Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1900)
- Date
- 1900-12-21
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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einnimmt wie in der jüdischen Gemeinde, hat sich für seine drei Schwiegersöhne eine besondere Chanirk a-Ueberra schung ansgedacht. Er bestellte bei unserer Expedition außer seine»« eigenen drei weitere Abonnements für das Jahr 1901 für seine Schwiegersöhne und schenkte ihnen die Quittungen darüber bei der häuslichen Chauukafeier. Wir müssen gestehen, daß wir im Interesse der Sache lebhaft »vünschen, diese Sitte möchte auch bei unseren anderen Freunder» Nachahmung finden. Unsere alten Freunde bleiben uns treu, des sind wir gewiß — manche schon seit Begründung des Blattes — aber dieselben müssen auch für den Nachwuchs sorgen und dadurch die gute Sache fördern helfe»!, welcher »vir dienen. Wo also der Vater oder die Mutter wünschen, daß auch die jüngere Generatio»» sich mit den Angelegenheiten des Judenthums befassen möge, giebt es »vohl kein besseres Mittel, als die Kinder zunächst mit einer guten jüdischen Zeitschrift zu versehen. Aus der anfänglichen Gewohnheit wird später ein Bedürsniß, und so wird auch das Haus der Kinder ein Heim werden, dem das Judenthun» nicht fremd »vird. Unsere Leser werden uns gern das Zeugniß geben, das; wir sie fast nie mit unseren eigenen Angelegenheiten behelligen. Aber das oben zitirte Beispiel schien uns im Interesse der Sache selbst erwähnenswerth. und »vir hoffen, daß diese Mittheilnng in gleichem Sinne ausgenommen »verden »vird. n. Jrrowrazlaw, den 12. Dezember. In voriger Woche spielte sich vor der hiesigen Strafkammer ein Stück Könitz ab. In» Mai. als die Wogen in der Winter'schen Mordaffäre in Könitz hoch gingen, kehrte der Gastwirth Bleck aus Hopfengarten, Kreis Bromberg, in eine jüdische Kneipe ein. Er »var angeheitert und zog sein Dolchmesser stach damit öfters in den Schanktisch, äußerte sich über den Konitzer Mord und that, als »volle er der Rächer Winters werden, indem er rief: „Nun ist das Messer für die Jude»» scharf genug!" Der in jenem Lokale anwesende jüdische Schneider Barnch Krisch wies »nit Worten der»B. in seine Schranke»», da ergrimmte B., ergriff ein Bierglas und schleuderte es nach dem Kopfe des Krisch, daß es zerschellte. Nach dem ärztlichen Atteste trug K. starke Verletzungen davon und lag drei Wochen krank. In Rücksicht, daß der Angeklagte zu jener Zeit angetrunken »var und daß er auch »vegen Schlägerei schon mit n»ehrjährigen Gefängnißstrafen vorbestraft sei, beantragte der Staatsan»valt, von einer Freiheitsstrafe abzusehen und auf eine Geldstrafe von 50 Mark z»» erkennen. Der Vertheidiger Peppel - Bromberg plaidirte ebenfalls für eine Geldstrafe. Der Gerichtshof sah auch von einer Gefängnißstrafe ab, meinte aber, daß die von der Staatsanwaltschaft beantragte Geldstrafe zu gering sei und erkannte ans eine solche vo»» 100 Mark event. 