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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-04 · Heft 1 (4.1.1901) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
Seite 2 (sequence 18)
Language
German
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Vortragsabende eingerichtet, die einer starken Betheiligung sich freuen. Es hielten Vorträge die Herren Lehrer Kaufmann und Katz und Herr Dr. med. Rüben; in Bonn sprachen Dr. med. I. Rufs-Karlsbad über Leid und Freud im jüdischen Hause, Dr. jur. I. Löwenstein aus Düren über Schopenhauer und das Judenthum, Rechtsanwalt Dr. N. Schauer-Mainz über Sozialethik in Altisrael, in Frankfurt a. M. Redakteur M. A. Klausner-Berlin über den jüdisch-deutschen Dialekt, in Würzburg Distriktsrabbiner Nürnberger über den Traum in der jüdischen Litteratnr. in N ü rnberg Dr. S. Neubnrger über Gesundheitspflege in Bibel und Talmud, in München Rabb. Dr. Ehren treu über Jomtob Lipniann Heller, in Mannheim Prof. Philippson über das Judenthum der Gegenwart, in Stuttgart Herr Max Hausmeister über die Neuorganisation der israelitischen Gemeinden Württembergs. — Neue Litteraturvereine wurden begründet in Schwetza. W. und in Kob u r g. Vortragsinstitutionen im Anschluß an bestehende Vereine in Offen buch und Speyer; ein Komitee zur Begründung eines Litteraturvereins wurde gewählt in KattoWitz. 8. Be rlin, 30. Dezember. Der „Deutsche Flottenverein" hat das höchste Mißfallen der Herren Antisemiten erregt. Die „Deutsche Wacht " schreibt: „Achtung Antisemiten! Uns liegt ein Kalender des deutschen Flottenvereins für 1901 vor. von Kontreadiniral z. D. M. Plüdemann. Auf Seite 163 lesen wir da folgende Zeilen: „Daß Sekten Channü entstanden sind, die Laugmesser, später Boxer genannt, welche die Vertreibung der Fremden auf ihre Fahne schreiben, kann nicht besonders verwundern, haben doch andere hochentwickelte Kulturstaaten in der antisemitischen Bewegung analoge Vorgänge." Wir bedauern, daß der Flottenverein geschmacklos genug ist, national empfindende Männer durch einen hohen Offizier anrempeln zu lassen. Der Flottenverein selbst sowohl wie der Verfasser jenes Pamphletes haben der nationalen Aufgabe einen schlechten Dienst erwiesen. Wir fordern, als Antwort, unsere Anhänger auf, dem Flottenverein den Rücken zu wenden. Los von dem sogenannten deutschen Flottenverein." — Der Kontreadmiral Plüdemann hat vollkommen Recht, und wenn es noch eine Bestätigung brauchte, so ist dieselbe in dem Benehmen der Antisemiten enthalten, denen auch in diesem Falle ihr Judenhaß der Vaterlandsliebe vorangeht, die sie immer so prahlend im Munde fuhren. 22 Berlin, 31. Dezember. Der letzte Veteran der berühmten bayerischen Expedition nach Griechenland ist ein Jude. Von Herrn Malermeister Max Holländer, hier, wird nämlich der „V. Z." geschrieben: „In Ihrer Zeitung vom 17. d. M. theilen Sie mit, daß der letzte Veteran von der bayerische Expedition nach Griechenland. Freiherr von Pöllnitz, gestorben ist. Freiherr von Pöllnitz ist nicht der letzte Veteran. Mein Vater, der Malermeister D. Holländer, Schwerin i. M.. jetzt 91 Jahre alt, arbeitete im Jahre 1832 (?) in München, schloß sich der Expedition nach Griechenland an und ging mit den 3000 Freiwilligen, welche der König von Bayern seinem Sohne Otto stellte, nach dort. Nachdem er drei Jahre im Korps gedient hatte, nahm er seinen Abschied und wurde mit dem Kreuze dekorirt. " AI. Schneidemühl, 28. Dezember. Die Den tsch-sozi ale Resormpartei hielt hier eine öffentliche Volksversammlung ab. Der Andrang zu derselben war ein derartiger, daß kurz nach Beginn der Versammlung der Eintritt polizeilich gesperrt werden mußte. Nachdem Direktor Walewski Hierselbst die Versammlung mit einem Kaiserhoch eröffnet hatte, hielt der Verleger der „Staatsbürger-Zeitung". Wilhelm Bruhn, einen fast zweistündigen Vortrag über „Deutschthum und Judenthum mit besonderer Berücksichtigung des Blntmordes in Könitz und des Sensationsprozesses in Berlin". Redner verlangte von der Staatsregiernng, daß sie in Bezug auf unsere Wirtschaftspolitik nationale Bahnen einschlägt. Sodann kennzeichnete er die Konitzer Vorgänge sowie die Macht des Goldes, das im Sternberg-Prozeß recht kraß ans Tageslicht gezogen wurde, und forderte rücksichtsloses Einschreiten der staatlichen Organe. — Hierauf behandelte Stadtverordneter Fröhlich-Potsdam „Das Schächten — ein jüdischer Nitnalgebranch". Redner schilderte in fast fünfviertelstnndiger Rede die christliche und jüdische Schlachtmethode und versuchte nachzuweisen, daß in Moses' Gesetzgebung kein einziges Schlachtgebot vorhanden, also von einem mosaischen Ritnalgebrauch keine Rede sein könne. Einer der eifrigsten Vertheidiger