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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 41 (sequence 8)
Language
German
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41 verbreitete sich jedoch auf einmal das Gerücht: das „Abstempeln" der Butter solle Gemeindesache werden, der aus der Stempelgebühr erfließende Nutzen gehöre in die Gemeindekasse, und Dr. Dünner werde van Taxen ch Co. die Befugniß entziehen. Auf Erkundigung der Letzteren, ob und inwieweit das Gerücht Wahres enthalte, erfolgte keine Antwort. Endlich am 26. Dezember trifft bei den Betroffenen ein Schreiben des Oberrabbiners ein. das die schlimmsten Erwartungen bestätigen sollte. Es ward ihnen darin mit dürren Worten anheimgegeben, an der mit dem 1. Januar 1900, also vier Tage später, ins Leben tretenden Gemeind eh alle auch ihrerseits Butter mit dem Rabbinatswahrzeichen stempeln zu lassen. In Wirklichkeit war damit die Unterdrückung eines gutgehenden geschäftlichen Unternehmens mit einem Federstrich dekretirt, — Vollstreckung eines Urtheils, ohne auch nur den Versuch einer Begründung, innerhalb vier Tagen ausgesprochen! Und zum Schaden auch noch der Hohn, der in der gnädigst bewilligten Erlaubnis; liegt, unter rabbinischer Aufsicht gleich den Anderen ferner Butter Herstellen und verkaufen zu dürfe». Ein besseres Zeugniß ihrer Unbescholtenheit und Integrität konnten van Taxen L Co. sich freilich gar nicht wünschen, als ihnen das Rabbinat gerade durch diese Erlaubnißertheilnng unwillkürlich ausstellt. Daß die Firma oder deren Angestellte sich irgend etwas hätten zu Schulden kommen lassen, ist übrigens auch gar nicht behauptet worden. Es ist also Thatsache, daß ein anständig und gewissenhaft betriebenes Geschäft über Nacht ruinirt, und außer dem Inhaber sieben Familienväter wegen eines sogenannten Interesses der Gemeindekasse um Stellung und Brod gebracht worden sind. Von einer zu leistenden Schadenvergütung, die doch das Mindeste wäre, was die Geschädigten beanspruchen könnten, ist erst gar nicht die Rede. Und dieser Gewaltakt — man kann es nicht anders qualiftziren — wird von Orthodoxen an Orthodoxen vollzogen, zur geheimen Freude aller Ungläubigen in unserem nordischen Venedig, zur Freude aller Nichtjuden, deren Blicken in diesen Zeiten wahrlich nichts ferner gehalten werden müßte als solcher Skandal im eigenen Lager. Was die genannte Firma betrifft, so hat sie sich bereits kräftig zur Wehr gesetzt und ihren Entschluß angekündigt, den Oberrabbiner wegen Vertragbruchs eventl. durch alle Instanzen zu belangen. Unsere Gemeiudeangehörigen jedoch, insonderheit die der orthodoxen Richtung, werden aus ihrer Entrüstung über das verübte Unrecht kein Hehl machen, wenn auch oder gerade weil der oberste Geistliche der Urheber ist, und werden den Vergewaltigten ihre Unterstützung nicht entziehen. So sagt man. Nun, die Botschaft hör' ich wohl, mir aber fehlt der Glaube! n. Wilhelm Herzberg und David Kaufmann <Zur Erinnerung an den 30. Januar.) Erinnerung all zivei edle Männer, einen Dichtern voll nicht geringer Bedeutung und einen Gelehrten von wahrhafter Größe, sind die folgenden Briefe gewidmet. Am 30. Januar ist der Geburtstag Wilhelm Herzbergs, des Dichters der „Jüdischen Familienpapiere". Man wußte bisher nur in engeren Kreisen, was der verewigte Professor David Kaufmann für die Kenntnis; und Verbreitung dieses merkwürdigen Buches gethan, das er geradezu entdeckt hat. Der schwärmerische Enthusiasmus, der Kaufmann auch später nie verließ, die feine poetische Empfindung, die ihn stets beseelte, das warme, theilnahmsvolle Herz, das aus diesen Briefen zu uns spricht, macht sie zu höchst werthvollen Dokumenten zur