20 Tage Gesängniß und Tragung der Kosten. — Zu »neinem Bericht in Nummer 41 dieser Zeitung berichtige ich. daß es »licht „Ladmanu" sondern „Lachmann" heißen »nuß. Auch daß der Vorsteher der Krankenpflege-Abtheilnng Herr Jelonek wohl seine Schuldigkeit im »vahren Sinne des Wortes thut. Er ist's, der die Kranken zuerst aufsucht. Leider aber »verden seine Anordnungen bei den Mitgliedern nur wenig respektirt. Lp. Alts dev Provinz Posen, in» Dezernber. Kürzlich starb in Pose»» der weithin bekannte Weingroßhä»»dler Julian Goldenring. Derselbe bekleidete daselbst viele Ehrenämter. darunter auch das als Mitglied und Beigeordneter der Neichsbank-Hanptstelle daselbst. — In Ostrowo ist in» Alter 61 Jahren der Kaufmann Herrn ann Rosenthal gestorben. Derselbe gehörte den» Vorstande der Synagogengemeinde daselbst längere Zeit an. An der Beerdigungsseier des Herrn Roseuthal, der auch die Feldzüge 1870/71 mitgemacht und sich dabei ausgezeichnet hat, nähme»» auch »nehrere Mitglieder des hiesige»» Osfiziercorps Theil. — Der Vorstand des israelitischen Vereins zur Vertheilung von Holz und Kohlen au Bedürftige in Pose»» hat beschlossen. h» Anbetracht der erhöhten Kohlenvreile und der zunehmenden Zahl von Bedürftigen das Reservekapital anzugreifen, resp. einige Werthpapiere zu veräußern. - Die jüdische zweiklassige Volksschule in Schtversenz ist in ei»»e einklassige »»»»»gewandelt »vorden. — Der Rentier Jakob Ehrlich in Zerkow, Mitglied des dortigen Gemeindevorstandes, ist neulich im Alter von 67 Jahren gestorben. — In Jan n o Witz besteht seit langer Zeit eine paritätische Volkssch»»le. Kürzlich hatten die evangelischen Schnlväter bei der Regierung den Antrag gestellt, die jüdischen Kinder auszuschulen. Zu gleicher Zeit hatten auch die jüdischen Hausväter einen Antrag um A»»sschnl»n»g eingebracht, um eine eigene Schule zu errichten. Nunmehr hat der Unterrichtsminister aber beide Anträge abgelehnt, so daß die Schule paritätisch bleibt. — Kantor Fleischmann in Argen au »st zum I Kultusbeamten in Pudelvitz gewählt worden. — Die Stadtvertrelnng > in Jnowrazlaw hat beschlossen, bei der demnächstigen Vakanz an! der Mittelschule daselbst eine»» jüdischen Lehrer anzustelle»». M. Homburg, 10. Dezernber. Herr David Rüben, Seniorchef! der altrenommirten Bankfirma R»»ben Elias Rüben feierte am letzten! Freitag seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar gehört seit 1863 dem j Vorstand der Talmud-Thora-Realschule ar» und fnngirt außerden» seit! vielen Jahren als Vorstandsmitglied der Alliance israelite universelle. Wegen seiner außerordentlichen Wohlthütigkeit erfreut sich Herr Rüben weit über unsere Gemeinde hina»»s hoher Werthschätznng. Der Jubilar! hat anläßlich seines Geburtstages größere Wohlthätigkeitsakte volli zogen, der Schule spendete er die Summe von 25 000 Mark, den» Altenhaus der Gemei»»de zur Erin»»erung a»» seine verstorbene Gattin 15 000 Mark. Die Kinder des Jubilars haben eiue größere Sumnre zum Grundfonds einer Stiftung bestimmt, welche den Namen ihres! Vaters tragen soll und nach dem Wunsche des Jubilars gleichfalls der Verwaltung der Schule z»»r Verfügu»»g gestellt »vurde. Die Stiftung j soll den» Vernehmen nach erholungsbedürftigen Lehrern einen Ferien-; anfenthalt ermöglichen. Dem J»»bilare wurden an feinem Ehrentage vielfache Ovationen aus allen Kreisen der Bevölkerung bereitet, schon in früher Morgenstunde erschien der gesammte Schulvorstand, um persönlich seine Glücklvüusche darzubringen. Herr Oberrabbiner : M. Hirsch hob in seiner Ansprache hervor, daß sich