Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-30 · Heft 48 (30.11.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228414--57054-3293405
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Schule in See seil eine Vereinigung, welche es ouf sich nehmen will, unter ben Mitgliedern auch int späteren Leben die in die jugendlichen Gemüther gepflanzten Ideen der Toleranz und des Fortschrittes fortzubewahren und weiter zu entwickeln. Die Jacobsonschule, voll dem edleit Israel Iaeobsoll im Jahre 1801, also vor beinahe hundert Jahren, als Freischule für unbemittelte jüdische Knaben gegründet, wurde im Lause der Zeit in eine Simnltanschule umgewandelt. in welcher in seltetter Eintracht Knaben jüdischer Religion und solche christlichen Bekenntnisses erzogen lverdell. Die Mehrzahl der Schüler ist aber jüdischen Glaubens, und gar viele arme jüdische Knaben verdanken der Anstalt eine gute Erziehung und dadurch die spätere gute gesellschaftliche Stellung. Die Jacobsollschule war aber auch seit jeher eilte Pflatlzstätte der Hillgabe und Liebe au nilsere allgestammte Religion; in zahlreicheil jüdischelt Gemeilldeu wirken Mällller, die in Seesen ihre Erziehung genosseit haben. Deshalb ist eine Vereilligllng der ehentaligen Jacobsonschüler, obgleich nicht ausschließlich jüdischer Natur, attch voil unserem Staildpullkt alls lebhaft 311 begrüßen. Sie wird ill dieser Zeit der kollfessioltettelt Zwietracht eilte Stätte der Eilltracht uutev jüdischeil uild christlichen Männern fein und dadurch auch iltdirekt 311m Heile des deutschen Jlldenthlllus beitragetl. Berlin, 27. Novenlber. Am 24. d. M. ist im Alter von 77 Jahren Herr M 0 r i tz Hei m a n ti, eines der geachtetsten Mitglieder ltnserer Gemeillde, gestorben. Der Verblichene lvar aus Filehne gebürtig, eilt Jugendgenosse itnb begeisterter Verehrer des Herrn Geheinlrath Lazarus. In seinem Berufe galt Herr H. als der Senior des Berliner Butterhandels. Seilt gattzes Leben war eilt durch Würde ttnd Ehrelthaftigkeit, durch Fleiß mtd Herzettsgüte ausgezeichnetes. Altch dem Vorstallde des Brüdervereins gehörte der Verstorbelte Jahre lang au. — Am 2.7. d. M. ist im Alter von 77 Jahren Herr Hermann A. Seegall gestorbeil. Derselbe lvar lange Jahre Vorsitzender des Lissaer Hilfsvereiits, des Shtlagogeitvereilis Moabit lntd anderer gemeillnütziger Institutionen. Durch seinen biederen Charakter lind durch seine unermüdliche Thatkrast hat er sich die Achtltllg weiter Kreise erworben. — Am 26. d. M. ist hier der bekannte Posseildichter und Librettist Hermaltn Hirschel itii 58. Lebensjahre gestorben. Er war der Sohn des befonnteu Hamburger Hotelbesitzers, wurde ztml Kaufmaltllsstande bestimmt, ließ sich aber durch eilte starke Neigung! zur Bühtte früh schott voll seilten Stttdien weg dem Theater zuführen. Außerdem war er eilt gesuchter ulld fleißiger Mitarbeiter der großett Witzblätter. 1875 kam Hermann Hirschel all das Woltersdorsf-Theater > als Dramaturg itnb Regisseur. Von da all gehörte Hirschel der Bühne j unserer Reichshauptstadt, der er, oft in Gemeillschast mit anderett j Possendichtern, insbesondere L. Hermaltn, eilte stattliche Reihe heiterer! Werke zuführte. Auch als Operetten-Librettist, als Bearbeiter über-! letzter Texte, als Coupletdichter hatte Hirschel vielfach Erfolge. Die * Bühne verliert alt ihn einen ihrer begabtesten Schriftsteller. Wer ihn persönlich kattilte, betrauert den Heimgang eines still-bescheidenett, allzeit gütigen und theilltehmendett Menschen von vorttehnter Ge- , sinnung. 