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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-21 · Heft 51 (21.12.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 51 (21.12.1900)
Date
1900-12-21
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Itr. 51. Gerlin, 21. Dezember 1900. Der Gemeindebote. Weikage zur „Arkgerneinen Aeitung des Iudenthums". Korrespondenzen nnd Nachrichten. Deutschland. 22 Berlirr, 19. Dezember. Nach kurzem Leiden verschied am Sonntag, 16. d. M. im Alter von 75 Jahren der in den weitesten Kreisen unserer Gemeinde rühmlichst bekalnite nnd hochverehrte Dirigent der ersten Religionsschule. Dr. Moritz Kirsch stein. Im Januar 1826 in Kolmar i. P. als Sohn braver nnd frommer Eltern geboren, wurde er schon frühzeitig in die Grundideen des Judenthums eingeführt, die bis zu feinem letzten Ende die Richtschnur seines Lebens und Wirkens bildeteil. Von den Eltern für den Rabbinerberuf bestimmt, oblag er als Jüngling mit großem Fleitze dem Talmudstudium, zuerst in der altehrwürdigen ®euietube zu Glogau. die zur damaligen Zeit noch viele Talmudgelehrte besaß, und später in Danzig, zu Füßen des Rabbi Israel Lipschitz, Verfasser des Tisereth Israel, zu dessen besten und begabtesten Schülern er zählte. 1845 kam er nach Berlin, um sich dem Studium der Philosophie zu widmen. Er verblieb nun in Berlin und fand hier ein weites Gebiet für die Verwerthung seiner außerordentlichen Begabuilg. Er wirkte seit damals als erster Religionslehrer an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde und seit 1866 als Dirigent der ersten Religionsschule. Der Verblichene, der sich der Freundschaft von Zunz. Sachs, Geiger und David Cassel erfreute, gehörte zu jenen alten jüdische»» Liberalen, deren Liberalismus das Ergebniß fleißiger Forschung war, die bestrebt waren, durch Lernen und Lehren das von den Vätern Ererbte durch eigene Gedankenarbeit zu erwerben und zu vertiefen. In diesem Sinne wirkte er auch Jahre lang als Begründer und Vorsitzender der Chebrath ßachurim. Viele bereits gereifte, in Lebensstellungen sich befindenden Männer verdanken ihm ihre Ausbildung nnd somit die Grundlage ihrer Existenz. Dr. Mo ritz Kirschstein, über dessen heute stattfindendes Leichenbegängniß »vir in der nächsten Nummer ausführlich berichte»» »verdeu. war ei»» ausgezeichr»eter Mensch, ei»» überzeugungstreuer Jude, ein gediegener Gelehrter und ein vorzüglicher Jugendbildner. Er war eine Zierde sei»»es Star»des, eine Zierde »»»»serer Ge»neinde. Ehre seine»»» Andenken! 8. Berlin, 15. Deze»»»ber. Wie »vir noch nachträglich a»»s der letzten geheimen Sitzung erfahren, ist die Verlä»»geru»»g der Anstellung des Rabbinatskandidaten Dr. Warschauer als Hilfsprediger der hiesigen Gemeinde von den Repräser»ta»»ten geuehinigt worden. Demselben ist gleichzeitig die Leitung der fünften Religionssch»»le ir» der Straußbergerstraße unterstellt »vorder». Die Leitung der zlveiten Religionssch»»le »vird, »vie wir bereits früher »»»itgetheilt hatten, vorn 1. Januar ab Rabbiner Dr. Blumenthal überneh»»»en. k'. Berlin, 17. Dezernber. Behufs Grill»düng eines israelitischen Altenheims fand am Mittwoch Abend irn Festsaale des Vereins junger Kaufleute, Beuthstraße 20, eine Besprechung von einer Anzahl J»»teresseuten statt. Zunächst legte Herr I. Ioach»»n in kurzen Zügen der» Plan dieser humanitären Institution dar, die keines»vegs eine Altersversorgung, noch eine Anstalt zur Entlastung der bestehenden Altersversorgungsanstalten fein soll, sondern einzig i»nd allein ei»» rituelles Heim, das de»» Interessenten gegen Elltgelt einen behaglichen n»»d in jeder Richtung zweckentsprechenden Aufenthalt bieten soll. Zu diesem Zlvecke »vird beabsichtigt, im Westen Berlins zunächst eine oder z»vei Etagen, »veun »nöglich Hochparterre oder erstes Stock»verk, mit eventuell gleichzeitiger Garteubenutzung, zu uüettjen und die einzelnen Zimmer freundlich auszustatten. Empfangszimmer »vie Speisesaal sollen gemeinschaftlich benutzt werden; desgleichen sollen bei der Ei»»richtung dieses Heims auch der geistigen Anregung und Unterhaltung Rechnung getrage»» »verdeu. Jedes geschäftliche Interesse oder Vvrtheil ist gänzlich ausgeschlossen. Irr der Diskussion »vurden die vorstehenden Ausführungen noch durch die Herren Jos. Schön