Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1900)
- Date
- 1900-11-09
- Page
- Seite 531 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vergleich da es sich ubele und Katholiken. Glätte dem digen und e Fregueneu einmal einseitiger iskräftiger Juden, und in einer Wahlerversammluug erklärte er ausdrücklich, „daß er für die volle verfassungsmäßige Gleichberechtigung aller religiösen Bekenntnisse, auch des jüdischen sei, sich gegen den Klassen- und Rassenhaß der Antisemiterl wende und nur gegerr einzelne Auswüchse jüdischen Geistes in Kunst und Litteratur, in Harrdel rrud Gewerbe ankämpfe; er werde sich redlich bemühen, diese Elemente immer rnehr und mehr zu Deutschen zu machen." Es ist mehr als bedauerlich, daß sich in dieser Wählerversammlurrg kein Jude gefunden,- der dem Herrn v. Gersdorff den Standpunkt klar gemacht hätte, daß die Juden schon jetzt mindestens ebenso gute Deutsche seien wie er und seine Freunde urrd namerrtlich bessere Deutsche als die antisemitischer: Ziehkinder der konservativen Partei, die jetzt wieder einrrral den Nährvater durchprügeln, der sie großgezogen hat. November. *?n auch in nmer neue Klage laut l, als entgerade um schleppurrg >olt schon rir müssen tscheiduug Lehre des; nicht beuchen, nr es sehr ffichts der Wie ihr Winterrburg die Dressen in st ertheilt. eu hervor- Charlotten- Landgericht!wy wegen leides und hungsweise hn, da allere Spuren ler falschen Idols Lewy Gelegenheit, mpeldieuer ft, sich zur u weudeu. aus Anlaß gegell ihn u und mit e traut, wnig von t die gute a ch rv a h l orrrst, wo eher: und atürlich eund der Der Prozeß Hülsner in Pisek hat in der ersten Verhandlungswoche die Vernehmung vieler Zeugen gebracht, die über Hülsner selbst sowie über die Umstände aussagen sollten, die darauf schließen lassen könnten, daß der Allgeklagte wirklich den Mord an der Hruza begangen haben soll. Das Publikum spielte mit und zwar gegen Hülsner! Es war förmlich organisirt, und ezechische Journalisten waren die Regisseure. Dem Bericht Wiener Blätter entnehmen wir das folgende zusämmeufaffende Resume: Von besonderem Interesse und in ganz besonderenl Maße charakteristisch lvaren die Aussagen des Zellgen Peschak. Derselbe behauptete, daß er am 29. März v. I. am Rande des Brzezinawaldes. auf eine Entfernung von 890 Meter, den Angeklagten Hülsner und zwei weitere „fremde" Juden erkannt haben will, ja sogar deren Kleiderfarbe und Zustand sowie die Qualität ihrer Hüte erkannt haben will. Mit einer vielleicht ungewollten Seitenbemerkung hat der Vertreter der Familie Hruza, Dr. Baxa, den einzig richtigen Standpunkt in dieser Frage eingenommen. Entscheidend für den Werth der Aussagen Peschaks könne nicht die Stimme der Aerzte, sondern die Vertrauenswürdigkeit des Zeugen allein sein. Die Reinheit der Lust, die Intensität des Tageslichtes, die Windstärke, die am 29. März 1899 beftanben, seien nicht mehr rekonstruirbar, lind das, was Peschak gesehen haben wolle, sei derart von diesen Faktorell bedingt, daß die Beurtheilung des Sehvermögens dieses Mannes jede Relevanz verliere. Allerdings hatte Dr. Baxa diesen Allssprllch vor der Vernehmung der Sachverställdigen gemacht, nach derselbeil hätte er ihn füglich unterlassen, denn dieselben sagten zu Gunsten Peschaks aus. Während die Gerichtsürzte das Sehvermögen Peschaks — der an Augenkatarrh leidet — als normal bezeichneten. erklärten Professor Deyl lind Dozent Chalollpecky seine Augenkraft für abnormal stark, Das Gutachten dieser Spezialisten erkläre, daß Peschak die Bewegungen des von ihnl gesehener! Mannes habe verfolgen und wenn dieselben für ein bestinnntes Individuum charakteristisch waren, daraus auch das Individuum selbst erkennen können. Daß Peschak auf diese Distanz, wie er angiebt, die Kopfbedeckung der beiden fremden Männer so genau gesehen habe, daß er behaupten könne, der Eine habe einen steifen schwarzen Hut getragen und sei besser gekleidet gewesen als der Andere, wurde von Dr. Aurednicek als sehr wenig glaubwürdig bezeichnet. Sehr scharf gestaltete sich die Fragestellung des Dr. Aurednicek an den Sachverstärldigen Bezirksarzt Dr. Malkowsky, der erklärt hatte. Peschak könne die Konturen der beiden Fremden sehr gut gesehen und aus denselben bei sehr guter Beleuchtrmg weitere Schlüsse auf das Aussehen dieser Personen und endlich daraus gezogen haben, daß dieselben ortsfremd seien. Als Dr. Malkowsky nach Einvernahnre der vier