Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 49 (7.12.1900)
- Date
- 1900-12-07
- Page
- Seite 582 (sequence 8)
- Language
- German
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582 der vierten Neligionsschule hänge davon ab, daß diese noch in der Entwickelung begriffell sei und auch mit einer großen Gegenagitation zu 'kämpfen habe. Durch Abstimmung wird die Schulverwaltung dechargirt, der Antrag Friedländer mit dem Geigerschen Amendentent angenommen. — Der Rechnungsabschluß der alten Synagoge ergiebt einen Minderverbranch von 254 Mark, der der Synagoge Kaiserstraße einen Minderverbrauch von 2775 Mark; die Kommission zur Unterstützung durchreisender Glaubensgenossen erhält mit einem Minderverbrauch von 77 Mark Decharge. — Eine recht lange, zum Theil lebhafte Debatte zeitigte der Rechnungsabschluß des jüdischen Krankenhauses, der mit einem Defizit von 5049 Mark schließt. Der Referent Professor.Baginsky bittet, das Defizit zu genehmigen, und wünscht, daß die Verwaltung des Krankenhauses in der gleichen mnstergiltigen Weise fortgeführt werde wie im Berichtsjahre. Entgegen seinem nenlichen Tadel giebt er heute die Erklärung ab, daß bei einer dreijährigen Etatsperiode, die das Krankenhaus leider habe, sich die Ausgaben nicht für die nächstfolgende Zeit voranssehen lassen, und somit Nachsordernngen unvermeidlich sein müssen. Voll Professor Lazarus seien eine Reihe von Anforderungen gestellt worden, auf welche er nicht näher eingehen lvolle. Wünschenswerth sei ihn» eine Aufklärung über die Verwaltung des Krankenhauses und über die etwaige Umgestaltung desselben. Es seien hier Dinge vorhanden, die zur Sprache gebracht werden muffen; das Hospital könne nicht mehr seine Pflicht erfüllen, ja es könnten selbst Gefahren entstehen, wenn die Aenderungen nicht in kürzester Zeit vorgenonnneil würden. Man müsse der Frage einer Umgestaltung rein sachlich näher treten. Wenn zwei Faktoren hier widerstrebend einander gegenüberstehen, so erheische das Interesse des Krankenhauses eine schnelle Einigung, und nach beiden Seiten, des Gemeindevorstandes und der Hospitalverwaltung, hin müsse die innigste Bitte ausgesprochen werden, die Verhältnisse so rasch wie möglich zum Ausgleich zu bringen. Der Krankenhausvorstand dürfte sich nicht allzu sehr auf die historische Seite stützen; die damaligen Stifter des Hospitals hätten selbstverständlich nur die zur Zeit bestehenden Verhältnisse berücksichtigen können. Andererseits müsse der Gemeindevorstand nicht allzu sehr auf sein Recht pochen und dem Krankenhaus etwas entgegen kommen, damit endlich ein Schritt vor- 'würts geschehe. Ihm sei die Mittheilnng geworden, daß es nicht mehr möglich sei. irr dem Hause aseptisch zu leben., und daß man thatsüchlich nicht in der Lage sei, das Hans zu desinfiziren. Malt könne nicht wissen, wohin diese Zustände einmal führen würden, und es bestehe die dringende Pflicht, dem Hospital möglichst bald zu helfen, wenn nöthig, dasselbe auch abzureißen. Er beantrage, die Verwaltung zu dechargiren. Professor Lew in wendet sich gegen die im ärztlicheil Bericht geforderten Neueinrichtungen und erklärt, daß die beantragten Aenderungen in ungefähr sieben Staatsinstituten zusammen erfüllt würden, daß die Forderungen nicht unmittelbar für die Verpflegung der Kranken in Betracht kommen könnten und deshalb nicht aufrecht zu halten seien. Die Tragweite des Verlangens, einer Einrichtung für Stoffwechselnntersnchung hätte sich der Verfasser des Berichtes wohl nicht klar gemacht, wissenschaftliche Probleme dürsten nicht in ein Krankenhaus eingeführt werden. Er halte eilt solches Verlangen für sehr bedenklich und hätte wohl gewünscht, daß der Bericht vorder Drucklegung einer Korrektur unterworfen worden wäre. Es sei sehr zn warnen, dem Krankenhause eine Ausdehnung zu geben, wie sie im Bericht andeutungsweise zum Ausdruck gekommen sei; das könne nicht der Wunsch und Zweck eines jüdischen Krankenhauses sein. Der Vorsitzende Louis Sachs erwiedert, daß es dem Krankenhausvorstande vollständig fern liege, auf derartige weitgehende Forderungen einzngehen. Es sei sehr gut. daß in der Verwaltung Nichtmediziner säßen, ein Arzt würde doch weit leichter geneigt sein, solchen Wünschen nachzugeben. Der Bericht sei absichtlich gedruckt worden, um dem Gemeindevorstande, der immer über zu hohe Ausgaben Klage führe, zu zeigen, wie schwierig die Stellung der Verwaltung sei. Wenn die Zustände im Krankenhanse so lägen, wie sie geschildert worden, so würde der Chirurg nicht so leichtsinnig sein, die Verantwortung für Hunderte von Kranken zu übernehmen. Die Zustände feien immer noch so erträglich, daß der Krankenhausvorstand mit ruhigem Gewissen sagen könne, daß Menschenleben nicht gefährdet seien. Daß das Halls verbesserungssähig sei, wüßten Alle. Professor Bagin sky legt demgegenüber dar. daß ein ärztlicher Direktor stets