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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-14 · Heft 50 (14.12.1900) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 50 (14.12.1900)
Date
1900-12-14
Page
Seite 594 (sequence 8)
Language
German
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594 il. s. w. genauer erklären, natürlich in unterbaltender Form. j damit die Bücher gern gelesen werden. Die Leitung der Lektüre müßte allerdings der Rabbiner, in kleinen Gemeinden der Lehrer, tu der Hand haben. Es Eönnte ja so eingerichtet werden, daß der Rabbiner sich mit den Eltern beziehungsweise Lehrherren in Verbindung setzt und sie ermuntert, ihre Kinder be-! ziehungtzweise ihre Lehrlinge und jungen Leute zur Lektüre anj zuhalten. Woher aber bekoutmen wir diese Bücher? Besitzen um' j Bücher oben erwähnten Inhalts, welche für das Alter von 15 j bis 18 oder *20 Jahren geeignet sind? Mir sind solche Bücher nicht bekarmt. Sind sie aber nicht vorhanden, so müssen sie geschrieben werden. Es ist dies ein Gebiet, das den Herrett j Rabbinern, die es ja mit dem Judenthum ernst meinen, noch! ein reiches Feld segensreicher Arbeit bietet. Eine Anzahl solcher Bücher in mehreren Exemplaren utützten zu einer kleinen billigen Volksbibliothek vereinigt werden, und jede Gemeinde | hätte sich eine solche anzttschaffen. Die Bibliothek sollte unter > Leitung des Rabbiners stehen, datnit dieser beim Bücherwechsel Gelegenheit habe, sich zu vergewissern, daß die Bücher gelesen tverden. Natürlich müssen Eltern beziehungsweise Lehrherren nnb Rabbiner Hand in Hand arbetten, tvenn der Zweck erreicht tverden soll. Ich trage zu behaupten, daß solche Bücher gern gelesen tverden, lventi sie interessant genug geschrieben sind. Ich komme zum zweiten Punkt, zur Belehrung durch das lebettdige Wort. In dieser Beziehmtg haben wir ja bereits ein Vorbild in den evangelischen Jünglingsvereinen. Auch bei uns könnte etwas derartiges geschaffen werden, wenn es auch kein Verein zu sein braucht. Aber das könnte doch erreicht werden, daß der Rabbiner (in kleinen Gemeindetl der Lehrer) von Zeit zu Zeit, bei paffenden Gelegenheiten, die jungen Leute um sich versammelt und sich mit ihnen über die Religion, über die Geschichte des Judenthums u. s. w. unterhält. Ich sage absichtlich „unterhält", um gleich damit anzudeuten, daß keine Vorträge oder Predigten gehalten tverden sollen; denn das tvüre tneiner Meinung nach weniger eindrucksvoll, es soll eben eine zwanglose Unterredung sein. Zum Ausgangspunkt der Unter" redungen könnten die gelesenen Bücher genontmen werden. Und tvenn der Rabbiner diese Unterredungen interessant zu gestalten wissen wird, so tverden die jungen Leute gern kommen. Ob es richtig wäre, in derselben Weise auch auf das junge Mädchen einzuwirken, oder ob bei Diesem die Lektüre allein genügt, will ich nicht entscheiden, aber das wage ich zu behaupten, daß das Interesse für das Judenthum mtd unsere heilige Religion immer mehr zunehmen wird, tvenn mit Ernst und Liebe in der oben geschilderten Weise gearbeitet wird. Dadurch eben tvird das in der Schule Gelernte fortgeführt, vertieft und eingeprägt. Es wäre aber falsch, tvettn man mit dem Augenblicke, da der juttge Mantt selbstättdig, oder das juttge Mädchen Hausfrau wird, die heilsame Arbeit einstellte. Rein, dann soll erst die eigentliche Arbeit beginnen. Die heilsamen Einwirkmtgen sollen keine Unterbrechung erfahret!, und dann ist es gerade wichtig, auch unter den Eltern die wahre Religionserkenntniß zu verbreiten. Nur tnüssen hierbei zum Theil andere Faktorett in Thätigkeit treten. Als solche Faktoren nenne ich die Presse, die Litteratnrvereine und die Volksbibliothek. Gehetl wir diese Faktoren der Reihe nach