Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1901)
- Date
- 1901-01-18
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228419-3228423--57208-3293567- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
in Berathung zu treten. — Die bisher cingcgangcucn Ausnuhmegesuche werden nunmehr geschäftsmäßig behandelt werden; weitere Gesuche sind mit den durch die Statuten erforderten Papieren an den Schriftführer Dr. Siegel, Berlin XVV.. Klopstockstraße 21, zu senden. Damit war die Tagesordnung erledigt, und der Vorsitzende schloß die Sitzung um IV^ llhr mit Worten des Dankes für alle Theilnehmer an der Versammlung. M. Hauff, Vorsitzender. Dr. M. Fiegel, Schn st sichrer. §2 Berlin, 14. Januar. In der letzten Sitzung der Stadtv e r or d ne t e n v er sa m in l u n g gab es auch ein kleines antisemitisches Neneontre. Der Stadtoerordnete Singer wendete sich gegen den Stadtverordneten Pretzel, indem er sagte, dieser habe kein Necht, den Arbeitern solche Vorwürfe zu machen, wie er gethan. Mit demselben Recht könnte er den Antisemiten vorwerfen, daß sie mit ihrer Parole: Kaust bei keinem Juden! wirthschaftliche Existenzen ruinirt Häven. Wir geben nun die folgende Debatte nach den Auszügen der Tagesblätter wieder: Stadtverordneter Pretzel: Er gehöre nicht zu den Antisemiten und zu keinem antisemitischen Verein. Er müsse aber heroorheben, daß die Dinge sich anders abgespielt haben, wie der Vorredner gesagt: die Juden haben zuerst angefangen, antisemitische Existenzen zu bedrohen, wenn sich die betreffenden Personen eine eigene Meinung erlaubten. <Oho!) Stadtverordneter Cassel: Der Stadtverordnete Pretzel solle doch den Beweis bringen, daß Inden irgend Jemand wegen seines Glaubens oder seiner politischen Ueberzeugung wirtschaftlich rninirt haben. Nach Schluß der Debatte erklärt Stadtverordneter Pretzel in persönlicher Bemerkung, es bestehe sogar eine schwarze Liste solcher Antisemiten, bei welchen die Inden nicht kaufen sollten. Auf dieser Liste stehe auch sein eigener Name. Stadtverordneter Cassel: Im Nahmerl einer persönlichen Bemerkung könne er die Behauptung des Vorredners nicht zurückweisen. Das werde zu anderer Zeit und an anderem Orte geschehet! müssen. V Könitz, 9. Januar. Wie bereits mitgetheilt wurde, sind bei der hiesigen königlichen Staatsanwaltschaft nach einander mehrere Kleidungsstücke, des erm 0r d eten Gymnasiasten Ernst Winter eingeliesert worden. Einzelne Kleidungsstücke sind gestern Nachmittag zwischen drei und vier Uhr durch Spielleute des 14. Infanterieregiments in einer Tannenschounng in der Nähe des Weges nach Klein-Konitz aufgefnuden. Sie sind heute durch einen intimen Freund des Ermordeten, den Sekundaner Hans Boeck. auf das Bestimmteste als die des Winter wiedererkannt worden. Während die Weste sehr zerknüllt ist, war das Jackett ziemlich unbeschädigt; doch war das Aermelfntter stark mit Blut durchtränkt. In der Tasche des Jacketts befand sich übrigens auch das mit L. gezeichnete Taschentuch, das die Fraueil Roß und Berg unter der Lewyschen Wäsche bemerkt haben wollten. Es gewinnt den Anschein, daß das ganze Verfahren in ein anderes Stadium übergeht. Die umfangreichsten Ermittelungen sind wieder im Gange und sollen möglichst geheim gehalten werden. — Außerdem fand am 13. Vormittags bei einem Nundgang durch den Logengarten der Oekonom der Loge, Herr Dobrindt. ein blaues Kammgarnbeinkleid, das offenbar während der