Sachverständigen nochnrals das Wort ergriff, um zu erklären, er habe gesagt, daß Peschak den einen Mann genau erkennen und aus den für Hülsner so charakteristischen Bewegungen den Mann als Leopold Hülsner agnoszirerr konnte, rief ihm Dr. Aurednicek zu: „Herr Doktor, Sie hatten als Sachverständiger auszusagen, das aber ist ein Plaidoyer. nnd zwar das des Staatsanwaltes." Ein wesentlicher Differenzpnnkt in 581 —- den Gutachten liegt auch darin, daß die Gerichtsärzte sagten. Peschak hätte sehr rvohl die lichtgrane Kleidung, die der von ihm gesehene Mann trug, erkennen können, während die Spezialisten das für ausgeschlossen erklärten. Er hätte wohl sehen können, daß der Mann einen lichten oder einen dunklen Anzug trage. Farbennuancen seien jedoch zu erkennen nicht möglich gewesen. Ein anonymer Brief sollte noch zu einem Zwischenfalle führen, in welchem der Bertheidiger dem Herrn Dr. Baxa es rund heraussagte, daß er die Politik in die Verhandlung hiueintragen wolle. Verschiedene Zeugen, darurrter auch der Pfarrer Ferdinand Vlcek, behaupteten, an dem Tage, an welchem vermuthlich der Mord begangen wurde, einen verdächtiger! Menschen gesehen zu habeu, der sich im Brzezinawalde herumthieb. Dieser Mensch war bestimmt nicht Hülsner. In großen Widersprüchen verwickelten sich auch die Zeuginnen Brosch, die im ersten Stocke gehört haben wollen, rvas im Parterre einige Juden untereinander über den Mord sprachen. Der Eine soll sogar gesagt haben, die Hruza sei „tref" gewesen. Bemerkt muß werden, daß die Zuschauer die jüdischer! Zeugen, trotz der Verwarnungen des Präsidenten, verhöhnten. Für die nöthige Stimmung wird von den antisemitischen Hetzern durch Verbreitung von Broschüren und Flugschriften gesorgt. Den Kulmirrationspurrkt der Verhandlungen bildete aber der Einwand des Dr. Baxa, daß die Kleider und die Wäsche der Hruza jetzt rnehr Blutflecken hätten als bei denr ersten Prozeß in Kuttenberg. Das war eine Anklage, deren Konsequenzen sich der Mann garnicht klar gemacht hatte. Sie. richtete sich gegen die medizinische Fakultät der czechischen Universität in Prag. Die beiden sachverständigen Professoren wiesen die Unterstellung mit tiefer Entrüstung zurück und ebenso die Beamten des Kutterrbergers Kreisgerichts. Damit war die „sensationelle Wendung", die die czechisch-antisemitischen Blätter schon vorher angekündigt hatten, in nichts zerflossen. * Die Wiener „Israelitische Allianz" hat bekanntlich, als die unglücklichen rumänischen Emigranten sich zu Hunderten in Wien befanden, ein furchtbares Bild der Verzweiflung und des Elends, dieselben zurückzuschicken beschlossen. Sie schrieb damals an den Budapester Kirltusvorstand einen Brief, in dem sie diesen aufforderte, er möge bei der ungarischen Regierung die Grenzsperre gegen die rumänischen Auswanderer erwirken. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Budapest ertheilte der „Allianz" umgehend die folgende Antwort, welche die „Welt" jetzt mitzutheilen in der Lage ist: Wir beehren uns. mit Bezug auf Ihre geschätzte Zuschrift vom 10. Juli der Ansicht Ausdruck zu geben, daß es geradezu ausgeschlossen ist, daß wir als jüdische Behörde bei unserer Regierung die freie Bewegung unserer rumänischen Brüder beschränkende Maßregeln beantragen und Hervorrufen sollen. Es wäre dies ein verhäugnißvolles Präcedens. aus das sich die Feinde des Judenthurns stets berufen könnten. Wir bitten Sie, diesen unseren Gesichtspunkt zu rvürdigen und überzeugt zu sein, daß wir uns hier iur Interesse der Beförderung unserer unglücklichen Glaubensbrüder allen Mühen und Opfern unterziehen, sowie wir auch an die jüdischen Grenzgemeinden in diesem Sinne geschrieben habeu. Der Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Budapest. 13. Juli 1900. In der That, eine Abfertigung, wie sie trotz der Höflichkeit der Form nicht gründlicher sein kann. Die Entschiedenheit, mit der sich der Budapester Vorstand gegen die ihm von der „Allianz" zugemuthete Aktion verwahrt, läßt nichts zu lvünschen übrig. 'Sr Die französische Regierung hat in letzter Zeit wiederholt Veranlassung genommen, sich gegen den Antisernitismus mit großer Entschiedenheit auszusprechen. Der Minister des Innern Waldeck-Rousseau hat in seiner großen Rede in Toulouse auf die Begrüßung des Rabbiners gealltwortet: „Die Negierung hat bewiesen, daß sie es versteht, jeden Unterschied der Abstammung, der Religion, der Nasse absolut zurückznweiseu.