Herr Rübe»»; während seiner 37 jährigen Thätigkeit tu der Verwaltung uuver-; gänzliche Verdienste um die Entwickelung der Schule errvorben habe.! Dep»»tatio»»ei» der verschiedenen Jnstitutio»»eu u»»d zahlreiche Gratu- - lanten stellten sich »vährend des ga»»zen Tages ei»». Glücklvunschtelegramme von nah »u»d fern, kostbare Bl»»meusper»den und sonstige Ehrengeschenke liefen in großer Anzahl ein. Den würdigen Beschluß der Feier bildete gester»» ein Festessen für hilfsbedürftige Kinder; dem Verein zur Speisung hilfsbedürftiger Kinder »var z»» diesen» Zwecke vom Jubilar ei»» größerer Betrag gespendet »vorden. 6. Hameln, 17. Dezember. Von der Straskamn»er in Hannover »vurde der bisherige B ü rg ermeiste r Pr ö tt aus Aerzen zu Jahren Gefängniß verurtheilt. Er hatte trotz seiner stete»» Betorrung, nur „das Beste des Ortes zu »vollen", eingegangene Unsallbeiträge, Kreisstenern. Kraukenkassenbeiträge, Stenern u. s. w. sowie Mitgliederbeiträge und Gelder, die er für Maare»» des land»virthschastlichen Konsnrnvereins, dessen Geschäfts- und Kassenführer er »var. in Höhe von mehr als 20000 Mark unterschlagen. Prött »var ei»»e Hauptstütze der Antiseniiten hiesiger Gegend; ja. durch ihn ist das friedliche und ungetrübte Verhältniß der Bewohner des kleinen Ortes und Umgegend erst gestört und der A»»tisen»itismus eingeführt »vorden. Er ließ keine Gelegenheit vorübergehen. ohne — am Biertische oder selbst bei offiziellen Versammlungen — die „betrügerischen Jude»»" zu beschilnpfen. während seine Unterschlagungen mit seinem Dienstantritt als Bürgermeister (1890) begannen. jgg Dinslaken, 15. Dezernber. Der fünfzehnte Rechenschaftsbericht des israelitischen Waisenhauses zu Diuslake»» am Niederrhein i zeigt das gleiche Bild der güustigeu Weiterentwicklung »vie in den Vorjahren. Alle Zweige der Einnahmen habe»» sich ungefähr auf der Höhe der Vorjahre gehalten und es uns ermöglicht, die Anstalt in der gleichen Weise »vie bisher sortznsnhren. Wie die Abschlußziffer»» ergebe»», haben sich die Gr»»ndlageu des Hauses im abgelaufene»» Jahre »veiter gestärkt und war es möglich, nach Zurückstell»»ng der tu den Fond fließenden Stiftungen einen weitere»» Theil der Schuld für den vor einigen Jahren errichteten Anban zu amortisiren. Zu dem guten allgemeinen Resultate haben neben de»» Spenden insbesondere die eingegangenen Stiftungen beigetragen. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre 30396.08 Mark, die Ausgaben 30191 Mark. Die Anstalt verdient die »värrnste Unterstützung. Das Kuratorium besteht zur Zeit aus svlgeuden Herren: Gustav Hanau-Mülheim a. d. Ruhr. Präses. I. Bernhard-Dinslaken, S. Bielefeld-Cölu a. Rh.. S. Cohn-Mülheim a. d. Ruhr. L. Cohen-Dortmund. Herz L. Hirschlaud-Essen a. d. Ruhr, Simon Jacobs-Dinslaken. M. S. Moses-Dinslaken, Dr. med. Nan- Nlanu-Dinslakeu, Leffn»a»»n - Stern-Hagen i. W., Simon Steru-Cöln a. Rh., Hermann Vaseu-Rnhrort, Leopold Wormser-Dinslaken. Würztnrrg, im Dezember. Der Rechenschaftsbericht über die hiesige israelitische Lehrerbildungsanstalt für das sechsunddreißigste Jahr ihres Bestehens wird erstattet von Distriktsrabbiner Nathan Bamberger. Die Leistungen der Anstalt »verden in einer übersichtlichen Zusanune»»stelln»»g des im verflossenen Jahre durch-