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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-10-26 · Heft 43 (26.10.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 43 (26.10.1900)
Date
1900-10-26
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang. Ar. 43. Äerlin, 26. Oktober 1900. Der Gemeindebote. Weikage zur «Akögemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 21. Oktober. Die heutige Sitzung der Repräsen tan tenVersammlung wurde vom Vorsitzenden Louis Sachs mit einem warmen Nachruf auf das jüngst verstorbene frühere Mitglied der Versammlung, Justizrath Dr. Tiktin. eröffnet, dessen scharfer Verstand, klarer^und weiter Blick und dessen Energie, mit der er die Interessen der Gemeinde vertrat, rühmend hervorgehobelt wurden. Der Genleilldevorstand hat der Versammlung nunmehr die Abschrift der Genehmigung der Bamberg er'schen Schenkung zugehen lassen. Zum geschäftlichen Theil rügt noch Rechtsanwalt Simon, daß die Einführung des Rabbiners Dr. Blumenthal als Vorsteher der II. Religionsschule bisher noch nicht erfolgt sei. Die Herren Jacoby und Leonhard Sachs sagen schleunigste Erledigung der Angelegenheit zu. Eine Zuwendung der Frau Rosalie Freudenthal in Höhe von 10000 Mark zur Gründung einer Stiftung in der Altersversorgungsanstalt wird debattelos genehmigt. — Zur Linderung der Noth der rumänischen Juden hat, wie der Referent Professor Lewin ausführt, der Gemeindevorstand von der Versammlung die Ermächtigullg erbeten, 10 000 Mark bewilligen zu dürfen. Der Gemeindevorstand hat jedoch an die Bewilligung die Klausel geknüpft, daß die Verwendung des Betrages nur auf Grund von Verhandlungen mit einen: Mitgliede des Vorstandes erfolgen dürfe. Der vorberathende Ausschuß habe es als eine Ehrenpflicht angesehen, daß die Berliner Gemeinde sich ati der Hilfsaktion betheilige, um durch ihr Beispiel fördernd und ermunternd zu wirken. Gleichzeitig werde auch die eigene Armenpflege durch den Beitrag erheblich entlastet. Ein Rechtspunkt komme nach Ansicht des Referenten llicht in Frage, ob die Gemeinde berechtigt sei, Zuwendungeil in dieser Höhe für außergemeindliche Zwecke zu leistell, wenn auch freilich entgegengesetzte Entscheidungen, z. B. aus einer rheinischen Stadt, Vorlagen. Der Ausschuß sei übereingekommen, die Summe, und zwar ohile die Klausel zu bewilligen, da nlan es der Entscheidung des Komitees überlassell köllne, die Mittel so zu verwellden. wie es für den lilomentanen Zweck erforderlich sei. Er schließe sich dem Anträge an, wenngleich es sein Wunsch wäre, daß der Gemeindevorstand Aufklärung über die Verwendung erhielte. Landgerichtsrath Löwe weist die Ausführungen des Referenten als irrthümlich zurück. Der Allsschuß habe beschlossen, den Antrag des Vorstandes pure anzunehmen. Die Zuwendung werde aus Geldern bestritten, die zunächst nur für Gemeindezwecke verausgabt werden dürfen. Die Entsendung eines Depntirten sei nothwendig. da doch Bestrebungen hervortreten könnten, mit denen die Genleinde sich ilicht einverstanden erklären köllnte. Herr Löwenthal spricht als Mitglied des Rumänellkomiteesdem Gemeindevorstand für die Bewilligung herzlichsten Dank aus und hofft, daß auch die Repräsentanten ihre Zustimmung geben werden. Das Komitee werde mit Freude die Entsendung eines Deputirten begrüßen. Dr. Veit Simon betont, daß die jüdische Gemeinde ohne rechtliche Bedenke:: die Summe bewillige:: könne. Die Stadt Berlin sei wiederholt bei Unglücksfällen im Deutschen Reich helfend eingetreten, auch seitens kirchlicher Korporationen seren für Missionszwecke außerhalb Berlins erhebliche Summen aufgewendet worden. Die Frage der Delegation eines Mitgliedes des Vorstandes halte er für recht illusorisch, da das deutsche Komitee die Gelder an das Generalkomitee absende und somit keine Bestimmung über deren Verwendung habe. Der Beschluß sei also ein Schlag ins Wasser. Er beantrage die Streichung des Zusatzes. Geheimrath Blumenthal tritt für die Entsendung eines Deputirten ein. Bei der Abstinnnung wird die Bewilligung des Beitrages ohne die Klausel ausgesprochen. Der Vorsitzende kündet in Anknüpfung hieran bereits den Eingang einer Interpellation an, welche eine Aufklärung über das Verhältniß der Gemeinde Berlin zu der Baron Hirsch'schen Schenkung wünscht. Die Interpellation soll aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. — Eine Zuwendung der Frau Johanna Levy in Höhe von 10000 Mark an die bei der Armenkonnnisfion bereits bestehende Helene Levy-Stiftung wird ebenso wie die Zuwendung der Frau Rosa und Frau Hedwig Lach mann geborene Eltzbacher in Höhe von 10000 Mark zur Begründung einer Bettstistung im jüdischen Krankenhause ohne Diskussion angenommen. Für Veränderungen an der elektrischen Beleuchtung in der Synagoge Kaiserstraße werden 319,67 Mark, für Dachreparaturen an der Synagoge Oranienburgerstraße 767,74 Mark uachbewilligt. Bei letzteren: Punkte wünscht Maurermeister Fränkel eine regelmäßige Untersuchung der baulichen Anlagen, Prof. Bla sch ke regt eine Verbesserung der Ventilationsanlagen in der Neuen Synagoge an, Herr Löwen thal macht auf das schlechte Aussehen der Kuppel der Neuen Synagoge aufmerksam, das bereits in einer politischen Zeitung gerügt worden sei. Vom Gemeindevorstand sagt Herr Netter Abstellung der gerügten Mängel zu; für einen regelmäßigen Turnus in der Besichtigung der Gemeindegebäude sei jetzt Sorge getragen. Für Pflasterungen auf dem Friedhofe Weißensee werden 276,94 Mark und zur Gewährung von Gratifikationen an die Chorknaben der alten Synagoge und Kaiserstraße 60 Mark genehmigt. Es folgen alsdann mehrere Rechnungsabschlüsse pro 1899/1900. Bei der Synagoge Lindenstraße hat eine Etatsüberschreitnng um 204,86 Mark stattgesunden. Die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches hat einen Minderverbrauch von 3176.87 Mark auszuweisen. Der Etat des II. Waisenhauses in Pankow schließt mit einem Mehrverbrauch von 3857,77 Mark ab, doch ist hierin ein seit längerer Zeit bestehendes Defizit mit eingerechnet. Das Waisenhaus ist nur ans 50 Zöglinge eingerichtet, in den beiden letzten Jahren waren jedoch 54 resp. 55 Knaben im Institut. Der Verpflegungssatz stellte sich für jeden Zögling pro Tag aus 54,4 Pfennig. Der Rechnungsabschluß der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten ergiebt einen Minderverbrauch von 68 574,20 Mark. Die Gärtnerei in der Schönhauser Allee, die der Gemeindeverwaltung selbst unterstehe, habe, wie der Referent ausführt, allein einen Ueberschnß von 44 624,15 Mark ergeben. Die Pacht auf dem Friedhofe Weißensee betrage nur 30 890 M. Deshalb müsse entweder die Pacht erhöht werden, oder die Gemeinde habe die Pflicht, die Gärtnerei ebenfalls in eigene Verwaltung zu nehmen. An Allsständen für nicht bezahlte Beerdigungen seien in Weißensee 24 956 Mark, auf dem Friedhofe Schönhauser Allee 366 Mark, an Kosten seien 3352 Mark niedergeschlagen. Die Sterbeziffer habe in: Berichtsjahr an Männern und Frauen 1414 gegen 1274 im Vorjahre betragen. Die Zahlen der Centralstelle für die Wohlthätigkeitsanstalten bleiben unverständlich. Herr Leonhard Sachs giebt alsdann einen sehr aussührlichen Bericht über die Armenkommission, deren umfassende Thätigkeit wir bereits an der Hand des gedruckten Jahres berichtes gewürdigt haben. Kommerzienrath Friedländer giebt endlich noch einen sehr eingehenden Bericht über das Reichenheimsche Waisenhaus, das mit einem Minderverbrauch von 5097,39 M. abschließt. Der Minderverbrauch erklärt sich zum großen Theile aus Ersparungen an der Verpflegung. Prof. Baginsky hält es für sehr wünschenswerth. daß man nunniehr mit dem Verpflegungssatz nicht noch tiefer und tiefer herabgehe. Eine gewisse Grenze müsse bleiben, unter welche die Ernährung für Kinder nicht herabgehen dürfe. Er würde, eine eingehende Prüfung dieser Verhältnisse im Waisenhause empfehlen. Pros. Blaschke hält die Ausführungen Baginskys nnr für prophylaktisch und vertheidigt die gute technische Verwaltung im Waisenhause. Er habe bei keinem Zögling eine „verrütherische Bläffe" entdecken können. Auch Herr Solmitz stellt fest, daß gegen das Vorjahr kein Minderverbrauch in der Verpflegung stattgefunden habe. Prof. Baginsky bittet noch einmal, zur genauen Beurtheilung eine Aufstellung der Eruährungsqnantitäten nach wissenschaftlichen Prinzipien, nach Kategorien, veranlassen zu wollen. Die Berichte über die Synagoge Lützorvstraße. die Waisenkommission und die Qnellbadverwaltung werden wegen Abwesenheit der Referenten von der Tagesordnung abgesetzt, welche damit für die öffentliche Sitzung erschöpft ist.

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