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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-11 · Heft 2 (11.1.1901) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 2 (11.1.1901)
Date
1901-01-11
Page
Seite 16 (sequence 8)
Language
German
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16 In einer offiziellen Note, die die „Welt" im Sperrdruck veröffentlicht, heißt es, nachdem der bekannte Standpunkt des Zionismus in der Kolonisationsfrage noch einmal wiederholt wird, folgendermaßen: „Was aber das Konstantinopeler Stimmungsbild der „Politischen Korrespondenz" anbelangt, so sind nur in der Lage zu erklären, daß nach unseren letzten Nachrichten aus Konstantinopel die Stimmung in den maßgebenden türkischen Kreisen sür den politischen Zionismus und sür das Verständniß der Vortheile, welche der politische Zionismus dem türkischen Reiche zu bringen verspricht, eine günstige ist. Wir können ferner erklären, daß wir derzeit in Verhandlungen stehen, welche viel größere Vortheile bezwecken, als die Aushebung des Einwandernngsverbotes bedeuten würde." Wenn nur dieses Versprecher! nicht auch dasselbe Schicksal hat wie alle anderen Verheißungen von jener Seite, die sämmtlich noch der Erfüllung harren! Das erwähnte Cirknlar der Pforte an die europäischen Mächte, durch welches den ausländischen Juden die Einwanderung in Palästina verboten wird, hat bei manchen Juden die Befürchtung hervorgerufen, die türkische Regierung beabsichtige mit ihrer Halbtausendjährigerl Tradition zu brechen und, irr die Fußtapfen mancher europäischen „Kulturstaaten" tretend, die Juden unter Ausnahmegesetze zu stellen. Diese Befürchtung ist nun durch eine neue Jrade des Sultans gründlich zerstreut worden. Wie nämlich dem „Jewish Chronicle" aus Konstantinopel sowohl wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat gleichzeitig mit jener Cirkularnote der Sultan eine feierliche Jrade erlassen, laut welcher allen Juden, die sich in legaler Weise in Palästina niedergelassen haben, gleichviel ob sie türkische Unterthanen sind oder nicht, erlaubt ist, in den Städten sowohl als auch aus dem flachen Lande Grundbesitz zu erwerben. Diese wichtige Jrade wurde an Jsaac Fernandez, dem Präsidenten der Alliance in Konstantinopel adressirt, auf dessen Bemühungen die Jratw erlassen worden ist. Mit der Jrade, durch welche die bisher in Kraft gewesene Verordnung, durch welche allen Juden, selbst den türkischen, verboten war Land in Palästina zu kaufen, außer Kraft gesetzt worden ist, hat auch die .7. in Palästina freie Hand bekommen. Nichts steht derselben mehr im Wege durch Zukauf von Land nicht nur die Lage der Rothschildscheu Kolonien wesentlich zu verbessern, sondern auch die bisher ungelöst gebliebene Tagelöhnerfrage zur allseitigen Zufriedenheit zu lösen. Zugleich mit der Aufhebung des Verbots des Laudankaufs wurde auch die den Palästina besuchenden Juden gegönnte Aufenthaltsfrist von 30 Tagen auf 3 Monate verlängert. Gleichzeitig wurde die sehr drückende Verordnung, laut welcher diese jüdischen Pilger bisher als Garantie dafür, daß sie in Palästina nicht über die erwähnte Frist hinaus verbleiben werden, bei ihrer Landung eine Kaution in Höhe von mehreren hundert Francs zu hiuterlegen hatten, gänzlich aufgehoben. Es scheint, als haben die Botschafter in Konstantinopel resp. die Konsuln in Jerusalem sich dafür verbürgt, daß die jüdischen Pilger nach abgelaufener Frist Palästina von selbst verlassen werden, ohne die Dazwischenkunft der türkischen Behörden erst abznwarten. 