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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-18 · Heft 3 (18.1.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 3 (18.1.1901)
Date
1901-01-18
Page
Seite 4 (sequence 3)
Language
German
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4 Rath Klinger. Vizepräsidenten Dr. Al fred Stern nnd Dr. Gustav Kohn. — In der Gesellschaft für Sammlung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums hielt am 12. d. M. Rabbiner Dr. Max Grün Wald aus Hamburg einen sehr interessanten Vortrag über „Ein Kapitel aus der jüdischen Kunstgeschichte". Die Gesellschaft hat für die nächste Zeit folgende Veranstaltungen irr Aussicht genommen: Anfangs Februar: Vortrag des Herrn Dr. Adolf Schwarz, Rektor der israelitisch-theologischen Lehranstalt über „Der Talmud", Mitte Februar über „Eine Reise durch Tunis in Skioptikonbildern", Vorführung und Erläuterung eigener Aufnahmen von Herrn Josef Beck; Anfang Mürz: Vorlesung des Herrn kaiserlich und königlichen Hosschauspielers Adolf Ritter v. Sonnenthal; Ende März: Vortrag des Herrn Geheimen Re» gierungsrathes Professor Dr. Hermann Cohen aus Marburg über „Der Stil der Propheten". — In Wien giebt es ungefähr 30000 jüdische Familien, voll denen nur 14000 zur Steuerleistuug für die Wiener Kultnsgemeinde herangezogen werden können. Ungefähr 16 000 Familien sind derartig bedürftig, daß sie sich nur von der Hand zum Mund zu ernähren vermögen und keine Steuer bezahlen können. — Der Kaiser hat dem Großindustriellen Salomon KoHube rg er den Titel eines kaiserlichen Nathes verliehen; aus Anlaß dieser Ernennung hat Herr Kohnberger den Armen seiner Heimathsgemeinde Odrau 5000 Kronen und 1500 Centner Kohle gespendet. — In Holle sch au wurde unter zahlreicher Betheiligung der ehemalige Nabbiller von Neutitschein und Kuttenplan Dr. Adolf Hahn zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Freiman hielt dem Dahingeschiedenen einen ergreifenden Nachruf. — Sechs Wochen nach dem Tode seiner Gattin ist der Rabbiner in Piesling in Mähren Dr. Nathan Frankl dahingeschieden. Friede ihrem Andenken! Rußland. 1.. I. Odessa, 4. Januar. Die S ch ü Heu nnd Artilleri st e n, die gestern vom fernen Osten hierher zurückgekehrt sind, erzählen, das; in ostsibirischen Schützenregimentern einzelne Soldaten bei besonderen Gelegenheiten Wunder der Tapferkeit bewiesen haben. Unter anderen nahmen unsere Schützen zusammen mit dem 9. Ostsibirischen Regiments Mnkden ein. Die Soldaten dieses Regimentes waren die erstell, die in diese Festung eindrangen. Einer von den hier Angelangten erzählte Folgendes: Ihr Regimentskommandeur rief ihnen zu: „Brüder, wenn Einer von Euch die Festung besteigen und die russische Fahne aufhissen wird, dann wird die Festung unser sein." In einem Moment stürzten sich einige Leute aus die Wälle, aber die chinesischen Kugeln streckten die Tapferen nieder. Nur ein Schütze, ein Jude aus dem Warschauer Gouvernement, blieb oben. Eine chinesische Kugel verwundete ihn an der Hand. Rasch zerriß er mit der anderen Hand das Hemd, steckte dasselbe auf das Bajonnet und begann damit zu wehen. Der Kommandeur umarmte und küßte den Heldeil und schlug ihn zum Orden vor. Im 9. Ostsibirischen Schützeuregimente erhielten neun jüdische Schützen für verschiedene Heldenthaten den Militärorden des St. Georgenkreuzes. Durch diese Thatsachen wurde wiederum die erbärmliche Lüge, daß die russischen Juden auf den Schlachtfeldern lind im Kampfe feige sind, glänzend widerlegt. Von Nah und Fern. — Professor Dr. I. Barth von der Berliner Universität hat zur Drucklegung der von ihm in Allgriff genommenen Ausgabe des Diwans des Kutami von der königlichen Akademie der Wissenschaften in Wien eilien Beitrag von 1500 Kronen erhalten. - Die Klage der Syuagogengemeinde Tu ch el wegen Leistung eines Schadenersatzes für die in der Nacht zum 11. Juni v. I. durch Ruhestörer in der Synagoge verübten Sachbeschädigungen ist vom Amtsgericht abgewiesen worden. Vorn Kläger war der Ersatzanspruch durch das Aufruhrgesetz vom 11. März 1850 begründet worden. Jedenfalls wird vom Kläger die Entscheidung der höheren Spruchbehörde herbeigeführt werden. — In Schwer! n a. W. feierte Herr Jacob Cohn am 1. d. M. unter allgemeiner Theilnahme der verschiedenen Bevölkerungsschichten in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag. — In Schwersenz feierte das Aron Katz'sche Ehepaar seine silberne Hochzeit. Der Jubilar ist Stadtverordneter, Schul- und Gemeinderepräsentant, ein allgemein geachteter und beliebter Mitbürger. Dem Jubelpaare wurden zahlreiche nnd wohlverdiente Ovationen dargebracht. — In Liegnitz wurde der