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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-28 · Heft 52 (28.12.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 52 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Nr. 52. Gerlrn, 28. Dezember 190 o: Der Gemeindebotr. Weitage zur «Atllgemeinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 23. Dezember. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung verlies recht ruhig und geschäftsmäßig. Von besonderem Interesse war unter den Punkten der Tagesordnung nur die Interpellation eines Mitgliedes, betreffend die Jewisli Colonisation Association, welche Aufklärung über die Beziehungen geben sollte, in welchen die hiesige jüdische Gemeinde zu der genannten Vereinigung steht, und gerade diese Vorlage wurde auf Antrag desjenigen Referenten des Gemeindevorstandes, um derentwillen dieser Punkt bereits einmal vertagt worden war, in die geheime Sitzung verlegt. — In die gemischte Deputation für ben Religionsunterricht wurde der Vorsteherstellvertreter Dr. Julius Stern an Stelle des verstorbenen Vorstehers Goldschmidt abgeordnet, in die Komnlission zur Vorberathung der Kautorenwahl an Stelle von Dr. Lachmann Herr Mecklenburg entsandt. Debattelose Annahme und freudige Zustimmung fand die Zuwendung des Vorsitzenden, des Gemeiudevorstandes Justizrath Meyer, in Höhe von 2500 Mark für bedürftige Zöglinge der beiden Gemeindeschnlen, aus welcher Beihilfen zu Badereisen, Entsendung in Ferienkolonien gewährt werden sollen. Zu diesem Zwecke sind die Zinsen des jeweiligen Kapitals und jährlich 250 Mark vom Kapital selbst ausgesetzt worden, so daß also die Stiftung innerhalb 10 Jahren aufgebraucht ist. Die Bertheilung, über welche das Lehrerkollegium unter Zustinunung des Schul- und Talmud - Thoravorstandes befindet, hat jährlich am Chanukahfeste zu erfolgen. In die gemischte Deputation zur Berathung betreffend ben unentgeltlichen Unterricht au den Religionsschnlen werden vom Vorstand die Herren Eisner und Dr. Stern, von den Repräsentanten die Herren Kommerzieurath Fried länder, Professor Geiger. Oppenheim und Leonhard Sachs auf Antrag des Ausschusses vorgeschlagen und von der Versammlung gewählt. Der Deputation soll es überlassen bleiben, durch Kooptation sich noch zwei Dirigenten der Religionsschnlen hinzuzuwählen. — Zur Herstellung von Schwellenfundamenten ans dem Friedhose in Weißensee wurden 943,50 Mark bewilligt. — Das Projekt für den Neubau der III. Altersversorgungsallstalt ist vom Ausschuß eingehend geprüft worden und wird zur Annahme empfohlen. Von den Fassadenentwürfen hat der einfachere die Zustimmung gefunden, der Kostenpunkt ist dadurch auf 200 000 Mark reduzirt worden. Behufs definitiver Festsetzullg des Baues ist noch die Einsetzung einer Sonderkommissioll bealltragt, die ans einem Aeltesten, zwei Repräsentanten, zloei Vorstehern der Altersversorgungsanstalt und zwei Mitgliedern der Bauleitung bestehell soll. Aus der Reihe der Repräsentalltell sind hierzu die Herren Professor Baginsky und Louis Sachs nominirt, welche auch einstimmig gewählt werden. Professor Lew in, der in dem vorgelegten Umriß eine „hygienische Ungeheuerlichkeit" entdeckt hat und sich deshalb llicht mit dern Projekt einverstanden erklären will, entfesselt hierüber eine kürzere Debatte, zieht aber auf die Ausführullgen mehrerer Redner hin. lvelche die Aellderuugen von kleinen Mängeln ungeachtet der Annahme des Projekts für zulässig erklären, seinen Einspruch zllrück. Eill zum Beschluß erhobener Sonderantrag, welcher die zu wählende Baukommissioil dazu anhält, auf die Abstellung der gerügten Mängel Rücksicht zn nehmen, verbürgt diese Zusicherung. — Dell bei weitem größten Raum der Verhatldlllllgen nahm die Berathung der Satzullgen der Biblioth ekkomm iss io n ein. Mehrfache Differenzen, die sich bezüglich dieser Satzungen zwischen den Vorstandsmitgliederrl und den Ausschußnlitgliedern in eingehenden Berathungen ergeben hatten, sind, wie der Referent Professor Lew in ausführt, auf einer mittleren Bahn zu einer Einigung gekommen. Wir heben aus der Reihe der Paragraphen nur einige uns wesentlich erscheillende