Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1900)
- Date
- 1900-11-09
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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8 bev von den städtischen Anstalten gleicher Art ansgeht. Zum Schluß forderte Dr. Guttmann die ebenfalls zur Feier eifetjieiieueu ersten zehn Zöglinge der Anstalt, hiesige Bürgerstöchter, ans, durch Fleiß und Aufmerksamkeit der Anstalt Ehre zu machen. Die darauf erfolgende Besichtigung der anheimelnden Schulräume erregte allgemeine Befriedigung. Die Lokalitäten. Helle, schöne Räume, befinden sich im zweiten Stock des rechten Seitengebäudes des Hauses Gartenstraße 3/5 und bestehen ans einer geräumigen, hellblau getünchten Küche mit großem Herdofen und blitzblankem Emailleküchengeräth, einer Plättstube, einem Näh- und einem Speisezimmer. Sämmtliche Zimmer sind einfach, aber freundlich eingerichtet; die Wände schmücken fromme Wandsprüche. In fünfstündigem täglichen Unterricht wird den Mädchen, welche das schulpflichtige Alter überschritten haben müssen, von drei Lehrerinnen Kochen, Nähen, Sticken, Plätten, Flicken, Aufräumen, überhaupt alles für das praktische Leben im Haushalte Nützliche gelehrt, damit sie die erworbenen Kenntnisse später entweder im eigenen Heim oder in fremden! Dienste verwerthen können. — Hier ist Frau Stadtrath Charlotte Pringstein, geborene Sachs. Vorstands- und Ehrendame des Prinzeß Luisenheims, am 6. d. M. gestorben, eine infolge ihres biederen Charakters und ihres überaus regen Interesse, welches sie jeder Zeit wohlthätigeu Bestrebungen eutgegenbrachte, allgenrein geachtete und beliebte Persönlichkeit, deren Heimgang wahrhaft allgemeine Theilnahme erregte. — Die landesherrliche Genehmigung ist ertheilt zur Annahme des Legates, welches der in Groß-Lichterfelde verstorbene Kommerzienrath Gustav Friedmann der Synagogengemeinde Hierselbst mit 30000 Mark letztwillig vermacht hat. — Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch in Lissa i. P. ist zum Stellvertreter des Dirigenten der Religionsschule I und des Rabbiners der alten Synagoge gewählt worden. W. Liegnitz, 31. Oktober. Zum ersten Male fand gestern Nachmittag 2 Uhr Hierselbst für die jüdischen Rekruten des hiesigen Königs- Grenadierregiments in derSynagoge eine Vorbereitungsfeier zu der heute Vormittag erfolgten Vereidigung der Rekruten des Regiments statt. Die vier jüdischen Rekruten waren durch einen Unteroffizier nach der Synagoge geführt worden, und wurde bald die Feier, welcher viele Gemeindemitglieder beiwohnten, mit dem Präludium eingeleitet. Hierauf sprach Herr Oberkantor Sommerfeld das übliche Nachmittagsgebet in hebräischer Sprache und saug dann ein deutsches Lied, worauf Herr Rabbiner Dr. Peritz die Predigt hielt, in welcher er die vier Rekruten auf die Bedeutung des Fahneneides hinwies und dieselben aufforderte, Treue und Gehorsam dem Kaiser in allen Lagen des Lebens zu bewahren und auch allen anderen Vorgesetzten stets Gehorsam entgegen zu bringen. Nach einem Schlußgebet für den Kaiser und das kaiserliche Haus fand die erhebende Feier ihr Ende und marschirten die Rekruten nach der Kaserne zurück. Hamburg, 1. November. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, welche, ursprünglich auf den 22. v. M. anberaumt, aus äußeren Rücksichten jedoch aufgeschoben worden war, hat am 29. v. M. unter regem Zuspruch der Mitglieder im Patriotischen Gebäude stattgefunden. Aus dem Jahresbericht verdient hervorgehoben zu werden, daß Wachsthum und Finanzen der Gesellschaft während des abgelaufenen Vereinsjahres als besonders günstig zu bezeichnen find. Die „Mittheilungen" erfreuen sich, wie Kritiken der maßgebenden Zeitschriften bekunden, immer größerer Beliebtheit und Anerkennung. Aus freien Stücken traten in Schriftenaustausch die hochangesehene Deutsche Morgenländische Gesellschaft in Halle, die Schlesische Gesellschaft für Volkskunde in Breslau, das königlich böhmische Landesmusenm und Dr. Zibrts Ceski Lud iit Prag. Die Sammlungen der Gesellschaft sind im Patriotischen Gebäude, Zimmer 48, Montags und Donnerstags von Nachmittag 2—4 Uhr sowie nach vorheriger Anmeldung bei Herrn E. Horstmann. Patriotisches Gebäude. Sonntags Nachmittags von 3—4 Uhr zu besichtigen. Gleichzeitig liegen daselbst die neuesten Nummern der verbreitetsten jüdischen Zeitungen auf. Eine Auswahl von Gegenständen ist im Museum Hambnrgischer Alterthümer ausgestellt, welches, außer am Dienstag, täglich geöffnet ist. Den neugewählten Vorstand bilden die Herren Dr. M. Grnnwald, G. Tuch, E. Levinson, I. Tarlau, W. Keller, D. Benezra, I. Heinemann, M. Friedländer. L. Friedenheim, S. Mündheim. Die Vorführung einer größeren Anzahl von Originalausnahmen der bedeutendsten