für ein Krankenhaus von größtem Nutzen sein werde; wenn das der Fall wäre, würde Professor Lazarus es nicht gewagt haben, derartige Fordernllgen zu erheben. Wenn noch von erträglichen Zuständen gesprochen würde, so erkläre er, daß Professor Israel es gewesen sei, der die Verantwortllng noch länger zu tragenabgelehnt hätte. Zwar habe Dieser zugestanden, daß er die Gefahren noch beherrschen könne, weil er sich ans der früheren Periode tu die aseptische Zeit hineingelebt hätte, doch könne jebeit Augenblick ein Anderer kommen, der die Verhältllisse nicht zu berücksichtigen verstände. Es sei durchaus anzuerkdllnen, wenn sich Professor Israel durch derartige Schwierigkeiten noch hindurch willde. Unter diesen Verhältnissen werde man. ob man lvolle oder nicht wolle, in kürzester Zeit zu einet: Umgestaltung gezwungen sein. Landgerichtsrath Löwe legt gegetl die Angriffe ans Professor Lazarus, als aus einen Abwesenden gerichtet. Verwahrung eilt. Von dent Gemeindevorstalld iverde eine fundamentale Aendernng des Statutes vorgeschlagtn, auf welche das Krankenhaus nicht ohne Weiteres eingehen könne. Vorsteher Jacoby führt ans, daß der Neubau des Krankenhauses 1^2 Millionen erfordern, und sich hierdurch der Gemeindezuschuß, der bisher 60—70 000 Mark betrage, verdoppeln würde. Nach den: jetzigen Statut sei für alle Angelegenheiten die Jltitiative dem Krankenhausvorstande Vorbehalten. In dem neuen Statlit sei es vorgesehen, daß auch vom Gemeindevorstand die Illitiative ausgehell könne; selbstverständlich müsse der Krankenhausvvrstaitd überall gehört werden. Mit Rücksicht auf die Verhältnisse sei auch die Neuwahl des Krankenhausvorstandes,, die bereits im Januar hätte vorgeuommen werden müssen, nocf) nicht erfolgt. Die Mitglieder des Krankenhausvorstandes betrachteten das Hatls als ihr eigenes und seien zu allen möglichelt Opfern für dasselbe bereit; sie sollten doch das Geeignetste thun, die Rücksicht auf ihre Person fallen laffeit und den Gemeindebehörden nachgeben. Das Kraukenhansstatut werde nicht für die Person der jetzigen Vorsteher gemacht, die allenfalls noch ein halbes Menschenalter ihr Amt bekteideil könnten, sondern für längere Zeiten. Die Schwierigkeit der Verständigllng liege ferner noch in den Mitgliedern des dritten Ausschusses der Versammlung, die theilweise noch für die Ausrechterhaltullg der Zustände eintreten, weil diese 150 Jahre lang bereits beständen. Das einzige Heil sei nur dariit ztl erblicken, daß der Krankenhausvorstand selbst zur Einsicht gelange. Nach Ablehntlng eines Schlnßantrages erklären Professor Bagin sky und Lew in. daß es ihnen fern gelegen habe, Professor Lazarus in irgend einer Weise zu nahe ztl treten, während Landgerichtsrath Löwe seinen Vorwurf aufrecht erhält. Die Verwaltung wird dechargirt. das Defizit bewilligt. — Diskussionslos wird die Anstellung eines Fahrstuhlführers für das Verwaltungsgebäude der Gemeinde mit einem monatlichen Gehalt vom 50 Mark genehmigt. — Eine längere Debatte entspann sich dann uodt) über die Verlegung der Gemeindebibli oth ek nach der Spandauerftraße 64. Herr Willibald Loewenthal als Referent bittet um Ablehnung dieses Antrages, der vom Gemeindevorstand gestellt ist; die in der dritten Etage befindliche Wohnung sei durchaus 'ungeeignet. Vorsteher Ei sn er befürwortet die Vorlage, da der Wunsch, die dritte Etage im Hause der Gemeindeverwaltung zu erhalten, unerfüllbar sei. Die eingesetzte Kommission hätte es nicht als angemessen erachtet, die Bibliothek in Miethsränmen unterzubringen. Die vorgeschlagenen Räume befänden sich in einem Hatlse der Gemeinde und seien sehr zweckentsprechend. Voraussichtlich iverde auch in diesem Hanse zum Oktober nächsten Jahres die erste Etage frei, welche dann für die Bibliothek verwendet werden solle. Herr Benas Levy hält die Räume für wenig repräsentabel, aiißerdem sei das Haus ein Geschäftshaus. Die Gen,eindebibliothek sei stets stiefmütterlich vom Vorstand behandelt worden; er könne nicht einsehen, weshalb die Wohnung in der Oranienbnrgerstraße nicht zur Verfügung gestellt werden könne. — Redner stellt noch die Anfrage, weshalb die Allszahlung der der „Jüdischen Lesehalle" bereits am 4. März bewilligten Subvention von 300 Mark durch den Vorstand nicht verfügt werde. Wenn der Vorstand ein Provisorium habell wolle, so sei in der Verschmelzung der Bibliothek mit der Lesehalle die beste Gelegenheit gebotell. Vorsteher Jacoby verwahrt den Vorstand gegen den Vorwurf der stiefnlütterlicheil Behalldlllng der Bibliothek. Es feien bereits 10 000 Mark bewilligt wordeil, wovon allerdings erst 3000 Mark zum Ankauf voll Büchevll verwendet worden seien. Herr Leonhard Sachs sieht keinen Grund ein, weshalb man unter den nothwendigen Kauteleil die Gemeindebibliothek nicht in Miethsränlne verlegen könne und bittet um Ablehnung der Vorlage in der gestellten Form. Vorsteher Eisner