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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-28 · Heft 52 (28.12.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 52 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 ab legte. Nachdem Herr Dr. Vogelstein im Hause ein treffliches Bild voil dem Verklärten als Gatte, Vater, Verwandter uub Mensch entworfen hatte, fand auf dem Friedhofe die eigentliche Feier statt. Eingeleitet wurde dieselbe vonl Synagogenchor dllrch eineil stimmungsvollen Gesang, und llachdem Herr Dr. Vogelstein in beredten Worten der vieleil Verdiellste des Verelvigtell als Vorsteher der Gemeinde gedachte, trug Oberkalltor Sarasohn das El mole Raehamim vor. Während der Chor ein Schlußlied sang. wurden die irdischen Neste eilres arbeitsreichen Lebens, eines edlen Mannes hiuausgetragen. Was der Verklärte aber gewirkt und geschaffell, wird unvergessen bleiben und ihnl ein gesegnetes Andel,ken iu uiifereni Herzell sichern. 0 Grünverg u Schl., 21. Dezember. Am 16. d. M. verschied hier, wie bereits kurz gemeldet wordell, infolge eilles Schlaganfalles im Alter von 70 Jahren der Rabbiner Dr. Leopold Sa niter, ein durch hervorragende Geistesgaben ulld vorzügliche Herzellsbildung ausgezeichneter Mann. Dr. Samter hat bis vor ungefähr Jahresfrist das Amt als Prediger der hiesigen Synagogengemeillde verwaltet und lvar llicht nur als Kanzelredner. sondern auch als ausgezeichllet kundiger Mann in Natnrlvissenschaften geschätzt. Seill Wissen stellte er freudig in den Dienst des Gelverbe- und Gartenbauvereins, bei dessen Versanlmlungen seine Vorträge große Beliebtheit hatten. Seit Jahren verwaltete Dr. Samter die vor, ihm eingerichtete u,etereologische Station. Fast volle 40 Jahre hat der Verstorbene in unserer Gemeinde als Prediger und Lehrer mit vollster Hingabe an sein Amt in segensreicher Weise gelvirkt, und als die Gebrechen des Alters ihn zwangen, im April d. I. seiner Thätigkeit als Prediger z,l elltsagen, der Gemeinde seine Lehrkraft in aufopfernder Weise noch rveiter gelvidlnet. Nicht nur feine hervorragenden Eigeuschasteu als Kanzelredner llnd Lehrer, sondern die ganze geistige Bedentnllg dieses Mannes ilnd seine Bereitwilligkeit, sein vielseitiges Wissen jederzeit gern in den Dienst der Allgelneiliheit zu stelleu, Haber, ihm lveit über den enger, Kreis unserer Gemeinde hinaus allgerneilre Anerkennung verschafft. Die Tranerfeier wurde iu der Synagoge durch Herrn Nabbirrer Dr. Lllcas-Glogau abgehalten. Am Grabe sprach eil, Verwandter des Heimgegangenen, Dr. Theodor-Bojanowo, Worte des Abschiedes. Waldenburg i. Schl., 20. Dezenrber. Auf Anregung des Herrn Prediger Jakob Bähr dahier hat sich zur Hebung der Lage der Kul tusb e a int e n ein Komitee gebildet. Dasselbe reichte am 5. d. M. bei dem Deutsch - Israelitischen Gen,eindebund eine mit ca. 200 Unterschriften bedeckte Petition ein, die folgenden Wortlallt hat: Unterzeichnetes Komitee erlaubt sich hierdurch ganz ergebenst, einen. Wohllöblichen Ausschuß nachstehende Bitte höflichst zu unterbreiten. „Die deutsch-israelitischen Kultusbeamten senfzei, seit langem unter wirthschastlicher und sozialer Noth. Ihre Besoldling ist gering, der Anstellungsmodus hält sie in beständiger Unsicherheit, und die ihnen von