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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-18 · Heft 3 (18.1.1901) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
Seite 34 (sequence 14)
Language
German
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34 geneigt. Daher betrachten Wir im Anschluß an Unsere Vorgänger die ihnen zugeschriebenen Vergehen, selbst wenn es solche gäbe, die einer besonderen Erwähnung bedürften, für genügend bezeichnet und bestätigen ihnen alle und jede namentlich die von Unserem Vorgänger Martin gegebenen Privilegien für jetzt und alle Zeiten. Euch aber tragen wir in Gemäßheit pflichtschuldigen Gehorsams auf. daß Ihr den genannten Juden beisteht, nicht gestattet, daß ihre Privilegien verletzt werden und sie gegen die vertheidigt, welche sie ungerecht angreifen und sie in ihrem Eigeuthnm oder Leben zu stören sich erfrechen. Ihr sollt sogar diese Gegner mit geistlichen Censuren und Strafen belegen, sollt, wenn nöthig, den weltlichen Arm zu Eurer Unterstützung anrufen. Auch den römischen König, die Herrscher von Böhmen. Polen, Ungarn ermahnen Wir und rufen sie an, bei ihren Beamten und Völkern durch ihr Ansehen zu erwirken, daß die Juden keine ungerechte Verfolgung erleiden, damit infolge dieser Güte der Christen die Hoffnung größer werde ihre Seelen dem wahren Gotte zu gewinnen." Diese Bulle, die, wie schon im Text angedeutet ist, dem Wortlaut einer früheren päpstlichen Bulle, nämlich der Martins V. aus dein Jahre 1420 wesentlich entspricht, ist nicht in erster Linie von Humanität und Gerechtigkeitsgefühl diktirt, obwohl Beides eine Rolle spielt. Das entschiedenste Verlangen, welches das Haupt der Christenheit hegt und ausspricht, ist das der Bekehrung der Juden zum christlichen Glauben. Es wäre unhistorisch und darum ungerecht, von einem Papst des 16. Jahrhunderts moderne Toleranzgedanken oder die Forderung der Gleichheit aller Menschen zu verlangen. Aber er geht weit genug, um für seine Urkunde einen merkwürdigen Platz unter den Dokumenten zur Geschichte der Juden zu beanspruchen. „Was er verbietet/' bemerkt Seeberg in dem angeführten Aufsatz, „ist die Judenhetze, die willkürliche Verfolgung, die sich auf dunkle Gerüchte und Vorurtheile gründet. Auch wenn wirklich an jenem Gerüchte etwas wäre, wäre ein solches Verfahren unberechtigt. Für die etwaige Schuld Einzelner soll die Gesammtheit nicht büßen. Bei einem derartigen Verfahren würde es sich nur um falsche Vorwände handeln. Nicht ausdrücklich gesagt, aber selbstverständlich ist es, daß, wenn solche Vergehen beständen, das ordentliche Gerichtsverfahren sich mit ihnen zu beschäftigen hätte." Außer dem allgemeinen bietet unsere Urkunde auch manches spezielle Interesse dar. Der Ausfertiger nämlich hat unter das Datum (12. Mai 1540) die Worte gesetzt: l/eei vervix srnieti88imi Domini et 8u»wtitu8 8im mtuüu magi8tii «laeod pb.V8iei t'uit eontentu. Schon Seeberg vermuthete, der Arzt Jakob, „in Rücksicht auf welchen" das Aktenstück ansgefertigt wurde, sei ein Jude gewesen; gewiß ist (wie aus Rieger-Vogelstein, Geschichte der Inden in Rom II, 61) ersehen werden kann, der berühmte Jakob Mautino gemeint. In dem Konzept der Urkunde findet sich ein anderer höchst bemerkenswerther Zusatz, der bei der Ausfertigung gestrichen wurde. Bei der Stelle nämlich, in der es sich um Schädigung der Juden au Leib und Leben in Folge falscher Anklagen handelt, wird auf einige neuere Prozesse verwiesen, (proe688iku8 cle8upeie0utintzeu1i1)U8.) Als Stätten derartiger Gerichtsverhandlungen