Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-11 · Heft 2 (11.1.1901) · p. Seite 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 17 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228419-3228422--57178-3293530
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

17 bis zur konstituirenden Versammlung. Die vorbereitende Thätigkeit, so bemerkte der Redner, habe fast fünf Jahre gedauert; dafür habe man aber heute das Gefühl, daß alles wohl vorgesehen und praktisch und zuverlässig gestaltet sei. Auch die Begeisterung der Gemeinden und Beamten für das Werk habe trotz der langen Zeit nicht abgenomrnen, sie sei eher gewachsen. Schon vor der konstituirenden Versammlung sind 20 Gemeinden (fast die Hälfte derer, die überhaupt für die Kasse in Betracht kommen) mit ihren Beamten der Pensionskasse als Mitglieder beigetreten. Die hierdurch erzielte gesicherte Jahreseinnahme beträgt 3750 Mark. Rechne man die vorn Synagogenverband und der Gemeinde Königsberg in Aussicht gestellten Subventionen und die Beiträge der freien Wohlthätigkeit hinzu, so sei bereits jetzt ein Etat von ca. 5000 Mark zu erwarten, ein Resultat, das alle Erwartungen für den Anfang übersteige. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Penstonskasse bald alle Gemeinden und Beamten der Provinz Ostpreußen in sich vereinigen möge. Bei der folgenden Statutenberathung wurden einige unwesentliche Veränderungen der ursprünglichen Statntsbestirnmungen beschlossen. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: Rechtsanwalt Schey-Allenstein. Vorsitzender, Stadtrath O. Eichelbaum-Insterburg, Kaufmann S. Jacoby-Osterode. Dr. med. Kamnitzer-Allenstein, Kantor Davidsohn-Rastenburg, Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg und Prediger Sturmann-Osterode. Zum Schatzmeister wurde Herr Kaufmann Joseph Simonsohn-Königsberg gewählt. Die Generalversammlung des Synagogenverb an des wurde um 12 Uhr Mittags durch den Verbandsvorsteher Herrn Stadtrath I. Eichelbaum-Jnsterbnrg eröffnet. Der Vorsitzende der Königsberger Synagogeugemeinde, Herr Stadtrath S. Magnus, begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten. Redner erinnerte besonders daran, daß ein Königsberger, der verstorbene Rabbiner Dr. Bamberger, es gewesen, der den Verband begründet hat, gedachte auch des Interesses, das der verstorbene Professor Dr. Samuel dem Verbände bewiesen und forderte die Versammlung auf, das Andenken beider Herren durch Erheben von den Plätzen zu ehren. Zu den Zwecken des Synagogenverbandes übergehend, bezeichnet Redner es als eine Pflicht der Selbsterhaltung für die Juden, sich zum Widerstande gegen ihre zahlreichen Feinde zusamrnenzuschließen, und vor allem der Unkenntniß über Wesen und Inhalt des Judenthums innerhalb und außerhalb unserer Glaubensgemeinschaft mit allen Mitteln entgegen zu wirken. In solchem Streben verdiene der ostpreußische Synagogenverband die Unterstützung Aller. Er wünsche ihm namens der Königsberger Synagogeugemeinde ein fortdauerndes Wachsen und Gedeihen. Nachdem der Vorsitzende dem Vorredner für seine freundlichen Worte gedankt und noch des Hinscheidens des früheren Ehrenmitgliedes des Verbandes, des Herrn M. Davidsohn-Löfzen, ehrend gedacht, wurde zur Wahl des Büreans geschritten, und die Herren Stadtrath I. Eichelbaum-Jnsterburg, Vorsitzender Stadtrath S. Magnus-Königsberg, Rechtsanwalt Schey-Allenstein, Gemeindevorsteher Jnl.Lazar-Königsberg.Hertz- Gerdauen, Jacoby-Osterode und Waisenhansinspektor Peritz-Königsberg gewählt. Dem Geschäftsbericht des Verbandsvorsitzenden war zu entnehmen, daß sich der Verband im vergangenen Jahre vorwiegend mit den Vorbereitungen zur Errichtung der Pensionskasse beschäftigt hat. Daneben wendete er wie bisher sein Interesse der Förderung des jüdischen Religionsunterrichtes in der Provinz zn. 33 Schulen von Verbandsgemeinden wurden inspizirt. Der Verband unterstützte eine Anzahl armer Gemeinden behufs Anstellung eines Neligionslehrers, nahm sich junger Leute an, die sich dem Lehrerstande widmen wollten und bemühte sich, Kindern, die zerstreut auf dem Lande wohnen. Gelegenheit zum Religionsunterrichte zu verschaffen. Der Verband snbventionirte ferner endlich noch gemeinnützige Institute in Ostpreußen und im Reiche, die der Judenschaft Ostpreußens zu Nutze kommen. Zürn Schluffe bat der Herr Verbandsvorsitzende die Bestrebungen des Verbandes auch weiterhin kräftig zu unterstützen, daß derselbe seiner Aufgabe zum Segen unserer Provinz in immer erhöhtem Maße zu genügen vermag. Die Versammlung dankte dem Redner durch lebhaften Beifall. Darauf erstattete Herr B. Holz-Insterburg. Kassenkurator des Verbandes, den Kassenbericht. Die Versammlung wählte die Herren Jul. Victor-Kölligsberg und I. Woythaler-Allenstein zu Revisoren der