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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-01-04 · Heft 1 (4.1.1901) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 1 (4.1.1901)
Date
1901-01-04
Page
Seite 8 (sequence 12)
Language
German
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8 der Zillerthaler." Er tritt unS in demselben als ein unerbittlicher Feind der Dunkelmänner entgegen, welche er scharf und schneidig also charakterifirt: Auch eine Jagd! Nur gilt ein andres Ziel! Wer sind die Jäger, welche nah'n zum Spiel? Gleich Wölsen grimmig schleichen sie daher, Doch ist kein Stutzen ihres Armes Wehr, Es schmückt die schwarzen, breitgekrempteu Hüte Nicht Spielhahnfeder, noch des Speikes Blüthe, Und wo sie nah'«, verstummt der srohe Sang, Die Zither birst, es springt der Saiten Strang. Und was sie wollen? — Gottes Ehre zwar! Doch dieser Gott ist nur ihr Gott fürwahr! O Wort der Liebe, holden Friedens Kunde, Du wurdest schwerer Fluch in ihrem Munde, O Wort der Liebe, das vom Kreuze drang, Wie Viele geh'n für dich des Kreuzes Gang! Alle Verfolgung um des Glaubens willen ist ihm in der Seele zuwider. So begleitet er die Zillerthaler auf ihren: Schmerzenswege aus der Heimath, die sie verlassen mußten, weil sie nicht vom Protestantismus abfallen mochten. Ein Mönch, selig, daß Gott ihn mit der Mission betraute, aus Tirol ein Land der Glaubenseinheit zu machen, geht neben ihnen einher und blickt mit frommem Augenaufschlag himmelan. Da flammt der Abend auf, das Land in Purpur tauchend, und der Dichter ruft aus: Ja, blickt empor! Die Berge werden ragen, Sind auch der Kirchen Säulen längst zerschlaget,; Ja, blickt empor! Die Blumen werden sprossen. Wenn längst der Meßgewänder Pracht geschossen; Ja, blickt empor! Die Sonne lischt nicht aus, Wenn auch das Licht verglimmt im Gotteshaus! Während aber die Landflüchtigen zu dem einen Thore hinaus ins Elend wandern, klopft an das andere der Jesuit, mit feiner Stimme lispelnd: „Gelobt sei Jesus Christus!" Der Dichter erklärt den Jüngern Loyolas, welche der Geschichte Oesterreichs ein solches Schandmal aufgedrückt haben, den Krieg auf Leben und Tod. Nicht mitzuhassen, mitzulieben fühlte sich Pichler berufen. Der Antisemitismus war für ihn einerseits ziemlich gegenstandslos, denn „in Tirol sind wellig Juden; den Wucher besorgen, wie die gerichtlichen Verurteilungen beweisen, ausgiebig unsere katholischen Brüder." Anderseits war er für ihn ganz gegenstandslos, denn er unterschied die Menschen nicht nach Konfessionen. „Ich frage Niemanden, was er ist. Ob er Jude oder Christ ist, das geht mich gar nichts an." Die jüngsten Schandtaten in Böhmen und Mähren haben ihn noch tiefschmerzlich berührt, und ihm die Klage abgeängstigt: „Wenn ich aW die Zeitereignisse anschaue, ist mir manchmal, als ob ich wie Dante durch die Hölle wanderte." »AM Nie große Synagoge in Toledo. Von Dr. M. Kayserling. Von D. Samuel Halewi, dem Schatzmeister des Königs D. Pedro von Castilien, in Toledo mit großem Kostenaufwande erbaute nnd im Jahre 1357 vollendete große Synagoge, welche Jahrzehnte vor der Vertreibung der Juden aus Spanien unter dem Namen „Nuestra Lektor« 6el Transito" in eine Kirche verwandelt worden, dient schon längst nicht mehr kirchlichen Zwecken. Da sie als Kirche das Eigenthum des Calatravaordens bildete, so befinden sich in derselben noch jetzt die Grüfte mehrerer Ritter dieses Ordens, zum Theil mit Wappenschildern und verwitterten Grabinschriften. Diese große, ebenso wie die unter D. Alsonso X., den Weisen, erbaute von Vicente Ferrer in eine Kirche S. Maria la Bianca verwandelte Synagoge wurde von der spanischen Regierung vor mehreren Jahren als Nationaldenkmal erklärt, und schon während meiner Anwesenheit in Toledo wurde an deren Restaurirung gearbeitet. Eine von der spanischen Akademie in Madrid ernannte Kommission hat sich nun vor mehreren Wochen gutachtlich dahin geäußert, daß das Prächtige Gebäude als Synagoge und nicht als Kirche restanrirt, und daß die stellenweise gut erhaltenen alten hebräischen Inschriften an den inner« Seiten desselben auf Grund der von Perez Bayer vor ca. 120 Jahren angefertigten Abschrift möglichst ergänzt werden. Die Kommission wünscht ferner, daß an der Ostseite des Gebäudes, wo „im Innern der Synagoge die Thorarollen aufbewahrt wurden", Ausgrabungen vorgenommen werden, da sie es nicht für unmöglich hält, daß sich noch Ueberreste der mit der Synagoge verbunden gewesenen „Madrisa", d. h. des Bet-Ha-Midrasch oder Lehrhanses oder eines andern Gebäudes, etwa der Wohnung für den Rabbiner oder des Synagogendieners, finden. Diese Ausgrabungen dürften voraussichtlich resultatlos bleiben. Sonderbarerweise ist von der Erhaltung des an der rechten Seite der Synagoge befindlich gewesenen Frauenbades in dem Kommissionsberichle keine Rede. Daß die beiden großen prächtigen Synagogen, welchan den einstigen Glanz des heute verfallenen Toledo erinnern und zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören, in dieser Weise erhalten werden, ist ein Verdienst, das der spanischen Negierung hoch anzurechnen ist. Are Ksnigsbraut. Historische Erzählung von Carola Buchheini. I. eim heiligen Michael! Szymon!" „Sieh' da, Wladiwoy! Woher des Weges?" „Von Deutschland, Freund, oder, wenn Du's genauer wissen willst, von Krakau, oder, am genauesten, von Swielice." „Ah, hast auch Du den Herzog nach Deutschland begleitet?" „Ja, freilich war ich mit dem Herzog. Szymon. Sind ja doch die meisten von uns Edelleuten mit ihm nach Deutschland gezogen! Nur Du und einige Wenige außer Dir sind in Polen geblieben, der heilige Michael weiß warum!" „Ach, was kümmern mich denn diese Züge nach Deutschland! Ich bleibe lieber zu Hause und jage in meinen Wäldern und bedrücke meine Bauern. Jetzt eben war ich zwei Wochen lang auf der Jagd abwesend, Wladiwoy, und habe meine dummen Bauern gequält, daß es eine Freude war. Und jetzt bin ich gerade auf dem Heimwege begriffen." „Ich begleite Dich, Szymon. Eine Strecke weit ist ja unser Weg der. gleiche."

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