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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-03-22 · Heft 35 (22.3.1838) · p. Seite 138

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 35 (22.3.1838)
Date
1838-03-22
Page
Seite 138 (sequence 2)
Language
German
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158 die allerhöchsten Personen sich immer geneigter fühlen, redliches Streben auch im Juden zu würdigen. Mag dies dm Begabten unter uns immer mehr zur Ermunterung dienen, in ihrem Eifer um gründliches Wissen und gediegene Bildung nicht nachzulassen, und den Beweis zu geben, daß wir uns von den Irrlichtern der Zeit nicht verlocken lassen, dem höchsten, schönsten Ziele nachzustreben. Tages-Eorrtroie. KönigSberger Eingabe. — Deutsche Vierteljahrsschrift. Die in No. 22. unserer Zeitung abgedruckte Eingabe mehrer jüdischer Familienväter zu Königsberg ist gewiß eine höchst erfreuliche Erscheinung, da sie einen Theils bethatigt, wie der Sinn für Gottesdienst und Glauben, der vor einiger Zeit unter den deutschen Israeliten so sehr gesunken, wieder rege zu werden beginnt, andern Theils, wie man anfängt, auf dem Wege ruhiger und einheitlicher Reform vorwärts zu schreiten, und die Mittel und Wege sucht, besonnen und allmätig über den Fehltritt des Stillstandes zu schiffen. Desto näher liegt es uns, den gegebenen Entwurf, der in vielen Gemeinden Anklang finden wird, zu prüfen. Lassen Sie uns die Ordnung' der fünf Paragraphe, welche die ehrenfesten Männer in ihrer Petition hervorheben, umkehren. Der fünfte setzt uns alsbald in ein sonderbares Erstaunen. Es soll ein deutscher, der Intelligenz der Zuhörer angemessener Religionsvortrag angeordnet werden. Nichts wichtiger, nichts richtiger als dieses. Da heißt es aber weiter: „Solche in der Synagoge zu haltende Vorträge wären dem Vorstande im Coxcepte einzureichen, um durch geprüfte Sachkundige untersuchen zu lassen, ob in denselben nichts gegen die Sazzungen des Judenthums enthalten sei." Wir müssen gestehen, das verstehen wir gar nicht! Wer soll denn die Vorträge halten? Ein bestimmter, angestellter, besoldeter Redner, oder zwei — oder'Jedweder, den der Geist des Herrn treibt, wie bei den Herrnhutern und Quäkern? Wir erwarten natürlich das Erstere. Will aber die Gemeinde einen Tempelcedner anstellen, wird sie dies thun mit einem solchen, zu dem sie nicht das Zutrauen hat, unsrer Religion und ihren Lehren in seinen Vorträgen nachzukommen? Wozu aber dann seine Vorträge jedesmal einreichen und prüfen wollen? Und welcher Mann wird sich hierzu, hergeben? — Diese Forderung könnte man höchstens gegen junge Candidaten stellen, die ihre ersten Reden halten, aber nicht an einen bewahrten Lehrer. Und wer soll sie prüfen? und welch' ein Auffchub und Hinderniß allzeit! Wir glauben, es ist hier nur auf eine captatio benevolentiae abgesehen, die bet der Ausführung von selbst wegfällt. Der zweite Paragraph und demgemäß der dritte setzt die Forderung, daß der Vorsänger die Gebete sprechen soll — wer ist hiermit nicht einverstanden? — Daß an paßlichen Stellen ein vierstimmiger Männerchor eingreifensoll— auch das thut seine herrliche Wirkung — daß der Gemeinde aber nur ein leises Mitbeten^ gestattet sei, gegen dieses Letztere haben wir Einiges zu erwähnen. Wir halten es nicht für zweckdienlich, die Gemeinde in perpetuum silentium, (zu einem „ewigen Stillschweigen") verwiesen zu sehen. Des Menschen Herz will sich aussprechen z die Sprache, die Vermittlerin der Menschen, soll auch die des Menschen zur Gottheit sein; in den innern Kammern des Herzens geht es zu leise und zu flüchtig zu. In dem Gottesdienste aller Confessi'onen wird auch die Gemeinde be* schaftigt, und aus der Trilogie des Gemeindegesangs, des Chorgesangs und der Predigt, besteht aller Gottesdienst. Ist aber nun die Gemeinde während der Predigt, während des Vorlesens aus der Tora und während des Chorgesangs zum Zuhören bestimmt: so ist es allerdings zu viel verlangt, und wird eher langweilig als erhebend, wenn nun die Gemeinde die alten, gewohnten Gebete, auch bloß hören soll. Welches ist hier das rechte Mittel? Daß für verschiedene Parthieen der Gebete mehre leichte einstimmige Melodien vom Chore einstudirt werden, welche die Gemeinde leicht aptiren kann, daß dieselbe allda einstimmen kann: so daß der Chor die Stelle der Orgel vertritt, woran sich die Gemeinde halten kann. Sollten hierin die ersten Versuche nicht gleich glücken, oder schwerfällig ausfallen, so wird einige Zeit und Ausdauer hinreichen, um für immer hierin eine gute Stufe zu erreichen. In dem ersten Hefte der neuen Zeitschrift, die unter dem Titel „Deutsche Vierteljahrsschrift bei Cotta erscheint, gibt ein Herr A. M(ebold): „Beiträge zur Lösung der jüdischen Frage" (S. 248 — 263). Wenn auch dieselben ziemlich auf der Oberfläche bleiben, und eine entschiedene, bestimmte Lösung nicht bewirken, so sind sie doch in einem schönen, humanen Geiste geschrieben, und anregend. Der Abfasser fordert Reform in sich und Assimilation nach außen. Er findet die Fehler, die man dem Juden vorwirft, in ihrer Unterdrückung begründet,' und spricht den Erfahrungssatz aus: „Unter allen Regierungen, welche Duldung üben, und vernünftiges Vorschreiten befördern, hat die innere wesentliche Reform der Juden die größten Vor-

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