Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-11-09 · Heft 45 (9.11.1900) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 45 (9.11.1900)
Date
1900-11-09
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228411--56991-3293339
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

2 tiilfru zu erweisen. Der unter der Aufsicht des Vorstandes der jüdischen Gemeinde stehende Verein möchte diese schon durch ihr Alter geheiligte Institution nicht eingehen lassen, er hat neue, den Zeitverhältnissen entsprechende Satzungen beschlossen und richtet nunmehr die Bitte an alle Mitglieder der Gemeinde, diesem Verein als Mitglied beizutreten, damit er in seiner zarten und diskreten Weise weiterwirken und so auch den kommenden Geschlechter!: diese segensreiche Institution erhalten kann, eine Bitte, die sicher Erfüllung finden wird. Der Vorstand des Vereins „Schomer laboker nmischan abelim" zur Unterstützung armer Leidtragender besteht aus den Herren I. Weinberg. Vorsitzender, Max Berg, Rendant, Martin Fernbach, Schriftführer, Samuel Cohn, Rechtsanwalt Ignatz Holz, Max Lichtenstein, Emil Pincns. GD Neu-Weiszensec, 1. November. In der hiesigen israelitischen T a u b stunl ni en a nstalt fand am Sonntag unter außerordentlich reger Betheiligung die Feier des 25 jährigen Jubiläums der Erzieheriu und Lehrerin Fränlein Anna N e ich statt. In der prächtig dekorirten Aula der Anstalt versammelte sich gegen 12 Uhr eine weit über alle Erwartungen große Anzahl von ehemaligen Zöglingen der Jubilarin, von Freunden und Gönnern der Anstalt und von Angehörigen der Schüler. Der Verein „Freunde der Taubstummen, Iedide Jlmim", dem die Erhaltung der Anstalt obliegt, war durch Berliner und auswärtige Mitglieder seines Vorstandes vertreten. Aus Berlin waren erschienen: Herr Geheimrath Tr. Boas. Herr Ludwig Ginsberg, Herr Willibald Löwenthal und Herr Adolf Salomon. Von auswärts waren anwesend Herr Gustav Köhler aus Fürstenwalde und Herr Alphons Jacobsohn aus Leipzig. Gerade über den Besuch dieses edlen Menschenfreundes war die Festversaunnlung und besonders die Jubilarin selbst aufs höchste überrascht und erfreut. Nach einem einleitenden Willkommengruß eines kleinen Zöglings der Anstalt hielt im Aufträge des Lehrerkollegiums Herr Israel die warm empfundeneFestrede. In begeisterten Worten schilderte der Redner die Verdienste, die sich die Jubilarin um die Anstalt erworben, beschrieb ihr selbstloses und unablässiges Schaffen für das Wohl und Gedeihen ihrer Zöglinge. Mit vollem Recht könne man das stille, unerniüdliche und stets freudige Wirken der Gefeierten mit dem Pestalozzis vergleichen. Auch sie könne von sich sagen: „Ich war vonl Morgen bis zum Abend in ihrer Mitte. Meine Hand lag in ihrer Hand, mein Auge ruhte auf ihrem Auge. Meine Thränen flössen mit den ihrigen, und mein Lächeln begleitete das ihrige. Waren sie gesund, ich stand in ihrer Mitte. Waren sie krank, ich war an ihrer Seite." Wie eine Mutter pflegte und hegte sie die unglücklichen taubstumme»» Kinder. Wie eine Mutter werde sie aber auch von ihnen geliebt und verehrt. Mit herzlichem Dank für diese ihre segensreiche und menschenfreundliche Hingabe an ihren Beruf und mit dem aufrichtigen Wunsche, daß die Jubilarin noch recht viele Jahre in ungeschwächter Gesundheit und ungetrübten