Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
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2 mehr erreichen können als mit kleinen. Die Namen der Männer des Komitees bieten doch wohl eine Gewähr für die Zweckmäßigkeit des Vorhabens. Syndikus Dr. Minden giebt zu bedenken, ob nicht durch die Ausstellung eines speziellen Programms schon große Unkosten verursacht werden, und befürwortet die Vorlage. Doch erst der von den Herren Professor Baginsky und Stadtrath Weigert ins Feld geführte Grund, daß die kleinere Gemeinde Breslau ungesehen einen Beitrag von 300 Mark bewilligt habe, verhalf der Vorlage zur schließlichen Annahme. — Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden debattelos bewilligt. In die gemischte Deputation zur Auswahl von Synagogenbauplätzen wurde Herr Löwenthal abgeordnet, zur Anschaffung einer Schreibmaschine 450 Mark und zur Anlage einer Telephonzelle auf dem Friedhofe in Weißeusee 300 Mark bewilligt. In das Kuratorium des zweiten Waisenhauses wird an Stelle des ausscheidenden Rechtsanwalts Makower, Stadtverordneter Witkowski entsandt. Mit der Absetznng der Vorlage betreffend die Gehalts- und Pensionsverhältnisse der seminaristisch gebildeten Lehrer von der Tagesordnung endete die öffentliche Sitzung, an welche sich eine geheime anschloß. — Laut Beschluß des Vorstandes finden anläßlich der zweihundertjährigen Jubelfeier des Königreichs Preußens am 18. Januar in allen Gemeindesynagogen Festpredigten statt. §2 Berlirr, 6. Januar. Der Vorstand des Vereins „Freunde der Taubstummen" Ilmi'm") wendet sich mit folgendem Ausrufe au die weitesten Kreise. „Glaubensgenossen! Eine große Anzahl armer jüdischer taubstummer Kinder entbehrt heute noch immer des genügenden Unterrichts, weil die geringen Mittel unseres Vereins ihnen die Ausnahme in unsere Anstalt nicht gestatten. Die Einnahmen unseres Vereins reichen nicht einmal ans, um den 40 Kindern aus allen Gauen unseres deutschen Vaterlandes, die jetzt in unserer Anstalt erzogen werden, diese Wohlthat dauernd zu sichern. Der Voranschlag für das Jahr 1900 schloß mit einem Defizit von rund 9000 Mark ab; Hypothekenschulden drücken uns noch in Höhe von 60000 Mark. Dies zeigt am besten, wie dringend wir neuer Mittel bedürfen. Im Sinne unseres uns allzusrüh entrissenen, um die Sache der jüdischen Taubstummen so hochverdienten Herrn Geheimen Sanitätsrathes Dr. Moritz Marcuse sel. And., wenden wir uns deshalb heute an Sie mit der herzlichen Bitte, unserer Anstalt durch Eintritt in unseren Verein diese neuen, so überaus nöthigen Mittel geneigtest zuführen zu »vollen ' Seit 1893 haben mir nicht öffentlich an den Wohlthätigkeitssinu unserer verehrten Glaubensgenossen appellirt, »veil wir hofften, daß uns durch Zuwendungen von Stiftungen und Legaten gesicherte Einnahmen in genügender Höhe erwachsen würden. Diese Hoffnung hat sich nur in sehr beschränktem Maße erfüllt, und sind wir aus diesem Grunde gezwungen, für die armen jüdischen taubstummen Kinder an allen Orten neue Freunde zu werben. Gegenwärtig erziehen wir in unserer Anstalt 23 Knaben und 17 Mädchen, von denen 7 aus der Provinz Posen, 7 aus Ost- und Westpreuße»,, 