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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-16 · Heft 46 (16.11.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 46 (16.11.1900)
Date
1900-11-16
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 orden IV. Klasse verlieheri worden. Fraenkel ist Magistratsmitglied und halte zum Denkmalssonds eine größere Summe gespendet. — Kaufmann Davidsohn in A rge n a u ist zuln Magistratslnitgliede daselbst gewählt worden. — Der Bankier S. Löwen st ein in Krusch w itz hat der dortigen Stadtgemeinde eine Summe von 2000 Mk. mit der Bestimmung gespendet, daß alljährlich die Zinsen aus diesem Betrage zu Prämien der dortigen Elementar-Schnlkindei verwendet und am Todestage Kaiser Wilhelm 1. Zur Vertheilung kommen sollen. — Der Kaufmann Isidor Marens in Mixstadt ist zum Schnlvorsteher der Simultanschule daselbst gewählt worden. — Die Vertretung der Synagogengemeinde in Ostrom o hat Zur Fußbekleidung armer Schulkinder daselbst 70 Mk. bewilligt. — Der israelitische Inngsrauenverein in Wresch e n verfügt über einen Kassenbestand voll 281 Mark. In der jüngst stattgehabten Generalversammlung des Vereins wurden die Damen Diamant, Paula Gans. Gnnda Zorek, Fanny Biberseld und Hedwig Gabriel nengewählt. Der Verein zählt jetzt nahezu 50 Mitglieder. x Lissa in P., 5. November. Rabbiner Dr. I m an u el Deuts ch, der seit dem Frübjahre des Jahres 1898 das Amt eines Stiftsgelehrten bei der Abraham, Joel und Bertha Sachsschen Stiftung in Lissa bekleidete und zugleich als Rabbinatsassessor bei der hiesigen Gemeinde snnktionirte, verläßt zum 1. Januar 1901 unsere Stadt, um einem Rufe nach Breslau zu folgen. Herr Rabbiner Dr. Deutsch wird dort als Lehrer an der Religionsschule. stellvertretender Leiter derselben unb Vertreter des Rabbiners thätig sein. Sowohl das Kuratorium der genannten (Stiftung wie auch die Gemeinde Lissa sehen Herrn Dr. Deutsch, der sich durch sein freundliches Wesen, sein reiches Wissen und seine gewissenhafte Pflichterfüllung viele Freunde erworben hat, nur ungern scheiden. Die besten Segenswünsche begleiten ihn für das größere Arbeitsfeld, das er in Breslau fiiibeu wird. --- Am gestrigen Abend hielt Herr Rabbiner Dr. Deutsch im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und L i t t e r a t u r einen Vortrag über „Lippmann Heller, ein Meister und Muster feinet Berufes, ein Märtyrer seiner Gesinnung". Der lichtvolle, formvollendete Vortrag fand vielen Beifall, und der stellvertretende Vorsitzende des Vereins. Herr Rechtsanwalt und Notar Nürnberg, verfehlte nicht. Herrn Dr. Deutsch nicht nur den Dank für den herrlichen Vortrag, sondern auch für das Interesse ansznsprechen, welches er dem Vereitle jederzeit bekundet hatte. Der Verband der Litteraturvereine für den Regierungsbezirk Posell, dessen Thätigkeit bisher eilte recht erfolgreiche war, alich hat für die bevorstehende Willtersaisoll beschlossen, hervorragellde Redner zu Vorträgen in den einzelnen Vereilten dieses Verbandes zu berufen. X Breslau, 12. Novbr. In der am 17. v. M. abgehalteneil Sitzung des Jüdischen Rede - und Di skntirklubs Grätz hielt Herr Dr. jur. Jsmar Freulld ein Referat über das Thema: „Ein deutscher Jndent?.g" (Vorschlag zur Organisation der Jliden). in dein er ini Anschluß an den Prof. Philippsonscheit Vorschlag beffen Motive und Ziele c.useinandersetzte. Trotzdem in der Diskussioll einige Stimmen gegen eilten derartigen Judelltag laut wurden, schien jedoch die Majorität demselben sympathisch gegenüber zu stehen. Eilte offizielle Stellungnahme zu dieser Frage behielt sich der Vorstalld des Vereins für eilte spätere Sitznilg vor. --- Dresden, 9. November. Heute lvurde hier eilt bekannter Arzt Dr. Max Hirsch, zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene, welcher ltur ein Alter von 35 Jahren erreicht hat, lvar Spezialarzt für Nervenleiden und hatte sich ivissenschaftlich dadurch in weiteren Kreisen bekannt gemacht, daß er nach dem Vorgänge von Charcot, Berllheini ltnb Anderen als einer der ersten deutschen Aerzte die Hypnose und Snggestioll 31t praktischen Heilzwecken verwandte. Seine diesbezüglicheit Erfahrungen legte er tn einem vortrefflichen Lehrbuche llieder, welches viel znr Popnlarisirnltg dieser Behandlungsmethoden in der ärztlicheil Welt beitrug. Eine feltfame Fügung ist es, daß Dr. Hirsch selbst vor einigen Jahren an einem Nervenleiden erkrankte, beni er nunmehr erlegen ist. Der so früh seinem Berilfe Entrisselle war. abgesehen von feiner fachlichen Begabung, auch ein ausgezeichneter Musiker; seine musikalische Schulung lvar eine so gründliche, daß er sowohl als ausübender Küllstler, ulld zwar als feinsinniger Sänger, lvie auch nmsikschriftstellerisch m der Oeffentlichkeit wirken konnte. Das vorzeitige Dahillscheiden