feld, Prediger Wolfs nnd Rentner Sternberg in »nancher Hi»»sicht ergänzt und betont, daß. »venu die danke»»s»verthe Idee, was zu »vü»»schen sei, z»»r Durchführung gelangt, eine Institution geschaffen wäre, wie eine solche in Berlin bisher noch nicht vorhanden ist. Daß die Idee schon auf fruchtbaren Boden gefallen ist, be»veist die Thatsache, daß sich in den letzten Monaten bereits eine ansehnliche Zahl von Herren gemeldet hatte»», welche sich Jnforrnationen über die Ausführung des schönen Planes erbeten haben. Es wurde sodann ein Kornitee ge»vählt, das die rveiteren Schritte einzuleiten hat nnd soll dann eventuell eine größere Versammlung von Interessenten einberufen »verdeu. 22 Berlin, 16. Dezernber. Verlag und Redaktion des „Israelitische»» I uge»»dfreund " veröffentlichen folgendes Preisausschreiben: Für die besten Erzählungei», die sich nach Inhalt nnd Form für unser Blatt eigner», setzen »vir drei Preise aus — 75 Mark, 50 Mark, 30 Mark. Der Stoff kann der Geschichte oder de»n Leben entnommer» sei»». Die Erzählung muß „Origiuäl" oder autorisirte Uebersetzung sein u»»d darf de»» Raum von 60 Seiten unseres Blattes nicht übersteige»». Die Einsendung »»»utz bis spätestens 1. März 1901 srankirt in der übliche»» Weise erfolge»» und mit den» Vermerk „Preisausschreiben" versehen sein. Die preisgekrönten Erzählungen bleibe»» Eigenthmn des u»»terzeichneten Verlages und »verdeu zunächst i»n „Israelitischen Jugendsreuud" veröffentlicht. Wir hoffen, drrrch die hier gegebene Anregung zur Beseitigu»»g des fühlbaren Mangels au geeigneter Lektüre für unsere Jugend beizutragen und richten ar» Jugendschriftsteller und -schriststellerinuen das sreundliche Ersuchen u»»r rege Betheiligung. Jede »veitere Auskunft, auch inbezug auf andere Beiträge, wird bereit»villigst ertheilt. Die Preisrichter »verdeu in der nächsten Nummer genannt. 22 Berliir, 14. Dezernber. In der letzten Sitzung des Vereins e h e n» a l i g e r S ch ü l e r d e r K n a b e n s ch u l e der j ü d i s ch e »» G e - »neinde zu Berlin gab Herr Musikdirektor Williarn Wolff in einem Vortrage einen fesselnde»» Ueberblick über die Musikgeschichte, welcher von der stark besuchten Versan»»nlung sehr beifällig ausgenommen, »v»»rde. Daran schloß sich ein geselliges Beisamrnenseiu mit Darnen bei »velchern ei»»ige Vorträge heiterer Art gehalten »vurden. Der Verein seiert sein erstes Stiftungsfest au» 6. Januar 1901 in den Sälen Oranienburgerstraße Nr. 18. Bitlets ä 1 Mark sind zu haben bei de»» Vorstandsmitgliedern und bei de»n»»ächst bekannt gegebene»» Mitgliedern des Verei»»s. IV. Berlin, 16. Dezeuiber. Graf Pückler sprach gestern »viedereinmal über die Judenfrage, »»achdem er es durch seine allzu „bilderreiche" Sprache dahii» gebracht hatte, daß vor einigen Tagen eine Versammlung der Auflösung verfiel. Zur Vorsicht hatte die Polizei auch diesmal ein starkes Aufgebot vor» Schutzleuten zur Stelle, doch konnte der Herr Graf, da er etwas vorsichtiger »var, seine Rede zu Ende führen. Er empfiehlt den ju»»gen Leute»», eine Bierreise zu mache»», und »venn mai» Judenbengel treffe, solle man sie „hinaus, führe»»", und »veun der Wirth dagegen Einspruch erhebe, solle rnan auch ihn mit hi»»ausnehmen. Ein christlicher Wirth, der dagegen Widerspruch erhob, »vurde aus de»n Saale befördert. Daß Präsident Krüger i»» Berlin nicht empfangen »vurde, führt der Herr Graf auf den Einfluß des Judenthun»s zurück, und arrch von dem Bu»»d der Land»virthe hält er »»icht mehr viel, »veil sich in ihn» auch scho»» der jüdische Einfluß bernerkbar mache.'! Weu»» das Oberverwaltungsgericht seine E»»thebu»»g von dem Amte als Amtsvorsteher rückgängig gemacht haben werde, würde er als Pvl»zeige»oalt»ger die Bauern seines Amtsbezirks z»»samme»»r»»fen, u»»d dann »verde den Juden nicht wohl »verdeu, der § 1 seines Ortsstatuts rvürde lauter»: Jeder Jude kann d»»rchgehauen »verdeu. 8 2. Jeder Zeituugsjude kann herausgeschinissen »verdeu. 8 3. Jeder besonders freche Jude kann anfgehängt »verdeu. Das Publikum, »»atürllch »nieder aus den „besten Kreisen", amüsirte sich prächtig bei diesen Tollheiten. 22 Berlin, 18. Dezember. Ein langjähriger Abonnent u»»seres Blattes, welcher in» bürgerlichen Leben eine ebenso angesehene Stellung

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