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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-25 · Heft 4 (25.1.1901) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 4 (25.1.1901)
Date
1901-01-25
Page
Seite 39 (sequence 6)
Language
German
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39 Sonne nicht unlergeht, betrauern auch die Juden den Tod einer Fürstin, die während ihrer ungewöhnlich langen Negierungszeit und in ihrem ganzen Privatleben die Idee der Toleranz und der Humanität stets anerkannt und durchgeführt hat. Das Zeitalter der Königin Victoria wird auch in der Geschichte der Juden in England das goldene genannt werden. Denn voll dem Regierungsantritte im Jahre 1887 all wurde die völlige Gleichstellung der Juden im Staate und im Leben, oft unter harten Kämpfen, immer aber mit der gleichen Energie und Thatkraft, durchgeführt. Ein Premierminister aus jüdischem Stamme, der seinen Stolz auf diese Abkunft nie verhehlte, durfte an dem glänzenden Aufschwung, den das britische Reich in dieser Periode nach innen wie nach außen erfahren hat, seinen hervorragenden Antheil nehmen. Im Heere, in der Verwaltung, auf allen Gebieten öffentlichen Lebens gelangten Juden zu Ansehen und Stellung. Und auch in ihren Privatcirkel zog die Heimgegangene Königin gar oft hervorragende Künstler, Gelehrte und Abgeordnete, die aus ihrem Judenthum kein Hehl machten. So trauert heute all der Bahre der greisen Herrscherin das ganze britische Volk ohne Unterschied der Partei, des Standes, der Konfession in aufrichtigem Schmerze, mit warmem Gefühl des Dankes, für das, was die Heimgegange ihrem Lande gewesen, und segnet das Andenken der Königin Victoria, das in der Weltgeschichte leuchtende Spuren hinterlassen hat. Der berühmte dänische Literarhistoriker Georg Brandes, obwohl selbst ein Jude, hat sich selten über jüdische Dinge ausgesprochen. Denn die Nachricht, die durch manche Blätter ging, daß er sich zum Zionismus bekannt habe, gehört zu den vielen Märchen, die über dieser! Helden einer meist böswilligen Sagenbildung verbreitet werden. Um so erfreulicher wirkt ein Artikel von ihm, der unter dem Titel: „Jüdische und christliche Rumänen" in der Januarnnmmer der dänischen Zeitschrift „Tilskueren" veröffentlicht wurde. Der Artikel enthält keine neuen Thatsachen, aber ist bedeutsam durch seinen Inhalt und seinen Ton. Einzelne Stellen daraus wird Ulan auch in Deutschland gern lesen. Sie lauten: „Vom König, der Königin und den Ministern des Landes selbst haben die unglücklichen jüdischen Rumänen keinen Beistand zu erhoffen. Aber hoffnungslos ist ihr Zustand deshalb nicht. Wenn alle Männer jüdischer Abstammung in Europa und Amerika zu ihrer Verteidigung zusammenständen, sich ihrer Macht bewußt wären nud diese Macht gebrauchten, so würden diese Männer bald mit den Missethätern in einem barbarischen Kleinstaat fertig werden. Die Zeit ist vorbei, wo der jüdische Stamm sich ohne Widerstand mißhandeln lassen mußte... Doch gegenüber der modernen Barbarei und ihrer frechen Grausamkeit kann man gar nicht anders, als sich mit dem Verfolgten solidarisch suhlen. Es ist im übrigen keine Schande, dem einen der beiden begabtesten Völker der Erde. Griechen und Juden, anzngehören . . . . Aber wer sich vor einem recht schrecklichen Inden entsetzt, mag in ihm ein Zeugniß dafür sehen, was die christliche Nächstenliebe, nachdem sie ein Jahrtausend gewirkt, ans einem alten Volke machen konnte.... Der heuchlerische Name Judenhaß ist um so lächerlicher im Munde christlicher Männer und Frauen, als Jesus in eigener Person doch Semit war. und die einzige wirklich semitische Geistesrichtung in Europa die ist. die^man gemeinhin Christenthum nennt." Der Artikel schließt mit Rathschlägen zur Abhilfe: 1. Die Wahrheit über Rumäniens Verhältnisse zu sagen und stets zu wiederholen. 2. Die jüdische Finanzwelt soll dem rumänischen Staat jede Hilfe verweigern. 