gemeilldelvegen eingeräumte Stellling elltspricht durchaus nicht der Würde ihres heiliger, Amtes. Diese traurige Lage hat jüngst Herr Kollege Bähr-Waldenburg i. Schl, in einem auf der Generalversammlnng des Vereirrs israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen von ihm gehaltenen Vortrag in treffender und wahrheitsgetreuer Weise beleuchtet und einen warmen Appell an die Kollegen gerichtet, doch endlich etwas zur Herbeiführung besserer Zustände zu unternehmen. Dieser Anregung folgend, traten die Unterzeichlleten zusammen, u,n für die Hebung ihres für die Erhaltung des Judenthruus so ilothwendigel, Standes Mittel lind Wege zu suchen. Alle sind wir darin einig: „So geht es nicht weiter — etwas nillß geschehen!" Menschen, Bealnte, denen die Fürsorge für die heiligsten und höchsten Güter übertragen ist, die würdig genug sind, den ganzen Kultus selbständig zu leiten, würdig gellng. das Wort Gottes zu verkünden, würdig genug, die Heilssaaten der Religion ul,d Gesittling in die Herzen ul,serer Jugend zu streuen und inbrünstige Gebete für das Wohl der Gemeinde zum Himmel emporzusenden; würdig genllg el,dlich. dafür zu sorgen, daß der Tisch des Israeliten ein Tisch des Herrn sei — solche Menschen, solche Beamten, müßten sie nicht aus Gri'u,den der Billigkeit mld der Religiosität eine ebenso würdige, ihrem hohen Berufe entsprechende Anstellung und Behandluilg sil,den? Muß da nicht jede andere Praxis als unbegreiflich erscheinen? — Ur,d doch ist hier das Unbegreifliche traurige Wirklichkeit. Die Allstellungsverhältnisse der Kultusbeamten sind die denkbar mißlichsten. Nicht genug, daß die Besolduilg nur dürftig und für das arbeitsunfähige Alter sowie für die Relikten keine Fürsorge getroffen ist, öffnet das lose, nur auf kurze Zeitdauerbemessene Vertragsverhältniß der Willkür Thür und Thor. Der Kultusbeamte kann bei jedem beliebigen Alllaß brodlos gemacht werden, uild das geschieht leider oft genug. — Und die Folge dieser wirthschastlichen Noth ist die soziale Noth — Mangel au Achtung und Ansehen, vielfache gesellschaftliche Zurücksetzung und Demüthigung. Das ist eil, unwürdiger, llnhaltbarer Zustalld. Hier muß Wandel geschaffen werden. Es ist hohe Zeit, daß auch für die Kultusbeamtei, bessere Tage anbrechell, und diese herbeisühren zu Helsen haben die Unterzeichnetel, sich zur Aufgabe gemacht. Wir glauben, damit nicht nur ui,seren Standesgellvssen, sondern auch dem Judenthum einen großen Dienst zu erweisen. Der Wege, die zum Ziele führen, giebt es mehrere. Doch halten wir den Weg für den besten und ersprießlichsten, der uns im Einklänge mit den Gemeinden erhält und ein gutes Einvernehmen möglichst noch erhöht. Das ist der Weg der gegenseitigen Verständigung, und diese könnte gewiß leicht gefördert und herbeigeführt tverderl, wenn der Deutsch-israelitische Gemeindebund uns seine hilfreiche Unterstützung dazu leihen ru,d bei den einzelnen Gemeinden für unsere gerechte Sache ein treten wollte. Wir wenden uns' darum ai, einen Wohllöblichen Ausschuß des D.-J. G.