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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-07 · Heft 49 (7.12.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Herrn Rentner Jos. Schönfeld. Alt-Moabit 90, eine Versammlung von Interessenten ans den 12. d. M., Abends 8 Uhr nach Benthstraße 20 einberufen. Auskunft ertheilen die Herren Rabbiner Dr. Ungerleider. Schöneberger Straße 25. Dr. Rosenzweig, Johannisstraße 4. und Dr. Weiße, Oranienburgerstraße 33. Selbstverständliche Voraussetzung ist eilie gewisse Gleichheit der Theilnehiner in Lebenshaltung und Gewöhn-, heit. Herrell, die eine Theilnahme für wünschenswerth halten, wollen sich an eine der beiden oben allgegebenen Adressen wenden, um eine Aussprache herbeiznführen. r. Jriowrazlaw, 2. Dezember. Am letzten Sonntag hielt der Krankenbesuchs- und Leichenbesta ttnllgsverein feine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr M. Herzfeld eröffnete die SitzlNlg itnb hielt einen Rückblick ans das abgelaufene Vereinsjahr. Es trat eine Besprechung über die Thätigkeit des Vereins ein. Allseitig wurde anerkannt, daß die Abtheilnng Chewra Kadischa unter Leitllllg des Herrn Lachmann ihre volle Schuldigkeit gethan und nach allen Seiten befriedigt hat. Diese Abtheilnng besteht aus 10 Männern ulld 5 Frauen. Außer Herrn Lademann erhalten die Mitglieder von der Gemeinde für ihre ailßerordentliche Mühewaltung, z. B. Nachtwachen u. s. lv.. eine kleine Remuneration. Diese Abtheilung bildet anch einen kleinen Kultus unter sich, indem sie an Sabbathell und Feiertageil die Alldachteil ullter sich abhalten. Dagegen wurde die Abtheilung Chewra Bekur Cholim mit Recht scharf kritisirt. Zu dieser Abtheilnng gehört der ganze Vereiil (176 Mitglieder); sie hat ihren eigellell Vorsteher. Der Zlveck dieser Abtheilnng ist: kranke Mitglieder zu besuchen, sie zu heben ulld zu legen, Verbände anzulegell und abzunehrnell u. s. w. Ulld was geschieht? Gar llichts. Der Kassenbestand ist ein gejnllder, beim dieser lvird durch den Kassirer Herrll M. Haase vorzüglich verwaltet. Deshalb ist es auch möglich, daß der Verein an Wohlthätigkeitswerkell und Unterstützung all Arme großes leistet. Die Eillllahnleil und Ausgaben belaufen sich auf 1849 Mark, der zinstich angelegte Reservefollds beträgt 3394 Mark. Die hierauf vorgelloillmelleil Wahlen hatten Zlml Resultat: der Vorsitzende Herr M. Herzfeld, der Leiter der Leichenbestattnngs-Abtheilung. Herr Lachlnann, und der Schriftführer Herr Isidor Levy sind lviedergewählt worden. In die Konlmission sind die Herrell: Dr. Warschauer. Eduard Rosenberg und Neumann wieder- und Dr. Frost neugewählt. M. Schneidernühl, 23. November. Jll seltkller Rüstigkeit feierteil am Sonllabend der Synagogendiener Joseph Hirsch ulld seine Ehefrau Johanna ihr goldenes Ehejubiläum. In der Synagoge gedachte Herr Rabbiner Braun des greiseil Jubelpaares und verglich, ankilüpseud ail ben Wochenabschnitt, den Jubilar, den Synagogendieller, mit Elieser. den Dieller Abrahams. Nachdem Herr Rabbiner Braun in feierlicher Weise die Einsegnung des Paares in der Wohnung vorgenommen hatte, überbrachte Herr Herz Berliner unter Ueberreichullg eines llamhaftell Geldgeschenkes im Namen des Gemeindevorstaudes die besten Glückwüllsche. Hieran schlossen sich Herr Dr. Mislowitzer. als Vertreter der Repräsentanten. Frau Marianne Herz als Vertreterin des jüdischen Frauen Vereins nnb Herr Edel als Vertreter des Beerdiguugsvereins. Alle von ben Vertretern der Körperschaften ulld Vereinen gehaltenen Allsprachell schildertell den Jubilar als einen selten pflichttreuen nnb gewissenhaften Beamten und wünschten ihm und feiner Ehehälfte einen sroheu, heiteren Lebensabend. — Der Jubilar ist bereits über 40 Jahre Gerneindebeaulter nnb hat es jederzeit verstanden, die Liebe, aber auch die Achtung seiner Vorgesetzten durch seinen musterhaften Pflichteifer sich zu erwerben. 5? BreSlan, 3. Dezember. Das Schwurgericht in Beuthen, Oberschlesien, verurtheilte ben Privatschreiber Paul Orda aus Kattowitz wegeir wissentlichen Meineides zu sünsjährigenr Zuchthaus lind zehnjährigem Ehrverlrist. Orda hatte in einem an die Konitzer ßtaatsanlvaltschaft gerichteten Schreiben Jsraelski der Ermordung des Gymnasiasten Winter beschuldigt. Als er hierauf in Kattolvitz eidlich vernommen wurde, bekundete er, er sei am 11. März in Könitz geweseil und habe gesehen, wie Winter von zwei Männern, anscheinend Juden, überfallen und in einen Wagen geschoben wurde, der dann schnell davongefahren sei. Einer der Männer hätte einen anderen mit dem Namen Jsraelski angeredet. Die augestellten Ermittelungen ergaben. daß diese Angaben Ordas erfunden waren, da er am Il.März in