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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-21 · Heft 51 (21.12.1900) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 51 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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A genommenen Lehrstoffes, unter Angabe der auf jedes Fach verwendeten Zeit, der benützten Schulbücher sowie der an der Anstalt wirkenden Lehrkräfte vorgeführt. Mit dem Schlüsse des Schuljahres bestanden neun Zöglinge, die sämmtlichen Schüler des Oberkurses, die Austritts- Prüfung am königlichen Schullehrersemiuar dahier mit gutem Erfolge und wurden in die Praxis entlassen. Die Zahl aller seit dem Besteherl der Arrstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Schüler beträgt jetzt 307, die in derr verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus wirken. Alljährlich wird von einem der geistlichen Mitglieder des Kuratoriums Prüfung aus der Religionslitteratur abgehalten, die auch in diesem Jahre ein günstiges Resultat lieferte. Im Ganzen zählt die Anstalt 18 Schüler und zwar 9 im II. und 9 im III. Kurs. Bei Beginn des Schuljahres traten 10 Schülerin den I. und einer nach erstandener Aufnahnrsprüfung in den II. Kurs, mithin hatte die Anstalt im abgelausenen Schuljahre 29 Zöglinge. Die materielle Existenz der Anstalt ist eine gesicherte durch Jahres¬ und einmalige Beiträge sowie durch die Zinsen des Kapitals. Die Einnahmen betrugen Mark 2440,23, die Ausgaben Mark 23 848,96. Der Vermögensstand beträgt Mark 96 356,27. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 17. Dezember. Ein trauriges Bild von der Finanzlage unserer Gemeinde enthüllte die letzte Vorstalidssitzung. Das Budget zeigt zwar einen Ueberschuß von 26 000 Kronen — dennoch ist die finanzielle Lage trostlos! Die gesamnite Reserve wurde aufgezehrt, eine größere Anzahl wichtiger budgetirter Ausgaben ist nicht zur Ausführung gelangt. Wenn man die Bedürfnisse des Siechenhauses und die Ausgaben für eine vollständige Belegung des Spitals in Rechnung stellt, so haben wir bereits ein großes und kaum besiegbares Defizit voll mehr als einer Million, welches man nicht beseitigen kann durch die Aufnahme einer schwebenden Schuld, denn es handelt sich ja um dauernde Lastell. Bei der notorischen Verarmung der jüdischen Bevötkerllng j.ist ein natürliches Wachsthum der Steuereingänge nicht allzunehmen. Man befürwortet deswegen die Abtrennung der Armeuverwaltung von der Kultusverwaltung, diese bleibt stabil, während jene eine immer steigende Telldenz zeigt. Durch diese Maßregel und durch die Aushebung der Sektionen glaubt man dem Defizit beizukonimell. —' Am 15. d. hat die 4. ordelltliche Generalversammlung der Gesellschaft für Sammlung und K o ll s e r - virung voll Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums im Festsaale des niederösterreichischell Gewerbevereins stattgesunden. All diese schloß sich ein höchst illteressanter Vortrag von Professor Cornill aus Breslau über das Hohelied. —■ Die Wahlen für den Reichsrath haben schon begonnen. Gutes haben sie uns noch nicht gebracht, aber Kurioses genug. So ist das Mandat der allgellleinell Wählerklasse in Eger dem Schoenerianer Franko Stein sicher, für den gegen ben jüdischen Sozialisten Verkauf auch die meisten jüdischen Wähler Karlsbads gestimmt haben. In Angelegenheit des vor einigen Monaten aus dem Elternhause verschwulldenell Mädchens Rach me Weiß hat das Krakauer Landesgericht dem Reklirse des Vertreters ihres Vaters, Dr. Landau, Folge gegebell und dem Gerichte in Wieliczka den Auftrag ertheilt, das Mädchell auszusllchen und den Eltern zurückzustellen, da der Eintritt ill ein Kloster nicht als eine Berufswahl im Sinne des Gesetzes anzusehell sei. Rachme Weiß jedoch, die sich bis vor eilligen Wochen lloch ill dem Kloster in Wieliczka befand, ist voll dort verschwunden, und es fehlt jede Spur von ihr. B. Budapest, 7. Dezember. Durch die gestrige Rede des Ministerpräsid eu teu Szel l hat die Generaldebatte über das ungarische Budget hohen politischen Schwung genommen. Wenn es auch nur Worte waren, die wir heute von Herrn Szell gehört, so waren es doch so kräftige, männliche Worte, daß es schwer fällt, zu glauben, daß denselben nicht auch die Thaten entsprechen werden. Wohl gab es in der Thätigkeit. wenn auch llicht des ganzen Kabinets, so doch einzelller Ressortminister, bisher mallcherlei, was mit diesen Worten nicht vollkommen vereinbar war. aber wir hoffen, daß nun endlich die Zeit der Zlveideutigkeiten vollständig aushören lverde. Nachdem der Ministerpräsident eine lange Reihe von Spezialklagen beleuchtete, richtete er an die Adresse der Reaktionäre eine kräftige Spezialbelehruug: „Die heilige Schrift," so sagte er unter anderem, „lehrt: einem Unschuldigen