Frohsinns ihres Amtes zum Wöhle der armen Taubstunnnen und znm Segen und Heile der Anstalt walten möge, schloß der Redner die von Allen mit gespannter Aufmerksamkeit verno»nmeue Ansprache. Nach ihm überbrachte im Aufträge des Vorstandes des Vereins „Freunde der Taubstummen" der erste Vorsitzende Herr Geheimrath Dr. Boas den Dank und die Glückwünsche des Vereins und überreichte de^ Jubilarin ein werthvolles Ehrengeschenk. Die eheinaligen Schüler und Zöglinge übergaben als „Zeichen ihres unvergänglichen Dankes und zur bauernden Erinnerung an den heutigen Tag" eine kleine Summe als Grundstock einer „Anna Reich-Stiftung", deren Zinsen armen Kindern der Anstalt zu Gute kommen sollen. Die Sprecherin, Fräulein Rathe, drückte am Schluß den Wunsch ans. daß sich die Stiftung recht bald vergrößern möge. Den Dank und Wunsch der jetzigen Zöglinge gab ein größeres Mädchen in einem längeren Gedicht ergreifenden Ausdruck. Daraus dankte auch der Leiter der Anstalt, Herr Direktor Reich, seiner Schlvester und Mitarbeiterin für die thatkräftige Unterstützung, die sie ihm jederzeit geleistet habe. Im Namen der Jubilarin sage er allen Erschienenen für die aufrichtige Theilnahme und innigen Glückwünsche herzlichen Dank. Ein Hoch auf die Gefeierte beendete die ebenso ergreifende »nie erhebende Feier. Auf rnehreren Tischen standen und lagen, umgaben von duftenden Blumen und Bäumen, die zahlreichen und znrn Theil recht kostbaren Geschenke, mit denen nahe und ferne Bekannte und Freunde ihrer Verehrung und Bewunderung für die Jubilarin sichtbaren Ausdruck gaben. Besondere Aufmerksamkeit erregten die sauber und mit großem Fleiß ausgeführten Handarbeiten der Knaben und Mädchen der Anstalt. Noch bis in den späten Nachmittag hinein blieben viele der Festtheilnehnier in der gastlichen Wohnung des Direktors bei gemüthlicher Unterhaltung beisammen. Die große Zahl der Briefe und Telegrannne legte ein beredtes Zeugniß ab von der Liebe. Hochachtung und Verehrung, deren sich die Jubilarin trotz ihres bescheidenen »lnd. stillen Wesens in weiten Kreisen erfreut. Kp. Aus der Provinz Posen, »ui November. An» 23. September starb in Birnbaurn Rentier Benjamin Graupe. Der Verstorbene gehörte eine lange Reihe von Jahren der Verwaltung der dortigen Shnagogengemeinde an. war Mitglied des Stadtverordl»etei»kollegitt»ns und daun 30 Jahre hilldurch Mitglied des Magistrats. Als Kontroleur des Vorschußvereins zu Birnbaum hat er sich reiche Verdie»»ste um die Entwicklung desselben erworben. — Dem Kaufmann und Stadtverordnete»» Freudenthal in Wongrowitz ist anläßlich der kürzlich dort stattgehabten Enthüllungsseier des Kaiser Wilhelm-Denkmals der Kronenorden IV. Klasse verliehen worden. — Bei der Anfangs d. M. stattgehabteu Wahl ei»»es Vorsitzenden des israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestatt»n»gsveins i»» Ostrowo ist Oekonomierath D. Goldstern daselbst gewählt worden. T. Jrrowrazlaw, 2. November. Unsere Stadt und Gemeinde ist d»»rch den »»nerbittliche»» Tod ei»»es ihrer besten Mitbürger beraubt worden. Am 31. v. M. entschlief nach längeren Leiden im 72. Lebensjahre der unvergeßliche Herr Joseph Loewensohn! Ein Jnowrazlawer vo»» Geburt, »var er vo»» J»lge»»d aus gelverblich und komnrerziell in der Gold- und Silberwaare»»brai»che thätig und brachte es da»»k