-B. mit der ebenso inständigen als eindringlichen Bitte: Wohlgeneigtest seinen weitreichenden Einfluß dahin geltend machen zu wollen, daß für die dentsch-israelitischen Kultusbeamten bessere Anstettungs- und und Existenzbedingungen geschaffen werden. Wir bitten insbesondere, Wohlderselbe möge seine gütige Fürsorge daraufhin lenken wollen: I. Daß ein Normalvertrag für die Anstellung der Kultusbeamten ausgearbeitet lverde, in welchem folgende Momente Berücksichtigung finden: 1. Die Anstellung erfolgt ü, der Regel auf die Dauer vou zlvölf Jahren; 2. ohne triftigen Grulld darf auch nach Ablauf der zlvölf Jahre eine Kündigung seitens der Gemeinde nicht erfolgen. Was ein triftiger Grund ist, darüber entscheidet der Ausschuß des D.-J. G.-B. oder die — nachfolgend erwähnte — gemischte Kommission; 3. wird der Knltusbeamte durch Krankheit oder Unfall arbeitsunfähig, so erhält er noch mindestens nenn Monate sein volles Gehalt; 4. nach dem Tode des Kultusbeamten erhalten dessen Wittwe oder unmündige Kinder noch mindestens drei Monate das volle Gehalt; 5. jede Gemeinde ist verpflichtet, nach Maßgabe ihrer Leistungsfähigkeit ihren Kultusbeamten iu eine Pensionskasse oder Lebensversicherung einzukanfen; 6. der Kultnsbeamte erhält jedes Jahr einen bedingungslosen Urlaub von wenigstens vierzehn Tagen. — II. Daß eine ständige gemischte Kommission von Mitgliedern des D.-J. G.-B. und Kultusbeamtei, berufen werde, die nach Art der Gelverbegerichte in Streitfällen zwischen Gemeinde- und Kultnsbeamtel, zu vermitteln. Vergehungen des letzteren zu rügen, Diesen vor Uebergriffen der Gemeinde zu schützen und über die Stichhaltigkeit von Kündigungsgründen zu entscheiden hat. III. Daß die Kultusbeamten durch Zulvendung einiger Geldmittel in den Stand gesetzt werden, sich eine Zentrale zu schaffen, wo ihre gesammten Standesinteressen eine Vertretung finden. Mit dem besiehendel, jüdischen Lehrerverbande hat die Knltusbeamteuschaft eine nur ganz geringe Interessengemeinschaft. Diese von uns vorgetragenen Wünsche sind wahrlich nicht zu hoch gespannt; sie enthalten unserer Ansicht nach nur ein Minimum dessen, was einer iu, heiligen Dienste stehende!, Berufsgemeinschaft gebührt. Aber wir begnügen uns mit wenigem und »vollen zufrieden sein, wenn ui,seren, Stande das zu Theil wird, lvas ihm leidliche Existenzbedingungen und die uöthige Autorität sichert. Leidliche Existenzbedingungen und die uöthige Autorität, das ist es, was wir für unseren Stand wünschen. Sollte der D.-J. G.-B. nicht denselben Wunsch für uns hegen? Derselbe hat bis jetzt auf allen Gebieten des jüdischen Gemeindelebens Hervorragendes geleistet, hat alle guten und edlen Bestrebungen innerhalb der deutschen Jndenheit die wohllvollendste Förderung und Fürsorge angedeihen zu lassen und sich stets als Freund und Gönner der religiösen Diener des Judenthums erwiesen. Sollte dasselbe Wohlwollen und dieselbe Fürsorge nicht auch für uns vorhanden sein? Wir zweifeln nicht daran. — und darum hoffen wir zuversichtlich, daß unsere Bitte bei einem Wohllöblichen Ausschüsse des D.-J. G.-B. inniges Verständniß und wohlwollend Berücksichtigung finden werde. Ein Exemplar des obenerwähnten Vortrages gestatten wir uns ganz ergebenst beizulegeu. Einem gütigen Bescheide zu Händen unseres Schriftführers, des Herrn Prediger Bähr in Waldenburg i. Schles., entgegensehend, zeichnet mit vorzüglicher Hochachtung eines wohllöblichen Ausschusses ganz ergebenstes

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