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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-07 · Heft 49 (7.12.1900) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
Seite 588 (sequence 14)
Language
German
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588 Dieses Diplom befreite ihn nach dem französischen Gesetz vom Militärdienst, obschon er auch ohnedies wegen seiner kleinen Gestalt zu keinem Dienste dieser Art, nicht einmal als Jäger, fähig gewesen wäre. Elias hatte bei seinen: Shnagogensänger, einem jungen Deutschen ans Württemberg, guten Musikunterricht genossen, spielte die Gilitarre und konnte sich auch auf dem Piano mit den Akkordgriffen begleite::. Diese Kunst trug ihm mehr ein als alle seine anderen Studien. Er hatte bereits eine größere Schute übernommen, als er in seinem 23. Jahre von einer starken Brusteutzündnng Wiederaus das Krankenbett geworfen wurde. Dank der frommen Pflege seiner Hauswirthin genas er nach und nach, beschloß aber auf Anrathen des Arztes das zu feuchte Dorf mit seiner zu zahlreich besuchten Schule gegen einen gesünderen, luftigeren Ort zu vertauschen. Als Elias sich in das Dorf begab, in den: Frau Reich wohnte, und sich ihr selbst vorstellte, war er .24 Jahre alt; doch ohne seinen Bart hätte ruan ihn kaum für 18 gehalten, so mager war er und klein. Schön :var nichts an ihm als seine Augen, die mit ihren: blauen, lebhaften Blicke einen starken Willen, von großer SanstmnLH gemildert, andeuteten, freilich nur für den Menschenkenner. Frau Reich, die ihn, wie gesagt, von ihrem Alkoven aus gemustert hatte und vorerst nichts als den Wuchs, die Stmnpfuase und die dünnen Beine sab, trat endlich in die Stube und machte eine Verneigung, die sie :nit einem leisen Lächeln begleitete. Elias erhob sich von seinem Sitz, warf ihr einen seiner sanftmüthigsten Blicke zu und sagte zu ihr: „Ihr Sohn hat Ihnen wohl schon die Ursache meines Besuches mitgetheilt, werthe Frau? Er hat Ihnen, wie ich hoffe, gesagt, warum ich Ihr Dorf und Ihr Haus allen anderen vorziehe." Er hat schöne Augen, dachte Frau Reich. Dann schnell das Wort ergreifend, antwortete sie: „Mein lieber Herr, ich bin bekannt wegen :neiner Offenherzigkeit! Ich sage alles rund heraus, wie es mir ans den: Herzen ist. Seien Sie so offenherzig wie ich, und sagen Sie mir, warum Sie gerade zu mir eher als zu den Anderen kommen, zu den Mays zun: Beispiel, die viel reicher sind als wir und durch ihre Stellung — Herr May ist unser Maire — mehr Einfluß auf das Wohl eines Schullehrers haben." „Das will ich Ihnen kurz sagen," erwiederte Elias. „Der Arzt hat mir verboten, in den: Unterdorf zn wohnen wegen des Bachschlammes. Während eines Spaziergangs in dem Wiesenthal habe ich bemerkt, daß man von den Fenstern Ihres Hauses die Aussicht über diese ganze reizende Ebene hat. Das allein, werthe Frau, sind die Ursachen, die mich veranlassen, Ihre Gastfreundschaft in Anspruch zu nehmen. Ich bin übrigens leicht zu befriedigen. Ein Bett, ein Tisch, zwei Stühle ist alles, was ich brauche. Was die Kost anlangt, so bestimmen Sie selbst die Sunuue, monatlich. Ich habe mich nicht erkundigt, ob Sie reich oder arn: seien, reicher oderärmer als andere Familien. Als Schullehrer forsche ich nur nach den Anlagen des Geistes und des Herzens. Mein nächster Zweck ist, meine zerrüttete Gesundheit wiederherzustellen, ohne meine Schüler zu vernachlässigen, und mein Brod und das :neiner lieben Mutter zu verdienen, deren einzige Stütze ich bin. Auch Sie sind Mutier! Ich