des reichbegabten Malines erregt allseitige Theilnahme. N.Hamburg, 2. November. Dle Bestattnng des ill Florellz verstorbenen Dr. jur. Hermanrl May. welche auf dem Israelitischen Friedhofe ül Ohlsdorf stattfand, gestaltete sich zu einer großartigen Trauerkundgebung, welche ein beredtes Zengniß von der Werthschätznng ablegte, welche der Verblichene in weiteren Kreisen unserer Bevölkerung besaß. Ill der Friedhofskapelle, welche mit entsprechendem Trauerschmuck versehen war, hatte sich schon lange vor Beginn der Trauerfeier eine große Zahl von Leidtragenden eingefunden. Vom Sellat warell erschienen der präsidirende Bürgerln ei st er Herr Dr. Hach mann sowie die Herren Senatoren Dr. Burchardt, Dr. Predöhl und Dr. Schröder, währelld das Präsidium der Bürgerschaft durch Herrn Signillnd Hinrichsen und Dr. Danzel, und die Hanseatische Ailwaltskammer durch ihren Präsidenten Herrn Dr. Antoine Feill vertreten war, außerdem viele Richter und Nechtsanlvälte, Vertreter der Kaufmannschaft und anderer Berufe. Der Vorstand ulld die Institutionen der Deutsch-Israelitischen Gelneinde lvaren durch Delegirte vertretell; auch die Herren Prediger Dr. Leimdörfer lind Dr. C. Seligmalln lvaren erschienell. In der Mitte der Kapelle stand der Sarg, llmgeben von zahllosen Kränzen, die Liebe und Freundschaft gewidmet hatten, aufgebahrt. Nachdenl die Gattill und Verwandte des Entschlafenen am Fußeilde des Sarges Platz genoinlllen, wurde die Feier eingeleitet durch den Vortrag des Gebetes: „Der Herr, fehlerlos ist sein Thun und groß sein Walten." Hieraus fang der Tempelchor unter Leitung des Herrn Oberkantor M. Hellle den Choral: „Seele, was betrübst du dich?" Als erster Redner ergreift sodann im Namen der Verwandten und Freunde Herr Dr. Mittelstraß das Wort, um seinem lailgjährigen Freullde und Mitarbeiter deil letzten Scheidegruß 311 widmen. Redner betonte, daß der Verblichene ein echter Streiter für Wahrheit, Freiheit und Recht war. Ein echt deutsch fühlender Mann, der sein gailzes Streben der Vaterstadt gewiduiet hat. Im Namen der Anwaltskammer nahni Herr Dr. Antoilie Feill das Wort zu einer lvarnr empfundenen Gedächtuißrede. Mehr als 20 Jahre hat der Verblichene zum Wohle des Anwaltsstandes im Vorstande der Hanseatischen Anwaltskalnmer gewirkt. Das Andenken des Verewigten wird in der Hanseatischen Anwaltskanuner zu allen Zeiten stets in hohen Ehren gehalten werden. Im Namen der Großloge nahm Herr Pastor Klapp das Wort. Auch uns Mitglieder des Bundes hat der Heimgallg unseres Bruders in tiefe Trauer versetzt; er war ein ganzer Mann, ein ausgeprägter Charakter, er war einer der besten unserer Brüder, seine reiche Erfahrung hat er zu allen Zeiteil in den Dieilst der hunianen Bestrebungen der Loge gestellt. — Im Namen der Bürgerschaft nahm hieraus Herr Nironheinl das Wort, um die Verdienste des Verblichenen währelld seiner mehr als 35 jährigen Thätigkeit in unserer gesetzgebenden Körperschaft 311 würdigen. Hierauf sang der Tempelchor „Stille Deinen bitteren Kummer." Unter ben Klängen des 91. Psalms wurde der Sarg hierauf zur Gruft getrageil. Herr Prediger Dr. C. Seligmalln sprach anl Grabe ein Gebet für das Seelenheil des Verblichenen. Tief bewegt trennten sich die Trauergäste von der Stätte, an der einer der treuesten Söhlle unserer Vaterstadt ausrnht von einem reichen, arbeitsvollen Leben. r. München, 4. November. Heute wurde auf dem hiesigen israelitischen Friedhofe Justizrath Dr. Jnlills Rau, kgl. Advokat und Rechtsanwalt, zu Grabe getragen. Die Zahl der Leidtragenden lvar so groß, daß die Leichenhalle sie kaum fassen konnte. Unter denselben befanden sich die Angehörigen des Verlebteil, darunter sein Sohn, Herr Rechtsanwalt Reinhold Rau, sowie hohe Jnstizbeamte, die Vorstandschaft der Ailwaltskammer in corpore, zahlreiche Rechtsanwälte und die Verwaltung der israelitischeli Kultnsgemeinde. Herr Rabbiner Dr. Werner schilderte das Leben des Verblichenen in einer Grabrede, die ein oratvrisches Meisterwerk genannt werden muß. Er hob hervor, daß derselbe, als Sohn eines frommen Religionslehrers geboren, dem Berufe eines Religionslehrers sich zugewandt habe, bis er seine Begabung erkannt und die juristische Laufbahn ergriffen habe, in welcher er feinen Namen der Wissenschaft einverleibte durch sein Werk über „Das eheliche Güterrecht", und in lvelcher er vermöge seiner vornehmen und bescheidenell Gesinnung sich die Achtung Aller erworben habe. Seit Bestehen der Anlvaltskamnier bis zu seinem Tode, mehr denn zwei Jahrzehnte, gehörte er der Anwaltskammer, mehr deiln drei Jahrzehnte der Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde all, deren Vorstand er zeitweilig lvar. Er kannte das Jlldenthum und war darum ein Jude nicht nnr von Geburt, fonberti

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