Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1900)
- Date
- 1900-11-09
- Page
- Seite 540 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/3224737-3228365-3228411--56989-3293337- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
540 Sie hat es gelernt, statt für den Einen, der ihr genommen, > und der ihrer Liebe nicht mehr bedurfte, ein Herz für Alle, die; sich au sie wenden, zu haben und täglich erkennt sie mehr den tiefen, dem Gebot ihrer Religion, barmherzig zu sein, innewohneuden Segen. Im Larife der Zeit haben sich der heute noch jugendlich Anmuthigen häufig von Neuem Bewerber um ihre Hand genaht. Sie ivurden indes; jedesmal mit einem bestimmten „Nein!" zurückgewiesen. „Mein Persönliches Glück liegt im Grabe!" mit diesen Worten hat sie einmal ihrer Tante gegenüber ihre Ablehnungen begründet, „allein ich hoffe trotzdem, so lange ich lebe, noch Einiges nützen zu können." Fürwahr, sie kann es. Die Armen in Hamburg kennen ihren Schritt, ivenn sie, bald allein, bald mit der kleinen Hannah zusammen, die Stätten des Kunnners und Jammers aufsucht. Das Kind hält sie selbstredend für seine rechte Mutter und ahnt nicht, daß sie, die ihm das Leben gab, weit draußen auf dem Ohlsdorfer Friedhof schläft. Dabei hat die Kleine aber einen wunderbaren, feinfühligen Instinkt des Mitgefühls und Helfenwollens bei allem Unglück, gleichsam, als ahne sie, daß ursprünglich solch hartes Loos auch das ihre hatte sein solle». In beständig gesteigertem Maß und in mehr [ als einem Sinn zutreffend scheint der ihr von den Verwandten ihrer Pflegemutter gegebene Beiname. Sie nennen sie: „die kleine Retterin." Kpverhsaat. Verehrliche Redaktion! (ySScr neuesten Erklär«»lg der Herren Hanff und Dr. Fiegel vom 20 24. v. M. wollen Sie gütigst folgende Berichtigung nachsügen, mit der auch für u»ls der öffentliche Disput beendigt sein soll. ad 1. Die Darstellung, welche die Herren neuerdings von dem Bericht des Referenten über die im Verbandsvorstande bezüglich der Kasseneröffuung vorlvaltenden Allschauung geben, kann den Thatfachel» nicht eiltsprechen, weil sie mit dem Wortlaute der Resollition im Widerspruch steht, wo es ausdrücklich heißt: „In Anbetracht, daß der Verbandsvorstand für sofortige Eröffnung der Kasse ein tritt/' während Herr Dr. Fiegel jetzt gesagt haben will, daß der Verbandsvorstand die baldige Eröffliung der Kasse für w ü u sche n s w e r th hält. Die von» Kuratorium beschlossene sofortige Eröffnuilg, vor Erledigung der eingerichteten Abänderungsauträge zum Kassenstatnt, ist eine Rechtsverletzung, was eine baldige Eröffnung im Sinne des Verbandsvorstandes nicht zu sein braucht. ad 2. Nicht der Verbandsvorstand, sondern die Delegirtenversanllnlung hat den hierfür maßgebenden Beschluß gefaßt. — Selbst wenn wir bezüglich der Auslegung dieses Beschlusses der Ansicht der genannten Herren vollständig beipflichteu, bleibt für das Kuratorium, deren Leiter sie sind, immer »»och die Verpstichtung bestehen, den zweiteil Theil unserer Allträge, der nichts mit der gewünschten grundlegenden Veräuderullg der Kassenorganisatioil zu thun hat. und nur Eiuzelvorschläge zum gegenwärtigen Statut enthält, sachgemäß zur Erlediglmg zu bringen. Unser Recht auf solches Verlangen ist unzweifelhaft. — Endlich war es das Kuratorium selbst, das sich die Kompetenz znschrieb, auch über den prinzipiellen ersten Theil uliserer Anträge zu entscheiden, l»ur »vollte es vorher die Meinullg der Eillzelvereille darüber hören. ad 3. Das horrende Verlailgen der Herren, die Vereine hätten, um beim Beschlüsse des Kuratoriluns mit berücksichtigt zu werden, beeilte oder gar außerordentliche Sitzuilgei» abhalten sollen, kemlzeichnet deutlich die Verlegenheit der Herren, die nicht den Muth habeil, einzllgestehell, daß ihr Beschluß in Sachen der Kasseneröffnung ein Verfehlen sei. Kein Mensch, auch die Herrei» des Kuratoriums nicht, hat bisher von einer dringlichen Beschlußfassung gesprochen, wozu auch gar keil» Gru»ld vorhallden ist. da die Lehrerschaft bezüglich hrer Versorgungsgelegellheilen nicht in Verlegenheit ist. und es vielnlehr unsere Sorge sein muß. etwas unbedingt Ul»d für alle Theile Vortheilhaftes und die Gesammtheit im Ganzen Förderndes zu schaffeil, als nur schnell zu