Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-12-07 · Heft 49 (7.12.1900) · p. Seite 585

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 49 (7.12.1900)
Date
1900-12-07
Page
Seite 585 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228415--57070-3293422
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

585 Gemeinden wie auch der Rabbiner schwer durchführbar. Aber beide Theile haben ein moralisches Interesse daran, in dieser Art die Stellung des Rabbiners zu ändern. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sich einen Rabbiner nimmt, wie einen Arzt oder Anwalt, oder ob der Nabbiller als Vertreter des Standes auftritt*). Erhält das Honorar nicht der Rabbiner persönlich, sondern die Kasse, namentlich auch mit dem Zweck, die Erhaltung von Nabbinaten in finanziell schwachen Genleinden zu ermöglichell, so würde die Würde des Stalldes außerordentlich gewinnen. Anwälte ulld Aerzte haben für ihre Hilfskassen sich nicht an die Oeffentlichkeit um Hilfe gewendet^), trotzdem, wie bemerkt, das Einkommen des Rabbiners im Durchschnitt höher seilt würde. Soll es mit den Rabbinern anders gehandhabt werden, weil sie Beamte der Gemeinde feien, so muß ihre Stellung auch mehr beanltenmäßig geregelt werden. Verfehlt llröchte es dagegen sein, beide Systeme verbillden zu wollen, dergestalt, daß nach wie vor die ökonomische Struktur des Standes in den Großgemeinden eine gewerbliche wäre, während man sich bemühen würde, den schwächeren Elementelt die Vortheile des Beanltenthums durch Gaben von Laien zu verschaffen. Dem Ansehelt des Standes und den Interessen unserer Gemeinschaft würde dies tlicht förderlich sein. ->#<- Quousque tandem? Auch ein Wort z»m Iudentage. Von Dr. M. Lewin-Wreschen. fas jüdische Gewissen ist wachgerufen, endlich ist das befreiende Wort erklungen: sammelt euch zur Selbsthilfe. Nach den zahlreichen Zustimmungen zu dem gemachten „Vorschläge" kann wohl ruhig anerkannt werden, daß der größere Theil der deutschen Judenschaft dem angeregten Judentage sympathisch gegenübersteht. Meines Wissens sind aus Freundeskreisen nur zwei Gegenstimmen verlautbar geworden, iin „Israelit" und in den „Mittheilungen" des Abwehrvereins. Die in diesen Ausführungen geltend gemachten Gründe erledigen sich von selbst, wenn man jenen Artikel des Herrn Professor Philippson ohne jede Voreingenommenheit und auch ohne Kommentar mit Aufmerksamkeit liest. Nun meinen wir aber, wären der Worte genug gewechselt, und es müßte jetzt zur That, zur Verwirklichung dieser großartigen und auch freudig begrüßten Idee geschritten werden. Es wird wohl von jeder Seite eingeräumt werden müssen, daß, soll etwas geschehen, kaum Zeit zu verlieren sei. Hie Konitz, da Polna, hie Galizien, da Rumänien, ivelch traurige Schlagwörter bieten nicht diese Namen für die noch traurigeren Erfahrungen, die wirBekeuner des Jndenthums beiNeige des Emanzipationsjahrhunderts haben machen müssen! ^nousgue tandem? Wenn nicht jetzt, wann denn? Sollten wir etwa noch weiter über diese allgemein erkannte Nothwendigkeit einer Aktion aus unserer Mitte umständlich diskutiren, anstatt entschlossen ans Werk zu gehen? Die Meinungen über Ziele und Zwecke des Judentages werden sich sicherlich auch am besten klären, wenn erst einmal die Vertreter der verschiedenen Ansichten von Anst In einzelnen Fällen ist kein Unterschied vorhanden. (Die Red.) -) Wiederum der falsche Vergleich. Rabbiner sind nur mit Geistlichen zu vergleichen. (Die Red.) gesicht zu Angesicht über das Für und Wider sich werden aussprechen