4 Rechte Tatarennachrichten bringen die amerikanischen Blätter über Juden und Judenthum. So lassen sie sich aus Petersburg Folgendes berichten: „Gestern veröffentlichte der „Negierungsbote" den Dank des Zaren an alle Klassen seiner getreuen Unterthanen, und heute verlautet, daß er seine Genesung durch ein Toleranzedikt zu feiern gedenkt, daß wenigstens die allerdrückendsten Gesetze und Verfügungen, welche zur Zeit die Juden in Rußland entrechten — es mögen trotz aller Auswanderung immer noch 5 000 000 sein — aufgehoben werden sollen. Sowohl der Zar als die Zarin schreiben seine Errettung vom Tode in erster Linie seiner Behandlung durch den leitenden Leibarzt Dr. Hirsch zu, der nicht nur als Israelit geboren ist. sondern sich auch zum Glauben seiner Väter fest bekennt. Dr. Hirsch soll eine Rangerhöhung und sonstige persönliche Ehrungen ausgeschlagen und der Zarin begreiflich gemacht haben, er würde seinen schönsten Lohn in einer milderen Behandlung seiner unterdrückten Glaubensbrüder sehen. Das Weitere soll die Zarina bei ihren! Gatten ausgerichtet haben." Schade, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort ist. Der Leibarzt des Kaisers, Dr. Hirsch, ist kein Jude. Nicht minder seltsam ist eine zweite Botschaft aus Amerika, in der es heißt: „Bereits vor einigen Monaten tauchte das Projekt auf, ein ausschließlich ans Israeliten bestehendes M i l i z re g i m e n t zu bilden und dasselbe der Nationalgarde einznverleiben. Gouverneur Roosevelt und Generaladjntant Hoffmann zollten dein Plane vollen Beifall, machten jedoch geltend, daß die Finanzen des Staates gegenwärtig die Uniformirung und Bewaffnung eines neuen Regiments von 1200 bis 1500 Mann nicht gestatten. Nun soll auch dieses Hindernis; ans dem Wege geräumt werden. Wohlhabende Israeliten haben bedeutende Beträge zur Ausrüstung des geplanten Truppenkörpers in Aussicht gestellt, und ein großer Theit der angehenden Vaterlandsvertheidiger ist bereit, die Uniformen aus eigenen Mitteln anzuschaffen. Die provisorische Organisirung des Regiments hat bereits stattgesunden. und Professor M. D. Gottlieb wurde bis auf Weiteres znm Oberst gewählt. Er und ein Komitee werden die weiteren Einzelheiten mit Generalüdintant Hoffmann besprechen und denselben ersuchen, dem Regiment ein passendes Arsenal anzuweisen." Hoffentlich erweist sich diese Nachricht als falsch! Das wäre doch eine seltsame Art, die Gleichberechtigung praktisch durchzuführen, was ja die amerikanischen Staatsmänner anstreben. Die Inden haben auch im letzten Kriege in allen Regimentern tapfer mitgekämpft. Ein jüdisches Regiment wäre der schreiendste Anachronismus, den man sich denken kann. Bericht Über die Versammlung israelitischer Lehrer und Rultusbeainten der Provinz Pommern. m Dienstag, den 25. Dezember 1900 tagte in Stolp der Verein israelitischer Lehrer und Kultnsbeamten der Provinz Pommern. Erschienen waren die Herren: Rabbiner Dr. Josephsohn- Lauenbnrg und Dr. Kalischer-Stolp sowie die Kultusbeamten Saul- Schivelbein, Bauer-Köslin, Finkelstein-Polzin, Weinkranz-Lauenbnrg, Heidenseld-Schlawe. Rose-Rügenwalde, Baldrian-Stolp, Nakler-Stettin, Bellak-Bütow, außerdem eine Abordnung der Gemeindevertretung zu Stolp. Dr. JosephsohmLauenburg, Vorsitzender des Vereins, eröffnet um zwei Uhr die Sitzung, und begrüßt die Versammlung sowohl im eigenen Namen als auch im Aufträge des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche. Herr Golde, Vorsitzender des Stolper Shnagogen-Vorstandes, begrüßt die Versammlung namens beider Körperschaften (Vorstand und Repräsentanz), versichert sein Interesse an der Versammlung schon aus dem Grunde, weil die Zukunft Israels in der Jugend läge, deren geistige und sittliche Bildner die jüdischen Religionslehrer seien. Nach einem für diese Bekundung ausgesprochenen Danke seitens des Vorsitzenden wird sofor

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