durch. Wenn die Aufgabe der jüdischen Presse darin besteht, durch belehrende Artikel ttnd Aufsätze die Kenntniß des Judenthums unter seinen Bekennern zu verbreiten, über aktuelle Fragen auf dem Gebiete des jüdischen Lebens Auskunft zu geben und auch für eine interessante Unterhaltung zu sorgen, so muß man zugeben, daß die jüdischen Zeitschriften diese Aufgaben im allgemeinen erfüllen. Aber die meistett dieser Zeitschriften sind Organe für die Gebildeten des Judettthums, für Diejenigetl, die mit dem Judenthum schon im allgemeinen vertraut sind, und die sehr gern die Artikel über einzelne Fragen lesen, die gern von dent Leben und den Sitten der Juden anderer Länder hören u. s. w. Was uns aber fehlt, ist eine Zeitschrift für den Mantt aus dent Volke, also für Denjenigen, der sich mit dem Judenthttm erst bekannt machen muß. Ein solche Zeitschrift, natürlich billig, damit sie Jedermann lesen kann, tnüßte in sehr einfacher Sprache Artikel enthalten über die Feste, über die Bedeututtg der Ceremoniett, Erklärungen tvichtiger Gebete, einfache Erläuterungen des jetveiligen Wochenabschnittes, Biographien großer Mämter des Judenthums in geordneter Reihenfolge und in einfachster Fornt, auch Erzählungen aus dem jüdischen Leben. Der Inhalt müßte so beschaffen sein, daß der einfache Mantt sie gern zu seiner Belehruttg und Erbauung in die Hand nimmt. Datttt tvird sich die Erkenntttiß des Judenthums im Volke verbreiten, das Interesse wird zunehntett, und der Rückgang der Religiosität würde aufgehalten tverden. Es braucht ja dazu keine besondere Zeitung gegründet zu werden; einzelne der jetzt erscheinenden Zeitschriften könntet! ja eine solche Zeitung als billige Nebenausgabe bringen. Dieser Gedanke ist ja gar nicht so neu. Das „Bert. Tageblatt" bringt schon seit Jahren eine billige Nebenausgabe, die „Bert. Morgenzeitung", die ja sehr florirt. Etwas ähnliches könnte ja auch bei der jüdischen Presse geschehen. Es ist dies eine Aufgabe, welche wohl des Schweißes der Edelsten werth ist; gilt es doch, dem Manne aus dem Volke Belehrung und Erbauung zu bringen, so daß er in detn schweren Kampf des Daseins Trost und Hoffnung aus detn Heilsworte der religiösen Belehrung schöpfen kann. Er tvird dann gern in die Synagoge gehen; denn er wird seine Religion würdigen lernen und der Predigt folgen können. Und dort, wo er keine Predigt hören kann, soll sie ihm wenigstens die Predigt einigermaßen ersetzen. Eine andere Institution sorgt auch mehr für die Gebildeten des Judenthums. Ich meine die so segensreich wirkendett Vereine für die Geschichte und Litteratur des Judenthums. Es wird mir wohl zugegeben werden, daß die meisten Vorträge, die in diesen Vereinen gehalten werden, über den Gesichtskreis des Mannes aus dem Volke hinausgehen. Deshalb meine ich, wäre es nöthig, daß von Zeit zu Zeit auch solche Vorträge gehalten werden, die dem einfachen Manne verständlich sind und so eingerichtet werden müßten, daß er ein möglichst zusammenhängendes Bild von der Geschichte' des Jtldenthums erhält. Segensreich würden auch die von dm Litteraturvereinen eingerichteten Familienabende wirken; ich verstehe daruttter zwanglose Zusammenkünfte der Familien, wobei auch der einfache Mann zum Worte kommen und sich über das. was er nicht versteht, Belehrung holen kann. Auch diese Fatnilienabende sind eigentlich nichts neues. Sie bestehen ja schon innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaft; warum sollten sie nicht auch bei uns eingeführt werden können? Ich komme nun zum dritten und letzten Punkte, den ich für sehr wichtig halte, nämlich zu den Dolksbibliotheken. Es tnüßte in jeder Gemeittde, wie ich schon oben angeführt, eine

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