Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 3 (18.1.1901)
- Date
- 1901-01-18
- Page
- Seite 36 (sequence 16)
- Language
- German
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36 Daß meinen! Angedenken man nicht striche. Daß man nicht sage, er belog das Volk! — Und nnn lebt wohl! Vor meinem Geiste dämmert Die Zukunft Israels herauf: ich war sein letzter Regent — nach mir wird Keiner kommen. Der für die Freiheit Gut und Leben wagt - Rach niir wird Ruhe sein — und Ruhe braucht Und will das Volk! (Fortsetzung folgt.) MMN Die Königsbraut. Historische Erzählung von Carola Vnchheim. ML n den Straßen Krakaus herrschte reges Leben, und seit dem frühesten Morgen schon konnte man allerorten eine Menge Menschen sehen, die in festlichem Gewände ansgezogen waren, um den Einzug zu sehen. Sollte doch bei der Ankunft des jungen Herzogs Boleslav tl. eine bisher nach nie dagewesene Pracht entfaltet werden, und daran hatte es lange gefehlt; denn unter Herzog Kasimirs Regierung waren die Zeiten stets ernst gewesen — der Herzog selbst war schon in den letzten Jahren krank und mürrisch und daher ein Feind allen Gepränges. Null aber sollte es anders werden, und der junge Herzog würde wohl auch wieder prächtige Aufzüge und glänzende Feste veranstalten, daß auch das niedere Volk etwas von der Pracht des Hofes zu sehen bekäme, wie dies ja zu Zeiten seines Ahns, Boleslav des großen Polenkünigs, stets der Fall gewesen. Damals hatte es an öffentlichen Belustigungell nie gefehlt, und es gab stets etwas, das die Schaulust der Menge befriedigte und dem Volke immer wieder Stoff zur Bewunderung gab und zu befriedigter Neugier. Und wie es den Anschein hatte, sollte sich diese schöne Zeit erneuern, der jetzige Herrscher war jnug und — wie es hieß — genußsüchtig. Das konnte ihm doch wahrlich kein Mensch verargen, im Gegentheil dle Polen freuten sich, wenn sie ihres schönen, tapferen Herzogs ansichtig wurden. Sie waren stolz auf seinen Muth und seine ritterlichen Thaten; deshalb versäumten sie denn auch keine Gelegenheit, wenn es galt, dem Herzoge ihre Zuneigung und Ergebenheit zu beweisen. Und heute sollte er von der langer! Reise heimkehren, die er gemacht, um sich der Treue der mächtigen Edelleute zu versichern, wenn er, wie es wohl bald der Fall sein dürfte, ihrer Hilfe benöthigen sollte. Darum aber galt es, den Herzog festlich zn empfangen, hatte er ja doch diese schwerfällige Reise nur im Interesse seines Volkes unternommen. Und so standen sie denn schon stundenlang da, Kopf an Kopf gedrängt, Greise und Kinder, Männer und Frauen, und allerlei junges Volk, das sich die Zeit des Wartens mit allem möglichen Scherz und Neckerei zu vertreiben suchte. In einer Gruppe, die dem Thore, durch das der Einzug stattfinden sollte, am nächsten stand, ging es besonders lebhaft zn. Jetzt aber ging eine Bewegung durch die Menge, die sich den Ersten, dem Thore zunächst Stehenden miltheilte und sich fortpflanzte bis an den Wawelberg, aus dessen Höhe sich das herzogliche Schloß befand. „Er kommt, er kommt," ging es jetzt durch die Reihen, und Einer drängte den Anderen, um besser zu sehen. Und in der That ertönte jetzt Hörnerschall vorn Stadtthore her, laut und schmetternd erklang es jetzt. — Die Fanfarenbläser, sechs an der Zahl, eröffneten den Zug; ihnen folgten auf weißen Rossen die Herolde in hochrothell Wämsern, auf denen das polnische Wappen, der weiße Adler auf rothem Felde, zu sehen war; auf ihrem Barette wogten in den Landesfarbeu weiße und rothe Federn. Null erschien, umringt voll den Edlen, die zu seinem Empfange ausgezogen waren, stolz und strahlend der Herzog. Eine allgemeine Bewegung hatte sich jetzt der Wartenden bemächtigt, und Alles reckte sich und die rückwärts Stehenden erhoben sich auf den Fußspitzen, um nur ja nichts zu verlieren von dem Anblick ihres Herzogs. Und wahrlich, die Pracht die sich ihrem Blicke bot, genügte den höchsten Anforderungen so glänzend waren die Rüstungen, die Rosse so strahlend von Gold lind Edelsteinen war die Kleidung der Ritter! Und nun gar der Herzog! Einem jungen Kriegsgotte gleich saß er ans einem feurigen Rappen mit purpurner Schabrake, die an den Enden reich mit Silberstickerei verbrämt war. Der Herzog trug eine Rüstung aus glänzend polirtem Stahl. Voll seinem Helme, der mit einer Krolle geschmückt war, wallten lange Federn, die sein jugendlich schönes Antlitz umrahmten, der Blick seiner großen, leuchtenden Augen schweifte über die Menge hiil und seine vollen Lippen umspielte ein leises, fast hochmüthiges Lächeln. Den Edlen folgte ein Trupp Reisiger und endlich der Troß, Knechte mit Handpferden, bepackte Wagen, und den Schluß bildeten Landsknechte. Bei des Herzogs Anblick war das Volk in taute Rufe ausgebrochen. „Es lebe unser Herzog! Herzog Boleslav lebe!" Und weiter und immer weiter ertönte dieser Ruf und begleitete den Herzog bis an das Burgthor Hill. Der Zug hatte sich langsam durch die Straße den Berg hinauf begeben, und nach einigen Augenblicken war das ganze glänzende Schallspiel den Allgen der gaffenden Menge entrückt. (Forts, folgt.) Litterarische Mittheilrmgen. — Gustav Levinstein: Ueber die Erlösung des Jndenthums. Berlin 1901. Selbstverlag. Der Aufsatz voll Benedictus Levita in den „Preußischen Jahrbüchern" hat weit mehr Aufsehen erregt, als ee es verdient. Nicht etwa seiner selbst willen, sondern weil er die Anschauung eines großen Kreises über die Frage der Judentausen wiedergiebt. Mit Recht wendet sich daher auch unser Autor, dem wir schon manche vortreffliche Gabe auf diesen! Gebiete verdanken, gegen diese verschwommenen, sentimentalen und grundfalschen Anschauungen über die Religion des Jndenthums und über die Bedeutung des Uebertritts zur christlichen Religion. Mit genauer Sachkenntnis;, mit inniger Ueberzeugungskraft widerlegt Levinstein Satz für Satz die falschen Behauptungen Levitas und auch dessen Erwiderung auf die Antwort Dr. Vogelsteins in den „Preußischen Jahrbüchern". Gewiß werden Alle, die den Auseinandersetzungen Levinsteins mit objektiver Teilnahme folgen, seinen! Schlnßurtheil znstimmen, daß ein Mann wie Levita. der von der Einheitslehre des Jndenthums von ganzem Herzen überzeugt ist, dessen Seele sich ganz und gar von der Dreieinigkeitslehre und der ganzen christlichen Dogmatik ablvendet, und der dennoch seine Kinder in dieser Lehre erziehen läßt, „vor den Augen eines jeden rechtlich denkenden Menschen eine gewissenlose, unehrenhafte und nach allen Richtungen hin unheilvolle Handlung begeht". Druck und Verlag von Rudolf Mossein Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.