Altecthünier des Heiligen Landes und Synagogenbanten ans den verschiedensten Zeiten und Ländern, sowie ein Referat des Vorsitzenden über die Ikonographie vvn Kirche und Synagoge in der bildenden Kunst des Mittelalters fand bei der Versammlung lebhastes Interesse. Zuschriften und Sendungen nehmen entgegen die Herren Rabbiner Dr. M. Grnnwald. Bornstraße 2, und W. Keller, Brandstwiste 21. Der Jahresbeitrag ist auf 3 Mark, für Auswärtige auf 3.30 Mark festgesetzt. t. München, 4. November. Heilte Nachnlittag wurde unter großer Theilnahmme der Justizrath Dr. Julius Ran zu Grabe getragen. Dr. Ran, ursprünglich Lehrer und als solcher bereits thätig gewesen, hat in reiferen Jahren erst zu studiren angefangen; er hat sich alsdann als Verfasser eines 1864 erschienenen Handbuches des. Güter- und Erbrechtes der Ehegatten nach dem bayerischen Landrechte einen Namen gemacht und ist zum königlichen Advokaten in München ernannt worden. Während ungefähr dreißig Jahren war er Mitglied der Verwaltung der israelitischen Knltnsgemeinde. längere Jahre übrigens deren Vorstand und seit der Neuorganisation der Rechtsanwaltschaft im Jahre 1879 ununterbrochen und zuletzt ältestes Mitglied des Vorstandes der Anwaltskammer für den Oberlandesgerichtsbezirk München. Dr. Rau war außerdem in der Verwaltung zahlreicher gemeinnütziger und wohlthätiger Vereine thätig und insbesondere bis zuletzt Vorstand des Studienulld Arbeitsbesörderungsvereines für Israeliten in Bayern. Mit ihm ist eine durch Gelehrsamkeit. Scharfsinil, Besonnenheit. Melischenliebe und Ehrenhaftigkeit gleich hervorragende Persönlichkeit, die in den weitesten Kreisen schwer vermißt Werder: wird, aus dem Leben geschieden. 33 Stuttgart, 2. November. Am 29. v. M. verabschiedete sich Herr Ministerialdirektor v. Kern, der seit Dezember 1896 als Regierungskommissar und Vorsitzender der Israelitischen Oberkirche n b e h ö r d e die Thätigkeit derselben leitete, von den Mitgliedern dieser Behörde. Die vier Jahre unter Ministerialdirektor v. Kern waren von großer Bedeutung für die Erhaltung und Weiterentwicklung des israelitischen Kirchenwesens. Es wurden die Besoldungen der Rabbiner, Vorsänger und Religionslehrer besser geordnet, unständige Stellen in ständige umgewandelt, die Pensionsverhältnisse der Rabbiner verbessert, eine Gemeinde neu errichtet, israelitische Volksbeziehungsweise Konfessionsschulen erhalten imt> neu errichtet, Visitationen sämmtlicher Gemeinden des Landes vorgenommen und mancherlei in denselben besser eingerichtet und neu geordnet. Es wurde die seit 1876 in den meisten Gemeinden unterlassene Führung von Seelenregistern (Kirchenbüchern)'neu geregelt, die Form der Schnlprüfnngen und der Berichterstattung über das Religionsschulwesen neu geordnet, die Anforderungen über die Prüfungen der Aspiranten, Präparanden, Seminaristen und Lehrer ausgestellt, die lästige Hakdamasteuer bedeutend ermäßigt, in der: verschiedenen Garnisonsorten eine in der Synagoge vorzunehmende Vorbereitung zur Vereidigung der Soldaten eingeführt und seitens des Staates ein höherer Zuschuß bewirkt. In den letzten Monaten ist auch die Vorbereitung für die Herbeiführung einerfreieren und selbständigeren Stellung der israelitischen Gemeinden auf gesetzmäßigem Wege getroffen worden. Aus dieser nicht kleinen Reihe von bedeutsamen Neueinrichtungen ergiebt sich schon, daß die Leitung der Israelitische!! Oberkirchenbehörde in bewährten Händen lag. Zu der mit Sachverständniß. Wohlwollen und Takt ansgeübten Führung der Verhandlungen kam ein in hohem Grade liebenswürdiges, schlichtes persönliches Verhalten, so daß die Mitglieder der Oberkirchenbehörde den Abschied des hochverehrten Vorsitzenden schwer empfanden. Wie dieser sich von ihnen mit freundlichen Worten trennte, so schieden sie von ihm mit Worten des Dankes und aufrichtigster Verehrung. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 5. November. In diesen Tagen wird der Prozeß in Pi sek z'u Ende geführt. Die Zeugenaussagen bieten dem unbefangenen Zuhörer ein Gewirr von uuzusammenhüngenden, widersprechenden, gehässigen Aeußerungen. und die Gerichtsfunktionäre haben mit dein Zurechtweisen derselben, sowie der czechisch-antisemitischen Agitatoren im Saale genug zu schaffen; es zeigt sich jedoch von neuem, daß die meisten bei den ersten Verhören niedergelegten Angaben zumeist auf nichts anderem als niedrigem, gemeinen! Klatsch beruhen und bei näherer Untersuchung in nichts zttsanunenfallen, so diejenige der sogenannten „Erzieherin" Brosch und ihrer Mutter, der alten Brosch. Gleichwohl finden sie in» Publikum!vittiges Gehör und dankbare Verbreitung. — Die städtische Lehrerin Frau Henriette Goldschmidt feierte am 30. v. M. das sünfnndzwanzigjährige