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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-30 · Heft 48 (30.11.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 48 (30.11.1900)
Date
1900-11-30
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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64. Jahrgang. Ar. 48. Allgemeine Berlin, 30. November 1900. eitung des Dudenlhums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Redacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner 29r- Ludwig Philippson-Konu. Verlags-Expedition: Verlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. 3ttl)(tlt« Leitartikel r Verlorene Liebesmüh. — Die Woche. — Aus der Berliner Gemeinde. — Auch ein Vorschlag. Von Rabbiner Dr. Hochfeld in Frankfurt a. O. — Jüdische Oberlehrer an den höheren Lehranstalten Preußens. — Brief aus Oesterreich. — Feuiüeton: Krouele. II. Eine Erzählung von Alexander Weill. — Litteraturbericht. Von Dr. Kayserling. — Psalm 19. — Sprechsaal. Der Gemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Aus der Provinz Posen, Rakel, Hamburg, Köln, Nürnberg, Aus Württemberg, Wien, Budapest. — Don Nah und Kern. — Geschäftliche Notizen. Verlorene Liebesmüh. Berlin, 27. November. eit einiger Zeit segelt das Organ der freikonservativen Partei, die „Post", sehr stark im antisemitischeil Fahrwasser. Anfangs machte die Sache ziemliches Aufsehen, aber schließlich nahm man auch dieses Evenement hin, wie wir seit Jahren gewöhnt sind, manches Unerwartete einfach hinzunehmen, da wir es nicht ändern können. Fast will es uns aber scheinen, als ob man in liberalen Kreiser: der Sache viel zu viel Wichtigkeit beilege. Es steht noch gar nicht fest, ob dies Aeußerungen der freikonservativen Partei sind, oder minder haltbare Tagesleistungen der Redaktion. Genaue Kenner der politischen Verhältnisse stellen das erstere entschieden in Abrede. Sie weiseil mit Recht darauf hin, daß eine Partei, deren Begründer der Staatsminister a. D. Dr. Friedenthal war, und in der auch sollst getaufte Juden eine angesehene Rolle spielten und noch spielen, derartige Aeußerungen des Rassenhasses nicht vertreten könne. Auch die Thatsache, daß dieses Blatt von einem getauften Juden Dr. Strausberg begründet worden, ferner daß der freikonservative Abgeordnete Dr. Arendt zu den Protektoren des Blattes gehört, ist dabei vielfach erörtert worden. Aber das alles hindert die „Post" nicht, ihren Standpunkt des entschiedensten Rassenantisemitismus nach wie vor zu vertreten. Das ist nun ihre Sache, und sie mag sehen, wie sie sich dabei mit ihren Protektoren und den Führern ihrer Partei abfindet. Uns interessirt nicht einmal dieser Standpunkt des Blattes, weil er einfach derselbe ist. der schon seit Jahrzehnten von den schlimmsten Judenseinden gelehrt und gepredigt wird. Was uns dabei interessirt, ist die Erwäguilg, daß dieser Standpunkt des Rassenhasses, der bisher eigentlich nur von den religionslosen oder atheistischen Vertretern des Antisemitismus eingenommen wurde, nunmehr auch in die Kreise übergreift, denen sonst die Förderung der Judenmission gar sehr am Herzen gelegen und die die Jndentaufen seit einem Jahrhundert stark protegirt haben. Es zeugt dieses ganze Vorgehen von einer sehr geringen Geschichtskenntniß und noch weniger von irgend einer reiflichen Ueberlegimg, denn sonst könnte ein Blatt, welches die konservativen Interessen wirklich zu vertreten beabsichtigt, unmöglich diesen Standpunkt einnehmen. „Die Rasseneigenthümlichkeiten vererben sich eben, und daran ändert der Taufakt gar nichts," so sagt die „Post", und sie streicht damit Männer, wie den Begründer der konservativen Partei Friedrich Julius Stahl, den berühmten Kirchenhistoriker Neander, den Bischof Alexander, den Prediger Paulus Cassel, den protestantischen Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy und Politiker, wie Eduard Simson, H. Friedeberg, K. R. Friedenthal und sehr viele Andere, einfach aus der Liste der deutschen Männer. Man sieht, wie eine derartige Inkonsequenz sich selber straft. Wir wollen gar nicht darauf eingehen, rvie weit das jüdische Element in die konservative und freikonservative Partei eingedrungen ist, obwohl ein solcher Beweis sicher von hohem Interesse wäre; wir wollen auch nicht darauf ausgehen, die Vertreter jener Ansichten zu belehren, da wir nicht glauben, daß sie überhaupt einer Belehrung zugänglich sind. Was wir ivollen, das ist einfach dieses Allen Jenen, welche ans der Brücke des Ueberganges stehen und sich mit Taufgedanken tragen, oder auch Denen, welche wie Herr Benediktns Levita, selbst diesen Schritt nicht thun wollen, ihn aber für ihre Kinder in Aussicht nehinen, an einem eklatanten Beispiel zu zeigen, wie wenig dieser Schritt den gewünschten Erfolg haben kann, da diese Rassentheorie sich immer weiter ausbreitet. Das ist nach unserer Meiruing das einzige Verdienst jenes Artikels, und da stimmen wir der „Post" unbedingt zu, wenn sie ausruft: „Es kann dem Salomon Veitelstein von einer nachsichtigen Behörde erlaubt werden, sich seines unschönen Namens zu entledigen und sich von nun an Anton Schneider zu nenne»; aber er wird doch nicht so hirnverbrannt sein, sich einzubilden, daß er am Tage nach der Taufe und Sinnesänderung der Photographie nicht mehr ähnlich sehe, die er im Vorjahre noch als Salomon Veitelstein von seiner liebenswürdigen Person bei Jandorf hat anfertigen lassen. Die Juden bleiben Juden für uns und wenn sie Missionen gründen und Kirchenlieder dichten." Wir gestehen es offeir, daß wir es von Herzen wünschen würden, wenn dieser Standpunkt nicht nur oon den Herren der „Post", sondern von der gesammten konservativen und freikonservativen Partei durch einen feierlichen Aktus bekräftigt würde. Wir würden dann den Spott über „das Lispeln und die Plattfüße" gern in den Kauf nehmen, da wir in diesem Falle ja in die angenehme Lage kämen, Salomon Veitelstein gegen Eduard Simson eintauschen zu können, dessen Photo

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