusus befolgt den Rath. Wirklich erscheint Barkochba, nm seine Geliebte zu fordern, da wird er in Ketten 'gelegt,'^, die er spielend zerreißt. Alster dann^nit einem Heere heranzieht, wird Dinah auf die Mauer geführt, um ihn zum Abzüge zu bewegen. Sie erzählt ihm Rusus Ansinnen; schon ist,Barkochba: zum Rückzuge bereit, um sie zu retten, da stürzt sie sich von der Mauer hinunter. Papus verleumdet nun den Eliazar bei Barkochba, daß er seine Tochter dem Rusus zugeführt hätte. Voll Zorn sticht ihn Barkochba nieder; doch bald wird er von der Unschuld Eliazars überzeugt, und so giebt er sich, von Gewissensbissen gepeinigt, selbst den Tod. (Schluß folgt.) WM Are Königsbraut. Historische Erzählung von Carola Buchheim. - IV. uf der Anhöhe, wo die Burg der polnischen Herzoge stand, sah man heute zahlreiche Reisige, die mit ihren 0^ Herren gekommen waren, und da die Pferde ihrer Ritter und die Karossen ihrer geistlichen Herren bereit hielten, die sich beim Herzoge befanden. Im großen Saale, in dem der Kanzler Graf Spitichnev die Gäste eingeführt hatte, waren an den Wänden lange Sitzreihen angebracht, auf denen die Edelleute Platz genommen hatten; am oberen Ende des Saales befanden sich zwei erhöhte Lehnstühle, auf denen die beiden größten Kirchenfürsten Polens saßen; sie umgaben im Halbkreise von beiden Seiten Domherren, Canonici, Prälaten und andere Geistlichkeit; einige Schritte von dem Sitze der Bischöfe erhob sich ein Thronsesfel, dessen Sitz und Lehne mit purpurnem Sammet bedeckt waren ebenso wie die Stufen, die zu dem Sitze hinan führten. Auf den Mienen der Anwesenden konnte man die gespannteste Neugier rvahrnehmen. Was hatte ihnen Boleslav zu vermelden, und aus welchem Grunde hatte er sie heute hierher beschrieben? Galt es neuen Kriegsthaten, neuen Eroberungszügen? Dann wäre es ja wohl unnütz gewesen, sie zuerst an den Hof kommen zu lassen. Der Herzog hätte ihnen nur, wie er dies ja sonst stets zu thun pflegte, den Befehl, zu rüsten, durch seine Herolde senden können. Wozu also dieser Ruf nach Krakau? In der vordersten Reihe, ganz nahe dem Thronsessel des Herzogs, stand Szoltan, der gleichfalls nach Krakau gekommen war und Bertha mitgebracht hatte, die so gern das Hoflebeu kennen lernen wollte und das Städteleben, von dem sie bis jetzt nur gehört hatte. Die Ungeduld der Anwesenden hatte sich gesteigert. Einige von den Edlen murrten und zischelten verdrießlich mit den Nächststehenden. Da Plötzlich wurden die Thüren weit geöffnet, und Boleslav trat ein. Im Nu waren die verdrießlichen Mienen von den Gesichtern der Murrenden verschwunden, und mit demüthigem Lächeln auf den Lippen neigten sie ihr Haupt vor dem Herzog. Boleslav schritt zu seinem Sitze hin, und als er Platz genommen, begann er: „Seid willkommen, Ihr Bischöfe und edle Herren, auf meinem Schlosse und habt Dank, daß Ihr Euch Alle versammelt habt, um meinem Rufe Folge zu leisten. Weshalb ich Euch hierher gebeten, dies will ich Euch jetzt erklären; und da ist es nothwendig, daß ich etwas weiter zurückgehe in Polens Vergangenheit. Unter meinem großen Ahnen, des Königs Boleslavs I., Regierung^ stand unser Reich in größter Blüthe und höchstem Ansehen, und die Augen aller Nachbarvölker waren voll des

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