Vorsitzende des Syuagogengemeiudevorstandes Heinrich Cohn zum stellvertretenden Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung, welcher er bereits 26 Jahre angehört, gewählt. — Der Vorsitzende des Repräsentanten-Kollegiums in Groß-Strelitz, Sanitütsrath und Kreisphysikus Dr. Aron Greutzer ist zum Geheimen Sanitätsrath ernannt worden. — Nach dem Muster der Konitzer Vereinigung hat sich, wie antisemitische Blätter melden, neuerdings auch in Leipzig unter der Leitung von Th. Fritsch eine „Parteilose" Vereinigung hochangesehener Männer aus dem ganzen deutschen Reiche „zur Aufklärung der unheimlichen furchtbaren Blutmorde" gebildet. — Das 25 jährige Amtsjubiläum des Herrn Rabbiners Dr. Frank in Köln, findet nicht, wie wir in der vorigen Nummer mittheilten, am 30.. sondern am 29. Januar statt. — In Bnrgpreppach wurde Dr. N. Cohn aus Altona, ein Zögling des Berliner Seminars, zum Kreisrabbiner gewählt. — Behufs Aeuderung der israelitischen Kirchenverfassung Württembergs hat die Israelitische Oberkirchenbehörde an die Vorstände der israelitischen Gemeinden Fragen zur Beantwortung ausgegeben, worin diese ihre Wünsche kuudgeben sollen. — Adrien Beruh ei in in Paris ist zum Generalinspektor der Administration der schönen Künste ernannt worden. — In Versailles ist der bekannte Verleger Leopold Ce rf gestorben. — Oberstleutnant Strauß, der eben aus Madagaskar znrückgekehrt, ist zum Chef des Jngenieurwesens zu Besanron, Oberstleutnant Valabrogne zum Sekretär der Prüfungskommission für neue Erfindungen im Interesse der Armee und der Marine, Medizinaliuspektor Matthias Henry Strauß zum Chef des Medizinalwesens des^ 6. Armeekorps zu C h nl o n - sur-M arn e, Oberst Edouard An cito le Lippmanu zum Kommandeur und Kapitän CaHerl von dein 2. Marine-Infanterieregiment zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — In London ist James Stern, Chef der in der City hochgeachteten Firma Stern Brothers. Bruder des Baron Stern nnd des Viscount de Steril, gestorben. Stern, der in der Londoner vornehmen Gesellschaft eine hervorragende Rolle gespielt hat, war ein geborener Frankfurter. — Die in der letzten Zeit veranstaltete Sammlung für die jüdische Industrieschule in London hat den ansehnlichen Betrag von 300 000 Mark ergeben, wobei Lord Rothschild 6000 Pfund Sterling spendete. — Am 29. v. M. verstarb zu Zarskoje Sselo bei Petersburg der wirkliche geheime Staatsrath Senator N. A. Gergiewski, dessen Namen mit der Geschichte der jüdischen Bildung in ganz Rußland, speziell aber der von Litthaueu und Kleinrußland. innig verwachset! ist. Gergijewski war länger als 30 Jahre dort Provinzialschulrath und Gründer des noch in Wilna bestehenden jüdischen Lehrerseminars. Ferner hat er in seinem Verwaltungsbezirk ca. 60 speziell jüdische Gemeindeschulen und, als diese nicht ausreichten, in zahlreichen ganz kleinen Gemeinden jüdische Volksschulen mit nur dreijährigem Kursus gegründet. Sehr warm nahm er sich auch der armen nnd schlecht besoldeten jüdischen Lehrer an. Seine Zuneigung zu den Inden kam auch nicht selten in den offiziellen Berichten an das Ministerium zum Ausdruck, und furchtlos bekämpfte er die seit 1883 beliebt gewordene Beschränkung der Zahl der jüdischen Stndirenden. — Die jüdische Gemeinde zu Konstautinopel beklagt den Tod eines ihrer angesehensten Männer. Am 29. v. M. ist Abraham I. Adjman, der lange ihr Vorsitzender war, im 60. Lebensjahre gestorben. — Der König von Belgien hat dem ersten Interpreten bei der Pforte Daud Essen di Molho den Leopoldorden II. Klasse, der Schah von Persien dem Direktor der Verwaltung von Adriauopel, N obertEffendi Mizrach i, der! Löwen- und Sonnenordenverlieheu. — Das l4 6bt-6>v lCnion Coli eg 6 in Cincinnati hat laut Programm die Ethik von Professor Lazarus zum Lehrgetzenstand eingeführt mit Vorlesung und Diskussion, eine Auszeichnung, die dem Werke eines Lebenden wohl selten oder nie zu Theil wurde. — In Broklyu feierte am 17. v. M. das Meyer Bol lösche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit. Sämmtliche Tagesblätter berichteten über das schöne Fest des allgemein beliebten und geachteten Paares. Herr Voll ist trotz seiner regen geschäftlichen Thätigkeit bei vielen wohlthätigeu und geselligen Bestrebungen thätig und empfing zahlreiche Glückwünsche aus der alten und neuen Heimath. — Durch falschen Feuerlärm im jüdischen Theater zu Chicago entstand am 12. d. M. eine Panik. Die Zuschauer, etwa 800 an Zahl, drängten dem Ausgange zu: drei Frauen, drei Mädchen und ein Knabe wurden getödtet und 22 Personen verwundet. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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