Jugendgeschichte Kaufmanns und zur Lebensgeschichte Herzbergs, des bescheidenen, in sich gekehrten Mannes, des echten Dichters von Gottes Gnaden, dem die Welt nichts geben kann, weil er nur auf die Stimme des Herzens horcht und von der Welt nichts haben will. Die folgenden Briefe, die keines Kommentars bedürfen, ehren Beide: den Schreiber wie den Empfänger in gleichem Maße. Sie drehen sich fast ausschließlich um die „Jüdischen Familienpapiere", die 1873 in zweiter Auflage bei Otto Meißner in Hamburg erschienen waren. -iq- * Breslau, 17. Februar 1873. Hochgeehrter Herr! Der Ihnen diese Zeilen schreibt, spricht nicht für sich allein, er bringt im Namen Vieler, denen die „Jüdischen Familienpapiere" Erhebung gewährt, Ihnen, dem Herausgeber, seelischen Dank. Zur Berechtigung dieser Zeilen erlauben Sie mir den Hinweis aus Nr. 30 des Magazin f. d. L. d. A. (1872), in dem ich durch eine freilich späte Anzeige auf das leider so wenig gekannte Buch aufmerksam zu machen versuchte. Erlauben Sie mir, hochgeehrter Herr, daß ich, voll glühendem Antheil für das Buch beseelt, Sie um die Beantwortung meiner Fragen ersuche. Ans mich selbst hat, wie ich es auch geäußert habe, das Werk stets den Eindruck eines geschlossenen Ganzen gemacht; die Einzelheiten, die eine solche Meinung zu widerlegen scheinen, hielt ich für beabsichtigt, in: künstlerischen Plane begründet. Ich bin jedoch mit dieser Ansicht bei genauen Kennern des Buches ans Widerspruch gestoßen und wage es deshalb, an die einzig kompetente Quelle mit der Bitte um Ausschluß hierüber mich zn wenden. Möge ich in dem Sinne mich getäuscht haben, daß ich vernehmen könnte, es harren noch einige jener köstlichen Briefe der von den Wenigen, die sie kennen, glühend ersehnten Veröffentlichung. Wiewohl ich mich vielfach bestrebt habe, das Werk nach seinen! ganzen Gehalte zu ergründen, so wäre es mir dennoch erwünscht, den Gesichtspunkt zu erfahren, aus dem das reichhaltige Buch vielleicht in neuer, vieles erhellender Beleuchtung könnte angesehen werden. Vielleicht dars ich es von Ihrer Güte hoffen, die leitende Rücksicht kennen zn lernen, von der Sie in der Sichtung und Ordnung dieser Sammlung sich haben bestimmen lassen. Nur wenn ich Ihnen die ganze Innigkeit meiner Theilnahme für dieses Buch ausdrücken könnte, würden Sie vielleicht meinen Schritt entschuldigen. Gewähren Sie mir die Freude, von Ihrer Hand meine Ansichten bestätigt oder berichtigt zu sehen. Mögen Sie dies bald thun! Sie verbinden damit aufs Stärkste Ihren Sie hochachtenden, Ihnen tiessten Dank schuldenden David Kaufman u. Adresse: Breslau, Nikolaistraße 20, It. Breslau, 15. März 1873. Verehrter Herr! Ich habe es vorgezogen, die vorstehenden Zeilen so zu belassen, wie sie bestimmt waren für den großen Unbekannten, dem Otto Meißner sie übermitteln sollte. Heute habe ich sie zurückerhaUen und eile, sie Ihnen, verehrter Herr, zuzusenden. Vielleicht wird es Ihrem Bewußtsein wohlthun, wenn ich Ihnen rnittheile, daß von kundiger Seite Bernahs (der Chacham) oder Stein- Heim unter dem Visir der Anonymität vermuthet wurden. Meißner theilt mir mit, daß Sie nach einer neuen Vereinbarung das Buch auf das Drittheil des Preises herabgesetzt haben, ich war darüber erstaunt. Gerade jetzt ist das Buch in steigender Verbreitung begriffen; was von einem Einzelnen dazu gethan werden kann, habe ich mit Erfolg versucht. Mein Freund Smolensky in Wien veröffentlicht jetzt in seinem Haschachar eine Besprechung des Buches, in der mit gewohnter Meisterschaft Stücke daraus ins Hebräische übersetzt werden. Auf Ihr Verlangen werde ich das Heft sofort Ihnen, zusenden.

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