Kasse und ertheilte dem Kassenkurator später ans deren Antrag die Decharge. Herr Rechtsallwalt Schey-Allenstein referirte hierauf über die neue begründete ostpreußische P e n s i o n ska s se für jüdische Relig ionslehrer und Knltusbeam te. Zunächst beleuchtete der Redner die Gründe, die zur Errichtung der Kasse geführt haben, die vor allem in der materiell schlechten Lage der jüdischen Kultusbeamten zu suchen seien. Dann schilderte er die Vorarbeiten dazu auf den letzten Verbandstagen und in den diversen Kommissionssitzungen und schließlich die Einrichtung der Kasse selbst. Diese hat ihren Sitz in Königsberg und bezweckt, arbeitsunfähigen Rabbinern, Lehrern und Kultusbeamten ostpreußischer Synagogengemeinden ein Ruhegehalt und den Hinterbliebenen derselben eine Wittwen- und Waisenpension zu bieten. Zunächst sind dafür 500 Mark für das arbeitsunfähige Mitglied und 300 Mark für dessen hinterbleibende Familie als Ziel gesetzt, doch soll dies nur die allgemeine Grundlage einer weltergehenden Versorgung darstellen, sobald die Mittel der Kaffe dies erlauben. Die Kasse ist bestimmt und befähigt, die gelammte Beamtenschaft der Provinz Ostpreußen zur Versorgung aufzunehmen. Sie scheidet die Mitglieder in zwei Abthellungen. Diejenigen, welche bei der Aufnahme unter 40 Jahre alt und gesund sind, gehören zur „Versicherungskasse", alle übrigen zur „Versorgungskasse". Die ostpreußische Pensionskasse wird die erste Provinz-Versorgungskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte sein, die ihren Mitgliedern eine Pension in bestimmter Höhe zu sichert. Die Sicherung geschieht durch Rückversicherung der Mitglieder bei der Magdeburger Lebens-Versicherungs-Gesellschaft, mit der der Kassenvorstand einen äußerst günstigen Vertrag abgeschlossen hat. Für einen Beamten als Mitglied ist von ihm selbst und von seiner Gemeinde ein jährlicher Beitrag an die Kasse zu entrichten, der sich in der Norm bei den Gemeinden nach der Gemeindesteuer und bei den Beamten nach dem Gesammleinkommen richtet. Die der Kasse zufließenden Wohlthätigkeitsbeiträge werden theils zur Verminderung der Beiträge pekuniär schwacher Gemeinden und Beamten, theils zur Erlegung des vollen Beitrags für ganz arme Mitglieder verwendet. Wie der Herr Referent weiter berichtete, hat die königliche Negierung die Kasse nicht nur gellehmigt. sondern auch den jüdischen Gemeinden der Provinz den Beitritt dringlichst empfohlen. Durch die schon bei der Eröffnung der Kasse erfolgten zahlreichen Beitrittserklärungen ist die gedeihliche Wirksamkeit der Kasse bereits vollauf gesichert. Die Gründung der ostpreußischen Pensionskasse. so schloß der Redner, darf als das Morgenroth einer besseren Zeit für die jüdischen Lehrer unserer Provinz bezeichnet werden. Möge die Zukunft ihnen bald die volle Sonne vollständig befriedigender Versorgungsverhältnisse folgen lassen. Der mit warmer Begeisterung vorgetragene Bericht wurde mit lebhaften! Beifall ausgenommen. Der Vorsitzende dankte dem Redner und dem um das Zustandekommen des Kassenwerkes in gleicher Weise verdienten Herrn Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg sür ihre hingebende Arbeit daran aufs herzlichste. — Auf Antrag des Verbandsausschusses beschloß die Versammlung, gleich der Gemeinde Königsberg, die neue Kasse mit 300 Mark lausenden Beitrag zu subventioniren. Der folgende Referent, Herr Rabbiner Dr. Ehrlich-Tilsit, berichtete über die Ergebnisse derSchulinspektion des Verbandes. In der darauf folgenden Debatte regte Herr Rechtsanwalt Holz- Königsberg die Bildung von Schulverbänden all. Herr Rechtsanwalt Schey-Allenstein empfahl die Anstellung von Wanderlehrern. Herr Professor Dr. Fatkenheim-Königsberg unterstützte diesen Vorschlag und ersuchte den Ausschuß, bis zum nächsten Verbandstage diejenigen Gemeinden gruppenweise zusammenzustellen, die bei Anstellung eines Wanderlehrers in Frage kämen. Herr Rabbiner Dr. B eerma nn-Insterburg beantragte die Einrichtung von Fortbildungskursen für die jüdischen Lehrer der Provinz. Wegen der beschränkten Mittel des Verbandes mußte der Antrag aber zur Zeit abgelehnt werden. Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf die Berathung des Etats pro 1901, der, mit 2400 Mark balanzirend, angenommen wurde. Der Vorsitzende referirte dann noch über das Gesetz vom 2. Juli 1900 betreffend die Fürsorgeerziehung Minderjähriger und kennzeichnete vor allem den Fortschritt desselben gegenüber den früheren Bestimmungen. Bemerkenswerth ist unter anderem, daß das neue Gesetz die Konfession der betreffenden Kinder bei der Erziehung berücksichtigt wissen will. Der Referent wies diesbezüglich auf die moralischen Verpflichtungen hin, die dem Einzelnen wie der Gesammtheit der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.