werden die oppiäu (Städte) (lo Iwan 1i!r8i8, bu6nÜ8 angegeben. Da es sich in der Urkunde um Ungarn, Böhmen, Polen handelt, so muß man an Orte denken, die in einem der genannten Reiche liegen. Daher ist die Jdentifizirmrg von 1i!)8i8 mit Leipzig ausgeschlossen; man könnte vielleicht all den kleinen Ort Lippa denken. Mit cte lirna ist gewiß Tyrnau gemeint, wo ein großer Prozeß geführt wurde, über den Strack, Das Blut n. s. w. Seite 188 ff. ausführlich gehandelt hat. Für Budinis erinnert Seeberg all den Prozeß in Buda 1525, Mord in Budweis 1505. Hingewiesen mag auch werden auf die nach Simon Budny genannte Sekte der Budnier, die als Halbjuden 8emi-z'u6am Mäaix rmtes von den Gegnern verfolgt wurden (vgl. Graetz 1. Aust. IX, 488.) Bietet so die Urkunde manches für die Geschichte der Juden Wichtige dar, so ist das Folgende wohl am Bedeutendsten. In der Urkunde ist von einem besonderen Boten gesprochen, den die Juden nach Rom geschickt hätten; in einer Nachschrift, die oben nicht mitübersetzt wurde, heißt es: das Aktenstück sei ausgefertigt worden uä reguisitiousm inereäuli Lökolni.s nomine 1otiu8 nnivei'8itati8 Zuäaeorum?08nunen8mm. Zu deutsch: auf das Nachsuchen des ungläubigen Abraham Szkolui im Namen der ganzen Gemeinheit der Juden von Posen. Aus dieser Bezeichnung geht hervor, daß Szkolni kein Privatmann, sondern ein Beauftragter war. Erwägt man nun den mitgetheilten lateinischen Ausdruck und erinnert sich ferner, daß es damals im 16. Jahrhundert Vertreter der Judenheit einzelner Provinzen und ganzer Reiche gegeben hat, z. B. den Josel von Noßheim, mit dem Luther in Verbindung stand (vgl. die verdienstvolle Schrift von L. Feilchenfeld, Straßburg 1898), so wird man bei Szkolni, nicht etwa an einen Vertreter der Stadtgemeinde Posen, sondern all einen Abgesandten der Judenheit in größeren Bezirken denken müssen. Bisher war, soviel ich weiß, nichts über diesen Mann bekannt; es wäre dankenswerth, wenn jüngere Gelehrte der östlichen Bezirke in jüdischen und nichtjüdischen Quellen Nachforschungen über ihn anstellten und damit einen Mann wieder zu Ehren brächten, der zu seiner Zeit eine Rolle gespielt hat. Papst Paul III. war zwar judenfreundlich und es ist wohl denkbar, daß außer dem Wort des jüdischen Leibarztes und des jüdischen Abgesandten auch das von dem Letzteren mitgebrachte Geld Wirkung geübt hat; immerhin verlohnt es sich, nach dem Abgesandten zu forschen, der möglicherweise persönlich auf den Papst einwirkte und der wahrscheinlich eine leitende Stellung unter den Juden des Ostens einnahm — etwa als Vorsitzender eines damaligen polnischen oder ungarischen Judentags. Sarkochba m der Dichtung. Von Dr. M. Lev in. den dramatischen Dichtungen, die wir nun zu nennen haben, ist die erste die von Paul Möbius (Leipzig 1863). Barkochba wird im Vollgefühl seiner messianischeu Sendung dargestellt. Scholl dem Jüngling sagte eine innere Stimme, daß er größer als Mose und Josua, als Cyrus und Alexander sein werde. Er muß deshalb die Christen hassen, weil sie sich vom nationalen Kampfe fernhielten, namentlich aber aus dem Grunde, weil sie den Messias gekommen wähnen, während er die Verheißung der Propheten auf sich bezieht: Daß aus dem Samen Israels dereinst Der König kommen soll für alle Völker. Deß' Nam' und Reich besteht in Ewigkeit! Akiba bestätigt ihm: Und diese Stimme, nicht hat sie gelogen: Ja, Simeon, du wirst noch größer sein. Und was die Welt bisher noch nie gesehen. In dir wird sie es, dem Messias, schauen!

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