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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-18 · Heft 3 (18.1.1901) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
Seite 35 (sequence 15)
Language
German
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Man sollte nun ein historisches Drama erwarten, doch die ' historische Bewegung bildet nur den Hintergrund, aus dem j persönliche Verwickelungen hervortreten. Barkochbas Freund Gideon war eines Plötzlichen Todes gestorben. Daß er sich selbst den Tod gegeben aus Nene darüber, seinen ihm unbedingt vertrauenden Herrn bei dem Falle einer Festung verrathen zu Haberl, hat Barkochba nicht erfahren. Er vermuthet in Benjamin, Gideons eigenem Bruder, den Mörder und läßt ihn irr den Thurm werfen. Aus diesem befreien ihn Rahel, Benjamins Braut, und deren Schwester Judit, Barkochbas Gattin. Benjamin weigert sich zuerst die Flucht zu ergreifen, doch als er von der Straße den Jubel vernimmt, der dem Messias gilt, leistet er Folge, denn er ist Christ und möchte nun nach Jerusalem eilen, um mit seinen Genossen sich im Gebete zu vereinigen gegen den Antichrist. Wie Tryphon als strenger Gesetzeslehrer und Mitglied des Shnedrimns einem Christen seine Tochter Rahel verloben konnte, ist nicht ersichtlich, ebensowenig, wie er seine Tochter Judit Barkochba vermählen konnte, den er als hergelaufenen Abenteurer, als Bauernkönig brandmarkt. Barkochba läßt auf den Flüchtling fahnden, der aber nur todt vor ihn gebracht werden konnte; Tryphon wird zum Tode verurtheilt, weil er das Volk zur Unterwerfung unter Rom anffordert und Barkochba des Mordes an Gideon beschuldigt; Judit aber, irr die Verbanuung geschickt, sucht in den Wellen den Tod. Rahel tritt nun als Furie ans, um den Tod ihres Vaters, ihrer Schwester und ihres Bräutigams zu rächen. Sie eilt in das Lager der Römer und gelangt vor Severus. Auf seine Frage, ob sie Irwin sei, antwortet sie: Ich war es, doch ich bins nicht mehr, weil ich Verlernet habe einen Gott zu fürchten. Der meinem Feinde seinen Schutz verleiht. Auf die weitere Frage, ob sie bedacht habe, daß sie nicht nur Simeon, sondern auch Judas Volk dem sicheren Verderben weihe, bleibt sie bei ihrem Vorsatze, die Römer in das Innere Betars zu führen: Wohl will ich es, daß nicht nur Simeon, Daß mit ihm sterben soll das ganze Volk! Glaubst du, daß meinem Haß, daß meiner Rache Ein Einziger genüge, war' er auch Ein Held wie Simeon, so groß und mächtig, Wie keines zweiten euer Heer sich rühmt! Nur eins verlang' ich von dir als Bedingung: Voll meiner Hand nur darf Barkochba sterben! Wenn Israel zu stürzen deine Sendung, So sei's die meine Simeon zu tödten! Denn sieh! Die Wurzeln sind es deiner Kreist, Daß du den Cederu gleichst des Lbanon, Die ob sie Davids Hcuse schon gepriesen, Mit jedem Jahr noch neue Sprossen treiben, Und ob des Winters Sturm ihr Haupt umwüthet, Doch ewig grünen in des Lenzes Schmuck! Als ihm ein Priester vorwirft, er selbst habe ja Barkochba zum Könige gesalbt, erwidert er: Ich war's. Doch mußte Samuel bereuen. Daß Saul dem Volk als König er gegeben, So reut auch mich, was ich in gutem Glauben Für Israel au Simeon gethau. Wer so wie er sein Weib von sich gestoßen, Der Menschlichkeit verschließend Herz und Ohr Und nur der Stimme seiner Hoffart folgend, Den will auch Adonai nicht mehr schirmen Als heilig Werkzeug seiner ew'geu Pläne. — Drum hör' es Israel! Den heut der Herr Durch Betars Fall für immer hat gerichtet. Barkochba nicht, nicht Sohn des ew'geu Sternes, Nein Sohn der Lüge wird die Welt ihn nennen, Den Sohn der Lüge, hör' es: Bar Kasifa! In dem nun folgenden Drama Oskar Elsners: Barkochba, der Messias (Breslau 1868» wird der Verrath an Barkochba ans Eifersucht begangen. Jonathan, ein Schüler Nkibas, war der Gespiele Judits, die von Akiba erzogen, als seine Tochter galt. Eines Tages, als Barkochba nach seinen Siegen in Akibas Haus kam. war es um Jonathans Glück geschehen, der Held hatte ihm das Herz Judits geraubt. Mit gezücktem Dolche stürzt sich Jonathan ans Barkochba, doch Judits Dazwischentreten rettete dem Geliebter: das Leben. Großmüthig schenkt Barkochba dem Wüthenden die Freiheit. Inzwischen ließ Akiba den Vater Judits, Jochanan, aus der Verbannung zurückrusen, wohin er geschickt worden war, weil er stets die Unternehmungen gegen Nom zu vereiteln suchte. Dieser Jochanan ward nun in Verbindung mit Jonathan das Verhängnis; für Judäa. Jochanan wiederholt seine früheren Warnungen, die aber bei Barkochba die entgegengesetzte Wirkung übten. Die Krone Davids, die er bis dahin zurückgewiesen, nahm er nun bereitwillig an. Während des Krönungsfestes tritt Jonathan unter das vor dem Tempel versammelte Volk und beschwört es, dem alten Jochanan doch endlich Gehör zu geben, der mit dem Eifer eines Fanatikers gegen den Messias seine Reden führt. Als der gekrönte König zum Volke zurückkehrt und den Vorgang wahrnimmt, spricht er in Uebereinstimmnng mit den Rabbinen über Jochanan wegen Aufruhrs und Empörung das Todesnrtheil. Entsetzt wendet sich Judit von dem König, legt Krone und Mantel ab und sinkt an des Vaters Brust. Nachdem an Jochanan das Todesnrtheil vollstreckt ward, giebt sie sich selbst den Tod; Akiba aber verfällt dem Wankelmuth. Unterdeß ging Jonathan zu Severns über und verrieth ihm den unterirdischen Zugang in die Veste. Die Römer rücken ein, Jonathan dringt in den Palast und stößt den anwesenden Akiba, seinen Lehrer, nieder. Barkochba stürzt sich mit seinen Getreuen auf die Feinde, dem Schnitter gleichend, der die Aehren des Feldes mäht. Schwer verwundet sinkt endlich Barkochba auf einem Hügel nieder, von wenigen Freunden umgeben, denen er seine letzten Worte verkündet: Die Freiheit meines Volkes war mein Traun:, Das Ideal, das meinem Geiste strahlte! O sagt das enern Brüdern, sagt's der Welt, Die Römer, von Rahel geführt, dringen in Betar ein. Mit gezücktem Schwerte sucht Nahel den Helden auf. doch als sie den durch Meuchelmord Gefallenen findet, rast sie in wilder Verzweiflung, daß ihr das Opfer entgangen, und sie ersticht sich selbst. Akiba, den die beiden Urtheilssprüche Barkochbas verstimmt hatten, verließ die Veste, und die Thora im Arme, ruft er dem Volke zu: Mag über dich der Römer trinmphiren Und prahlend seinen Sieg der Welt verkünden: Hier trag' ich noch das eine theure Gut, Das größer ist denn alle Schätze Noms, Und dir. so tief dich auch der Herr gebeugt, Die ew'ge Quelle seines Segens bleibt.

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