1 Kp. Auö der Provinz Posen, im Novelttber. Kommerzieurath z Aronsohn in Bromberg ist zum Ehrenbürger der Stadt Wisset' j ernannt worden. Herr Arottsohn hat in alter Anhänglichkeit seiner! Geburtsstadt ein Armenhaus für 15 000 Mark erbauen lassen. Das > Haus ist zur Hälfte bereits volt städtischett Armen bezogeit. Die! andere Hälste ist für die in Wissek zu begründeitde Diakonissenstation > und Kleiu-Kinderbelvahrattstalt bestimmt. — Kultusbeamter Friedj ntau u aus Memel ist zum Kantor der Gemeittde iit G o llatt tsch berusen wordett. — Der jüdische Fratteuvereitt in Buk hielt ttenlich seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Bereitl hatte im letzten Jahre eilte Eiltttahme von 122,50 Mark tutd eine Ausgabe von 64,60 Mark. Zu Vorstandsntitgliedern wurden die Damelt Zoelllter, Herzfeld und Manasse sowie die Herren Lehrer Spieldoch tutd Kauf-! ntann Güttmartu gewühlt. Die Versammlung bewilligte einen nam- , hasten Beitrag zur Beschafftmg von Brennmaterialieit an bedürftige | Gemeiudemitglieder. — In Obersttzko ist Mitte d. M. im Alter! vott 56 Jahren der Gerbereibesitzer Julius Stich gestorben. Der- > selbe war eilt sehr eifriges Mitglied des Vorstandes der Synagogen-! genteinde tutd Chewra Kadischa daselbst. — Die Synagogengemeinde in Ostrowo hat zur Hochzeit ihres Rabbiners Dr. Freund, der die! jüngste Tochter des Lattdrabbiuers Dr. Feilcheufeld in Schwerin ge-! heirathet, zwei Vertreter entsandt tutd ihm einen kostbaren Tafel-! anssah als Geschenk verehrt. Atlch die Religiottsschttle hat ihm ebettso lvie die Gemeirtdevertretung beim Empfang in Ostrowo am 18. d. M. Ovationen bereitet. 1. Nokel, 26. Noventber. Jüngst feierte der Vorsteher unserer Gemeittde, Herr Lesser Bärwald, seinen siebzigsten Geburtstag. Obgleich sich der Jubilar in seiner Bescheidenheit durch eine Reise ttach Badeit-Badett allen Ovationen entziehelt wollte, ließ es sich die Gemeinde doch nicht nehntett. ihm nach seiner Rückkehr durch Zeichett der Liebe und Verehrung zu huldigen. In ihrem Namen brachten ihm die Vorstattdsmitglieder, denen sich der Ortsrabbiner anschloß, ihre Glückwünsche dar und widmeten ihm als Ehrengabe die voll Michel Angelo modellirte, ans einer Granitsäule ruhettde, kunstvoll gearbeitete Broitzebüste Moses. Sodann überreichte der Vorstand des Vereins Bikur Cholim eilte kültstlerisch prachtvoll ansgestattete kostbare Adresse, in welcher die Verdienste des Jubilars um den Verein, dessen Geschäfte er seit zwanzig Jahren als Vorsitzender führt, gebührend gewürdigt wurden. Hierauf trat der Vorstand des Wohlthätigkeitsvereins B'ne Bris vor und überreichte gleichfalls dem verehrten Mantie, den der Verein vor fünf Jahren zu seinem Ehrenmitgliede ernannt hatte, eine geschmackvoll ausgestattete Glückwmtschadresse. Der Magistrat und die Stadtverordneten, bereu Vorsteher der Jubilar ist, hattet! ihm scholl vorher telegraphisch nach Baden-Baden gratulirt. Mögen dem verehrten Matlite, der sehr rüstig und arbeitsfroh ist, noch viele Jahre segetlsreichen Wirkens beschieden sein. M. Hamburg, 27. November. Der jüngst verstorbene Kaufmann Martin Levi ns oh n, der sich bereits bei Lebzeitetl durch feinen großen Wohlthätigkeitssinn auszeichnete. hat auch in seinem Testament einer Reihe von Wohlthätigkeitsanstalteu größere Summen ansgesetzt. Es erhielten lallt letztwilliger Verfügullg die folgenden Institute uachsteheilde Summen. 