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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 43

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 43 (sequence 10)
Language
German
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43 daß ich der Lsckung hätte widerstehen sollen. Che ich meille Predigt zu halten hatte, ward mir Ihr Bild, iu der Freude über seinen Empfang sprach ich sie, sichtlich gehoben. So nehmen Sie es denn auf sich und lesen Sie die Rede! Wenn Sie noch Ihr Buch kennen, dann wird Ihnen ein Gedanke daraus begegnen, der sich mir aus der Feder stahl, aber selbstständig fortentwickelt ist. Und wie er so vor mir stand, da fiel's mir ein, das wird der Mann in den Familienpapieren gemeint haben in der Stelle, die mir bisher räthselhaft war: „Darum haben die Juden kein Proletariat." Habe ich Recht? Es verlangt mich, Sie darüber zu hören. Wenn es auch noch sehrmöglich ist, daß Gott die Welt vor mir als Prediger bewahren wird, so habe ich dennoch so viel Achtung vor dem Berufe/ein Urtheil über die Leistung von Ihrer Hand mit Spannung zu erwarten. Seien Sie mittheilsam, verehrter Herr! Nur noch eine Bitte! Donnerstag, den 22. Mai reise ich zu meinen Eltern nach Kojetein in Mähren, denen ich nach guter Kinder Sitte die Predigt vorlesen möchte. Nur zwei Tage bleibe ich bei Ihnen, einer Militärstellung wegen, Sonnabend Nachts kehre ich wieder hierher zurück. Haben Sie darum die Güte, die Rede mir entweder noch hierher oder nach Hause senden zu wollen. Wie hat die ganze Welt, wie man zu sagen pflegt, in ihrem Herumrathen über Ihr Buch sich getäuscht! Man dachte, eine Feder hier vor sich zu haben, die sich im wissenschaftlichen Kampfe nicht seit gestern erst tummelt, und siehe da. ich habe mir etwas drucken lassen, ist die Antwort des Autors! Verehrter Herr, sagen Sie nicht, daß ich zusehends kühner werde, aber ich möchte es für mein Leben gern wissen, ob Sie nicht noch Weiteres uns schenken wollen. Sie haben sich über das, was ich in meinem vorletzten Briefe zurückhaltend zu äußern wagte, noch nicht ausgesprochen, noch warte ich darauf. Der wackere Smolensky wird Ihnen selbst seine Artikel zuschicken; dem armen, unglücklichen Manne hat die russische Eensur die Flügel gebunden, und wo er Gedanken ausheben möchte, da muß er den Leser auf das Buch verweisen. Er hat „Das Mädchen von Tanger" übersetzt, eine wahrhaft klassische Uebersetzungsprobe! Ich habe einmal wegen der Uebersetzung des Buches ins Russische angefragt, man müßte es verstümmeln. Die Ostermesse ist vorüber. Meißner zögert noch! Ich muß Ihnen wie ein rechter Schwätzer Vorkommen, der für eines Ihrer Worte zehn andere hat, aber ich fühle das Bedürfniß, zu Ihnen zu reden und Sie erlauben es. So nehmen Sie denn nochmals meinen und der Meinigen — denn wir Alle verehren Sie — herzinnigen Dank! Mit einer ergebenen Empfehlung an Ihre Frau bin ich Ihr Sie verehrender David Kaufmann. -i- * -k- Budapest. 28. Januar 1897. Geliebter Freund! So ganz iueognito soll es Ihnen denn doch nicht gelingen, über die Grenze des 70. Jahres zu gelangen. Wäre ich noch der alte Knabe von vor einem Vierteljahrhundert, ich hätte es mir sogar nicht nehmen lassen, ungeberdig laut vor Ihnen herznlaufen und mit schmetternden Tönen den Reigen der Inbelrufe zu eröffnen. Aber so stumpf bin ich trotz alledem noch nicht geworden, daß ich nicht unter vier und mehr Augen, zu denen ich die Ihren, thenre Freundin, und die Ihrer th. Kinder rechne, mit innigem Antheil mich still des Tages freuete, der dem Erkorenen und Schwerentdeckten meiner Jugend die Silberkrone der Jahre aufs sorgliche Haupt drückt. Eine Gnade und eine Auszeichnung bleibt es, wenn wir es so weit gebracht haben, zumal nach harten Tagen, in denen mancher, wie man von den Kriegerjahren sagt, doppelt zählt. Aber es wäre wahrlich das erste Alterszeichen, wenn wir heute die Köpfe hängen lieben und alten