des Schächtens, Rabb. Dr. Ehrmann, so erzählte der Vortragende, habe dies offen eingestanden und bekundet, daß das Schächten lediglich eine radbinische Observanz sei, welche in den mosaischen Büchern nicht begründet, sondern nur durch den Talmud vorgeschriebe« sei. Mit einem Appell an die christlich-deutsche Bevölkerung, dafür zn sorgen, daß überall das schöne Wort: „Seid barmherzig auch gegen die wehrlosen Thiere" bethätigt wird, endigte er seine Ausführungen, die noch mehr Antisemitismus verriethen als die seines Kollegen. — Auf Veranlassung des Herrn Bruhn wurde an den Instizminister folgende Petition abgesandt: Die heutige in Schneidemühl abgehaltene, von mehr als 1500 Personen besuchte Volksversammlung giebt ihrem Bedauern über die Nichtentdeckung der Mörder des Gymnasiasten Ernst Winter in Könitz Ausdruck und verbindet damit die Hoffnung, daß es Ew. Excellenz Maßnahmen doch noch gelingen möge, das schier undurchdringliche Dunkel zu beseitigen und die ruchlosen Verbrecher ihrer gerechten Strafe zu überliefern." — Die Deutsch-soziale Reformpartei hat infolge des durchschlagenden (?!) Erfolges, den sie bei dieser Versammlung erzielte, den Mnth gefaßt, bei der nächsten Reichs- und Landlagswahl einen antisemitischen Kandidaten in unserer Stadt aufzustellen. — Die Herren Antisemiten werden sich aber wundern. Al. Hamburg, 31. Dezember. Der kürzlich irr Altona verstorbene Herr Pius Marburg, ehemaliger Präses der dortigen israelitischen Gemeinde, hat in seinem jetzt publizirten Testament nachstehende große Summen für Wohlthätigkeitszwecke bestimmt: 1. 10 000 Mark dem Altonaer Kinderhospital, 2. 10 000 Mark der Altona er Speiseanstalt 3. 10 000 Mark dem Verein zur Förderung der Gemeindepflege in Altona, 4. 10 000 Mark der Israelitischen Gemeinde in Altona für die Zwecke der freiwilligen Armenpflege. 5. 10 000 Mark für sonstige Wohlthätigkeitsinstitutionen der Israelitischen Gemeinde. 6. 20000 Mark dem schleswig-holsteinischen Verein zur Fürsorge entlassener Blinder in Kiel, 7. 20 000 Mark der Hamburger Kunsthalle, 8. 30000 Mark der Mädchenschule des Ehr. Panlsen-Stiftes in Hamburg, 9. 270000 M. zur Errichtung einer Stiftung, Freiwohnungen sür alleinstehende weibliche Personen gebildeter Stände. Pensionirter Lehrerinnen oder Lehrerwittwen. Die Stiftung soll dem Andenken der Mutter des Testators errichtet werden und den Namen „Betty-Stift" tragen. Das Aussichtsrecht über die Verwaltung der Stiftung soll der Magistrat der Stadt Altona ausüben. 10. Die särnmtlichen werthvollen Oelgemälde, Aquarelle. Handzeichnungen und sonstigen Kunstgegenstände sind dem städtischen Museum in Altona vermacht. U Münster i. W.,28.Dezember. Gestern beging die hiesige M arks- Haindorfssche Stiftung festlich den 75. Jahrestag ihrer Gründung. Um 12 Uhr fand in der Seminaraula eine Festversammlung statt. Der Seminardirektor Dr. Spanier sowie der Prediger der Gemeinde, Dr. Mansbach, hielten Ansprachen. Der Gesangchor der Anstalt trug mehrstimmige Lieder vor. Um zwei Uhr begann das Festmahl im großen Saale des Hotels Moormann. An demselben betheiligten sich unter Anderen Lehrerkollegium und Kuratorium der Stiftung, eingeladene auswärtige Lehrer und der Vorstand der hiesigen Knltusgemeinde. Um acht Uhr Abends fand im großen Saale des Lortzing-Tyeaters eine zahlreich besuchte Festversammlung statt. An die mit Gesang und Musikvorträgen abwechselnden Reden schloß sich ein Festball. Ausführlicher Bericht folgt in der nächsten Nummer. Hl Frankfurt a. M., 30. Dezember. Soeben ist der 18. Jahresbericht des Israelitischen Hilfsvereins für 1899/1900 ausgegeben worden. Wir entnehmen demselben folgende Einzelheiten: Die Ansprüche, welche im abgelaufenen Jahre an den Verein gestellt wurden, waren ungewöhnliche. Nicht weniger als 2884 Petenten fanden Unterstützung, wofür ein Betrag von 18104,37 Mark verwendet wurde. Die größten Anforderungen stellten die Monate Juni und Juli, während welcher Zeit ein Theil der rumänischen Auswanderer durch unsere Stadt kam, hier verpflegt und weiter befördert wurde. Für diesen speziellen Zweck wurden vom hiesigen „Hilfskomitee für nothleidende osteuropäische Juden" 13 074,13 Mark zur Verfügung gestellt. An Geschenken gingen 11112,90 Mark ein. Während dieser Betrag die Höhe der vorjährigen Gaben übersteigt, weisen die Mitgliederbeiträge (Mark 10 266) eine Abnahme von 245 Mark auf. Die regelmäßigen Mitgliederbeiträge des Rosch-Chodesch-Vereins betrugen 6517 Mark, wovon in 13 monatlichen Spenden 6510 Mark vertheilt wurden. Durch letztwillige Verfügung hat der am 18. August 1S00 verstorbene Herr Max Heim dem Verein die Summe von 20 000 Mark

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