seiner rastlosen Thätigkeit zu einem tüchtigen Wohlstände. Durch strenge Reellitat, Leutseligkeit und Menschenfreundlichkeit erwarb er sich das Vertraue!» und die Sympathien seiner Mitbürger ohne Unterschied des Glaubens n»»d der Nationalität. Der strenggläubigen Richtung «»»gehörig und ein seltei»er Freund »n»d Verehrer der jüdischen Wisse!»schaft, war er ei»» ebe!»so eifrigesals hochgeschätztes Mitglied des Bet-Hamidrasch. In diesen verrichtete er stets seine ir»brünstigen Gebete Morger»s und Abends und betheiligte sich mit den» denkbarregsten Interesse ai» den rabbinisch-talmudischen Vortrügen, die hier täglich unmittelbar »»ach den Al»dachten von» Rabbiner Dr. H. Tietz gehalten werden. Seine Wißbegierde »var so groß, daß er sich noch au seinen» Sterbetage über eine schlvierige Stelle im hebräischer» Schriftthun» Belehrung erbat. Sein gutes Herz schlug stets warm für die Armen, und ganz besonders war es die Tugei»d der Gastfreundschaft, die ihn» eigen war und die er überaus liebte und fleißig übte. Er war Mitbegründer des „Vereins zur Pflege der Gastfreundschaft", der vor beinahe zehn Jahrei» Hierselbst von Dr. H. Tietz in» Verei»» mit wohlthätig gesinnte»» Männern, wie den Herren L. Sandler, M. Treuherz, M. Haase, R. Librolvicz ins Leben gerufen wurde. Dieser Bereu» hat den löbliche»» Zweck, arme zugereiste Glaubensgenossen über der» Sonnabend und die Feiertage beköstigen zu lassen, und ist in» Laufe der Jahre dank des hochsinnigen Wohlwollens unserer verehrlichen Gemeindemitglieder so gewachsen, daß er. während er anfänglich nur etwa zehn Mitglieder zählte, »»»»»»mehr davon »»»ehr denn 160 hat. Neun Jahre hindurch »var der Verblichene Kassenwart dieses Vereins und nahm mit größtem Interesse die Angelege»»heiten desselben wahr. Seit bei»»ahe Jahresfrist ist seil» tvürdiger ui»d edler Nachfolger in diesem menschensreundlichen Amte Kaufman»» Jsaac Spiro Hierselbst. So lebte und »virkte der Dahingeschiedene ganz nach der Vorschrift des Propheten (Micha 6, 8), indem er das Rechte that, edle Menschenwerke verrichtete und in Demuth und Bescheidenheit vor seinem Gotte wal»delte. Sein Andenken bleibt ei»» gesegnetes! y. Breslau, 2. November. Die »»eugegründete Haush a l t»»n g s - und K o ch s ch u l e für i s r a e l i 1 i s ch e M ä d ch e»» lvurde an» Donnerstag feierlich eröffnet. I»» den mit grünen Gewächsen festlich ansgeschmückten Räu»nen des II. Stocklverkes Gartenftraße 3/5 hatten sich der Vorstand »n»d das Rabbinat der hiesigen Synagogeugemeinde sowie Vertreter sänimtlicher israelitischer Wohlthätigkeitsanstalte»» »n»serer Stadt eingefundeu. Rabbiner Dr. Guttmann begrüßte im Nanien des Vorstal»des des Vereins, welcher die Schule errichtet. die Gäste. Die Schule, lvelche ein Liebeswerk edler, jüdischer Frauen Bresla»is und ein Belveis für die in der Gerneiude lebendige Opferwilligkeit sei, verdanke ihr Entstehen der fruchtbaren Anregung unserer zielbewnßteu städtischen Sch»»lver»valtung und werde ganz nachdem Muster der hiesigen, durch Herrn Stadtschrrlrath Dr. Pfuudtner geschaffene!» städtische!» Haushaltungsschnlen eingerichtet und geleitet lverden. Redner gab der neuen Anstalt den Wunsch mit auf den Weg. daß sie in der jüdische»» Gemeinde den Segen verbreiten n»öge.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.