1. Die Poliklinik des Krankenhanses der deutsch-israelitischen Gellleinde 3000 Mark. 2. die Vaterstädtische «Stiftung von 1876 (Freiwohnungen) 3000 Mark. 3. Frauenverein zur Unterstützung der Armenpflege 2000 Mark uttd die Blindetl-Anstalt von 1830 2000 Mark. — Der Senior der Hamburger Lehrerschaft Herr L. Adler feierte in seltener geistiger und körperlicher Frische das fetteue Fest seines 90. Geburtstages. Dem Jubilar, der sich in weiteren Kreisen unserer Gemeinde hoher Werthschätzung erfreut, wurden an seinem Ehrentage viele Ovationen bereitet. — Herr Pius Marburg, langjähriger Mitinhaber des weltbekanllten Bankhauses W. S. Marburg tu Altona, ist gestern iut 85. Lebensjahre sauft entschlafen. Der Verstorbelte war einer der geachtetsten uttd angeseheltstetl Mitbürger unserer Nachbarstadt, er bekleidete auch viele Jahre das Ehrenamt eitles Gemeindeprüses der Jsraelitengemeiude in Altona. In frühereit Jahren war er deputirter Bürger und gehörte später von 1865 bis 1885 dem Stadtverordneten- Kollegium als Mitglied alt; auch fungirte er als Bürgerworthalter. Der Verblichene war lveit über Altona hinaus als Wohlthäter bekamlt. doch stellte er stets seine Person bescheiden in beit Hintergrund und erzeigte im Stillett viele Wohlthaten. u. Köln, 25. November. Der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Köln" hat, lvie wir dem ersten Jahresbericht entnehmen, erfreuliche Erfolge erzielt. Er ist freilich auch auf einem wohl vorbereiteten Boden errichtet worden. Denn das israelitische Asyl für Kranke und Altersschwache, an das sich der Verein anlehnt, hatte bereits seit vielen Jahren infolge Vereinbarung mit dem Frankfurter Vereitt nach dessen bewährten Grundsätzen und unter einer von diesem delegirten Oberin Pflegerinnen mit bestem Erfolge ausgebildet. Trotzdem mußte, wenn auch schweren Herzens, zur Gründung eines felbftäubtgeit Vereins geschritten werden, da sonst eilte genügende Zahl Schlvestern für das Krankenhaus und den Dienst in hiesigen und benachbarten Gemeinden nicht gewonnen werden konnte. — Der neue Verein verfügte bei feiner Gründung über sechs Schwestern, die bereits im Asyl angestellt warett, darunter ztvei, die für München ausgebildet. vorläufig hier in'Thätigkeit blieben. Ueber Erwarten zahlreich waren die Anmeldungen von Pflegeschülerinuen ans allen Gegenden des Reiches, und fiebeu davon konnten angenommen lverdell. Der Bericht bemerkt hierzu: „So gern wir mit ttufereu Bestrebungen auch die soziale Aufgabe verbinden, hochgesinnten jüdischen Mädchen mit einem ehrenvollen Beruf eine würdige gesellschaftliche Stellung, eine gesicherte Existenz zu verschaffen, so erfordert doch andererseits die vor alletl Dingell nöthige Rücksicht ans Schaffung eitles nach jede^. Weise in körperlicher, technischer ttnd ethischer Hinsicht allen Anforderungen gewachsenen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.