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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-28 · Heft 52 (28.12.1900) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 52 (28.12.1900)
Date
1900-12-28
Page
Seite 624 (sequence 14)
Language
German
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624 „Weil» mau Dir zuhört," erwiderte die Mutter, „meiut man, Du warst allein meine Tochter. Uebrigens, Hexerei oder nicht, in einem Hause, wo Töchter sind, muh jeder Argwohn auf der Thürschwelle bleiben!. Ich Hab' heute genug hören müssen, und ich bitte Herrn Elias, sich eine andere Wohnung zu suchen." ' „Wenn Sie mir Ihr Haus verschließen," entgegnete Elias, „verlasse ich das Dorf. Man würde sonst auch hier sagen, ich habe Ihre Töchter bezaubern ivollen. Die Wahrheit ist, denn ich darf sie gestehen, daß jenes Mädchen mich liebte. Statt aber geheime Mittel anzuwenden, ihre Gunst zu gewinnen, mied ich sie, weil ich sie eben nicht liebte. Denn so häßlich und so arm ich bin, nie werde ich ein Weib heirathen ohne sie zu lieben." Dies sagend, erhob sich Elias von seinem Sitze und verschivand. Die Wangen Kroneles hatten sich während seiner letzten Antwort mit einer sichtbaren Röthe überzogen. Nie schien ihr ein Mann so schön an Offenherzigkeit, so groß an Würde und Seelenadel. Frau Reich selbst bewunderte im Stillen ihren Schulmeister und gestand sich, daß sie seine Abreise sehr bedauern und ihn nicht so leicht ersetzen würde. Endlich brach Heva aufs neue das allgemeine Stillschweigen, indem sie sagten „Elias ist ein Ehrenmann, nie hat er mir eine Artigkeit gesagt." Kronele stimmte winkend dieser Meinung bei, stand von ihrem) Sitze auf und entfernte sich, ohne ein Wort zu sprechen. Als Elias am anderen Morgen die Treppe herabkam, um sich in seine Schule zu begeben, traf er Kronele in der Hausflur. Seit lange schon hatte er es nicht mehr gewagt, sie anznsehen, jetzt aber wünschte er in den Angen Kroneles den Entschluß ihrer Mutter zu entdecken. Er blieb daher stehen, und sagte zu dem Mädchen: „Man hat also Ihrer Mutter gesagt, ich liebäugele mit Heva." „Heva," erwiderte Kronele, „hat Ihnen Gerechtigkeit widerfahren lassen." „Ich hoffe also in Ihrem Hanse bleiben zu dürfen," sagte Elias, „Ihre Mutter müßte mich denn fortschicken." „Herr Elias Seibel," erwiderte Kronele, „thut gewiß niemals, was eines Ehrenmannes unwürdig wäre." „Danke, Kronele, für diese gute Meinung," versetzte Elias - fast zitternd, zum ersten Mal hatte er diesen Namen ausgesprochen. „Sie allein kennen mich." Und nachdem er dies gejagt, entfernte er sich langsam. Er war schon längst ans ihren Blicken, und Kronele stand noch immer auf der Hausthürschwelle wie gebannt und sah ihm nach. (Forts, folgt.) Litterarische Mitteilungen. — Israelitische Nel igi ons lehre. Die biblische und nachbiblische Geschichte bis zum Abschlüsse des Talmuds sowie die systematische Glaubens- und Pflichtenlehre. Von Dr. Jacob Stein s. A. weil. Seminardirigeut. Dritte, unveränderte Auflage. Kassel, Barer u. Comp. 1900. In dem am 6. Februar 1898 dahingeschiedenen Verfasser hat die israelitische Schalle, der er sein Leben gewidmet hatte, einen treuen, unermüdlichen Arbeiter, der israelitische Lehrerstand eine Zierde uub einen berufenen Bildner seines Nachwuchses, seine Schüler, die jetzt in allen Gauen des deutschen Vaterlandes und darüber hinaus wirken, einen väterlichen Freund und ein Vorbild in Amt und Leben verloren. Mit einer gewissen Wehmnth zeigen wir daher das vorliegende Buch an. Neben dem Namen des Verfassers ist seine beste Empfehlung die nothwendig gewordene neue Auflage. Es ist eine vorzügliche Bearbeitung der biblischen Geschichte, zunächst für die Mittelstufe berechnet kann aber auch auf der Oberstufe mit Erfolg benutzt und selbst schon in der Unterstufe in die Hand gegeben werden. Die Erzählung der biblischen Geschichten ist eine Wiedergabe der Mnsterlektionen im Israelitischen Seminar zu Kassel, das der Verfasser mehrere Jahrzehnte geleitet hat. Die Auswahl sowie die Art' itnb Weise der Behandlung ist voll der