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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-30 · Heft 48 (30.11.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Oesterreich-Ungar«. n Wien, 26. November. Dem altehrwürdigen Brauch zufolge haben auch in diesem Jahre mehrere Mitglieder der Preßbnrger israelitische»» K u l t u s g e m e i u b e unter Führung des Kontitats- Oberphhsikus Dr. Leopold Stein die Martingünse sür die Hostafel überbracht; die Deputatio»» »vurde vom Monarchen sehr h»»ldvoll empfangen. — Hier fand im Vereii» „Beth Israel" ein seierlicher Trauergottesdie»»st für de»» dahiugeschiedeneu Rabbiner Fleißig statt. — In Fünshaus ist der emeritirte Oberkantor und Religionslehrer der Wiener israelitische»» Kult»lsgei»leinde Leopold Stern im 75. Lebensjahre verschiede»». Er war im Bezirke durch seine huma»»e Gesinnung u»»d Herzensgüte sehr beliebt. Alle seine Schüler werde»» ihn» ein tre»»es A»»denken beivahreu. Der Berbliche»»e »virkte durch 42 Jahre als Funktionär der Kultusgenieinde. Durch eine Reihe vo»» Jahren war er auch Mitglied des Ortsschulrathes für de»» Gemeindebezirk Rndolphsheiu». Bl. Budapest, 28. Roveu»ber. Gewissenlose Hetzer s»»chen auch hierz»»la»»de ohne U»»terlaß eine R i t»» a l »u o r d g e s ch i ch t e in Sze»»e zu setze»». Es ist daher keil» Wunder, »venu a»»eb sonst vernünftig de»»ke»»de Mensche»» dem albernen Märchen cnlfsitzen, »vie dies in St. Endre. in eir»em voi» Schlvabe»» belvohnten Orte, dieser Tage der Fall »var. In dem Orte führte ein de»» Ortsbewohnern sremder Mann e»»» Mädchen an der Hand. Dies genügte, daß einige kräftige Burschen unter der Anschuldigung, daß er einen Nitnalmord verüben »volle, über ihn herfiele»» und ihn kra»»k schlugen. Das Mädchen führten sie unter großen» Gejohle i»» das Geu»eindeha»»s, »vo sie sich als Netter eines christliche»» Kindes »neldeten und die A»»zeige erstatteten »vege»» Ritualuiordversnchs. Die sofort ei»»geleitete Untersuchung ergab folge»»des Nes»»ltat. Bor alle»»» »vurde festgestellt, daß sowohl der Mann als auch das Kind jüdischer Konfession sind. Die rveitere»» Nachforschungen stellten folge»»den Thatbestaud fest: die Elter»» des Kindes »vare»» erst vor Kurze»»» gestorbe»» und haben zrvei Kinder z»»rüekgelassen. von de»»en eines in ein hiesiges jüdisches Waisenhaus anfgel»o»»»l»»ei» »verden sollte. Ein Bevoll- »nächtigter des Waisenhauses »var da»»»it betraut, es in St. Endre abzuholen. U»»d gerade als er das Kind zur Eisenbahnstation führen »vollte, hat ihn die irregeführte Bolksn»e»»ge überfallen. Gegen die Rädelsführer »vurde das Strafverfahre»» ei»»geleitet. — Der anläßlich der Milleniumsfeier gegründete jüdische Landesson d hat seine erste Schule in Körösn»ezö in» MnramaroscherKomitat eröffnet. Es ist dies die erste jüdische konfessio»»elle Sch»»le auf beut Gebiete des Kouütats. Sie »vird hoffentlich ihre kulturelle Missio»» in einer Weise erfüllen, daß das Bedenke»», »velches die dortige jüdische Ei»»rvoh»»erschaft gehegt hat. gegenstandslos »vird und die Eiuwohnerschast selbst d»e Errichtung »nehrerer solchen Schulen herbeirvünschen wird. — Die Hon»o»»»»aer C h e »v a Kadischa »vurde vo»» der Behörde »vegen stat»rte»»»vidrigen Vorgehens der Vereinsleitung aufgelöst. Es ist hier zu Lande der erste Fall, daß ei»» jüdischer Bereit» snspensiert wurde. Amerika. C. H. Rctv York, Ende November. Am 22. v. M. hielt der Teuipel E»na»»iel eine Generalversanunlung ab, um über die Wahl eines Nachfolgers für den vor zrvei Jahren pe»»sionirten Dr. Gottheil z»» berathen. Das Komitee eutpfahl die Wahl des Dr. Leon Harriso»» in St. Louis mit eine»»» Gehalte von 9000 Dollars. Herr Henry W. Cane »vidersprach den» Anträge aus den» Grunde, weil Dr. Harriso»» keilte regeltnäßige theologische Bildung genossen habe und, »nenn auch anerkanntermaßen ein hervorragender Nedlter, er doch »»icht als Gelehrter den Rang einnehme, welcher für die Bedürf»»isfe des Amtes erforderlich sei. Herr E. Popper hielt de»u entgegen, daß Dr. Harriso»» sich eitler großen Beliebtheit in St. Louis erfreue und seine Zuhörerschaft sich zu gleichen Theile»» aus Jude»» und Christen rekrutire. Herr Henry Rice, der ebenfalls die Wahl Harriso»»s etnpfahl, fügte hi»»zu, daß Herr Ca»»e »vohl in fachlichen Fragen der Kleiderfabrikatio»» eine Autorität sei»» möge, daß man aber über seine Kompetenz in theologischen Fragen nicht genügend instrtlirt sei! Herr Albert Hochstädter meinte, daß er, obwohl nicht »vie Herr Rice zu der Gilde der in theologischen Fragen bewanderten Modetvaarenhändler gehörig, sondern gleichfalls