5 aus Berlin, 5 aus der übrigen Provinz Brandenburg, 3 aus Pommern, 3 aus Hessen-Nassau (davon 2 aus Frankfurt a. M.), 2 aus Westfalen, 2 aus Bayern und je 1 aus den, Königreich und der Provinz Sachsen, Schleswig-Holstein, Elsaß- Lothringen, Schlesien und der freien Stadt Bremen stammen. Nach vollendeter Ausbildung wurden bis jetzt 52 Zöglinge entlassen, (34 männliche und 18 weibliche); die männlichen Zöglinge wendeten sich folgenden Berufen zu: 7 wurde,, Schneider, 6 Schriftsetzer, 5 Buchbinder, 5 Lederarbeiter, 2 Schuhmacher, 1 Klempner, 1 Drechsler, 1 Tischler, 1 Sattler, 1 Cigarreuarbeiter. 1 Handschuhmacher. 1 Schmied, 1 Lithograph, 1 Hylograph. Die Mädchen wurden Schneiderinnen, Putzmacherinnen, 2 Dienstmädchen. Alle diese Kinder wären ohne unsere Hilfe verwahrlost, während sie jetzt schaffensfreudige, erwerbsfähige, geistig und körperlich gebildete Mitbürger und verständnißiunige Glaubensgenossen geworden siud, die Niemande,, zur Last fallen. Helfen Sie uns, alle deutschen israelitische,, taubstu,„men Kinder dem gleichen Ziele entgegenzuführen, und bestätigen Sie dies durch gütige Ausfüllung beiliegender Postkarte und deren Uebersendung a„ die ausgedruckte Adresse oder an einen der Unterzeichneten." Der Aufruf ist unterzeichnet von den Herren Geheimer Sanitätsrath Dr. I. Boas, Vorsitzender, Ludwig Ginsberg, stellvertretender Vorsitzender, M. Reich, Direktor der Taubstummenanstalt, Adolf Salomou, Schriftführer, I. Blumenthal, Kontroleur, Hosspediteur W. Löwenthal. Rendant (Hinter der Garnisonkirche 1 a), M. Apelt-Haüe a. d. S., Maurermeister Joseph Frünkel, Alpha,,s Jacobson-Leipzig, G. Köhler-Fürstenwalde, Ferdinand Landsberger-Breslau, Rabbiner Dr. Maybaum, I. M. Mtchgsr^ktzMurt a. M.. Louis I. Sachs und Gustav Tuch-Hamburg. F. 0. kd. Potsdam, 7. Januar. Am 5. d. M. waren fünfzig Jahre verflossen, seit der hiesige israelitische Frauen verein gegründet wurde. Aus unscheinbarem Keim hervorgewachseu, hat er sich zur segensreichsten Blüthe entfaltet und ist zu einem unentbehrlichen Faktor in unser,», Gemeindelebeu ge,vorder,. Ungezählte Noth hat er gelindert und den, jungen Geschlechts werkthätige Unterstützung auf dornenvoller Bahn gewährt. Mit Stolz sieht der Verein auf eine Reihe Vorsteherinnen zurück, die es verstanden haben, Reiche und Minderbegüterte zu eiumüthiger Werkthätigkeit zu Vereinen. Da gestaltete denn der sünszigste Gedenktag sich zu einem Feste der Freude und Eintracht. Die jetzigen Vorsteherinnen, die Damen Lehmann. Putziger und Brauer haben mit Hingebung ein Fest arrangirt. welches zugleich der Wohlthätigkeit und der herzlichen Eintracht aller Gemeindemitglieder galt und den weihevollsten Eindruck hiuterließ. Die Gemeiudevertreter, die verwandten Korporationen, vor allem der Rabbiner Dr. Nie ger hielten zündende, von warmen, jüdischen Geiste beseelte Ansprachen, der Synagogengesangverein trug zur festlichen Stimmung bei, und ein fröhliches Festmahl, Festaufführuug und Tanz schlossen die wohlgelungeue Vereinigung. Daß der opferwilligen Spenderinnen in Nah und Fern dankend gedacht wurde, namentlich mit Rührung einer edlen Frau, welche jetzt zur Herstellung