Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 43 (26.10.1900)
- Date
- 1900-10-26
- Page
- Seite 516 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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51ft .,Mein Kind, das mag ein Höherer entscheiden. An im* i|Y3 nicht, )o zu fragen, wir müssen nur unsere Pflicht thun und helfen, so diel in unserer Macht steht. Kommen Sie morgen wieder mit hierher?" „Genus;". „Dann also auf Wiedersehen".- (Forts, folgt.) Lrtlerarrfche Mittheilungen. — Es scheint uns kein richtiges Prinzip und hieße nur in den Fehler unserer Gegner verfallen, wenn wir bei der Auswahl belletristischer Bücher und Zeitschriften, die keine politische oder konfessionelle Tendenz verfolgen, solchen, die von Inden verfaßt oder redigirt sind, schon aus diesem Grunde vor anderen den Vorzug geben sollten, ohne erst nach ihrem künstlerischen und litterarischen Werthe zu fragen. Anders jedoch stellt sich die Sache, wenn es sich um Erscheinungen dieser Art handelt, die an sich das Gediegenste zu leisten an streben und selbst den strengsten Anforderungen genügen können. Sie dürfen lvir dann unseren Lesern mit besonderen: Nachdruck empfehlen und lenken darum ihre Aufmerksamkeit heute aus die von Karl Emil Franzos (im Verlage der Concordia, Deutsche Verlags-Anstalt in Berlin W 10) herausgegebene Zeitschrift „Deutsche Dichtung", die eben ihren XXIX. Band eröffnet hat. Dem Programme der Zeitschrift gemäß, ein Unterhaltungsblatt vornehmsten Stils und eine Heimstätte der künstlerischen Produktion in Vers und Prosa, gleichzeitig aber ein ernsthaftes Litteraturblatt zu sein, bietet dieses, wie das seither gleichfalls erschienene Heft vom 1b. Oktober eine Fülle von Beiträgen der hervorragendsten Dichter und Schriststeller der Gegenwart. An Novellen enthalten die Hefte eine psychologisch fesselnde kürzere Arbeit von Leo Hildeck „Sonnennähe" und eine größere, fein abgetönte Erzählung aus norddeutschem Leben von Georg Bormann „Das Tröstliche". Ferner eine lebensvolle Skizze „Im neuen Thiergarten" von Wanda von Bartels. Die dramatische Dichtung vertritt diesmal Adolf Wilbrandt mit seinem Schauspiel „Der Herzog". Lyrische und epische Dichtungen haben Paul Heyse. Wilhelm Jensen, Ernst Eckstein, Ludwig Fulda. Adalbert Meinhardt, Hugo Salus. Friedrich Adler, Alfred K l a a r, Adalbert von H a n st e i n und viele jüngere Talente, Aphorismen Karl Emil Franzos, Paul Nicolaus Coßmann. Hans Roeder und andere beigesteuert. Au Essays bieten die Hefte zwei werthvolle Gaben von aktuellem Interesse, eine Studie von Otto Hauser „Die chinesische Lyrik", welche diese Dichtung unter Beifügung zahlreicher Proben zum ersten Male klar und anschaulich charakterisirt, und eine Studie von Professor DrYAdolf Haussen „Das deutsche Volksthum in Böhmen". Aber auch der litterar-historische Theil steht in diesen beiden Heften auf voller Höhe und enthält Beiträge, die unsere Leser schon durch die darin behandelten Dichter besonders interessiren dürsten: eine Studie „Zu Heines Gedichten", die interessante Einzelheiten über seine Lieder mittheilt, und eine Reihe von Briefen von Berthold Auerbach an Max Ring aus den Jahren 1852 und 1853, die sich mit Auerbachs Roman „Neues Leben" und seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten" beschäftigen und einen Liefen Einblick in sein künstlerisches Wesen gewähren. Litterarische Notizen u. s. w. schließen dieses Hefts der bewährten Zeitschrift, die bei relativ bescheidenem Preise (vierteljährlich 4 Mark bei sechs starken Heften) stets vieles und gutes zu bieten bemüht ist. Probebogen sendet der Verlag gratis. L. — Von Kohut's Geschichte der deutschen Iuden, illustrirt von Th. Kutschmann (Deutscher Verlag, Berlin SW.), ist soeben eine neue Subskription in 26 Lieferungen ä 75 Pf. eröffnet worden. Die erste Lieferung liegt uns vor, und wir müssen gestehen, daß die Ausstattung derselben, was Druck und Illustrationen anbelangt, eine selten schöne, wirklich vornehme ist. Ein solch' prächtiges Familienbuch darf in keinem jüdischen Hause fehlen, umsomehr, als die Anschaffung desselben jetzt durch die billige Lieferungsausgabe auch den weniger Bemittelten ermöglicht ist. Wir wünschen dem Werke die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen. Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! in kleines Erlebniß von meiner griechischen Reise wird Ihre (s& Leser sicher interessiren. In dem äußerst primitiven Dorfwirthshaus von Tsepsteremini, von wo aus man die Stadt Messene und den Berg Jthome besteigt, fand ich einen bunten Holzschnitt an der Wand, die oben die Stiftshütte mit den Engeln zeigte, darunter die großen hebräischen Worte VffläW hierunter die Klagemaner mit betenden Inden, flankirt von großen Bildern Moses und Aarons; alles umgeben von zahlreichen hebräischen und deutschen Bibelverseu. die aber zu klein gedruckt waren, als daß ich sie lesen konnte. Auf mein Befragen sagte der Wirth, solche Bilder seien in der nahen Hafenstadt Kalamä vor Jahren durch einen Hausirer verkauft worden offenbar von einem Juden. Dieses Bild inmitten der Fustanella tragenden Hellenen, gegenüber von Heiligennnd Muttergottesbildern machte einen zu wunderlichen Eindruck, als daß ich Ihnen solchen nicht mittheilen sollte. Athen, im Oktober. Mit bestem Gruß Ihr Martin Philippson. $ Geehrter Herr Redakteur! n der Ausstellung der armees de terre und de mer in Paris ist eine wunderschöne Sammlung alter deutscher und preußischer Uniformen aus Wachsfiguren ausgestellt. Darunter befindet sich in einem Schrank mit der Ueberschrift 1689—1739 eine Uniform, aus welcher zweifellos die preußische Garde du corps-Uniform entstanden ist. Dieselbe hat nur statt des Adlerhelms von heute einen Dreimaster. Diese Figur hat auf der Brust einen Stern mit der Inschrift: nifP Der Stern gleicht sonst ganz unserem jetzigen preußischen Gardestern, nur daß dieser innen den schwarzen Adler hat. Ich zweifle nich daran, daß die Notiz den Rest der Besucher der Ausstellung und alle Ihre Leser sehr interessiren wird. Das historische Material darüber wird zu erkunden sein. Berlin, 19. Oktober. Mit bestem Gruß Dr. Georg Minden. * Sehr geehrter Herr Redakteur! n der von der Aeademie fran^aise preisgekrönten „Geschichte des Philanthropinismus" von A. Pinloche, ordentl. Professor an der Universität Lille, finde ich in der Charakteristik Salzmanns eine Mittheilung. die uns den großen Pädagogen noch werther machen dürfte. Die Note des Verfassers zu dieser Stelle erregt jedoch einiges Befremden. Es wäre mir darum sehr angenehm, von einem der wertsten Leser Ihrer geschätzten Zeitung etwas Näheres über den erwähnten Rabbi zu erfahren; die unten wiedergegebene höhnische Frage Pinloches muß zur Erforschung des wahren Thatverhalts anreizen. Salzmann, der von 1781—1784 Lehrer und Prediger am Philanthropin in Dessau war, verkehrte öffentlich mit den Dessauer Juden, eine für jene Zeit unerhörte Thatsache. Er war, erzählt Pinloche, der erste, der zu dem Rabbiner Nathan eilte, um ihm, seinem Freunde, die freudige Botschaft von dem Edikt zu überbringen, durch welches Kaiser Joseph II. seinen jüdischen Unterthanen neue Freiheiten gewährte. An diesen Bericht knüpft Pinloche folgende Bemerkung: „Er muß übrigens nicht wenig überrascht gewesen sein, als der Rabbiner ihm antwortete, daß ihn diese Nachricht nicht so sehr erfreue wie ör glaube, weil jede Maßnahme, die dahin abziele, die Israeliten wie ihre Mitbürger zu behandeln, nur ihre Anhänglichkeit an den Glauben ihrer Väter verringern könne. — Ob Salzmann die tiefe Kluft, die ihn von dem Rabbi trennte, wohl erschaut hat?" Hamburg, 5. Oktober. Jos. Feiner. Lriefkasten der Redaktion.?? Das Buch von Josef Lauff, auf das Sie sich beziehen, ist noch nicht erschienen. 8. J. in K. Einbanddecken zur „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" giebt es nicht. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.