nur ein Mitglied der theologisch inkompetenten Kleidermacherzunft sei. er der Wahl Harrysons opponiren »nüsse. Herr Louis Marshall meinte, obwohl er auf eiu gutes Berhaltniß zwischen Jude»» und Christel» Werth lege, sei es doch mehr die Pflicht des Rabbiners, den Tempel mit Jude»» als mit Christen zu füllen. Nach längerer Debatte »vurde die Wahl vertagt. Es mag ii» diesem Zusannnenhange hervorgehobe»» »verden, daß arrßer der Katizel des Tempels Emannel in New-Iork noch vier andere hervorragende Kanzel»» unbesetzt sind, wovon z»vei in New-Uork, eine in Chicago und eine Pittsburg. Don Nah und Fern. — Die Staatsanwaltschaft hat gegen das freisprechende Urtheil n» de»»» Prozesse des Grasen Pückler und Ge»»osse»» Berufung eingelegt. — In S ch ö n l a n k e »vurde das 25 jährige Amtsjubiläum des Kantors Co h»» durch Ueberweisuug eines Ehre»»gesche»»kes seitens der Gen»ei»»de. durch Adressen und Glück»vü»»sche vo»» Vereinen u»»d Ei»»zelne»», durch einen Festakt in der Synagoge und einen Ko»n»ners a»n Abend »vürdig gefeiert. — Zu»»» Empfang des Kaiserpaares i»» Hildes he im »vurde auch der La»»drabbiner Dr. Lewinsky in der Reihe der Gäste im Kaiserzelte eingeladen. — An» 20. d. M. stand die Frau Martha Maßt off. die Ehefrau des kürzlich »vegen Mei»»eides verurtheiltenBernhard Maßlosf, vor dem Schöffengericht, u»n sich »vegen Diebstahl zu vera»»t»vorte»». Sie hatte diese»» Diebstahl Ende August begangen »mb gestand ihn während der Verhandlung schließlich ei»», »voraus sie voi»» Gericht zu einer Woche Gesängniß verurtheilt »v»»rde. Bei dieser Gelegenheit trat durch Bekundung »nehrerer Zeuge»» zu Tage, wie schlecht der Vater der Angeklagten, der Ehema»»»» der ebe»»falls zu Z»»chthaus Wege»» Meineides verurtheilte»» Frau Roß. von Frau und Töchtern behandelt »vurde. Unter Andere»»» wurde erwiesen, daß Frau und Ki»»der den alten Mann la»»gere Zeit gezw»»r»gen hatte»», in einen» Stallrauu» zu nächtigen. — Am selbe»» Abend machte»» die Fortbildungsschüler wieder einmal Vörden» Hause des Fleischer»»»eisters Adolph Le»vy eine antisemitische Demortstration u»»d erfüllte»» die Danzigerstraße mit „Hepp Hepp"- Geschrei. Hinzukommende Gendarme»» stellten die R»»he aber schleunigst d»»rch ein ganz probates Mittel her: anstatt Verhaftungei» vorzunehmen, »vas nur la»»gwierige Prozesse zur Folge gehabt hätte, griffen die Gendarmen ei»» Paar der Hanptschreier aus der Menge heraus und applizirten ihnen einige tüchtige Ohrfeigen; da»nit verging den Burschen sofort die Lust zu lveiteren Helde»»thaten, die Menge stob auseinander, »lud die antiseluitische Demonstration hatte binnen zrvei Minuten ei»» E»»de gefunden. — In Witten an der Ruhr ist der Praktische Arzt Dr. Adolph König, der Führer der antisemitischen Partei ii» Westfalen, der 1893 im Wahlkreise Rinteln- Hofgeismar zum Mitglieds des Reichstages gervählt wurde, gestorben. — Wie man uns aus Frankfurt a. M. berichtet, haben Vorstand und Ausschuß der Israelitischen Gerneinde dahier infolge des Anwachsens der Zahl der Gen»eindemitglieder besHlossen, einen zlveiten Rabbiner an der Hauptsynagoge anzustellen. — Wege»» Ziveikampfes ist von der Strafkammer in Nürnberg der Nechtspraktikant MaxBeruheim zu drei Monaten Festungshaft verurtheilt. Es handelte sich um ein Säbeldnell mit dem Kaufmann und Reserveoffizier B r u n o Z ei tl e r. Beide Duellanten sind Juden! — Aus Marseille wird berichtet, daß die Vertreter des Antisemiteuverbandes dern Präsidente»» Krüger im Aufträge des vom Staatsgerichtshof verurtheilte»» Agitators J»»les ©lievtt» einen Blumenstrauß überreichten und erklärten, daß Gueriu, der Gefange»»e der Negier»n»g und der Juden, tu einer ähnlichen Lage sich befinde wie die Buren auf St. Helena. Krüger »vies hierauf in sehrnachdrücklicher Weise den Bllunenstrauß zurück. — Der französische Senat hat die Amnestievorlage angenontmen, »velche alle während der a»»1isernitischen Unruhen in Algier verhängten Strafen umfaßt. — Nach der vom inter»»ationalen Kongreß für Religionsgeschichte während der Weltausstellung in Paris anfgestellten Statistik giebt es unter 390 MiÜio»»eu Ei»»»vohnern in Europa 7 Millionen Juden. — Dem jüdischen Generalstaatsanwalt von Victoria. Mr. Jsaac A. Jsaacs, »velcher infolge des »»ach dem Sieg der Liberalen im vorigen Jahre nothwendig gewordenen Rücktritt des bisherigen Ministeriums sein Amt verloren hat. ist jetzt von dem unter Sir Georges Turner rekonstruirten Ministerin»»» dieses Amt »vieder übertragen worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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