ihrer Gesundheit im Süden weilt, und ihre Theilnahme durch eine reiche Spende bekundet hatte, sei noch erwähnt. An, Vormittag waren die Armen der Gemeinde festlich gespeist und mit reichen Gaben an Geld und Lebensmitteln bedacht worden. Möge diese schöne Feier dazu beitragen, den Geist wahren Wohlthuns und treuen Zusammenhaltens in unserer Gemeinde zu pflegen und zu fördern! s. Pose»», 5. Januar. Die Strafkammer als Berufungsinstanz verurtheilte den Redakteur Kacz marek des polnischen Blattes „Posten,p" zu 100 Mark, den Malermeister Kniemierkiewicz und und den Böttcher Sui ad ecki aus Pudewitz Zu je 150 Mark wegen Beleidigung der Kaufmanusfrau No sei, selb aus Pudewitz. Ein Artikel im „Postemp" behauptete. Frau Nosenfeld habe das Blut des Dienstmädchens Zerbian aus einer Wunde, welche die Zerbian sich selbst zugefügt hat, gesammelt und aufbewahrt mit der Begründung „weil wir es brauchen". Das Urtheil stellte fest, daß die letztere Behauptung unwahr sei. Den Angeklagten, welche die Angaben der Zerbian geglaubt hatten, wurde der Schutz des § 193 nicht zugebilligt. Wir verweisen übrigens auf den Artikel: Polnischer Antisemitismus in der vorigen Nummer, wo dieser wackere Journalist gebührend charakterisirt wurde. Zasirow, 2. Januar. Herr Adolph Saliu ge, der 35 Jahre hierorts zum Stadtverorduetenkollegium gehört und 25 Jahre das ehrenvolle Amt eines Vorsitzenden dieser Körperschaft bekleidet, wurde an, 30. Dezember in einer besonderen Festsitzung durch Überreichung einer kunstvoll ausgestatteten Adresse ausgezeichnet. Das Ehrendiplom hat nachstehenden Wortlaut: „Wir, Magistrat und Stadtverordnete der Stadt Jastrow, bekennen und beurkunden hierdurch den, Herrn Kaus,nanu Adolph Salinge, welcher am Ende dieses Jahres 25 Jahre hintereinander als Vorsteher an der Spitze der Stadtverordnetenversammlung gestanden hat, unserer und der Stadt Anerkennung und Dankbarkeit für die Verdienste, welche er sich während dieser 25 jährigen Wirksamkeit als Stadtverordnetenvorsteher erworben hat. So geschehen. Der Magistrat (Unterschriften). Die Stadtverordneten (Unterschriften). l.. Hannover, 6. Januar. Bei den im Dezember v. I. stattgehabten Wahlen wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder, die Herren S. Nenberg und Rechtsanwalt Dr. Wolfes, sowie die bisherigen Mitglieder des Neprüsentantenkollegiums, die Herren Kommerzieurath G. Herzfeld, S. Katz und B. Lowe,,stein, wiedergewählt. Herr Dr. med. Salomou Hirsch ist für seinen kürzlich verstorbenen Bruder in das Repräsentantenkotlegium neu gewählt worden. — Die Einweihung des neuerbanten Krankenhauses, das allen Anforderungen der Neuzeit entspricht und nrit einer Alterversorgungsaustalt verbunden ist, wurde hinausgeschoben; sie wird jedoch in nächster Zeit stattsinden, und das Institut dann sofort seiner Bestimmung übergeben werden. Es ist für die Gemeinde Hannover mit Freuden zu begrüßen, daß sie für die bisherige, ganz und gar nicht ausreichende Krcmkenstation ein neues, stattliches Hans besitzt, in dem Leidende Milderung ihrer Sch,„erzen und Heilung finden können. Es wäre nur zn wünschen, daß nun, nachdem diese Sorge gehoben ist, in