2 Der im August vorigen Jahres voll dein Shanghaier Verein zur Hülfe der eingeborenen Juden in Chi na nach Kai-fung-fi abgeschickte Bote ist nach glücklicher Ausführung seiner Mission Ende Oktober nach Shanghai zurückgekehrt und hat das folgende an ihn adressirte chinesische Schreiben mitgebracht: „Wir haben mit Ihnen in Kai-fung-fi verabredet, am 25. September nach Takang zu kommen, um in Ihrer Begleitung nach Shanghai zu gehen, wo wir unsere Glaubensgenossen treffen sollen. Aber die aus dem Norden kommenden Kriegsnachrichten sind sehr beunruhigend. Beständig passiren Truppen durch Kai-fung-fi. Jedermann ist sehr beunruhigt, und die Regierung wankt in ihren Entschlüssen. Gegenwärtig kann weder eine Synagoge errichtet werden, noch können wir unsere Wohnungen auf längere Zeit verlassen. Daher ziehen wir es vor. Ihnen diesen Brief zu schreiben. Warten Sie nicht auf uns, wenn wichtige Geschäfte Sie nach Shanghai rufen sollen. Gehen Sie uns voraus, und wenn Sie unsere Brüder in der Religion Israels sehen, so sagen Sie ihnen, daß wir es für besser finden zu warten, bis das Land sich beruhigt haben wird. Wir werden uns dann ganz gewiß nach Shanghai in Bewegung setzen, um mit ihnen über alles persönlich uns zu uuterhalten. Die Lage der Synagoge ist dieselbe wie früher, aber unser Volk ist zu sehr zerstreut. Zum Schluß wünschen wir Ihnen eine glückliche Reise." Darauf hat die Gesellschaft durch denselben zuverlässigen Boten an die Juden von Kai-fung-fi folgenden vom 17. November datirten Brief gerichtet: „An unsere Glaubensgenossen irr Kai»fung-fi. Wir haben Euch vor einigen Monaten einen von den Mitgliedern unserer Gemeinde Unterzeichneten hebräischen Brief nebst einer chinesischen Nebersetznng desselben geschrieben. Brief und Übersetzung sind aber verloren gegangen. Als wir davon erfuhren, sandten wir Euch eine Abschrift des Briefes, und der Bote, dem wir das Schreiben anvertraut haben, kehrte vor zwei Wochen zurück und brachte einen an ihn adressirten Brief, in dem einige Mitglieder Eurer Gemeinde ihn bitten, zu uns zu gehen und uns zu sagen, daß sie. sobald die in einem Theil des Landes herrschenden Unruhen etwas nachgelassen haben werden, zu uns kommen wollen, um uns zu sehen. Ihr könnt Euch kaum denken, wie uns diese Nachricht erfreut hat. Wir schreiben Euch diesen Brief, um Euch zu melden, daß sich hier eine Gesellschaft gebildet hat zu dem Zweck, die Religion unserer Ahnen und Eurer Gemeinde neu zu beleben. Die Mitglieder dieser Gesellschaft warten ungeduldig auf die Ankunft einiger Mitglieder Eurer Gemeinde, um mit ihnen die geeignetstell Mittel zu besprechen, das erwähnte Ziel zu erreichen. Um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, bitten wir Euch nochmals, sofort und ohne den mindesten Aufschub zwei bis drei Männer Eurer Gemeinde nach Shanghai zu senden, um sofort Schritte zu Eurer Befreiung von Eurer gegenwärtigen Unkenntniß unserer Religion unternehmen zu können." Verband der Synagogengemeinden Ostpreußens. (Mk)m 26. v. M. hielt der Verband der Synagogengemeinden Ost- Preußens seine 17. ordentliche Generalversammlung in Königsberg i. Pr. ab. Der öffentlichen Versammlung ging am Abend des 25. eine Sitzung des Verbandsausschusses voraus, in der eine Vorberathung der am Verbandstage zu erledigenden Tagesordnung stattfand. Besondere Ausdehnung gewannen hierbei die Verhandlungen über die Neuordnung der Schulinspektion des Verbandes, und wurde beschlossen, die bereits auf dem vorjährigen Verbandstage gewählte gemischte Kommission zur Bearbeitung des Normalschulplanes auch mit der Aufgabe zu betraueil. geeignete Vorschläge behufs Neuregelung der Schulinspektion vorzubereiten. — Die Herren Rabbiner Dr. F. Perles und Sekretär und Lehrer Rosenthal-Königsberg wurden neu zu Mitgliedern der Schnlinspektion gewählt. Am Morgen des 26. Dezember fand die konstitnirende Generalversammlung der o stpreubischen Pensi o nskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte statt. Herr Rechtsanwalt Scbey- Allenstein erstattete den Geschäftsbericht über die Zeit der Vorbereitung

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