Punkte hervor. Der wissellschaftliche Beirath wird aus fünf Mitgliederrr bestehen. Er muß gutachtlich gehört werden bei Anschaffung einzelner Werke, welche den Werth von 30 Mark übersteigen, beim Allkaus ganzer Bibliotheken sowie beim Verkauf und Austausch von Doubletten. Der Vorsihellde der Bibliothekkonlmissioll wird in die Lage gesetzt, sämmtliche Gutachten schriftlich eillzuholeil. Die Mitglieder des Beiraths werden nach Anhörung der Bibliothekkommission durch Gemeindebeschluß auf drei Jahre gewählt. lieber die Annahme von Stiftungen an Büchern entscheidet, sofern deren Werth llicht 500Mark übersteigt, die Bibliothekkommissioil. Sind an solche Stiftungen Bedingungen geknüpft, welche llicht in ben Befugnißbereich der Bibliothekkommission fallen, so entscheidell die Gemeiudebehördell. Die Annahme von Stiftungen an Geld und Büchern, deren Werth nlehr als 500 Mark beträgt, unterließt in allen Fälleil dem Beschlüsse der Gemeindebehörden. Der Rechnungsabschluß ist alljährlich nach stattgehabter Revision dem Gemeindevorstand einzureichen. Eine Reihe von Paragraphen betreffen alsdanll noch verwaltungstechnische Fragen. Durch Abstimmung wurde das Statut in erster Lesung angenommen, die zweite Lesung soll später vorgenommen werden. Die Neuwahl voll Mitgliederil der Bibliothekkonunissiou unb des wissenschaftlichen Beiraths derselben wird auf Antrag des Vorsitzenden Louis Sachs vertagt, da sich bei der zweiten Lesullg noch Aenderungen der Statuten ergebell könnten, lvelche auf die Wahl der Mitglieder von Einfluß sein köllilen. Hier eildete die öffelltliche Sitzung, an welche sich eine längere geheime anschloß, in der außer der erwähnten Interpellation nur noch Anstellungen voll Beaulten und Gewährung von Remunerationen zur Berathullg standen. L2 Berlin, 25. Dezember. Der Centralausschuß des Rabbi n er- Verbandes in Deutschland hielt heute im Saale der Repräsentantenversammlullg, Oranienburgerstraße 30/31, eine Sitzung ab, in der folgende Punkte zur Berathung standerl: 1. Bericht des geschästsführenden Vorstandes. 2. Bericht über die Vorarbeiten in Betreff der Gründung einer Pensiolls- und Reliktenkasse für die preußischen Rabbiner. 3. Bericht über die mit dem Deutsch-israelitischen Gemeindebnnde in Betreff der Stellung des Rabbillers gepflogenen Unterhandlungen. 4. Endgiltige Entscheidung über die Wahl der Prüfungskomlllissionen svgl. Versammlung und Beschlüsse rc. Berlin 1898 S. 51.) 5. Bestimmung von Ort, Zeit und Tagesordnung für die nächste Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland. 6. Eingegcmgene Anträge. Der Bericht über die Sitzung wird demnächst zur Veröffentlichung gelangen. B. T. K. Berlin, 26. Dezember. Man schreibt uns: Es sei gestattet, von den! ill seiner Vaterstadt Altenburg am 22. v. M. plötzlich verstorbenen Forschuugsreisenden Dr.Otto Kersten. dessen Verdienste in Nachrufen der Blätter verschiedenster Richtungen vielfach gewürdigt wurden, nur eill es edlen Zuges aus seinem Lebell an dieser Stelle Erwähnung zu thun — nämlich seines warmen und thatkräftigen Eintretens für die unterdrückten Juden Palästillas in den Jahren 1870—1874, als er Kanzler und Verweser des deutschell Konsulats in Jerusalem war. Bei seinem Scheiden ehrte die dortige jüdische Gemeinde durch eine auf weißer Seide in Goldstickerei ansgesührte hebräische Dankadresse den Mann, der mit tiefwurzelnder christlicher Religiosität eill Herz für die Leiden Andersgläubiger verband wie Wenige. 2/D Berlin, 29. Dezember. Das Gellesllllgsheim, in dem am 18. d. M. eine schöne Chanukafeier ftattfaub, wird am 31. d. M. geschlossen werden, um voraussichtlich bereits am 31. März n. I. seine Pforten den Erholrnlgsbedürftigell und Rekonvaleszentell aufs Neue wieder zu öffnen. F. Berlin, 21. Dezember. In der Generalversammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin vorn 8. d. M. lvurde nach Verlesung des Jahresberichtes durch den zweiten Schriftführer Herrn Falkellberg und nach Ertheilung der Decharge für die Herren Hirschfeld und Dr. Fiegel ein neues Mitglied ausgenommen und alsdann zur Wahl des Vor-

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