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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-30 · Heft 48 (30.11.1900) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
Seite 566 (sequence 4)
Language
German
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566 graphie nicht bei Jandorf angefertigt ist, dessen Bild vielmehr in der Berliner Nationalgallerie hängt. Wenn wir auch nid)t von Hermann dem Cherusker abflammen, so können wir uns damit trösten, daß unser Stammbaum noch ein viel, viel älterer ist, und wenn unsere Ahnen auch nicht zu den Paladinen Karls des Großen gehörten, so dürfen wir darauf hinweisen, daß sie zu dem Heerbann von Herrschern und Kriegsführern hielten, die eben so groß waren wie dieser. Nein, nur vergessen die Naturgeschichte und den Darwin nicht; wir wissen sehr genau, daß, wenn ein Jude getauft ist, er dadurch doch noch kein Mitglied der arischen Rasse wird, mtb nur freuen uns herzlich, wenn eben dieses immer und immer wieder allen Täuflingen und solchen, die es werden wollen, vorgehalten wird. Wir wissen, daß die jüdische Rasse eine ursprüngliche ist, die sich trotz aller klimatischen und sonstigen Einflüsse immer wieder in ihrer Integrität reproduzirt hat, daß der jüdische Typus im Saufe der Jahrtausende sich gleich geblieben ist; aber wir wissen auch, daß dieser ul,vertilgbare und unverkennbare Typus selbst in seinen edelsten Repräsentanten, wo er sich vom antik griechischen kaum unterscheidet und denselben, wie große Ethnologen behaupten, an Seelenausdruck wie au sittlichem Ernst weit übertrifft, für den objektiven Beobachter ein deutliches Siegel bleibt, auf dem das Wappen des ältesten Adels der welthistorischeil Völker ausgeprägt ist. Und diese Erkenntnis; tröstet uns über alle Ausbrüche des Rassenhasses, mögen sie von welcher Seite auch immer Eomnteit. Diejenigen aber, welche noch immer und trotz alledem und alledem von der Taufe eine Ausgleichimg der Gegensätze erhoffen, mögen daraus ersehen, daß alle ihre Bemühungen und Opfer des Gewissens wie der Ueberzeugung doch nichts sind und bleiben als verlorene Liebesmüh. Me Woche. Berlin, 28. November. Ä^err Liebermann t>. Sonnenberg hat im Reichstage fmjßo) mit Unterstützung der deutsch-sozialen Reformpartei den alten Antrag eingebracht, die Einwanderung ausländischer Juden zu verbieten. Auch die Konservativen hatten einst einen solchen Antrag gestellt. Man kann über biefeu Antrag nicht scharfer urtheileu, als dies die „Kölnische Zeitung", also kein Judenblatt, in folgender satyrischer Weise thnt: „Es ist mit der konservativen Fraktion des Reichstages weil gekommen, daß von ihren 50 Mitgliedern nicht weniger als 12 sich der Führung des Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg uutevftcfit haben und in einem föviiitiitieii Anträge die Einwanderung ausländischer Juden verbieten und die eingelvailderten ausländischen Juden ausweisen wollen zu einer Zelt, wo z. B. die Einwanderung chinesischer Boxer nach Deutschland gesetzlich zugelassen ist. Die Namen dieser konservativen Fraktiouslnitglleder verdienen besonders ausgezeichnet zn werden, denn man darf nicht vergessen, daß ein jüdischer Mann der eigentliche Gründer und Förderer der konservativen Partei in Deutschland gewesen ist, der Mann, der einst der Partei den Wahrsprnch anfgedrnckt: „Autorität, nicht Majorität", und man muß sich vor Augen halten, daß der zeitige Führer der konservativen Reichstagssraktion selbst der Sohn und der Erbe einer Jüdin ist. Wie hoch muß sich ihm das Herz im Busen schwellen, wenn er sieht, wie dieselben Fraktionsgenossen, die sich freiwillig seiner Führung unterstellt haben, die Herren v. Bonin-Bahrenbusch, v. Drewitz, Dietrich, Henning, Jacobskötter, Freiherr v. Wangenheim lPyritz). Witt, v. Normann. Dr. Oertel, Prätorius. Rettich, Graf v. Roon, das jüdische Blut, das in seinen Adern fließt, so sehr verabscheuen, daß sie die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland als das ärgste Nebel ansehen, das unserem Vaterlande wiederfahren kann. Richtig