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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-23 · Heft 47 (23.11.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 47 (23.11.1900)
Date
1900-11-23
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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Nußlarld. L. T. Odefs<r^13?. November. In den hiesigen Zeitungen finden wir folgende Entscheidung der heiligen Synode hinsichtlich der Ehe eines neugetausten Juden, die vom Rabbiner vor der Taufe gelöst twurde.'.^ Dieselbe" kann durch die rechtgläubige (orthodoxe) Kirche nur dann wieder in Kraft gesetzt werden, nachdem die Gattin, die im Judenthum verblieb, ebenfalls zur griechisch-katholischen Kirche übergeht. — Das berühmte Kensingtoner Museum in London, welches eine Bilderausstellnng (und die Abbilduugen davon), die seit dem Jahre 1860 gemalt wurden, veranstaltet, wendete sich an den Moskauer Künstler L. O. Pasternak mit der Einladung, derselben seine Bilder, die sich auf der Pariser Weltausstellung befände«, namentlich „Der Student" und die Illustrationen zur „Auferstehung" des Grafen Leo Tolstoi zu schicken. — Dem hiesigen Stadthauptmann Grafen Schuwalow sind die Listen derMitglieder der hiesigen Synagogen » zugestellt worden. Nach Bestätigung derselben werden Ende Dezember , die Wahlen des Stadtrabbiners und seines Gehilfen vorgenommen'' werden. Von den 18 000 Mitgliedern werden 60 oder 70 Deputirte zur Wahl des Rabbiners gewählt werden. — Am 31. Oktober waren es fünfzig Jahre, daß einer der ältesten hiesigen Aerzte, Staatsrarh und Ritter Dr. A. W. Bertenson, seine ärztliche Praxis ansübt.. Nach Beendigung der Charkower Universität kam Dr. Bertenson nach Odessa, wo er mehr als 25 Jahre (1856—1863) als Ordinarius am . städtischen Hospitale wirkte und ein volles Vierteljahrhundert an der Spitze der städtischen Kuranstalt auf dem Liman stand. Außerdem bekleidet der greise Jubilar noch jetzt die Posten eines Arztes beim Mädchengymnasium „Marie" (seit 1868) wie beim Stadltheater (seit 1862). Dr. Bertenson widmet außerdem seine Zeit den hiesigen jüdischen wohlthätigen und Lehranstalten. Er ist Mitglied des Kuratoriums der Handwerkerschule „Trud", Vorstandsmitglied des hiesigen Komitees der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland", Kurator einer jüdischen Mädchenschule und anderer Anstalten. Zum Gedächtnisse seiner Eltern errichtete^ er aus seine Kosten eine Synagoge in der landwirthschaftlichen Farm des jüdischen Waisenhauses auf dem Chadjibejer Liman. — Vor einigen Tagen fand eine Sitzung des Kuratoriums des jüdischen Greiseuasyles statt, der die Wohlthäterin Frau B. A. Feld mann beiwohnte, auf deren Kosten ein neues Gebäude für diese überaus nützliche Allstalt errichtet wurde. Das Kuratoriuin beschloß, die Einweihullg dieses Gebäudes ben 5./18. November vorznnehmen. Mit Eröffnullg dieses neuen Hauses wird die Thätigkeit des jüdischen Greisenasyls bedeutend erweitert werden. Das neue Gebäude kostet 35 000 Rubel. Das Haus ist ein zweistöckiges, mit unteren Räumen , verbunden und wurde nach den Plänen und unter Aufsicht des Architekten A. R. Reichenberg erbaut. Im ersten Stocke wird das Büreau , des Asyls sich befinden, dann acht Zimmer für die Greise, die Wohnung für den Oekonom. ein breiter Korridor für die Hospitanten, ein Waschzimmer, Küche, Badezimmer, Todtenkammer u. m. A. In der zweiten Etage beftndeil sich zehn Zimmer für die Hospitanten, ebenfalls mit einem breiten Korridor, Waschzimmer, die Wohnung für den Aufseher, Waschanstalt und m. A. Das neue Haus ist für sechzig ' Hospitanten bestimnlt. — Zu dem am 14.Januar 1901 stattfindendeu zwei-. hundertjährigenJubiläum des P e t e r s b n rg er Ma r i n e k o r p s wurde beschlossen, im Saale dieser Anstalt die Statue des Gründers derselben,Peter des Großen zu errichten. Es sind dafür 20000 Rubel angewiesen. Die ' Ausführung dieser Statue ist dem berühmten Bildhauer Professor? M. M. Autokolsky in Paris übertragen worden. — Der regierende : Senat entschied, daß die Erzeugung von Säcken ein Handwerk ist. und die Juden, die sich damit beschäftigen, das Recht haben, außerhalb des Ansiedlullgsrayons zu wohnen und sich zur Schneiderzunft zuzuschreiben. — Aus der Durchreise nach dem Kaukasus wird nächste Woche in Petersburg der Chef des Pariser Hauses Rothschild; Baron Alphonse von Rothschild, erwartet. — Der hiesige Bürgermeister , P. A. Seleny schickte dem neuerrichteten Museum bei dem Volksauditorium zwei Packete. In einem derselben befindet sich ein Samen; Lecanora Escalenta, womit, nach der