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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-18 · Heft 3 (18.1.1901) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
Seite 28 (sequence 8)
Language
German
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28 1720, Ancona mit 1700 Juden. Die größte Stadt des Reiches (Neapel.) zählt deren, ähnlich Mantua, nur 1000, und im glücklichen Genua sinkt deren Zahl sogar auf 580 herab. Es ist darum nicht zu verwundern, daß in ganz Italien überhaupt sich nur 40 915 Juden befinden. Gleichwohl senden diese 40 000 Inden 15 Stammesgenossen in die italienische Zweite Kammer. Die anderen großen Staaten Europas beherbergen weit mehr Juden als Italien. Allen voran Rußland mit 2 050 000; Oesterreich-Ungarn mit 1 869 000; Deutschland mit 597 000; die Türkei mit 350000; Rumänien mit 300 000 Frankreich (Algerien mit einbegriffen) hat deren 170 000; England 150 000; Belgien und Holland 100 000; Bulgarien 25 000; Serbien 15000. All die übrigen europäischen Staaten halten sich bescheiden unter 10 000; Spanien verzeichnet sogar nur 2500 Juden. Unter den Erdtheilen steht natürlich Europa obenan: es zählt 6 400000 Juden. Dann folgen Asien und Amerika mit je 800000; Afrika mit 660000; Australien mit 19 000. Die größte jüdische Gemeinde der Welt besitzt Newyork; sie ist rund 350 000 Seelen stark, falls man diesen, im alttestamentlichen Sinne wenig orthodoxen Ausdruck gebrauchen darf. Aus Newhork folgt sogleich Warschau, das bei der letzten Zählung 231 678 Juden verzeichnete. In der ganzen bekannten Welt leben mithin 8 679 000 Juden/ Wir wissen nicht, ob diese statistischen Angaben richtig sind, aber wir begreifen es sehr wohl, daß der wackere Mann sich gehütet hat, aus diesen Zahlen die rechte Nutzanwendung zu ziehen. Sie wäre, wenn sie objektiv gewesen, sicher gegen seine und seines Blattes Weltanschauung ausgefallen. Mit einer Hartnäckigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, suchen die Zionisten die gar nicht wegzuleugnende Thatsache zu bestreiten, daß die von der türkischen Regierung der Kolonisation Palästinas bereiteten Schwierigkeiten in erster Reihe durch das von den Judenstaatlern erhobene thörichte Geschrei hervorgerufen worden sind. Jetzt theilt Exzellenz Joussuf Beh Krieger, ein hochgestellter türkischer Beamter auf der Insel Rhodus, dem „Jewish Chronicle" eine Thatsache mit, welche die Schuld der zionistischen Schreier bis zur Evidenz beweist. Herr Krieger, übrigens ein geborener Oesterreicher und ein sehr guter Jude, war nämlich 20 Jahre hindurch Sekretär des Paschalyks vou Jerusalem und erster Dragoman daselbst gewesen. Er erzählt null, daß der frühere Direktor der Allianceschule in Jaffa, Herr Hirsch, eines Tages gelegentlich einer Unterredung mit dem Paschah diesem gegenüber die überaus taktlose Aeußernng habe fallen lassen, daß die jüdischen Kolonisten mit der Hoffnung in Palästina eingewandert sind, daselbst einst das Königreich Judäa wiederherstellen zu können. Sofort und ohne eine Minute zu verlieren habe der Paschah die ihm so wichtig scheinende Nachricht nach Konstantinopel depeschirt. Schon am zweiten Tage darauf kam die Ordre in Jerusalem all, die Einwanderung fremder Juden in Palästina mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verhindern. Diese Mittheilung wird hoffentlich die Zionisten davon znrückhalten, mit dem Judenstaat so marktschreierisch hausiren zu gehen, selbst auf die Gefahr hin, durch den Verzicht auf ein ill Rußland so wirksames Agitationsmittel wirklich einige hundert Schekelzahler zu verlieren. Der Verlust von einigen Schekeln wird durch die Erleichterung der Einwanderung in Palästina tausendfach ausgewogen, welche durch das ebenso thörichte wie eitle Geschrei der Zionisten jetzt so sehr erschwert wird. Protokoll -er am 0. Juni (900 im Saale -er Lessing-Loge ill Breslau stattgehabten Versammlungen -es Vereins israelitischer Lehrerin Schlesien un- Posen. 