ist, daß in netterer Zeit die Konservativen sich imnier mehr für eitle Einschränkung oder.für ein Verbot des weiteren Zuzugs ausländischer Juden erwärmt haben, angeblich weil itufeve Nation in ihrer schwierigen Lage viel dringendere Aufgaben habe als diejenige, mit großen Opfern immer nette Schaarett jüdischer Einwanderer aus Polett und Galizieit allmälig zu gesitteten Menschen zu erziehen. Aber das „Konservative Handbuch" hat ttvch tteuerdings festgestettt, daß schon auf Grund der bestehenden Rechtsvorschristetl eine wachsame Verwaltung zn beachtenswerthen Erfolgen gelangen köttne. Während die jüdische Bevölkerung in Deutschland 1875 noch 1.25, int Jahre 1880 noch 1,24 Prozent der Gesammtbevölkerung untfaßt habe, zeigte sie 1885 bereits einen Rückgang auf 1,20 und 1890 auf 1,15 Prozent; im Jahre 1895 habe sich eine weitere Abnahme in Preußen alleilt von 1,24 aus 1.19 Prozeltt in 5 Jahren ergeben, und voraussichtlich werde diese Bewegung allhalten. da durch die ziemlich starke Atlswanderung deutscher Judell über die Wahlgrenze und durch Uebertritte zum Christenthum ein großer Theil des jüdischen Geburtenüberschusses attsgeglichert werde. Das Konservative Handbuch kommt zu dent Schlüsse, das; mit den bereits aufgeltomtltenen Israeliten, deren Alttheil an der Gesammtbevölkeruttg hiernach voraussichtlich immer weiter zurückgehen werde, malt dann nach Möglichkeit sich einrichten müsse, und zwar weniger, indeut man ihren Ansprüchen aus Erweiterung ihres Einflusses entgegenkommert, als indem man diesen Einfluß auf das mit beu eigenen Interessen verträgliche Maß ztrrückzuführett suche. Wie mait aber aus dem jetzigen Anträge ersieht, können die obeugenanttten 12 konservativen Abgeordneten sich mit dieser Marschlinie nicht länger einverstanden erklären. Der jiidische Einfluß ihres großen Fraktionsführers lastet zu sehr auf ihnen, also erhoben sie das so lange zurückgedrängte Hep-Hep-Geschrei, und lvenn das ihrem Führer and) etwas gellend in die Ohren klingen sollte, er wird ja schließlich Baumwolle auftreiben kötuten, mld dann tvird alles wieder ein gutes Eltde nehmen. Wir wollen Hoffell, daß eine Berathnng über diesen Antrag der vereirligten Ailtisemiten und Konservativen im Interesse des Ansehells lmd der Würde der delltschell Volksvertretung dem Reichstag erspart werden wird." Schon in der ersten Sitzung des Reichstages wurde Graf Pückter als Typus deutscher Boxer unwidersprochen hingestellt. Wie berechtigt diese Bezeichllung ist, mag der Bericht über das jüngste Auftreten des „Dreschgrafen" zeigen, der kürzlich in Dresden „zu dem Plebs Hinabstieg" imb vor ihm eine Gastvorstellung gab. Diesem Berichte seien folgende duftige Blüthen entnommen: „Er überraschte zunächst die Versammlttng durch die Mittheilung, daß sich die krullllilnasigen und krummbeinigell Judeltlümmel in Dresden so verlllehrteil, daß die Stadt in kurzer Zeit ein schändlicher Jlldentempel sein würde. Um ein Anwachsen der Judengefahr zu verhillderll. müßteil alle Deutschen treu zu ihrem Fürsten stehen, so würde,l sie eilte Macht bildell, durch die mall in die Lage konnnen würde, das Jndenthum zu veruichteir und zu zerschmettern, daß alle auf der Strecke liegen. Warum verdiene der Geschäftsmann nichts? Warum klage de Bauer? Weil wir dem elenden Judenpack freien Laus lassetr uiib nicht dazwischen Hanen, daß die Fetzen fliegen. Wir müssen die Kerle packelt lllit eiserller Faust, daß sie bleiches Entsetzen packt. Nehmetr Sie einen Knüppel, eilten Dreschflegel oder eine Mistgabel und datnr frisch draus los. juchheisassa! Wir müssen den Judeil zur Ader lassen. Heraus mit dem spitzelt Messer, stechen wir hinein, daß das Blut spritzt! Wir müssen schneiden, schlteiden, schneiden bis das Jndenthum herausgeschnitten und beseitigt ist. Es ist ein Kampf auf Tod und Leben." So ging es weiter. In der That, ein seiner und edler Ton. Man kann das Land Sachsen beglückwünschen zu seiner Freiheit, die es einem Grafen gestattet, in einer so nngenirten

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