zuliebe soll man hundert Schuldigen verzeihen! Der Herr Abgeordnete Molnm (ein katholischer Geistlicher, Führer der antisemitischen Volkspartei) thut das nicht, sondern er kehrt die Sache in grausamer Weise um und sagt: wegen eines Schuldigen soll man Tausende verurtheilen! Dieses Vergehen ist nicht nur nicht gerecht, sondern auch nicht christlich. Ich will den Spieß nicht gegen ihn umdrehen, obzwar ich hierzu berechtigt wäre. Eins sage ich: eine aus falsche Grundlagen aufgebaute Anklage will ich vom Herrn Abgeordneten nicht acceptiren, dessen politische Prinzipiell einen starken konfessionellen Anstrich haben, ja sich direkt aus konfessionellen Motiven nähren. Solches halte ich sür eine unglückliche Sache, denn der Konfessionalismus. der einen Unterschied zwischen Mensch und Mensch machen will, führt zur Vergiftung unserer ganzen Gesellschaft, unseres staatlichen Lebens und aller unserer Jnstillltionen. Von Demjenigen, der eine solche konfessionelle Politik leitet, kann ich keine Belehrung darüber annehmen, was ich nach Recht und Gesetz zu thun habe. Der Herr Abgeordnete sagt, er wolle nur die Revision. Was sind aber die Dinge, welche im Gefolge der Revision einherschreiten. Sie bedeuten die Zerstörung des konfessionellen Friedens, die Atvmisirung der Gesellschaft. Wir aber wollen es nicht dulden, daß Ungarn in seiner Entwickelung rückschrittlich werde, daß man die ungarische Gesellschaft atomisire. Wir haben eine starke, einheitliche Gesellschaft nothwendig, wir müssen trachten, daß die Errungenschaften des Friedens unberührt bleiben. Das „Nur" und das „Uebrige", was hinter diesem „Nur" einhertrottet, kann ich nicht brauchen, und ich werde gegen dieselben ankämpsen, wie ich dies auch bisher gethan habe..." — In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gab der Ministerpräsident auch in Angelegenheit der von der Volkspartei aufgebauschten „Magen- David-Assäre" einige Aufklärungen. „Molnar sagte ill einer Rede, daß in Orod auf der Synagoge eine Fahne ansgesteckt wurde, auf welcher statt des ungarischen Wappens ein „Mogell Dovid" angebracht war. Daraus folgert er so manches, lvas wohl nicht der Fall ist. Ich gebe zu. daß der Fall sich wirklich ereignet hat. Aber die Kultnsgemeinde ließ die Fahne entfernen. Der Rabbiner wollte sie nicht herabnehmen. So kam die Sache vor das Kriminalgericht, wo dieselbe jetzt der Erledigung harrt. Nun mit Verlaub, es giebt irgendwo einen Menschen, der, nehmen wir den Fall an. das Ansehen des Staates verletzen will; kann man mit Ueberlegung der Sache Fernstehende zur Verantwortung ziehen? Der zweite Fall ist folgender: in einem Geschästsladen war das ungarische Wappen ausgestellt und zwar mit einem „Mögen Dovid" an Stelle des Kreuzes. Ich ließ mir das inkriminirte Paroches holen. Es war kein Wappen, sondern eine von zwei Löwen gehaltene Krone, wie sie die ungarische Heraldik nicht kennt und über dieser Krone befand sich ein Stern, und kein Kreuz. Aber es war das weder das ungarische Wappen, noch die ungarische Krone. Aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen, paßt durchaus nicht zum Ernst der Verhandlungen dieses Abgeordnetenhauses. Es ist vielmehr eine Bezichtiglillg, an die vielleicht die Volkspartei glaubt, die aber sonst fein ernster Mensch ernst nimmt." Rußland. L. A. T. Odesta, 29/12. Dezember 1900. Im Lause dieses Jahres ist es ein Jahrhundert, seitdem das jüdische Hospital hier begründet wurde. Dieses älteste Krankenhaus wllrde im Jahre 1800 aus den Mitteln der hiesigen jüdischen Gemeinde eröffnet und befand sich ill der ersten Zeit ill einem gemietheten Lokale. Das jetzige Gebäude wurde im Jahre 1865 (Allgemeine Zeitung des Jndenthums 1865 Nr. 47 unsere Artikel hierüber) errichtet und war ans 120 Betten berechnet. Im Jahre 1888 lvurde aus das Terraill, das Herr Lasar Kleimann schenkte, auf Kosten der Gemeinde ein Pavillon für Jnfektionskranke mit 139 Betten erbaut. Im Jahre 1890 wurde am Kosten eines Kapitales von 20 000 Rubel, die die ungemein thätige und energische Frau Louise Aschkenasy schenkte, ein Kinderhospital mit 25 Betten errichtet. Im Jahre 1894 wurde aus deil Mitteln des Herrn Abraham Brodsky, die er dem Hospital zur Verfügung stellte, ^ein Pavillon für chronische Kranke mit 30 Betten errichtet, und im Jahre 1895 wurden auf Rechnung der Frau Louise Aschkenasy folgende Gebäude erbaut: die Küche, ein Dampfwaschhaus und die Desinfektionskanlmer. Im Jahre 1898 waren im Ganzen im jüdischen Hospitale 230 Betten. Zur Erhaltung des Krankenhauses in diesem Jahre hatte dasselbe eine Einnahme von 147992 Rubel (wovon 66175 aus der Fleischpacht und 12 000 Rubel aus städtischell Mitteln). Verausgabt wurden llach Zahlungen, die zu leistell waren, 157 468 Rubel. All

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