Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1901)
- Date
- 1901-01-11
- Page
- Seite 22 (sequence 14)
- Language
- German
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22 „Glückihr Weltbeziviuger, zu euerm Siegessest, Als thences Festgeschenke bracht' ich euch heut die Pest! Gesetz spricht: Aug' um Auge! es spricht auch Zahl« um Zahn! Drum, was ihr oh»' Erbarme» einst iiieinein Volk gethan, Das that ich meine» Mörder» mit fürchterlicher List. Schaut her und lernt ihr Sieger, wie ihr nun sterben müßt!" Spruch s und sei» brechend Auge voll überird'scher Gluth Und sreudigstolzem Glanze aus seinen Feinden ruht; Dann schweist er selig lächelnd zum hohen Sternenzelt, — Und eine große Seele entfloh der uiedern Welt! Als eine zusammenhängende Dichtung tritt uns erst Karl Heigels: Bar-Cochba, der letzte Judenkönig (Hannover 1857) entgegen; es klingt wie ein schaurig ivehmuthsvolles Schwanenlied Judäas. Barkochba wird uns als eine vom Freiheitsgefühl durchglühte Heldengestalt vvrgeführt, dem ebenso der Pharisäismus wie der Pietismus zuwider ist, der aber auch dem verlockenden Schönheitskultus der Griechen, ja selbst der Liebe widersteht, um seinem Volke die Freiheit zu erobern. Ein armes jüdisches Weib giebt sterbend einem Knaben das Leben, Der Vater in seinem Jammer ob Judäas Geschick wünscht dem Kinde den Tod, und verläßt es mit dem Abschiedsgruß: Der Tod ist deines Vaters beste Gabe! Denn Mutter, Vater, — Vaterland sind todt! Rahel, eine von Hast gegen Rom erfüllte Jüdin, die ein Römer treulos verlassen, nimmt sich des Kindes an. Simon, wie ihn Rahel nannte, wuchs zum feurigen Jüngling heran und begeisterte sich für den Nachegedanken gegen Nom, den Rahel in ihm genährt hatte. Er reißt sich von Lydia, der Tochter des Glankvs, los, deren Wohlgefallen er gesunden hatte, und stellt sich an die Spitze der im Verborgenen versammelten Verschwörer, Der Aufstand bricht in Cypern aus; das erste Opfer ist Glankos, der als Römersreund den Juden verhaßt war; sein Palast geht in Flammen auf, nur Lydia ward von ihrer Wärterin gerettet. Diese führt die Griechin der Christengemeinde zn, von der sie in den neuen Glauben ausgenommen wird. Simon hatte den ersten Sieg errungen, da naht ihm ein Jugendfreund, der vom Eriechenthum begeisterte Joel, um ihn von der Fortsetzung des Krieges abzubringen: Das ist der Weise» Weisheit: Rom besteht! Doch — Israel! ivo willst du dies mir zeigen? Simon weist den schöngeistigen Schwätzer auf die von Thatendurst erfüllte wogende Menge: Doch du. der immer prüst. nud beugt bedächtig Nur dem, was ist, sich: auch Gefühle sind, Und Jakobs Söhne suhlen übermächtig! Ein solch übermächtig fühlender Sohn trat nun vor Simon, Akiba. Sie umarmen sich, und der Weise ruft aus: Jetzt, da ich dich au meine Brust gepreßt, Jetzt fühle ich, der Ew'ge hat Erbarme»: Das einige, das starke halt' ich fest, Das neue Israel in meine» Armen! Nachdem Barkochba den Römern bei Berseba eine Schlacht geliefert, schritt er zur Einnahme Jerusalems, Das Volk jauchzt dem Retter zu, unter ihm ein achtzigjähriger Greis, der einst in Cyrene des Sohnes Geburt mit einem Fluch begrüßt hatte; eine dunkle Ahnung sagt ihm, es sei sein Sohn. Akiba fragt nochmals den Sieger, ob er der Messias sei. Dieser antwortet: Ich spreche sür die Zeit und sage: Ja! Mb« Hat nur das La und uicht den ganzen Zusammenhang der Rede beachtet, wenn er darauf erwidert: Heil dir Messias daun, dem Josephs Erben, Der sür den zweiten — Davids Sproß — muß sterbe»! Während des Krönungsfestes verbinden sich drei Männer zum Verrath: der blinde Elieser, der Burkochba haßt wegen der freimüthigen Regungen, die nach ihm den Glauben gefährden; Jsak, der bei Simons Neuerungen um sein Gold bekümmert ist; Sem, der Apostat, der Lydia nach Jerusalem gebracht hatte. Sems Mordversuch wurde durch Lydias unverhoffte Dazwischenkunst vereitelt. Vor Gericht gestellt, wird Sem und Elieser vom Volke in dem Augenblicke befreit, als Barkochba berichtet wird, daß der Feind anrücke. Sem entkommt zwar in das Lager der Römer, wird jedoch von Severns voller Verachtung ans Kreuz geschlagen. Drei Monde belagert Severus vergebens die Hauptstadt. Schon befürchtet er ohne Lorbeeren heimkehren zu müssen, da läßt ihm Elieser durch einen Boten verspreche», die verborgenen Zugänge zur Stadt zu öffnen, wenn er den Tempel verschonen würde. Diesmal kam Severus de», Verräther williger entgegen. Die Römer nehmen die Stadt ein; Elieser, der an der Schwelle des Tempels wacht, wird niedergestoßen; Akiba wird in seiner Kammer erschlagen, nur Barkochba kämpft mit der ihm treu gebliebenen Schaar. „Röchet unser Blut die Erde: Blut will Blut uud Mord will Rache! Wir zwar fallen, doch es fällt nicht mit uns uns're heil'ge Sache!" — Die Juden fiele»! Aui Judäas Leiche Steht — rastlos fechtend — noch der kühne Held; Er war der erste Mann im Jndenreiche, Der letzte Kümpser Israels im Feld! Da sinkt auch er! Doch wie sein Blut entfließet. Das heiß für Israel uud Freiheit rann. Eh seine Lippe sich ans ewig schließet, Lächelt sie noch und hauchet: „Canaan!"- (Fortsetzung folgt.) Are Königsbraut. Historische Erzählung von Carola Buch he im. II. Sonne ging eben auf in grellrothem, stechendem Glanze und beleuchtete die ausgedehnten Felder, den Wald in der Ferne und das Dorf zu den Füßen des Schlosses. Der aubrechende Tag erweckte die Bauern zu neuer Arbeit, und sie schritten auf das Feld hinaus, mit ihren Werkzeugen beladen, die rüstigen Ackerpferde vvr sich hertreibend. An einem Erker des Schlosses vvn Swielieze stand Bertha und blickte sinnend über die weite Ebene hinaus. Ja, es war schön, dies alles zu beherrschen, das Land, soweit die Augen reichten, sein eigen zu nennen! Solch ein Loos hatte sie erhofft, solch ein Loos war ihr als das schönste erschienen in den Tagen ihrer Mädchenträume, und es war ihr zu Theil geworden. Wie oft hatte ihre Phantasie ihr blendende Bilder Vvrgegankelt von Macht und Herrlichkeit, — daheim in dem ärm-