Versammlung der Schulmänner, welche im Dezember 1884 voll dem Ausschüsse des Deutsch.Jsraelitischen Gemeindebnndes nach Berlin berufen worden war, gebilligt und in den voll demselben veröffentlichten „Miltheilnngen" näher besprochen worden. Die uachbiblische Geschichte giebt in eil'.er mäßigen Anzahl von Stücken das Hauptsächlichste alls der Neligionsgeschichte. Die Glaubenslnld Pflichtenlehre ist eine Zusammenfassung der ans Bibel und Talmud hervorgehenden Lehren, sowie dieselben auch im Gebet ihren Ausdruck geslnldell habell. Sie sollell nur das Thema angeben und ftnb ein allsgezeichneter Leitfaden für den systemalischen Religionsunterricht, besonders im Konfirmandenunterricht. Der Preis des Buches ist ein mäßiger, wie denn auch die Arbeit von vornherein zugleich den Zweck verfolgte, unseren Kindern ein billiges Schulbuch zu lieseril. Die Allsstattling ist ohne Tadel. Das Bllch darf aufs Wärmste zur Einführung empfohlen werden. 8. 6. — Dr. S. Fr.ied: „Das Buch über die Elemente" von Jsak ben Salomon Israeli (JTHlD’fl 1BD), nach dem ans dem Arabischen ins Hebräische übersetzten Text von Abraham it>n Chasdai handschriftlich zum ersten Male herausgegeben llnd mit Anmerkungen und biographischer Einleitung versehen. Drohobycz 1900. Vorliegendes Buch erscheillt als Zweiter abschließender Theil zn der vom Verfasser im Jahre 1884 veröffentlichten Einleitung zu oben genanntem fl'HW’n 'D* Ulld ist dem gelehrten Herallsgeber nur Dank zu wissen, daß er der bei Besprechung der Einleitung von verschiedenen Seiten ausgesprochenen Anregung Folge gegebeli und nach Jahren sich doch noch zur Edition des einen schätzbaren Beitrag zu jüdischer Neligionsphilosophie bebeuteubeu Buches von Jsak Israeli entschlossen hat. Noch ist nicht allzuviel von jüdischer religionsphilosophischer Litteratur veröffentlicht, vieles lloch in Bibliotheken vergraben, und ist jedes Blatt, von da hervorgezogen, eine Bereicherung der Wissenschaft. Zum ersten Mal erblickt hier der Forscher auf religionsphilosophischenl Gebiet das viel zitirte Buch über die Elemente, das so lange eines Herausgebers hat matten müssen. Daß es sich im hebräischen Sprachgewande, das ihm ein Abraham ibn Chasdai gegeben, darstellt, wird mail gleichfalls dem Herausgeber nur Dank loiffett; ist es ja. abgesehen davon, daß das arabische Original nicht «lehr da ist, so nur auch einem größeren Leserkreise zugänglich gemacht. Die Edition selbst ist auf Grund einer alten Leydener Handschrift unter fortlaufender Vergleichung mit anderen bekannteren besorgt; nicht weniger als acht Halldschristen sind voll der fleißigen, sorgsam ordnendell Hand des Herausgebers cotlationirt, zum Theil von ihm selbst zu diesem Zwecke abgeschrieben worden. Ein günstiges Geschick hat auch eine lateinische Uebersehlmg, die des Constantinus, zu Israelis Buch erhalten. Diese heranzuziehen, mußte der Herausgeber um so mehr sich veranlaßt sehell, als, wie er selber mit philosophisch-kritischem Takt in der Einleitung erklärt, diese direkt aus dem Arabischen geflossell und unl der Schwerfälligkeit des. laleillischen Ausdrucks willen ein sicherer Zeuge für den echten ursprünglichen Text ist. Es erübrigt höchstens noch zll bemerken, daß Herr Dr. F. auch über den sonst üblichell Apparat zu derlei Editionen verfügt, wie daß er gelegentlich auch den tallnudischen Sprachgebrauch zur Vergleichung heranzieht, um also mit allen philologischen Hilfsmitteln einen gesicherten Text von feinem Autor herzustellen. Und wenn es ihnl also gelungen, einen wohl lesbaren Text herzustellen, was bei mittelalterlich religionsphilosophischen Werken viel sagen will, wenn ferner im vorliegenden Sammelbändchen Text und alle Exkurse vereinigt sind, die dem Verständnisse des Lesers zu Hilfe kommen müssen, so ist nur zu wünschen-, daß der Leserkreis von Forschern auf religionsphilosophischern Gebiete ein großer sei, und also dem Herausgeber der würdigste und edelste Dank zn Theil würde. Dr. L. Treitel-Lanpheim. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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