Zeiten Nachdenken wollten, statt von den Forderungen der Zukunft uns beschwingen und emportragen zu lassen. Die Gewurot stehen Ihnen noch im Angesicht. Sie haben sie allerdings in jungen Jahren bereits bethätigt, aber Sie haben wieder einmal zu zeigen, daß Sie der Alte aus der Jugend, oder der Jugendliche im Alter sind. Und dazu helfe Ihnen Gott, daß wieder die Klinge in Ihrer Hand blitze und das Feuer der Seele die Glieder Ihnen verjünge zu wackerem und munterem Strauß. Noch haben die jungen Kämpen sich nickt finden lassen, die es Ihnen gleich thun könnten. Wir bedürfen Ihrer mehr denn je. Für den Talmud, der etwas vom Altwerden verstanden hat, ist gerade das Alter ein Jungbrunnen der Gedanken, die Zeit der reifsten Seelenkrast. Auf also, alter Freund, zurück in Reih und Glied, Nicht der Kalender entscheidet über unsere Jugend. Gedenken Sie der Aufgabe, die Ihrer harrt, dann wird der heutige Tag eine Wiedergeburt und ein Jubel sein, in den noch begeistert einstimmen wird Ihr in alter Liebe Sie^umarmender Freund David Kaufmann. Barkochba in der Dichtung. Von Dr. M. Lev in. IN. uf ein Eifersuchtsdrama läuft auch das in hebräischer Sprache geschriebene dramatische Gedicht von Juda L. Landau (Lemberg 1884) hinaus. Barkochba hatte das Herz Deborahs, der Tochter seines Gegners R. Jochanan ben Torta, gewonnen. Um die Hand Deborahs bewirbt sich aber David, der heimlich im Dienste der Römer steht. Ihrem alten Vater, der sie bestürmt, dein David die Hand zu reichen, giebt sie endlich Gehör. Da aber ihr Herz dem Helden zugeneigt bleibt, sinnt David seinen Rivalen zu verderben. In Frauenkleidern schleicht er sich in Barkochbas Nähe; er wird jedoch aufgegriffen, als er gerade zwei Pfeile gegen ihn abgeschossen hatte. Deborah eilt zu dem Geliebten, als sie von ihrer Dienerin vernimmt, Barkochba habe ihren Gatten und dessen Vater Eleaser, der sich sonst stets für den Helden begeistert hatte, wie ihren eigenen Vater gefangen genommen. Ihre Bitten rühren ihn, und er beruhigt sie, trotzdem sie, wie er jetzt erfährt, ihre Hand einem Anderen gegeben und für seine Feinde fleht. Nor Gericht bethenert Eleasar seine Unschuld, auch als ihm Barkochba die aufgefangenen Briefe vorlegt, die ihn des Einverständnisses mit den Berräthern beschuldigen. Da versetzt ihm Barkochba einen Fußtritt und durchbohrt ihn darauf mit dem Schwerte; den David läßt er hinausführen, um ihn an einen Baum zu knüpfen; nur Jochanan soll bis nach Beendigung des Krieges oder bis er seinen Sinn geändert, in Gewahrsam bleiben. Deborah, in dem falschen Glauben, ihr Bater sei hingerichtet worden, sucht wieder Barkochba auf; sie findet diesen gerade im Zweikampf mit dem entkommenen Davids der ihm hinterrücks gefolgt war, um ihn zu ermorden. Sie geräth zwischen die Kämpfenden und wird von Barkochbas Schwert getroffen. Erschrocken wirft er die Waffe von sich, David aber durchbohrt jetzt seinen Feind und entflieht. In dem Augenblicke, da Deborah ihren Geist aufgiebt, erblickt sie noch ihren befreiten Vater und bittet Barkochba um Vergebung. Zu gleicher Zeit mit dem Landauschen Stücke erschien das Drama von M. Friedländer: „Rufus oder der Judenaufstand unter Hadrian" (Wien 1884). Wie schon der Titel besagt, steht Rufus im Mittelpunkt der Handlung oder richtiger der Gespräche; auch die Episoden bilden nur Gespräche, zumeist zwischen Philosophen und Sophisten; von Barkochbas Thaten hört man nur erzählen; die einzige That, die man sieht, ist znm Schluß die Gefangennahme des Rufus durch Barkochba. Von ganz anderer Beschaffenheit ist das in polnischer Sprache verfaßte Trauerspiel Alfred Nossigs: „Der König von Sion" (Lemberg 1888), das mir handschriftlich in einer deutschen Uebersetzung Vorgelegen hat. Hier wird aus dem Charakter des Helden sein Schicksal begründet. Nicht die Gottesfurcht leitet ihn. seine Liebe ist das

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