den vorhandenen zwölf Versorgungskaffen noch eine dreizehnte zu gründen. ad 4. Wir haben nichtmonirt, daß der Verein Schlesien-Pose»» unter den für uns eintretenden Parteien nicht genannt worden, sondern die Unterstützungskasse für die jüdischen Lehrer in Schlesien und Posen, die ebenso wie die Hilsskasse für Pommern. Ost- und Westpreußen selbständig beim Kuratoriuln für ullsere Anträge eingetreten ist. ad 5. Wenn die Herren den Hilfskassen im Allgemeinen das Recht zugestehen, bei der Gestaltllng der V. P. K. mitzusprechen, was uns zu hören sehr wichtig war, so habell sie gar keine Veranlassling. gerade die Hilfskasse für Pommern, Ost- und Westpreußell voi» diesem Rechte auszuschließeu, da diese Kasse zu ben Vereinen in den genannten Provinzeil genau in demselben Verhältlliß steht wie andere Provinzialkassen zu ihren Vereillei». ad 6. Die persönliche Differenz mit ben Herren ist nicht entstanden aus dem Schreiben des ostprelißischen Vereiusvorstandes vom 1. Juni er., sondern aus ben diesem Schreiben zu Grunde liegende!» H a n d l u u g e u der Herren Hanff und Dr. Fiegel zum Zwecke der künstlichell Beeinflllssullg der öffentlichen Meinung in den betheiligten Kreisen gegen ullsere Kassenanträge. IXnb wenn es am Ende dieses Schreibens heißt: „Wir erhoffen, daß die jüdische Lehrerschaft auch weiterhii» ihre Meinung stets aus eigellen, sachlichen Erwägungen wird zu schöpfen wissen." so liegt sicher eine falsche, in jedem Falle von uns nicht beabsichtigte Auffassung dieser Worte bei den Herren vor, wen»» sie darill eine Kritik ihrer Ansicht ulld eine Verletzling ihrer persönlichen Ehrellhaftigkeit erblicken. ad 7. Ir» dem bezüglichen Antlvortschreiben der Herren, batirt „im Juni 1900" heißt es wörtlich: „Der Verein Brandenburg (Vorsitzender Dr. Fiegel, Referent über nufere Al»träge Herr Hauff) hat allerdiilgs durch rechtzeitige (nämlich dem allgemeillel» Protokoll voraufgeschickte) Veröffentlichung seiner Resolution eine Einwirkung auf andere Vereille versucht." Wir meinen, das silld küllstliche Manipnlatio neu (außer anderen, ähnlich liegenden Beeinflussungsversuchen. die il» dem Schreiben theils ü bergangell, theils Umgänge»» werden), die sich »veder mit der Würde voll Kuratoriunisleitern vertragen noch sonst, vom kollegiale!» Staildpunkte ans gerechtfertigt erscheinen können. Die Herren haben sich dann in ihrer großen Verlegenheit gar noch zu Verdächtigungen gegen u»»s verleite!» lassen, indem sie es so hinstellen, als ob wir die beabsichtigte Reise zur Begrüßung des an unserer Grenze tagenden »vestprellßischen Brudervereins nur zu dem Zwecke haben unternehnlen »vollen, um dort für unsere Anträge Stimmuilg zu »nachen. Wir erkläre»» daraus, daß wir den» Gedanken dieser Reise unseres G esanln» tvo rsta n d es vollständig fern standen und dabei nur der Aufforderung unteres Vereinsvorsitzeuden zu folgen gedachte»», die an alle Mitglieder unseres Vorstandskollegiums in gleicher Weise ergange»» und der von Allderei» auch e»»tsprochen wurde. Danach »verden uns vielleicht auch die Herren Hanff und Dr. Fiegel glauben, daß uns andere als rein freundschaftliche Motive bei der beabsichtigte»» Reise fer»»gelegen habe. Wir bezlveiseln nicht, daß die Herren, i»»den» sie die nicht mühelose Thätigkeit beim Kuratorium übernommen, nur von rei»» idealen Beiveggründen geleitet lvurden (was sie als Belveis dafür ansühre»», zeigt aber, daß sie ihre Kasse noch schlecht kennen, beim thatsächlich kann Jeder im ersten Jahre in die Kasse ausgenon»men werden), aber auch nur von selbstlosen Interessen geleitete Männer genüge»» den an sie als Leiter des Kuratorinnls berechtigterlveise zu stellende»» Ansprüchen noch llicht, »venn sie nicht zugleich die Fähigkeit besitzen, allen all sie hera»»tretenden Gesuchen, auch den ihnen persönlich unsympatischen, eine vorschriftsmäßige und unparteiische Behandlung zu Theil werden zu lassen. Unser Protest gegen die Giltigkeit der vom Kuratorium gefaßten Resolutio»» von» 30. September er. bleibt wegen Mangels solcher Kriterie»» unseren Anträgen gegenüber unverändert bestehen. Königsberg. 28. Oktober. Adolf Peritz. Schriftführer des Vereins jüdischer Religionslehrer Ostpreußens. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.