können. Darum gilt es jetzt eifrig die Vorbereitungen für den Judeutag zu treffen. Da werden sich die technischen Schwierigkeiten allerdings ist nicht so leicht überwinden lassen. — Es ist bereits hervorgehoben worden, daß hier ganze Arbeit gemacht werden muß, daß der Judentag, soll er atl und für sich schon als eine That gelten können, sich auch äußerlich als eine Vertretung aller deutschen Inden bekundet! müßte. So selbstverständlich das ist, so schwer wird dies bewerkstelligt iverden. Unmöglich aber erscheint es mir keineswegs. Jnjedweder jüdischen Gemeinde ist zuvor hierfür geeignete Propaganda zu machen. Alsdann müßterl, da der Deutsch-Israelitische Gemeindebnnd mit ben meisten Gemeinden Deutschlands Fühlung hat, von diesem die weiteren Veranstaltungen getroffen iverden. In jeder Provinz im Königreiche Preußen sind die jüdischen Gemeinden zu einem Gemeindeverbande znsammengeschlossen, wo dies nicht der Fall ist, so fehlt ihnen gleichwohl kein Organ für ihre Vertretung, seien es das Vorsteheramt oder vie Vertreter der Rabbinatsdistrikte, in den anderen deutschen Staaten ist der Zusammenschluß wieder nach dem Gesetze gegeben. Mit diesen Vertretungen größerer Bezirke würde der Gemeindebund zunächst zu verhandeln haben. Sind diese für die Sache gewonnen, dann dürfte das ganze Werk auch gelingen. Wir denken uns, daß immer zweitausend jüdische Seelen durch eine Stimme vertreten werden sollten, das würde im ganzen, wenn wir vielleicht größeren Vereinigungen immer je eine Stimme einräumen, eine Anzahl von dreihundert Personen ergeben. Es würde dies eine stattliche, imposante Versammlung werden, die quantitativ und vor allem qualitativ sich eine ge° wisse Anerkennung nicht allzuschwer erringen könnte. Wie wäre etwa die Wahl der Delegirten vorzunehmen? Es sei gestattet, mit einem Beispiele zu exemplifiziren, und zwar mit einem solchen, das mir am nächsten liegt. Es sei vorausgesetzt, auf Veranlassung des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" nimmt der Ausschuß des Verbandes der Synagogengemeinden im Regierungsbezirk Posen die Erledigung der Angelegenheit für den Regierungsbezirk Posen in die Hand. Im genannten Bezirke kommt als Gemeinde, die selbstständig ihre Delegirten zu entsenden hätte, nur Posen (mit 5810 Seelen) in Betracht; hier wären drei Vertreter zu wählen, da der Ueberschuß über die für zwei Vertreter erforderlichen Stimmenzahl einhalb und noch darüber ist. Wer hätte nun hier die Delegirten zu bestimmen? Da die Gemeindevertretung die ganze Gemeinde in allen inneren und äußeren Fragen vertritt, so wäre sie wohl auch hierzu befugt. Für die übrigen Gemeinden wären Wahlbezirke zu bestimmen, die thunlichst nur 2000 jüdische Seelen umfassen; sie müßten immer so eingerichtet werden, daß die Nächstliegenden Gemeinden vereinigt würden. Z. B. Lissa (1205), Rawitsch (650) Fraustadt (212) würden einen Wahlbezirk ergeben. Hier würden die Gemeindevertretungen für jedes ganze Hundert je Einen bestimmen; in der relativ größten Gemeinde, in dem angeführten Beispiele also in Lissa,' kommen die Erwählten zusammen, 20 an der Zahl, und erwählen aus ihrer Mitte den Delegirten. Das Ergebniß der Wahl wird zur Prüfung dem Gemeindeverbandsausschuß, übersandt und dieser bestätigt dem Gewählten die Berechtigung seines Mandats. Sind so die Wahlen vollzogen, so dürste über Ort und Zeit der Zusammenkunft recht schnell eine Uebereinstimmung erzielt werden können. Berlin eignet sich aus den mannigfachsten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.