verspreche Ihnen, Ihren Kindern durch meine Lektionen und meine Sorgfalt zwei- und dreifach das zu vergelten, was Sie Gutes dem Sohne meiner Mutter thun werden." Diese Worte drangen in das Herz der Frau Reich, die, obschon gerührt, dennoch eine Ausrede suchte, um sich nicht gleich zu binden. „Mein Herr," sagte sie darum, „Ihr Antrag ist wirklich sehr schmeichelhaft für mich und meine Kinder. Da ich jedoch erst meinen Mann fragen muß, ohne den ich nichts entscheide, so bitte ich Sie, diesen Abend wiederzukommen." „Was die Mutter entscheidet, ist entschieden!" rief vorlaut der Sohn. „Ich weiß es," antwortete Elias, „ruan hat es mir bereits gesagt. Ihre Mutter jedoch," fügte er hinzu, indeu: er sich an den Sohn wendete, „ist eine Frau von Geist und Verstand. Sie weiß, daß, um zu befehlen, man wenigstens sich stellen muß, als gehorche man." Damit grüßte er und entfernte sich, indem er versprach, des Abends seine Anfrage zu wiederholen. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung auf die Mutter nicht, die aber, trotz ihres Geistes, doch nicht einsah. daß sie in diesem jungen Manne eine:: Herrn fand, der, um zu gebieten, sich sehr gut zu stellen wußte, als gehorche er nur. (Fortsetzung folgt.) Fitterarische MittheUungen. Den Lesern Ihrer Zeitung dürfte die Nachricht nicht unwitlkommell erscheinen, dos; soeben zur Real-Eucyclopädie des Judenlhnms von Dr. I. Hamburger. Ober- und Landesrobbiner in Strelitz (Mecklenburg), Supplement V. Abtheilnug III. Nachtalmndisches, erschienen ist. Unermüdlich sehen wir den Verfasser an der Vollendung seines großen für Jung und Alt recht belehrenden Werkes fortarbeiten. Wem: nur die zahlreichen, anssnhrlicheu Artikel in den drei Abtheilnugeu aus Bibel, Talmud und Midrasch m:d der nachtalmndischen Literatur lesen, 311 denen oft nnr wenige Vorarbeiten vorhanden waren, so können nur die Kraft und die Ausdauer des Verfassers nicht geling anerkenneli. Das fünfte Supplement bringt wieder eine ziemliche Anzahl von Artikeln ans der Geschichte, der Dogmatik, des Kultus und der Ethik des Zudcnthums. Wir heben von denselben die ausführlichen itnb wichtigen h:rvor: Allegorie, Allegoriker, Apologeten, Apologetik, Apostaten, Disputationen. Gesetzesvoll,siehung, Chazaren, Chazarenreich, Albo Joseph, Abarbauel, Charisi Jehnda beu Salomo, Gerondi, Lnzzatto Simon, Maimon ben Joseph, Maiiasse ben Israel, Elbeschütz Jonathan, Emdeil Jakob. Mainlonides Moses, Mendelssohn Moses, Nachmanides n. A. m. G. P. Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! Nr. 46 Ihrer geehrten Zeitung kommt eine Korrespondenz aus £53 „Stuttgart" worin der nenefte Rechenschaftsbericht des israelitischen L e h r e r v e r e i ii s für Württemberg besprochen wurde. In diesem Artikel wird das Vermögen unseres Vereins irrtümlich mit 524 992.34 M. anstatt mit 52 992.34 M. angegeben. $cf) bitte Sie, von dieser Berichtigung in Ihrer nächsten Nummer gef. Notiz zu nehmen lind anbei gleichzeitig zu bemerken, daß sich in unserem gedruckten Rechenschaftsbericht leider einige Druckfehler eingeschlichen haben. Es sollte nämlich S. 5 bei den Aktiv-Kapitalien nicht 50 240 M.. sondern 52 400 M. und ebenso auch S. 6 bei der Remanetsberechnung unter Reste nicht 50 400 M., sondern 52 400 Mheißen. C a u u st a t t. 22. Noveniber 1900. Mit vorzüglicher Achtung Der Kassirer des israel. Lehrerverei::s in Württemberg I. Metzger. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Banchwitz in Berlin.

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