letzten Nacht über den Zaun geworfen sein muß. Durch den hinzngerusenen Sekundaner Hans Boeck wurde das Beinkleid des ermordeten Gymnasiasten Ernst Winter wiedererkanut. Dieser hatte es am Tage des Mordes <11. März I960) getragen. Der benachrichtigte Erste Staatsanwalt, der mit mehreren höheren Beamten bald darauf erschien — auch der Landrath Freiherr v. Zedlitz war zugegen — hatte die bei der Staatsanwaltschaft eingelieserte, kürzlich in einer Tannenschonnng des Stadtparks Noßgarteu gefundene Weste mit zur Stelle bringen lassen. Durch Vergleichung mit dieser wurde die Identität sestgestellt. Die nur zu berechtigte Empörung über das frevelhafte Treiben des Mörders oder der Mörder und seiner Helfershelfer, die geradezu eine Verhöhnung der Behörden zu beabsichtigen scheinen, ist sehr groß und allgemein. Kriminalkommissar v. Kracht aus Berlin, der sich hier aushält, hat, wie man sieht, ein reiches Feld vorgefunden, seine Thätigkeit zu bewähren. — Eine sehr merkwürdige Drahtmeldung zur Kouitzer Affäre geht den Berliner Blättern aus Kottbns unterm 14. d. M. zu: „Eine sensationelle Meldung erstattete heute bei der hiesigen Polizeibehörde der Tischlergeselle Max Wolfs, ans Bromberg gebürtig, der bei der Fremdenlegion in Bel-Abbas diente und sich jetzt ans der Wanderschaft befindet. Wolfs theilt mit, ein deutscher Frem d e ul eg i 0n ar habe ihm erzählt, er wolle, anstatt sich von seinen Vorgesetzten hart bedrücken zu lassen, lieber nach Deutschland znrüekkehren. nur den in Gemeinschaft mit eitlem Andern in der Trunkenheit verübten Mord an Winter in Könitz zu sühnen. Der Mörder, dessen Name ihm unbekannt sei, diente bei dem erstell Regiment in Bel-Abbas in der Provinz Oran und war Fleischergeselle in Könitz. Wolfs macht eitlen glaubwürdigen Eindruck. Die Polizei hat Verhandlungen eingeleitet/' Posen, 9. Januar. Die heutige Stadtverordnetensitzung war ziemlich bewegt. Dem Geheimen Justizrath Orgler, der fünfzehn Jahre Stadtoerordnetenvorsteher war und das Amt am 3. Januar wegen seines Alters und seiner geschwächten Gesundheit niedergelegl hat. wurde, wie bereits telegraphisch gemeldet worden ist, auf Antrag des Magistrats einstimmig das Ehrenöürgerrecht verliehen. Bürgermeister Künzer für den verhinderten Oberbürgermeister und der jetzige Stadtverordnetenvorsteher Dr. Landsberg feierten die großen Verdienste Orglers, der dem Stadtverordnetenkolleginm noch angehört, überaus warm. Geheimrath Orgler dankte tiefbewegt; er nahm die Ehre an. weil er darill eine Anerkennung der Verdienste erblickte, die sich Magistrat und Stadtverordnete um die Entwickelung der Stadt erworben haben. r. Posen, 12. Januar. Am 7. d. M. fand — wie fast alljährlich — die Feier der Chewra Kadi sch ah im festlich geschmückten Saale statt. Die Betheilignng am Festmahle war eine sehr rege, alle Parteien, alle Berufsklassen waren zahlreich vertreten. Nach dem durch den Vorsitzenden Herrn Silberberg verlesenen Jahresbericht und der erhebenden, alles begeisternden Festrede des Herrn Gemeinderabbiners Dr. Feilchenfeld gestalteten zahlreiche Toaste ernsten und humoristischen Inhalts, Musik und Gesang die Feier zu einer wahrhaft erquickenden. Wo der Gemeindevmstand. zusammengesetzt ans Männern der verschiedenstell Parteirichtnngen, seiner hohen Aufgabe, ein Segen für die Gemeinde zu werden, so zielbewußt znsteuert, wo der Gemeinderabbiner so thatkräftig wirkt und schafft, da kann's nicht fehlen, daß die Gemeinde- Institutionen mnstergiltig dastehen. und zahlreiche Wohlfahrtsvereine sich kräftig entfalten. In der „Brüdergemeinde" ist vor einiger Zeit Herr Kantor Oswald, bisher in Kattowitz. gewählt worden; nachdem er sich mit den diesbezüglichen Ansprüchen und Wünschen seiner Gemeinde vertraut gemacht, findet er allgemeinen Beifall und wird diese ansehnliche Stellung hoffentlich gut ausfüllen. 