7-nterstützungskasse; Vormittags neun Uhr fand die Geueralversanunlung der Unterstntzungskasse des Vereins statt. Allwesend sind die Herren des Vorstandes mit Ausnahme der entschuldigten Herren Dr. Braun-Breslau und Herbst-Lissa, ferner die Kassenmitglieder Borchardt-Samter, Noßkamm-Fordon, Cohn und Behle-Lissa, Gutmann-Ohlau, Hirsch-Grimberg. Frl. Peiser-Breslau. Der Vorsitzende erstattet den Jahresbericht, hebt in demselben hervor, daß die Betheiliguug seitens der Lehrer an der Kasse immer noch viel zu wünschen übrig laste und fordert deshalb die Mitglieder auf, eifrig für die Kasse bei den Gemeinden und bei den Mitgliedern zu agitiren. Hervorgehoben wird ferner, daß die Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens das Schreiben des Vorstandes der Kasse, ill welchen! derselbe um Förderung seiner Interessen bittet, nicht beantwortet hat. Es folgt der Kassenbericht des Schatzmeisters Herrn Simon Pfeffer. Der Inhalt ist den Mitgliedern bereits durch die ihnen Angegangenen Drucksachen bekannt. Auf Antrag des Revisors Herrn Baruch wird hieraus dem Schatzmeister und dem Vorstande Entlastung ertheilt. Durch Erheben von den Plätzen wird den Herren der Verwaltung der Dank der Versammlung ausgesprochen. Zur einstimmigen Annahme gelangt darauf der Antrag Blumenfeld-Badt: „Mitglieder, welche das siebzigste Lebensjahr zurückgelegt und zwanzig Jahre ihre Beiträge gezahlt haben, sind von ferneren Beiträgen befreit. Sie behalten das! Stimmrecht und das Recht der Wahl in den Vorstand, so lange sie > keine Unterstützung von der Kasse beziehen." Die Vorstandswahl ergiebt i die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, ebenso wurden die Revisoren wiedergewählt. Nach einer kurzen Pause beginnt um 10 Uhr die Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen. Anwesend waren folgende Herren als Mitglieder: 1. Alexander-Breslau, 2. Bach-Mhslowitz, 3. Professor Dr. Badt-Breslau, 4. Bähr-Waldenburg, 5. Behle-Lissa, 6. Prediger Blumellfeld-Schweidnitz, 7. Borchardt-Samter' 8. Boß-Breslan, 9. Brann-Beutheu Oberschlesien. 10. Brock-Hirschberg. 11. Rabbiner Dr. Ehodowski-Oels. 12. Cohn-Lissa. 13. Ezhshk-Guhrau. 14. Rabbiner Dr. Doctor-Breslan, 15. Rabbiner Dr. Frenud-Ostrowo, 16. Graf-Breslau, 17. GrL'mfeld-Schwersenz, 18. Rabbiner Dr. Gnltmann-Breslan, 19. Gutmalln-Ohlau, 20. Haase-Rosenberg Oberschlesien. 21. Hirsch-Grünberg, 22. Krolik-Cosel, 23. Kisinski-Kempen, 24. Kuttner- Gostyn. 25. Löwenstein-Glatz, 26. Militscher-Kreuzbnrg, 27. Moops-Breslau, 2.^.Frl. Peiser-Breslau. 29. Sachs-Breslau, 30. Salomon-Kolmar i. P.. 31. Schoeps-Lnblinitz. 32. Schön seld-Breslan. 33. Steiner-Grosz-Strehlitz. 34. Tintner-Bunzlau. 35. Welßmanll-Antonienhntte. 36. Rabbiner Dr. Wreschuer-Samter, 37. Rabbiner Dr. Zuckermandl-Breslau. Die Versammlung wird von Herrn Rabbiner Dr. Guttmann- Breslau eröffnet. Er heißt die Versammelten herzlich willkommen und erklärt, auf Wunsch des Vorsitzenden einstweilen den Vorsitz übernommen zu haben, da der Herr Vorsitzende durch amtliche Pflichten für kurze Zeit abberufen und sein Stellvertreter durch Versäumen des Zuges am Erscheinen verhindert sei. Es wird alsbald zur Tagesordnung geschritten. Punkt 1. Bericht über das Vereinsjahr und über die Thätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine. wird vorläufig zurückgestellt, um zunächst Punkt 2, Rechnungslegung der Kassen- Verwaltung, zu erledigen. Ans Ersuchen macht der Schriftführer über den Bestand der Kasse Mittheilnng. Es wurden 111,82 Mark vereinnahmt, ausgegeben 92,30 Mark, mithin verbleibe ein Bestand von 19,52 Mark. Die Kasse wird vom Kollegen Borchardt-Samter unter Zugrundelegung der Belege geprüft und für richtig befunden. Es folgt Punkt 3 der Tagesordnung, die Neuwahl des Vorstandes. Gegen den Vorschlag des Herrn Dr. Gnttmann-Breslan. den bisherigen Vorstand durch Zuruf wiederzuwählen, erhebt Bähr-Waldenburg Widerspruch und wünscht, um die Interessen des Knltnsbeamtenstandes besser gewahrt zu wissen, einen Kultnsbeamten im Vorstande. In der daraus folgenden Debatte sprachen theils für, theils gegen den Antrag die Herren Dr. Guttmann-Breslan, Blumenseld-Schweidnitz, Bähr, Noßkamm-Fordon, Tiutner-Bunzlau und Brock-Hirschberg; Borchardt-Samter beantragt Schluß der Debatte. In einer persönlichen Bemerkung erklärt Kollege Bähr, es läge ihm fern, irgend ei nein der bisherigen Mitglieder des

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