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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-26 · Heft 43 (26.10.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 §2 Berlin, 24. Oktober. In den jüdischen Litteraturvereinen beginnt es sich an allen Orten lebhaft zu regen. Der hiesige Verein hat gestern seine Winsersaison mit einer Gedenkfeier zu Ehren Samuel David Luzzattos eröffnet, die durch die Mitwirkung des Chors der Lindensynagoge ein besonders feierliches Gepräge erhielt. Die Gedenkrede hielt der Vorsitzende des Vereins. Außerdem finden noch sechs öffentliche Vorträge im großen Saale des Vereins junger Kaufleute statt, und zwar sprechen die Herren Dr. H. Hildesheimer über „Flavins Josephns", Rabbiner Dr. Eschelbacher über „Die Semiten", Professor Dr. Leopold Cohn über „Wilhelm v. Humboldt und die Juden", der bekannte Reisende Dr. Eduard Glaser über „Reisen in Arabien". Privatdozent Dr. Benzin g er über „Die soziale Gesetzgebung veralten Israeliten" und Oberrabbiner Dr. Gü dema n n aus Wien über ein noch bekannt zu gebendes Thema. Außerdem veranstaltet der Verein zwei Vortragschklen, die im großen Saale des Architekteuhaufes stattfinden; in dem ersten wird Direktor Dr. Steril drei Vorträge über „Die Geschichte der Juden in Deutschland", in dem zweiten Dr. D. Joseph ebenfalls drei Vorträge über „Die Sittenlehre des Judenthnms" halten. Der Verein hat außerdem unentgeltliche Fortbildungskurse für der Schule entwachsene Jünglinge und Mädchen eingerichtet, in denen hebräische Sprache. Geschichte der Inden und Religiouslehre vorgetragen werden. Beitrittserklärungen sowie Anmeldungen 311 den Fortbildungskursen nimmt Herr Venas Levh, Klopstockstraße 35, entgegen. — Der Hamburger Verein hat als Redner folgenbe Herren in Aussicht genommen: Rabbiner Dr. G ru n w a ld-Hamburg über „David Lnzzatto", Dr. Huth-Charlottenburg über „Die Juden in Sibirien", ' nach eigenen Reisebeobachtungen und Studien. Redakteur Dr. H. Hildesheimer-Berlin (Thema Vorbehalten). Direktor Dr. Löwenberg-Hamburg über „Die Esthersrage", Dr. E. Mittw0 ch-Berlin über „Die Lage der Inden in den mohammedanischen Ländern", Eindrücke einer im letzten Jahre unternommenen Orientreise, Prediger Dr. Sel igrna un-Hamburg (Thema itnbeftiutnit), Dr. med. Simchowitz-Köln über „Zangwills Ghettonovellen", Dr. E. Tuch- Berlin (Thema mlbestimmt), Lehrer Z i w i-Elberfeld über „Ursprung und Entwickelung der jüdischen Musik". Den diesjährigen Vortragscyklus hat am 22. d. M. Dr. D. Leimdörfer mit einem Vortrage über „Der Weiseste der Hellenen und der der Hebräer" eröffnet. — In Leipzig wurde die Vortragssaisoll durch Dr. med. Ruff- Karlsbad eröffnet, der über „Freud und Leid im jüdischen Hause" sprach, in Rakel durch Kand. phil. Davidsohn, der einen Vortrag über „Die Juden in China" hielt. In Köln wird am 29. d. M. Rabbiner Dr. Frank einen Vortrag halten: „Betrachtung und Bericht über Judenthum und Inden in: verflossenen Jahre". F. Berlin, 23. Oktober. Die „W issen schastlich e Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 13. d. M. eine lvisfenschaftliche Sitzling ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende den eben eingetroffenen Brief eines Mitgliedes, in lvelchern dieses unter Erklärung seines Austrittes heftige Vorwürfe gegen die Leitung des Vereins und besonders gegen die Kassenführung erhob. Da diese Vorwürfe durchaus unbegründet sind, beschloß die Versammlung über den Brief zur Tagesordnung Überzug ehen. Darauf wurde in die Diskussion der Thesen, betreffend den Anfangsunterricht im Hebräischen, eingetreten. Nachdem eine Generaldiskussion abgelehnt war,' entspann sich über die ersten Leitsätze unter Vetheiligung des größten Theils der Anwesenden eine sehr lebhafte, fast bis Mitternacht sich hillziehende Debatte. Es wurde beschlossen, die Debatte in der ordentlichen Sitzling am 10. November fortzusetzen ulld eine Kommission, bestehend ans ben Herren Hirschfeld, Golde und Flanter, mit der nochmaligen Durchsicht der Thesen zu betrauen. Am 1. November Abends 8^ Uhr filldet im Vereinslokal, Königstr. 29, ein gemächliches Zusammensein mit Damen statt, zu lvelchem auch Gäste, wie stets, herzlich toiUfonnuen sind. Sdj. Berlin, 23. Oktober. Am 21. d. M. feierte der Kantor der Shllagoge all der Potsdamer Brücke Herr Elias Saenger sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Eiile große Allzahl von Freunden und Gönnern versamillelten sich in der Wohnung des Jubilars, nm ihn zu beglückwünschen. Zahlreiche Blumensperlden imb andere werthvolle Geschellte zeugtell von der Liebe ulld Achtung, die sich der Jubilar während seiner langjährigen Amtsthätigkeit in seiner Gemeinde erworben hat. Herr Saeilger, der scholl in Rußland in großen Gemeillden fungirte rnld den Ruf eines hervorragellden Kailtors genoß, wußte stets mit seinem warmen innigen Vortrag, unterstützt von einer sonoren, unlfangreichell Stimmen, seine Zuhörer zu erbauen und zu begeistern. Es ist daher kein Wllnder. daß feine Gemeinde ihm an seillem Ehreiltage durch Wort und That die wohlverdiente A nerkennllng zu jheil werdell ließ. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch recht lange seines ihm lieb gewordenen Amtes in voller Kraft zu walten. S. Berlin, 22. Oktober. Am 19. d. M. starb llach längeren Leiden der frühere Kantor Arnold Marksohn im 61. Lebensjahre. Er stammte aus Suwalki in Russisch-Polen unb fungirte sechs Jahre als Vorbeter in der Synagoge der Schochare-Hatob-Gemeinde. Vom 1. April 1870 bis zllm 1. April 1899 war er uilNliterbrochell im Dienste der hiesigen Gemeinde thätig. Alsdann wurde er wegeil Krankheit in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. M. war ein vortrefflicher Kantor; seine stililmliche Begabling, der seeleilvolle Vortrag, das Verstülldlliß für die alten Melodien der Shllagoge. feine Pflichttreue und seine religiöse Lebensführung Ulachteir ihn 31t einem würdigen Vertreter seines Berllfes, den: er mit Leib rnld Seele ergeben war. Mit Recht wurde ihm 1897 anläßlich seilles 25 jährigen Jubiläums vom Vorstalld der Gemeillde ulld voll Kollegen reiche Ehrlmgen 311 Theil. M. hat sich allch litterarisch bethätigt. Er gab mit William Wolf ein Werk: „Hebräische Melodien des Shllagogeugesauges" heraus lmd volleildete er erst vor Kurzenl eine Schrift über die Melodie!» der Hagadah, währeild es ihm nicht vergöllut war, seine Arbeit über die Melodien der Selichot zu Ende zu führen. Ehre seinem Andenken! u. Berlin, 21. Oktober. Der Verein ehemaliger Schüler der Knabenschule der jüdischen Gemeinde hielt in seiner letzten Sitzung vor äußerst zahlreichen! Auditorium eine Gedenkfeier für den verstorbenen Lehrer Raphael Cohn ab. Die Feier wurde durch Gesang unter Leitung des Kapellmeisters Kellermalln eingeleitet, die Gedächtnißrede hielt Lehrer Borchardt, und Gesallg schloß die erhebende Feier. Die nächste Versammlnug findet ain Mittwoch, den 24. d. M. in den Residenz-Festsälen. Laudsbergerstraße statt, in welcher Seminarlehrer Dr. Engelmann einen Vortrag über die Ausbildung des jungen Kaufmanns in Gegenwart und Zukunft halten lvird. 0. Berlin, 23. Oktober. Am 20. v. M. fand die Einweihung des neuerbauten Bethanses des Vereins „Ahawas Achim" auf deul Gesundbrunnen, Prinzen-Allee 83, statt. Das Bethaus macht einen stilumuugsvolleu Eindruck und erweckt beim Eintritt in dasselbe durch die ganze Ausstattung andachtsvolle Regungen. Männer ulld Frauen des Vereins trugen das Ihre durch zlun Theil recht werthvolle Weihgescheuke 311V Ausschmückung bei. Mitglieder und Gäste waren zahlreich zlir Feier erschienen. Während der Absinguug des „MahTauwir wurden von den Vorstandsmitgliedern die Thorarollen hereingebracht. Hieraus lvurde nach einer Ansprache durch den Rabbiner Dr. Pick das „ewige Licht" elltzüudet. Es folgte ein siebenmaliger Umzug mit den Thorarolleu unter Absingung des „Hosdiiouo“, worauf Dr. Pick die eigentliche Weiherede hielt, die aus alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Die Theilnehmer waren von der Feier sichtlich gehoben. Man nahm zugleich den Eindruck mit, daß der Vorstand des Vereins fleißig gearbeitet haben muß, da es ihn: gelungen, in verhältnißmäßig kurzer Zeit dieses, wenn auch in bescheidenen Grenzen sich zeigende, aber doch viel Mühe und Opfer verursachende Werk zu Stande zu bringen. Ein gemüthliches Beisammensein im Hotel Cassel von Mitgliedern und Gästen mit ihren Damen, wobei manche schöne Rede das Mahl würzte, beendete die schöne Feier. An den hohen Festtagen war das Bethaus voll beseht und die Andacht nach jeder Richtung eine erhebende. Dazu trug die thätige Mitwirkung des Vorstandmitgliedes Herrn Kunz viel bei, der, sonst ein viel beschäftigter Kaufmann, sich der Sache mit großem Eifer gewidmet hat. H. Thorn, 19. Oktober. Durch den, wie schon in der vorigen Nurnnler dieses Blattes kurz berichtet worden, am 9. d. M. erfolgten Tod des Herrn Louis Kalischer hat unsere hiesige jüdische Gemeinde einen schweren Verlust erlitten. Geboren im Jahre 1820 als ältester Sohn des bekannten talmudischen Gelehrten und Schriststellers Rabbi Hirsch Kalischer, des Urhebers llnd unerlnüdlichen Vorkämpfers ,der Koloilisation Palästinas, hat der Verewigte das Werk seines Vaters, sowohl nach Seiten des Talmudstudiulns und der Bibelinterpretatiou wie hinsichtlich der Fürsorge für die Entwickelung der Ansiedelungen im heiligen Lande sein ganzes Leben hindurch eifrig fortgesetzt. Dem Kausinannsstande angehörig und von Jugend auf bis in das späte Alter in angestrengtem geschäftlichen Berns rastlos

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