Zawodzie bei Kattowitz einen Halbpaß gelöst hat. in. Magdeburg, 2. Dezember. Die Aula des neuerbauten Schulhauses der jüdischen Gemeinde versammelte heute deren Vertreter und zahlreichen Mitglieder zur Einweihung der Broncebüste unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Ludwig Philippsou. Die Büste ist ein Werk des berühmten belgischen Bildhauers Van der Stappen. eine Wiederholung derjenigen, die 1899 in der Großen Berliner Kunstausstellung vielfache Beachtung und Bewunderung erregt hat; sie stellt Philippson in den letzten Jahren seines Lebens dar und ist bestimnit, in dem Sitznngssaale des Vorstandes und der Repräsentanten errichtet zu werden. Chorgesang eröffnete die Feier. Dann hielt Rabbiner Dr. Rahmer die Festrede. In warm empfundenen, schwungvollen Worten, in tief durchdachter Weise schilderte er in markigen Zügen die hohen Verdienste Philippsons um das gesannnte Judenthum wie anch besonders um die Gemeinde Magdeburg, deren geistlicher Leiter und Berather er drei Dezennien hindurch war. Niemals haben seine Arbeiten und Bemühungen für das Allgemeine ihn die Heimathgemeiude vernachlässigen lassen. Hier begründete er, als der Erste in Norddeutschland, die geordnete und nach pädagogischen Grundsätzen geleitete Religionsschule, hier führte er. als Erster in Preußen, die deutsche Predigt ein, die er in unübertroffener Meisterschaft handhabte. Hier verwirklichte er die Grundsätze einer historisch begründeten, stufenmäßig hoch entwickelten Reform, deren Verkünder und Leiter er war, und die in den meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands dauernd den Sieg davon getragen hat. Der älteste Sohn des Gestierten, Professor Martin Philippson, dankte tiesergriffen der Gemeinde im Namen seiner zahlreich erschienenen Familien- > augehörigtn und hob hervor, wie treu und eifrig die Gemeinde Magdeburg den Geist Ludwig Philippsons bewahrt habe und in seinem Sinne weiter schaffe und wirke. Eine markige Ansprache des ersten Vorstehers, Herrn S. Singer, ferner erneuter, trefflich vorgetragener Chorgesang schlossen die erhebende Feier. Die aus der Frenide gekommenen Gäste wurden noch in die herrliche Synagoge geführt, deren Bau Philippson vor genau einem halben Jahrhundert nach vielen Kämpfen durchgesetzt hatte, und die seitdem auf das wirksamste erweitert und ausgeschniückt worden ist zu einem der schönsten Gotteshäuser des deutschen Israel. # Hamburg, 4. Dezember. Eine hochherzige Zuwendung ist dem K r a n k e n h a u s e der Deutsch-israelitischen Gemeinde von den ans Hamburg gebürtigen Brüdern Herrn Julius Lewisohn in London. Herrn Leonard Lewisohn und Herrn Adolph Lewisohn in New-Nork zn Theil geworden, die dem Krankenhause den Betrag von 80 000 Mark zum Ban und zur vollständigen Einrichtung eines Krankenpavillons zum Andenken an ihre hier verstorbenen Eltern Sam und Julie Lewisohn spendeten. Die Verwaltung des Krankenhauses ist jetzt in der Lage, einem längst gehegten Wunsche entsprechend, auf dem Terrain des Krankenhauses einen der Neuzeit angemessenen Pavillon, wie solche in den hiesigen Staatskrankenhäusern vorhanden sind, zu errichten. a. Hannover, 20. November. Am 11. d. M. fand die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem statt, in welcher nach Erledigung statutengemäßer geschäftlicher Angelegenheiten ein Antrag des Vorstandes beratheu und angenommen wurde, der für die Folgezeit von hochwichtiger Bedeutung zu werden verspricht. Schon bei Errichtung der Anstalt bestand die Absicht, in ähnlicher Weise wie den Knaben auch den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen die entsprechende Erziehung für das praktische Leben angedeiheu zu lassen. Inzwischen haben die Zeitverhältnisse die Anstrebung und möglichste Verwirklichung dieses Zweckes immer dringlicher gemacht. Von allen Seiten hört man die Klage, daß so sehr wenige jüdische Mädchen geneigt sind, als Köchinnen oder Hausmädchen Stellungen anznnehmen, daß sie anscheinend andere, körperlich weniger anstrengende Berufe, wie Schneiderinnen, Putzmacherinnen, Ladnerinnen vorziehen. Die Verwaltung der Ahlemer Anstalt hatte die Verwirklichung dieses in den Zeitverhültnissen wahrlich nur zu begründeten Planes längst ins Auge gefaßt; seine Ausführung scheiterte an dem Mangel an Geldmitteln. Erfreulicherweise sind zu den veranschlagten Kosten im Betrage von 130—140000 Mark jetzt 40 000 Mark schenknugsweise zugesichert worden, und in der Hoffnung, daß weitere Wohlthäter sich zur opferwilligen Förderung dieses bedeutsamen Unternehmens bereit finden werden, hat die Verwaltung nunmehr beschlossen, muthig ans Werk zu gehen

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