8. PLeschen, 10. Januar. Dem von hier scheidenden Landrath v. Noell ist unter vielen anderen Ehrungen. Adressen rc. auch eine künstlerisch ausgestattete Adresse seitens der Vertretung hiesiger jüdisch eil Gemeinde überreicht worden. In derselben werden den Gefühlen hoher Verehrung und Dankbarkeit Ausdruck gegeben, mit welchen Herr v. Noell nicht nur einzelnen Mitgliedern stets begegnet, sondern auch für die warme Fürsorge, mit welcher v. Noell die Interessen und den Frieden unserer Glaubensgellossen jederzeit zu fördern beseelt war. 0. Breslau, 10. Januar. Am 4. d. M. ist hier der Rittergutsbesitzer Dr. Siegln« nd Friedlaender, ein feingebildeter und wohlthätiger Manu, gestorben. Dem Leichenbegängnisse wohnten unter Anderen! bei Oberbürgermeisters^'. Bender, zugleich zweiter Vorsitzender des Provinziallandtages, ferner Graf Stosch, Vorsitzender des Provinzialausschnsses, Freiherr v. Nichthofen. Landeshauptmann der Provinz Schlesien, Dr. v. Lieres, Landrath des Kreises Breslau, Stadtverordnetenvorsteher Geheimer Justizrath Freund, Geheimrath Professor Dr. Weigelt-Frankfurt a. M., Professor Dr. Friedländer- Berlin, Stadtverordneter Rechtsanwalt Heilberg, Geheimrath Gürich, Landesrath Noak. Außerdem waren erschienen: Mitglieder des Provinzialansschusses, dem der Verstorbene angehörte, des Provinziallandtages, der Provinzialverwaltung. des Kreistages und Kreisausschusses. Vertreter der Gemeinden Kentschkau und Mochbern. eine Deputation der Cellulosefabrik Feldmühle, Industrielle aus Stadt und Provinz sowie zahlreiche Deputationen von Körperschaften und Vereinen, denen der Verstorbene nahe gestanden Hatte. Die Trauerseier leitete ein auf einem Harmonium gespieltes Präludium ein, woraus ein Sängerchor das Lied: „Es gleicht das Menschenleben der Blume aus dem Feld", vortrug. Rabbiner Dr. Guttmann hielt alsdann eine ergreifende Trauerrede nuterZugrundelegung des Textes: „Ein treuer Mann verbreitet viel Segen." Er führte aus, daß mit dem Verstorbenen ein in den weitesten Kreisen Breslaus und der Heimathsprovinz hochangesehenster Mann von uns geschieden fei, der im politischen und Gemeindeleben, in der Industrie, der Landwirthschaft, der Knust und Wissenschaft eine überaus segensreiche Thätigkeit entfaltet hervorra, Menscher Liebensw Liedes „ und doch 6 R alljährlich Kadisch gemeinsai Stimmuli alles auf, prompte zeichnen z trug durci religiöse l der ehrwi einer steti getretener Verein, d storbenen, des Worte fördert w hochverdie denzen de — den e erkennnng der schönsi nach dem Wohlthätst allen Gäß sämmtliche beim nachs i4l. Ha unserer Nc 65. Lebens Rabbiner seinen W Die geste sehr grotzei schon in s Schulhause, worden. ' b. Boilin, sonstige M größere An§ gemeinden § ihre Rabbi Gemeinde n bürger hatti erweisen. K und die ü Oberrabbine Kapitel 1. des Dahinc Im Namen Rabbiner D Weitere Ged Vorsitzenden S^Har, der Bürsteni welcher an; ijraelitis < mal er der hatte eine W grenzte, und Brettern ver Angeklagte a großen Haß Haushälterin wolle. Unmi