Meinung der Gelehrten, , unter dem Namen des biblischen Mannas die Juden sich während ihrer Wanderung in der arabischen Wüste nach dem Auszuge aus Egypten ernährten. Das zweite Packet enthält reinen Goldsand. Den erwähnten Samen erhielt der Bürgermeister als Gescheilk von einem Reisenden, der die arabische Wüste besucht hat. — Nach dem Testamente ■ des im Jahre 1893 verstorbenen hiesigen Kaufmanns Lasar Juber vermachte derselbe der jüdischen Gemeinde 20000 Rubel. Indem der Sohn des Verewigtell, Herr Isaak Juber, diesen Betrag der Gemeinde übergab, fügte er dieser Gabe noch 10 000 Rubel aus seinen eigenen Mittelll mit dem Wunsche hinzu, dieses Geld zum Bau einer jüdischen Volksschule mit einer Handwerkerabtheilung zu verwenden. Im Falle, daß diese Summe für diesen Zweck nicht hinreichend sein sollte, bat Herr Juber. das Gebäude in der hiesigen Häuserbank zu hypothekiren, wobei er das Versprechen machte, die Zinsen sowohl wie die Amortisation aus seiner Tasche zu zahlen. Im Jahre 1898 wurde bei der Stadt ein Terrain von 447V2 Quadratfaden für den Preis von 10000 Rubel gekauft. Es hat sich ein Baukomitee koustituirt, und wird der Ban nächsten Frühling in Angriff genommen werden. Von Nah und Fern. — Der Cellist Heinrich Grünfeld und sein Bruder, der Pianist Alfred Grün selb, haben vom Sultan ben Medjedjeordeu III. Klasse und kostbare Geschenke erhalten. — In Bütow wurde in einer Volksversammlung die Gründung eines „Schutzvereines zur Abwehr jüdischer Uebergriffe" beschlossen. 110 Mitglieder zählt dieser schöne Verein bereits. — In Breslau ist am 6. d. M. der bekannte Arzt Dr. N. F i n k e h ft e i n im 87. Lebensjahre gestorben. Er und sein im Tode ihm voraufgegangener Bruder Dr. Raphael Finkenstein waren in Breslau stadtbekannte und sehr angesehene Persönlichkeiten. Finkeusteiu war auch dichterisch thätig. — Zur Errichtung einer jüdischen Lesehalle hat sich in Hamburg ein Komitee aus den Herren Direktor Dr. Goldschmidt, Gustav Tuch, Dr.Heinemann, Hermann Gumpertz, Dr. Fink, Dr. L. Franck und E. Levinsohu gebildet. — Ministerpräsident Koloman Szell hat in den letzten Tagen den Csongrader Oberstuhlrichter verständigt, daß er den dortigen Unabhängigkeits- und Achtundvierziger Volksklub aufgelöst hat, weil derselbe in letzter Zeit eine den Statuten zuwiderlaufende Thätigkeit entfaltet und die Mitglieder zu Klassen- und Koufessionshaß aufgehetzt hat. — Landgerichtsrath Freudenthal in Metz ist zum Oberlaudesgerichtsrath in Colmar ernannt worden. In Metz hat derselbe au allen Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde wärmsten Antheil genommen. Bei der Wahl zum Landesausschusse von Elsaß-Lothringen wurde seitens des Gemeinderathes Colmar- Bankier L. Mannheimer mit 16 Stimmen gewählt. Mannheimer ist Mitglied des israelitischen Konsistoriums. Seit langen Jahren ist im Landesausschuß kein Jude mehr gewesen. Der Präsident des Konsistoriums Ludwig Lang aus Mülhansen lehnte seines hohen Alters wegen die Kandidatur ab. In nächster Session kommt wahrscheinlich die Gehaltsaufbesserung der Geistlichen und Religionsdiener auf die Tagesordnung. — Der bekannte Millionär Lebaudy unterhält auf seinen Gütern bei Fontaineblau eine Hirschmellte. Zu den Hetzjagden sind ein für alle Male die Offiziere der Reitschule von Foutaillebleau insgesammt eingeladen. Bei der vorletzten Jagd erschien auch der bekannte Rittmeister Coblentz. Die ganze Jagdgesellschaft entfernte sich sofort von ihm und ließ ihll in absichtlicher Vereinsamung. Dennoch fand er sich wieder beim Aufbruch ein. Sofort ließ der Jagdherr zum Abbruch der Jagd blasen, und während die. Meute eingesammelt und heimgeführt lvurde, ritt Lebaudys Schwager Luzarches d'Azay aus Coblentz zu und bedeutete ihm kurz, die Jagd unterbleibe wegen seiner Anwesenheit. Infolge dieses Zwischenfalles sandte Hauptmann Coblentz dem Schwager Lebaudys, Roger Luzarches d'Azay, seine Zeugen. Ferner hat der Kriegsminister den Offizieren den Besuch dieser Jagd ein für allemal untersagt. — Das schwedische Handels- und Seeamt hat für die neuerrichtete Stelle eines Notarius publicus den Hofgerichtsnotar Otto L. Fürstenberg ausersehen. — In NewYork ist der angesehene Kaufmann H. Rosenblatt im 74. Leberlsjahre gestorben. Er war einer der Gründer des „Mount Sinai Hospital". Verwaltungsrath im „Baroneß de Hirsch Fund" und betheiligt im „Molltefiore-Heim", dem „Hebrew Orphan Asylum" und der „United Hebrew Charities" und Vizepräsident des „86 Str. Tenlpel." Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.-

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