Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 44 (2.11.1900)
- Date
- 1900-11-02
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 gehörte zu deu angesehensten Mitgliedern der Deutsch-Israelitischen Gemeinde und war stets bereit, mit Rath imb That feinen bedrängten Glaubensbrüdern zu helfen, der stets voll und ganz trotz seiner vielen Ehreustellungen für die Sache unserer Religion eintrat. Mit Herrn Dr. Mah ist ein Manu aus dem Leben geschieden, der lange Jahre in der Oeffentlichkeit eine hervorragende Rolle gespielt hat und zu ben populärsten Persönlichkeiten Hamburgs zählte. Der Verewigte war der Sohn des früheren Sekretärs der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Z. H. Mah. imb hatte sich nach vollendeten juristischen Studien Anfang der fünfziger Jahre in seiner Vaterstadt Hamburg als Rechtsanwalt niedergelassen. In kurzer Zeit erfreute er sich eines solchen Ansehens unter seinen Berufsgenossen, daß er zu verschiedenen Ehrenämtern berufen wurde. Seit 1865 gehörte er bis zu seinen: Tode der Bürgerschaft an; von seiner Fraktion zum Vorsitzenden gewählt, war er auch Mitglied des Bürgeransschnsses, außerdem bekleidete er das ehrenvolle Amt eines zweiten Vorsitzenden der hanseatischen Anwaltskammer von Hamburg. Lübeck und Bremen. Auch außerbernflich ist Dr. Mah ein weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannter und hoch geschützter Mann gewesen, wovon besonders der Umstand Zeugniß giebt, daß er im vorigen Jahre Ehrenmeister der Großloge wurde, eine Auszeichnung, die nur Wenigen zu Theil wird, und die mit ihm n. A. der Prinz von Wales, Prinz Albrecht von Preußen und einige andere hochstehende Persönlichkeiten theilen. Die gesammte hiesige Presse jeder Parteirichtnng widmet dem Verblichenen ehrenvolle Nachrufe. Die Hamburger Nachrichten schließen ihren längeren Nekrolog mit den Worten: „Wenn Dr. May nun nach mehr denn 35 jähriger Thätigkeit in unserer Bürgerschaft ans dem Leben geschieden ist, so wird man ihn in derselben noch lange vermissen und mit ihr die ganze Vaterstadt, die einem ihrer treuesten Söhne ein ehrendes Andenken bewahren wird." Die Leiche wurde von Florenz nach Hamburg überführt, woselbst die Beisetzung ans dem Israelitischen Friedhof in Ohlsdorf statt fand. Bremen, 22. Oktober. Eine sehr wichtige Entscheidung hat unser Senat in Bezug auf die religiösen Trauungen innerhalb des Bremischen Stadtgebiets getroffen. Dieselbe, an Herrn Rabbiner Dr. Rosenak gerichtet, hat folgenden Wortlaut: „Auf Ihre am 14. d. M. an uns gerichtete, von dem Vorstande der hiesigen Israelitischen Gemeinde befürworteten Vorstellung eröffnen wir Ihnen bei Rückgabe der eingereichten Druckschrift mit Genehmigung des Senats, daß Ihnen als dem obrigkeitlich anerkannten Rabbiner und Prediger der israelitischen Gemeinde in Bremen die ausschließliche Befugniß zusteht, im Bezirk dieser Gemeinde die religiöse Einsegnung (Trauung) israelitischer Ehepaare vorzunehmen, soweit Sie nicht in einzelnen Fällen einem anderen israelitischen Religionslehrer die Vollziehung einer solchen Handlung gestatten. Sollten künftig noch Eingriffe in diese Ihre Amtsbefngniß Vorkommen, so bleibt Ihnen anheimgestellt, zur Veranlassung des weiter Erforderlichen uns Anzeige zu machen. Dem Vorstande Ihrer Gemeinde lassen wir eine Abschrift dieser Verfügung zngehen. Die Senatskommission für die kirchlichen Angelegenheiten. gez. Ehmke." 8. Hamm i. W., 24. Oktober. Ans Einladung des Vorsitzenden des Bezirksvereins H a mni - M in d e n. Lehrers Kanfmann - Ahlen, hatten sich am 10. d. M. trotz Sturm und Regen 16 Lehrer zu einer Konferenz hier eingesunden. Eine solch rege Betheilignng war bis jetzt in unserem Bezirke nicht zu verzeichnen gewesen. Wir verdanken siz insbesondere dem Umstande, daß dieses Mal mehrere Kollegen ans dem angrenzenden Dortmunder Bezirk erschienen waren. Die Verhandlungen haben aufs neue bewiesen, lvie segensreich die Bezirkskonferenzen sein können, wenn, wie hier, Liebe und Brüderlichkeit walten. Kaufmann-Ahlen eröffnete die Sitzung mit einigen herzlichen Begrüßungsworten und dankte insbesondere den Herren ans dem Dortmunder Bezirke für ihr Erscheinen. In die Tagesordnung eintretend, wurde zunächst darüber berathen, ob nach dem Wunsche des Bezirks Münster-Rheine der diesseitige Bezirk mit jenem zu einem sich vereinigen solle. Begründet wurde dieser Antrag mit dem bisherigen schivachen Besuch beider Bezirksversammlungen. Steinweg-Dortmund beantragte den Anschluß auch des Dortmunder Bezirks. Es trat indeß die Ansicht hervor, daß eine zu große Ausdehnung des Bezirks den Besuch der Hauptkonferenz beeinträchtigen könne. Diesem Bedenken wurde durch nachstehende Erklärung begegnet: „Unser Bezirksverein betrachtet sich als Zweigverein und hat sich als solcher die Aufgabe gestellt. Stoff für die Berathnngen der Hauptkonferenz zu sammelin die Tagesordnung Vorzuberathen, und dadurch der Generalversammlung die Arbeiten zu erleichtern. Insbesondere haben sich die Mitglieder des Bezirksvereins zur Pflicht gemacht, die Pensions- und Unterstütznngskasse des Hanptvereins zu kräftigen und das Interesse für sie rege zu erhalten. Je größer der Bezirk und je größer die Theilnahme an deu Konferenzen, um so besser kann jenes Ziel erreicht werden." Es wurde der Beschluß gefaßt, die beiden Bezirke zu einem zu vereinen. Der Dortmunder wird demselben einverteibt. Kanfmanu-Ahlen und Banm- Rheine, die bisherigen Vorstandsmitglieder, walten ihres Amtes weiter. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildete ein von Steinweg- Rheda und Genossen beim Vorstand des Hanptvereins eingebrachter Antrag auf Statntenändernng. Der Antragsteller, der sich als Vater der Anträge bezeichnete, begründete dieselben ausführlich. Er hält eine Statutenänderung in geforderter Weise für gerecht und billig: schlägt aber dennoch vor, die Anträge znrückzuziehen. weil die Statuten in den letzten Jahren zu oft die Konferenzen beschäftigt, und die erst vor zwei Jahren beschlossene Statutenveränderung höheren Orts noch nicht genehmigt sei. Kaufmann-Ahlen schließt sich diesem Vorschläge an, und nachdem mehrere Kollegen ihre Ansichten pro und contra geäußert, lvnrde der Beschluß gefaßt, die Anträge zurückzuziehen. In den freien Besprechungen lvnrde die Frage ventilirt. ob seitens der Lehrer Schritte gethan werden kölinen, um in Bezug auf ihr Militärverhältniß die jüdischen Lehrer ihren christlichen Kollegen gleichzustellen. Man war der Ansicht, daß es Sache der Seminare sei, höheren Orts vorstellig zu werden Dieser Punkt soll der Hanptkonferenz zur lveiteren Besprechung vorgelegt werden. Wegen vorgerückter Zeit mußten andere Fragen für die nä ste Konferenz znrückgestellt werden. Man trennte sich mit dem Bewußtsein, angenehme Stunden kollegialen Beisammenseins verlebt zu haben. © Kassel, 24. Oktober. Schon lange wirkt hier segensreich und in der Stille der israelitische Verein „Schwestern bund ". Derselbe wuchs alis kleinen Anfängen heraus und kann heute auf eine gedeihliche Entlvickelnng znrückblicken. Im Jahre 1817 gegründet, hatte er den Zweck, lediglich hiesige mittellose junge Mädchen erlverbsfähig zli machen. Seitdeln ist diese ursprüngliche Thätigkeit lvesentlich erweitert worden. Außer der Stadt lvnrde auch der Regierungsbezirk Kassel und, soweit es die Mittel erlaubten, der weitere Umkreis berücksichtigt. Der 1. Mai 1896 verzeichliet einen bedeutenden Fortschritt in der Entlvickeliulg des Schwesternbundes. Derselbe eröffnete fünf seiner Pflegebefohlenen ein eigenes Heini, das sich rasch erlveiterte. Die wenigeli ansänglich belvohnteli Räume eriviesen sich jedoch schon nach kurzer Zeit als unzulänglich, und jetzt ist es dem Verein durch die Unterstützung seiner Mitglieder und edler Menschenfrelinde gelungen, das Sedanstraße Nr. 22 gelegene Haus zu miethen und ansznstatten. Das neue Heim ist einfach, aber freundlich und praktisch eingerichtet und bietet etwa 40 jungen Mädchen Unterkunft. Hier lverden dieselben gehütet und gepflegt, vor Versuchungen nach Möglichkeit bewahrt und können im Schutze einer religiös-sittlichen Häuslichkeit ihren Beschäftigungen nachgehen. Die Meisten sind Näherinnell, Verkäuferinnen, Buchhalterinnen u. s. w., oder bereiten sich auf einen Beruf vor. So hat der Verein bis jetzt Hunderten von jungen Müdcheli, die sonst wehrlos im Kampfe nms Dasein preisgegeben wären, Stütze imb Halt geboten und dient also auch in seinem kleinen Wirkungskreise den sozialen Bestrebungen unserer Zeit, die darauf gerichtet sind, den Hilfsbedürftigen beizustehen. n. Aus Baden, 26. Oktober. In diesen Tagen sind es 25 Jahre, seitdem Herr Geheimer Regiernngsrath Dr. Mäher, Mitglied des Großherzoglichen Oberraths der Israeliten in Karlsruhe, in den badischen Staatsdienst getreten ist. Obgleich dieses 25 jährige Jubiläum auch nicht privatim gefeiert werden sollte, halten wir es doch für unsere Pflicht, diesen Zeitpunkt nicht vorübergehen zu lassen, ohne diesem Manne öffentlich Dank anszusprechen für die hohen Verdienste, die er sich um die badische Judenheit erworben hat. Seit Jahren wirkt er durch Förderung der israelitischen Schulen und Lehrer unerniüdlich für die geistige Hebung seiner Glaubensgenossen, die cr zugleich für jüdische innere Mission zu interessiren unablässig bemüht ist. An allen vom Grobherzoglichen Oberrath der Israeliten in Baden seit fast 20 Jahren unternommenen Arbeiten und deu in dieser Zeit ins Leben gerufenen segensreich wirkenden Institutionen des Landes hat Herr Geheimer Negierungsrath Dr. Mayer hervorragenden Antheil. Seine Absichten waren stets die edelsten. Die Mittel seiner alle jüdischen Interessen umfassenden Thätigkeit sind ausgebreitetes Wissen.